“Zielgerichtete Streuung von Fehlinformationen”

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Aladin El-Mafaalani

Rechte Gruppen nutzen eine Grafik des Münsteraner Politik-Professors Aladin El-Mafaalani um gegen Migranten zu hetzen.  

Ruhrbarone: Es wird eine Abbildung in Blogs, bei Facebook und mittlerweile auchaus gedruckt verwendet, die angeblich die Ergebnisse einer von Ihnen durchgeführten Studie beinhaltet. Haben Sie diese Abbildung zur Verwendung freigegeben?

Aladin El-Mafaalani: Nein, freigegeben habe ich die Abbildung nicht. Mich hat auch niemand angefragt. Darauf aufmerksam geworden bin ich dadurch, dass mich in den letzten Wochen viele E-Mails erreicht haben, in denen mir mitgeteilt wurde, dass diese Abbildung verwendet werde – im Internet, aber auch als Handzettel in Briefkästen. Es handelt sich um eine Abbildung aus einem Vortrag, den ich an der Universität Stuttgart gehalten habe. Erstens handelt es sich nicht um eine Studie, sondern um eine Zusammenstellung von offiziellen Daten von Landesämtern und vom Bundesamt für Statistik. Zweitens sind diese Folien auch online über die Uni Stuttgart abrufbar.

Anonymes Flugblatt mit Statistik
Anonymes Flugblatt mit Statistik

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Ruhrbarone: Stimmen die Daten auf der Abbildung? Es wird mit dieser Abbildung die Behauptung verbreitet, dass die Politik die Bevölkerung falsch informiere.

Aladin El-Mafaalani: Das ist absurd. Wie gesagt, handelt es sich um eine von mir zusammengestellte Abbildung offizieller Daten. Diese Daten werden zum Beispiel auch regelmäßig vom der Bundeszentrale für politische Bildung online veröffentlicht. Diese Bundeszentrale ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. Für Deutschland gilt nach wie vor: Etwa 20% der Menschen haben nach der amtlichen Definition einen Migrationshintergrund. Weniger als die Hälfte davon sind ausländische Staatsbürger, also etwa 9% der in Deutschland lebenden Menschen können als Ausländer bezeichnet werden. Bei Kindern ist der Anteil derjenigen mit Migrationshintergrund etwa ein Drittel.

Ruhrbarone: Die Anteile in der Abbildung sind aber wesentlich höher.

El-Mafaalani: In der Überschrift steht ja: „Wo leben viele Menschen mit Migrationshintergrund?“ Aus diesen Daten kann man Folgendes erkennen: Erstens sind es westdeutsche Großstädte, in denen der Anteil überdurchschnittlich hoch ist. Zweitens sind es relativ wohlhabende Städte wie Frankfurt, Stuttgart und München, in denen der Anteil am höchsten ist. Überhaupt sind die Werte für Menschen mit Migrationshintergrund in süddeutschen Großstädten höher als beispielsweise in den Städten des Ruhrgebiets oder in Berlin und Hamburg. In ländlichen Regionen und in Ostdeutschland sind die Werte am geringsten. Die wirtschaftlich stärksten Städte Deutschlands sind die internationalsten und nicht etwa die strukturschwachen Regionen, zu denen man auch unsere Hauptstadt zählen kann. Wenn ein hoher Migrantenanteil automatisch zu Problemen führen würde, dann müssten die größten Probleme in München oder Stuttgart zu finden sein. Genau das ist aber nicht der Fall. Das soll die Abbildung zeigen, nicht mehr und nicht weniger.

Ruhrbarone: Nun wird mit der Abbildung auch auf die Gefahr der Überfremdung hingewiesen. Was halten Sie davon?

