Wolfgang Werner und die Kunst des strategisch klugen Rückzugs

Dattelns scheidender  Bürgermeister Wolfgang Werner. Foto: Stadt Datteln
Dattelns scheidender Bürgermeister Wolfgang Werner. Foto: Stadt Datteln

Neben einer nötigen Portion Glück gehört zweifelsohne auch das richtige Gespür dazu seine politische Karriere im richtigen Moment zu beenden. Dies hat der Kreis Recklinghausen in den letzten Tagen zum Beispiel an der Person des scheidenden Dattelner Bürgermeisters Wolfgang Werner erlebt.

Obwohl Werner nun eine Stadt in großer Not, mit zahlreichen Problemen hinterließ, die mit den Großprojekten ‚Datteln 4‘ und NewPark auch noch einige Jahre beschäftigt sein wird, gelang Wolfgang Werner, einem der vielleicht umstrittensten Bürgermeister der Region, nun der ehrenvolle Rückzug aufs Altenteil. Schon bemerkenswert!

Dabei stehen der Stadt Datteln in nächster Zeit wahrlich noch große Probleme bevor, wichtige Entscheidungen müssen getroffen und auch verantwortet werden. Den 62-Jährigen wird das dann jedoch nur noch als ‚Hobby‘ interessieren. Den Job des Hauptverantwortlichen hinterließ er nach Jahren der intensiven Diskussion und des Streites nun einem Anderen. SPD-Kandidat André Dora setzte sich klar gegen seinen CDU-Widerpart Dr. Jürgen Wutschka durch. Werner selber, der bereits im Jahre 1999 nach internen Streitigkeiten die SPD verließ bzw. damals verlassen musste, trat zur Kommunalwahl 2014 als parteiloser Bürgermeister erst gar nicht mehr an. Zur ‚Belohnung‘ gab es für ihn nun ein großes Abschiedsfest mit zahlreichen Freunden und Weggefährten.

Für wahr wohl ein deutlich erfreulicherer Abgang als ihn z.B. die langjährige Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe (SPD) im benachbarten Waltrop gerade erlebt, die nach 10 Jahren im Amt nun in der Stichwahl um das Amt der Bürgermeisterin in der Hebewerkstadt am vorigen Sonntag völlig überraschend ihrer kommunalpolitisch noch völlig unerfahrenen Herausforderin Nicole Moenikes von der CDU unterlag.

Schon sehr interessant in Anbetracht der völlig unterschiedlichen Führungsstile der beiden nun scheidenden Bürgermeister im Ostvest. Während Werner nämlich über Jahre den Industriefreund gab, Datteln fast auf ‚Biegen und Brechen‘ mit neuen, auch umstrittenen Projekten wirtschaftlich wiederzubeleben versuchte, was ihm den offenen Unmut vieler Bürger einbrachte, setzte die 61-jährige Heck-Guthe in Waltrop vornehmlich auf den Erhalt von Wohn- und Lebensqualität, gab die bürgernahe Verwaltungschefin, posierte auf etlichen Fotos bei Geburtstags- und Vereinstreffen, welche man tagtäglich in der Tageszeitung finden konnte. Ein Weg der in Waltrop am Ende in der für sie persönlich wohl ziemlich niederschmetternden Abwahl mündete.

Müßig nun darüber zu diskutieren welcher Weg grundsätzlich wohl der Bessere war bzw. ist. In der Schuldenstatistik des Landes nehmen nämlich beide Städte seit Jahren unverändert Kellerpositionen ein.

Doch während der parteilose Wolfgang Werner nun, nach 15 Jahren im Amt, mit einem Fest freundlich verabschiedet wurde, weil er seinen Chefsessel in der Verwaltung räumt, wurde seine jahrelange Kollegin aus der Nachbarstadt zwangsweise aus ihrem Amt entfernt, vermied seit der Wahl weitestgehend öffentliche Auftritte, war von Seiten der Stadt nicht einmal mehr jemand bei der Verabschiedung eines langgedienten Pfarrers zugegen.

Und auch wenn ja bestimmt niemand behaupten würde, dass das Politikerleben grundsätzlich immer gerecht ist, zeigen diese beiden jüngsten Wechsel im Bürgermeisteramt im östlichen Kreis Recklinghausen doch wieder einmal sehr deutlich, dass das richtige Gespür für die eigene Position und die Lage in der Stadt über Wohl und Wehe eines Bürgermeisters entscheiden können.

Und das macht dann, trotz grundsätzlich ähnlicher Probleme in den verschiedenen Städten einer Region, dann auch gerne mal den Unterschied zwischen einem Abschied durch die Hintertür und einem rauschenden Abschiedsfest für den scheidenden Verwaltungschef aus…

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