Antiisraelische Propaganda bei Veranstaltung der ESG-Düsseldorf?

Screenshot des Ankündigungsfotos der Veranstaltung auf der ESG-Düsseldorf Facebookseite.
Screenshot des Ankündigungsfotos der Veranstaltung auf der ESG-Düsseldorf Facebookseite.

Besucher berichten von “antiisraelischer Hetze” im Laufe der Veranstaltung.

Es ist ein heftiger Vorwurf, den Besucher einer Veranstaltung über Palästina der Evangelischen Studierendengemeinde Düsseldorf erheben. Bei der am vergangenen Mittwoch stattgefundenen Veranstaltung sollte, so hieß es in der Ankündigung, der Redner namens Said „über die Geschichte, aktuelle Situation und Zukunft Palästinas“ sprechen und „seine Heimat in einem Vortrag mit Bildern und Videos“ vorstellen. Zuhörer, die sich an Ruhrbarone.de wandten, waren von der Veranstaltung allerdings geschockt. Der Redner habe „antiisraelische Hetzte im Verlauf dieses Events“ verbreitet, erzählt zum Beispiel Marc Laferriere, der bei dem Vortrag anwesend war. So habe der Redner unter anderem behauptet, „dass mehrere arabische Regierungen gestürzt wurden, um Israels Stabilität zu sichern und der arabische Frühling nur vom Westen inszeniert sei.“ Auch habe der Referent gesagt, dass der Islamische Staat von der USA und Israel gegründet und finanziert worden sei und ein „weiteres Machtinstrument Israels wäre“, schildert Laferriere.

Victoria A., die ihren vollen Namen nicht in dem Artikel lesen will, erzählt von der Veranstaltung: „Auf die Frage, ob er Hamas als eine Terrororganisation verurteilen würde, antwortete er: ‘In meinen Augen kann kein Palästinenser Terrorist sein.’“ Er habe nichts gegen Juden aber „gegen Zionisten, die Israel auf Kosten eines andern Staates aufgebaut haben’“, soll der Referent laut Victoria gesagt haben. Außerdem, so schildert es Victoria weiter, habe der Redner Hamas-Raketen während des Gaza-Konflikts 2014 verharmlost. „Es ist, als ob ich diese Apfelschorle auf dich schmeißen würde. Das ist gar nichts“, soll er außerdem gesagt haben.

Als das Thema Checkpoints aufkam, erzählt Victoria weiter, habe der Redner behauptet, dass die letzten Messerattentate gegen die israelische Bevölkerung inszeniert seien. „Einfach absurd wie man so etwas unterstellen kann“, sagt sie.

“Das entspricht nicht unserer Meinung”

Prof. Dr. Nicola Stricker, Leiterin der ESG Düsseldorf, war selbst nicht bei der Veranstaltung anwesend. Angesprochen auf die Äußerungen über den Islamischen Staat, die der Referent von sich gegeben haben soll, sagt sie aber: „Das entspricht nicht unserer Meinung. Persönlich habe ich für Verschwörungstheorien egal welcher Couleur nichts übrig.  Sogenannte Länderabende seien persönliche Berichte über die Situation in einer Region. „Sie sind keine Expertenberichte und unterliegen nicht dem Anspruch der Objektivität“, so Prof. Dr. Stricker. „In diesem Fall wird wohl ein Palästinenser die Lage anders darstellen als ein Israeli.“ Die Veranstaltung habe sich natürlich nicht gegen Israel gerichtet. Israel Existenzberechtigung sei nicht nur für sie persönlich, „sondern für die gesamte Evangelische Kirche im Rheinland theologisch und politisch unantastbar“. Die Hamas sei als Terrororganisation einzustufen, sagt Prof. Dr. Stricker.

Wenn die Berichte über die Veranstaltung stimmen, scheint der Vortrag deutlich von dem abzuweichen, was man als Selbstverständnis bei der ESG Düsseldorf vertritt. Marc Laferriere findet nicht, dass in dem Vortrag nur Israelkritik geäußert wurde: „Israel die Schuld am Arabischen Frühling oder die Gründung des Islamischen Staates vorzuwerfen hat nichts mit Kritik an dem Staat Israel zu tun, die angemessen geäußert werden darf und muss.”

1 Kommentar

„Sie sind keine Expertenberichte und unterliegen nicht dem Anspruch der Objektivität“, so Prof. Dr. Stricker. „In diesem Fall wird wohl ein Palästinenser die Lage anders darstellen als ein Israeli.“
Gut evangelisch-politisches Handwerk: Erst anti-semitische Hetzer einladen, um dann Lippenbekenntnisse abzugeben.
Wann können wir denn mit dem Länderabend NRW rechnen, an dem dann Klein-Ridder und ähnlich denkende von der Rechtsfront auftreten, die "…die Lage anders darstellen…"?
Auch ein Länderabend Saudi-Arabien oder Afghanistan fände bestimmt Anklang.

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