El-Mafaalani: Gegenfrage: Sind München oder Stuttgart überfremdet? Es wird von bestimmten Akteuren propagiert, dass Menschen mit Migrationshintergrund Fremde seien. Aber: Von den ca. 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund kommen fast 70% aus einem europäischen Land – hiervon über die Hälfte aus der Europäischen Union. Die vier häufigsten Herkunftsländer der 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund sind Türkei (17,4% aller Menschen mit Migrationshintergrund), Polen (9,9%), Russland (7,3%) und Italien (4,7%). Über die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund sind deutsche Staatsbürger. „Überfremdung“ kann kein Fakt sein, sondern ist wenn überhaupt eine Interpretation von Daten. Aber zumindest sollte die Datengrundlage dieser Interpretation stimmen. Diese Daten sind vom Bundesamt für Statistik im Jahr 2015 veröffentlicht worden.

Ruhrbarone: Bereitet Ihnen die Fehlinterpretation ihrer Abbildung, die ja sehr weite Kreise gezogen hat, Sorgen?

El-Mafaalani: Nun, ich bin doch erstaunt, dass gerade diejenigen, die sich selbst als Kritiker von Politik und Medien sehen, enorm leichtfertig mit Fakten umgehen. Praktisch alles, was in Zusammenhang mit der Abbildung verbreitet wird, ist einfach falsch. Insbesondere kann die Abbildung kein Beleg für Fehlinformationen sein, denn die Daten kommen von offiziellen Behörden und sind frei zugänglich. Das ist sicher zum Teil ein Ausdruck von Unkenntnis und Inkompetenz. Zum Teil ist es aber auch eine zielgerichtete Streuung von Fehlinformationen. Und ich denke auch, dass es viele Menschen gibt, die jeden noch so absurden Hinweis auf eine Verschwörung aufgreifen. Anlass zur Sorge sollte das sein.

31 Kommentare

Ohne die Grafik zu kennen, ist es schwierig die dargestellten Behauptungen zu hinterfragen. Dass Daten unterschiedlich interpretiert werden können, sollte gerade einem Wissenschaftler geläufig sein. Verschwörungstheorien werden imO ehw befördert, wenn man die eigene Interpretation als sakrosant darstellt und andere Perspektiven unterdrückt.

@All: Ich hab jetzt ein Flugblatt mit der Grafik eingefügt. Danke für die Hinweise, hätte ich sofort machen sollen.

Danke für die Graphiken.

Natürlich kann man versuchen, die Inhalte zu googeln. Aber dann ist man nie sicher, ob das wirklich die kontroversen Folien sind.

Und um vorbeugend für Diejenigen, denen Statistik bildungsbedingt schon immer ein schlimmes Teufelszeuch war, auch den "Wirrwar" um Herkunft der Originaldaten zu lösen sowie die offizielle Begriffsdifferenzierung zwischen "Migranten" und Ausländer" zu erklären, hier die sekundenschnell gegoogelten Originaldaten mit den "10%", um die es geht:
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/AuslaendBevoelkerung2010200127004.pdf?__blob=publicationFile

Statistiken und ihre Interpretation.
Es werden immer mehr Daten veröffentlicht. Damit ist es auch möglich, einfach Statitiken zu erstellen.
Durch geschickte Wahl der Gruppierungen, Zeiten , Darstellungsformen etc. kann so ziemlich alles "bewiesen" werden.
Es wird deshalb immer wichtiger, dass an den Schulen Fähigkeiten vermittelt werden, diese Daten zu interpretieren.
Wenn ich an viele Überschriften der letzten Zeit denke, gibt es hier auch im Journalismus einen hohen Nachholbedarf. Ich habe zu oft erlebt, dass Statistiken in vielen Medien immer wieder auf der gleichen Art aus meiner Sicht mit der falschen Überschrift versehen werden.

@ke: Zur formellen Unterscheidung zwischen "Menschen mit Migrationshintergrund" und "Ausländern i.S.d. Aufenthaltsgesetzes" braucht man meines Wissens noch nicht mal einen Hauptschulabschluss. Für die braunen Hetz-Autoren dieser "Wurfsendung" ist aber selbst das noch zu hoch.

