Zwei interessante Ausstellungen in Essen Frohnhausen

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Essen Frohnhausen liegt ganz nah an der B1 und trotzdem hat es mich bislang nicht sonderlich interessiert. Am vorletzten Sonntag jedoch habe ich mich aufgemacht, diesen Stadtteil näher in Augenschein zu nehmen. Es gibt dort nämlich 2 Orte die zu Zeit mit Sicherheit eine Reise wert sind: Die Notkirche der Apostelgemeinde und die kleine aber feine Galerie Clowns&Pferde. Vom öffentlichen Kunstraum Notkirche an der Mülheimer Straße 70 hatte ich schon gehört, auf die private Galerie bin ich jedoch per Zufall gestoßen. Wer vermutet so was in Frohnhausen.

Sie ist auch noch nicht lange dort, ganz in der Nähe der Apostelkirche, an der Frankfurter Straße 33. Die beiden Inhaber sind Oscar Ledesma, geboren in Mexiko Stadt und Bianca Wickinghoff, geboren in Essen. Sie  präsentieren im Moment Fotos des Esseners Matthias Tränkle sowie ihre eigenen Media-Installationen. Öffnungszeiten :  Mi, Fr, Sa jeweils von 18-20 Uhr und nach Vereinbarung Ausstellungsdauer: 8.02-15.03

Im Kunstraum Notkirche geht es weniger künstlerisch, dafür aber mindestens genauso interessant zu. Die dortige Ausstellung trägt den Titel „Lebensqualität im Ruhrgebiet – für alle?“ Hier wird sehr anschaulich und auf aktuellen Statistiken basierend die zunehmende soziale Spaltung des Ruhrgebietes aufgezeigt. Im Norden mehrheitlich arm, migrationsbestimmt, bildungsfern aber jung. Im Süden mehrheitlich betucht, weitgehend migrationsfrei, gebildet aber überaltert. Die Öffnungszeiten: Di-Fr 10-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So 11.30-13 Uhr, Führung Sa 15 Uhr Ausstellungsdauer: 17.02 – 24.03

Links:

www.clownsundpferde.de

http://www.ekef.de/apostelzentrum/einrichtungen/kunstraum-notkirche/aktuelle-ausstellungen/

16 Kommentare

Was für mich wohl ein Rätsel bleiben wird: Warum ziehen die Gebildeten nicht in die migrationsbestimmten Viertel? Stattdessen verharren sie in ihren monokulturellen Einöden. Warum tun die sich das an?

@ Paule T. # 2

Sorry, und Danke. Ein Flüchtigkeitsfehler der einem Ruhri wie mir allerdings nicht hätte passieren dürfen.Habe ich korregiert!

@ Jeriari #3

Nichts für Ungut, aber bei den sogenannten Bildungsfernen scheint die “Inzucht” nicht geringer zu sein. Allerdings nicht mit der Tendenz zum Aussterben. 😉

@ Robert #1

Das ist eine spannende Frage. Am 7.3. ab 19.30 Uhr gibt es im Rahmen der Ausstellung in der Notkirche ein kleines Symposium mit interessanten Vorträgen. Da könnte man diese Frage mal öffentlich diskutieren.

@Arnold

danke für den Hinweis, vielleicht schaue ich mir das wirklich mal an. Ob ich der richtige Mann für eine öffentliche Diskussion bin ist allerdings fraglich. Ich bin nämlich nicht besonders gebildet, entsprechend schlecht ist meine Rhetorik und es mangelt mir an Eloquenz, ausserdem bin ich leicht erregbar, was die Sache dann nicht einfacher macht. Spätestens im dritten Satz sage ich irgendwas unüberlegtes und stehe dann als nerviger Störenfried da. Das kenne ich schon und es macht keinen Spaß.

@ Robert

Wenn man dich liest kann man das aber nicht glauben. Du solltest bei dieser Gelegenheit die Fotokunst von Matthias Tränkle in der Galerie Clowns&Pferde aber nicht verpassen. Und da brauchst du dann auch nicht öffentlich reden. 🙂

@ Robert (‘Was für mich wohl ein Rätsel bleiben wird: Warum ziehen die Gebildeten nicht in die migrationsbestimmten Viertel?’). Es mag dazu empirisch belegbares Material geben, aber ich vermute, dass vorallem in den letzten ca. 10 Jahren ein Grossteil der ‘Schuld’ bei den Kindern/Schulen zu suchen ist. Die Angst, dass Kinder schlechtere Bildungschancen haben, wenn sie mit zu vielen Migranten lernen ist tief verwurzelt und hat in den letzten Jahren ja deutlich zugenommen. Ich vermute zudem, dass sich ‘periphere Bildungsangebote’ (Nachhilfe, Sport, Musik…) ueberwiegend in den ‘monokulturellen Einoeden’ befinden und man nicht quer durch die Stadt die Kinder schippern moechte. Aber es gibt wahrscheinlich auch weitere Faktoren, die hier ja immer wieder mal angesprochen werden, also ein Lebensstil mit Bioladen, ‘sauberem Spielplatz’ und Nachtruhe nach 21:59 die viele nicht glauben in durchmischteren Stadtteilen finden zu koennen.

@ Robert: Ich denke das Vorurteile auf beiden Seiten zu finden sind, deshalb sollten Angebote geschaffen werden um Berührungsängste abzubauen; z. T. werden auch, meiner Meinung nach, durch die Berichterstattung in einigen Medien die Gräben vertieft.

Vollkommen richtig. Leider sind die Vorurteile teilweise so stark verwurzelt, dass selbst das nichts mehr nützt. Ein konkretes Beispiel: ich kenne einen Sozialpädagogen, der in einem Kindergarten in der Nordstadt arbeitet. Der fährt jeden Tag sage und schreibe 30km um seine eigenen Kinder in einen Kindergarten mit wenigen Migranten zu bringen. Obwohl er jeden Tag vom Gegenteil überzeugt wird, lassen seine Vorurteile ihn offenbar einfach nicht los.

Ein anderes noch krasseres Beispiel: Eine Bekannte von mir, die schon immer in der Nähe des Borsigplatzes gelebt hat und das Viertel liebt (Dortmunder Lokalpatriotismus, man kennt das 😉 war einfach nicht von der fixen Idee abzubringen, dass ihr Kind im Kindergarten brutal gemobbt wird und keins der anderen Kinder Deutsch spricht. Sie ist dann weggezogen.

Wie wollen Sie diese verkrusteten Strukturen im Denken jemals aufbrechen?

Ich lese hier Beiträge von Leuten, denen das auch gelungen ist. Man mag mich für einen grenzenlosen Optimisten halten, aber vielleicht führen Veränderungen, die jeder in seinem privaten Umfeld erreicht und eine gehörige Portion Zeit doch zu einer Annäherung; es wäre gewiss eine Bereicherung für beide Seiten und für die gesamte Gesellschaft überall auf unserem Planeten.

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