@10: Mit dem Begriff "Menschen mit Migrationshintergrund, "insbesondere "im weiteren Sinne", kann ich nichts Anfangen.
Für mich ist diese Definition ohne Wert.
Was soll sie aussagen?
Aus meiner Lebenserfahrung kann ich keinen Sinn erkennen. Für eine Gruppenbildung gibt es meiner Meinung nach viele sinnvollere Kriterien als dieses.

Vielleicht sollte sich ElMaafalani von der sehr weit gefassten und dehnbaren Begrifflichkeit "Migrationshintergrund" lösen.

Da, wo viele Menschen mit sog.Migrationshintergrund leben, spielt dieser Umstand eine deutlich geringere Rolle als in Gebieten, in denen kaum Menschen mit sog.Migrationshintergrund leben. Zwar gibt es auch in Gebieten mit hohem Anteil an Menschen mit sog. Migrationshintergrund diesen gegenüber Benachteiligungen in allen relevanten Lebensbereichen, allerdings sind die Alternativen und Chancen dennoch größer. Afrikaner oder Araber oder türkischstämmige Menschen fallen nicht mehr sonderlich auf, sondern gehören zum normalen Alltag -das ist auch gut so.

Warum also werden diese Zahlen dann kolportiert, unabhängig davon, dass der größte Teil der "Migrstionshintergründler" ohnehin in Deutschland geboren wurde oder seit Jahrzehnten hier iseinen Lebensmittelpunkt hat..

Was ist nun das Interesse des Wissenschaftlers ElMaafalani, in seinem Vortrag ein biologisch determiniertes Merkmal hervorzuheben, das letztlich überhaupt keine weiteren Schlussfolgerungen zulässt?

Vielleicht sollte ElMafaalani beginnen, sich kritisch mit seinem bevorzugten Forschungsbereich dahingehend auseinandersetzen , dass er im Gegenteil zu seinen Absichten möglicherweise zur Verfestigung von Klischeebildungen beiträgt, indem er ständig das vielfach normal gewordene Zusammenleben in Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aufteilt.

Menschen mit sog.Migrationshintergrund stellen inzwischen keine homogene Gruppe mehr dar, die mehrere prägende und relevante Merkmale auf sich vereinen würden. Auch wenn es prozentual sicherlich immer noch zu wenige in Spitzenpositionen der Gesellschaft schaffen, unterscheiden sie sich vielfach nur noch durch äußere Merkmale . Und das ist dann eher weniger Gegenstand sozialwissenschaftlichen Forschung.

Insofern sollte ElMafaalani die jetzt eingetretene Situation zum Anlass nehmen.den Wissenschaftsbetrieb im Bereich der Migrationsfordchung.dem er selbst angehört, zu hinterfragen und damit aufhören, Menschen nach biologistischen Kriterien in solche mit und ohne Migrationshintergrund wissenschaftlich auseinanderzudividieren .

Es gilt, Benachteiligungen zu verhindern. Menschen sind gleich zu behandeln.

Warum tut man dann in dem Bereich so viel, um viele Merkmale zu finden, um Untergruppen zu bilden?

Btw: Im aktuellen "Wir hnd heute" gibt es ein paar Erläuterungen zu den Statistiken im Bereich der Insolvenzen. Danke an das Team, auch wenn ich mich als Audio-Zuhörer benachteiligt fühle, dass sich das Abschlussstatement nur an die Nutzer einer Video-Plattform richtet.
Ich muss wohl eine IG Männliche Audionutzer gründen, die dann für die Gleichbehandlung aller Medien eintritt. Vielleicht wird dann das Engagement sogar vom Staat gefördert.

@Mike: Und nochmal für Sie – die Datengrundlage für El-Mafaalanis Präsentation stammt nicht von ihm, sondern von offizieller Seite deutscher Behörden und unterscheidet *nicht* "biologisch", sondern in der formellen, jetzigen Staatszugehörigkeit. Das unsägliche Flugblatt "interpretiert" diese Zahlen bzw. lügt sich Zusammenhänge für populistische Stimmungsmache zurecht, nicht El-Mafaalani.

@Lehmann

Das habe ich schon verstanden, es spielt in diesem Falle keine Rolle, woher die Datenbasis stammt, sondern wer diese wie in welchem Zusammenhang nutzt.

Nur-Das ist schwerlich zu beurteilen, da der Kontext und das gesprochene Wort nun hier nicht genügend bekannt ist.

Meine Kritik war diejenige, dass in der Migrstionsdebatte Unterschiede-und zwar nicht nur aufenthalts-oder stastsangerhörigkeitsrechtlixhe , sondern auch -biologische-betont werden, die zum einen in US-amerikanischen Forschungen schon seit 50 Jahren ausgearbeitet wurden, nun aber nicht mehr von Relevanz sind.
.Deutschland ist -nichr erst seit den sechziger Jahres des ketzten Jahrhunderts-l ängst ein EinwavderungsLand geworden und die Gesellschaft wie die Zuwanderer begreifen das als Nomalitt.

Die Debatte wird letztlich von rechten Kräften bestimmt,von denen sich eben nicht nur die Politik, sondern auch die Wissenschaft vor sich hertreiben lässt um seriöse Gegenargumentationen und Antworten zu geben.

Das Problem hierbei- die Rechten und ihre Anhängerschaft, die zum Teil inzwischen bis in die bürgerliche Mitte reicht, sind an objektiven Fakten und Zahlen nicht interessiert-Sie versuchen es über Ängste, Emotionen und die Betonung von biologischen Unterschieden. Wie Hautfarbe oder sonstige Äußerlichkeiten und schaffen somit -rassistidche-Stereotypisierungen .
Migrationshintergrund bedeutet für diese "Andersartigkeit", Fremdbestimmung, Bedrohung.
Da kann Wissenschaft liefern, was sie will-es ändert an diesen kruden Weltbilder nichts.

Vielleicht wäre das auch mal ein Anlass, über diese unsinnge Kategorie "mit Migrationshintergrund" zu diskutieren. Das Kind eines Deutschen und einer Deutschen, die mit fünf Jahren aus der Sowjetunion eingewandert ist, hat Migrationshintergrund. Die Kinder dieses Kindes werden ebenfalls Migrationshintergrund haben, sich aber ganz selbstverständlich als Deutsche sehen. Dennoch werden sie Futter sein für solche "Überfremdungsstatistiken".
Jemand, der kulturell und sprachlich fest in einer anderen Kultur (z. B. türkisch, arabisch, westafrikanisch) verankert ist, hat aber keinen Migrationshintergrund mehr, wenn er in vierter Generation Deutscher ist, auch wenn er sich nicht als Deutscher sieht. Hier verliert die Aussage, ob Migrationshintergrund vorliegt oder nicht, dann an Aussagekraft. Der Economist hat das mal treffend als in ganz Europa die schlechteste Art, Ethnizität zu klassifizieren, bezeichnet: http://www.economist.com/news/europe/21699473-all-ways-european-countries-classify-ethnicity-germanys-may-be-worst-name-date

Zur Definition Migrationshintergrund habe ich mich bereits geäußert.
Bei der Analyse nach: "Folge dem Geld" gilt:

Mehr Migrationshintergrund => mehr angebliche Benachteiligung => mehr Förderung

Wer hat jetzt wohl ein Interesse daran, dass die erste Größe steigt?

@kE: Sie verwechseln nicht zufällig Migration mit HartzIV oder was sollte Ihre persönliche "Analyse" an Erkenntnissen bringen?

@19:
In den Kommentaren wurde nicht nur von mir der Begriff Migrationshintergrund hinterfragt.

Ich beziehe mich hier insbesondere auf Migrationshintergrund im "weiteren Sinne". Es werden wissenschaftliche Analysen mit dieser Gruppe durchgeführt und viele Förderprogramme aufgelegt.

Für mich stellt sich die Frage, ob dieser Begriff bzw. die definierte Menschengruppe geeignet ist, Situationen zu beschreiben, bzw. Förderprogramme etc. aufzulegen. Das Förderprogramme/Forschungen gleichzeitig Einkommen bzw. Prestige bedeuten, sollte klar sein.

Ich erinnere mich bspw. an Schulpaten für Kinder mit Migrationshintergrund. Grundsätzlich ist es eine gute Idee, Praktiker/Paten mit Schulkinder in Verbindung zu bringen. Nur was soll diese Teilmenge? Die Gruppe ist zu heterogen. Ebenso nervt es mich, dass Migrationshintergrund zu oft mit "kaum Chancen" etc. gleich gesetzt wird. Das gilt auch für "sozial schwach".

Fördert Menschen, die einen Bedarf haben, aber legt die Programme nicht für bestimmte Gruppen aus. Das spaltet, löst aber keine Probleme.

Ein imaginäres Programm "großer Bruder"/"große Schwester" in dem junge Erwachsene jüngere Kinder mit Erfahrungen zur Seite stehen, kann für alle Kinder interessant sein. Nicht nur für sozial schwache Kinder. Wenn diese Gruppe dann noch im Fernsehen präsentiert wird, wird auch den Kindern schnell klar, dass sie für die Gesellschaft ein Problem haben, auch wenn sie sich bisher nicht als Problemkind betrachtet hatten.

Kurz: es gibt keinen Zusammenhang in meinem Beitrag zu H4. Aus meiner Sicht sogar nur einen sehr geringen zur Migration, obwohl ich über den Migrationshintergrund rede. Die Welt dreht sich für mich zu schnell und Migrationshintergrund umfasst zu große Zeiträume. Der Prozess Migration und Ankommen in der Gesellschaft sollte in 10 Jahren abgeschlossen sein können, wenn man sich auf die neue Gesellschaft einlässt. Ich stelle mir hierbei vor, bspw. nach Asien auszuwandern. D.h. eine komplett andere Kultur und andere Sprache.

@#20: Sie haben garantiert einen Hinweis/Link auf irgendein *konkretes* Förderprogramm zur Hand, in dem Gelder ohne Gegenleistung exklusiv aufgrund der Tatsache verteilt werden, dass die Empfänger einen Migrationshintergrund haben und dies auch offiziell so begründet wird?

@21:
Einfach mal suchen: Förderung / Migrationshintergrund

BTW: Ich habe auch von "Einkommen bzw. Prestige" gesprochen, um bspw. ehrenamtliches Engagement mit einzubeziehen.

Kern meiner Aussage ist, dass der Begriff in seiner Definition nicht sinnvoll ist. Hilfen für "Neue" sind sinnvoll, aber nach einer gewissen Zeit gibt es keinen Status Neuling mehr. Der Zeitraum, der im Bereich "Migrationshintergrund" verwendet wird, ist zu groß. Es müssen andere Kriterien greifen, wenn man Probleme bewältigen will.

Ist der Begriff "Migrationshintergrund" mit seiner Definition denn aus ihrer Sicht sinnvoll?

@#22: "Einfach mal suchen: Förderung / Migrationshintergrund"

Ich finde mit dieser Suche kein Projekt, welches ohne die Begründung (und damit der Voraussetzung) einer durch Migration bedingten Chancenungleichheit fördert. Ich finde aber auch kein Projekt, welches mit der Anmaßung startet, nach Beendigung hätte man ja keinen Migrationshintergrund mehr. Insofern ist eine wie auch immer geartete zeitliche Limitierung dieser – wenn auch sehr grob-global gefassten – Herkunftsbeschreibung sinnlos.

Man kann über die Künstlichkeit dieses Begriffes sicherlich streiten, aber solange Niemand einen neuen, passenderen Gruppenbegriff für diese Menschen erfindet, dient eine negierende Diskussion darüber nur dem aktuell-modischen Rechtspopulismus. Wo es Sinn macht und praktikabel ist, sollten sicherlich genaue Herkunftsbeschreibungen angewandt werden – was in der Realität (und nicht in den Medien) auch passiert, wenn man ebenso genau hinhört.

Zur gerade laufenden Diskussion- auch für die Wissenschaft gilt es, einen verantwortungsvollen Umgang mit Zahlen und deren Veröffentlichung zu pflegen. In dieser Ststistik, isoliert betrachtet, werden erst einmal sehr undifferenziert Zahlrn in Zusammenhang mit proportionaerl Bevölkerungs verteilung anhand des nun in der isolierten Betrachtung nicht definierten Merkmals "Migrationshintergrund" präsentiert

So erschließt sich der Zusammenhang und Sinn nunmal nicht-ob diese Statistik allerdings überhaupt einen Sinn ergibt, muss Prof.ElMafaalani schon selbst beantworten.

Was genau ist denn nun die "fehlinformation"? Die Zahlen sind doch offensichtlich korrekt wiedergegeben. Ob diese für eine "überfremdung" – bspw. in Stuttgart oder München – sprechen, ist dann ein individuelles Urteil.

@#24 Mike: Ich spekuliere mal, Sie haben in Ihrem Leben noch keine Folienpräsentation gemacht, oder? Sonst wüssten Sie, dass Folien und darauf abgebildete Zahlen "isoliert betrachtet" ohne den dazugehörigen Vortrag des Autors ziemlich sinnfrei sind.

@#25 Moritz Flesch: Der offensichtliche – und mehrfach im Artikel-Text erklärte – Unterschied zwischen ausländischen und deutschen Staatsangehörigen, der in dem braunen Pamphlet schlicht (im Sinne von "dumm", "ungebildet") ignoriert wird, scheint Ihnen echte Kopfschmerzen zu bereiten.

@23:
Wenn Migrationshintergrund in der aktuellen Definition als Kriterium genannt wird, ist das für mich eine schlechte Wahl.
Insbesondere wenn man sich die Zusammensetzung anschaut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Migrationshintergrund

Warum soll bspw. eine Person benachteiligt sein, nur weil ein Elternteil einen ausländischen Pass hat?

Die direkte Verknüpfung Migrationshintergrund <-> Förderbedarf/Benachteiligung ist für mich schädlich. Ich kenne viele Personen, die dem Kriterium entsprechen, bei denen es aber nicht möglich ist, auf irgendeine Benachteiligung bzw. auf einen Förderbedarf zu schließen.

Meinem Kopf geht es gut, herzlichen Dank für die Sorge!
Nichtsdestotrotz sehe ich keine fehlinformation. Es wird die Ausprägung einer klar definierbaren Eigenschaft (migrationshintergrund) beschrieben. Diese Ausprägungen sind auch für den Ersteller der Grafik relevant, sonst würde er sie nicht nutzen. Ob man diese Kategorisierung für sinnvoll interpretierbar hält, muss jeder Rezipient aus meiner Sicht selbst entscheiden. Genau das Gleiche gilt für die Frage der "Überfremdung".
Ggf. denke ich da allerdings in differenzierter und komplexer als Herr Lohmann. Für den steht Distinktionsgewinn im Vordergrund. Der ist in einer Welt, in der alle Andersdenkende "Nazis" und "Braune" sind, einfach sicherzustellen. 😀

@#30:
Das ist doch gar nicht so schwer, wie Sie es sich jetzt selbst machen wollen. Von einer "Überfremdung" schwallern braune Ideologen und Flugblätter, die offiziell seit längerem bekannte Zahlen zu einer "Überfremdungs"-Lüge verdrehen, ohne auf deren wirkliche Herkunft hinzuweisen und stattdessen die Originalquellen als Lügner diffamieren wollen. Spielchen erkannt, Nazis gebannt;-) Und "anders denken" als ihre 3rdReich-Vorfahren tun die nicht. Noch nicht mal "denken".

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