Wo kommen die großen Preise her?

Günstiger, billiger, besser als die Konkurrenz: Jede Woche gaukeln Supermärkte mit ihren Angeboten den großen Preiskampf vor. Ist insgeheim doch alles abgesprochen? Große Firmen stehen unter Verdacht. Rewe, Lidl, Edeka – Süßwaren, Hundefutter, Kaffee – Twix, Pedigree und Dallmayr Prodomo: Das Bundeskartellamt ermittelt, ob Preise über Jahre von Produzenten und Händlern gemeinsam festgelegt wurden. Die Ruhrbarone haben sich auf die Suche begeben: Wer bestimmt eigentlich die Preise in den lokalen Supermärkten?

Können einzelne Supermärkte überhaupt über ihre Preise mitbestimmen? Wie weit oben wird letzendlich festgelegt, was wieviel kostet? Versuchsorte sind Drensteinfurt und Sendenhorst, zwei Städtchen wenige Kilometer nördlich von Hamm. Während Lidl und Rewe in Drensteinfurt ihre Preise nicht selbst festlegen können, ist der Edeka Markt in Sendenhorst relativ frei in seiner Preisgestaltung. Denn Marktleiterin Emel Demirer führt eine privatisierte Filiale, wie es sie bei Edeka oder Rewe öfter gibt. Bei Discount-Artikeln wie der Eigenmarke “gut und günstig” sowie Angeboten muss sie den Preisen der Edeka-Zentrale folgen, bei allen anderen Produkten dürfte der Sendenhorster Edeka-Markt theoretisch selbst über die Preise entscheiden.

Günstiger, billiger, besser als die Konkurrenz: Jede Woche gaukeln Supermärkte mit ihren Angeboten den großen Preiskampf vor. Ist insgeheim doch alles abgesprochen? Große Firmen stehen unter Verdacht. Rewe, Lidl, Edeka – Süßwaren, Hundefutter, Kaffee – Twix, Pedigree und Dallmayr Prodomo: Das Bundeskartellamt ermittelt, ob Preise über Jahre von Produzenten und Händlern gemeinsam festgelegt wurden. Die Ruhrbarone haben sich auf die Suche begeben: Wer bestimmt eigentlich die Preise in den lokalen Supermärkten?

Können einzelne Supermärkte überhaupt über ihre Preise mitbestimmen? Wie weit oben wird letzendlich festgelegt, was wieviel kostet? Versuchsorte sind Drensteinfurt und Sendenhorst, zwei Städtchen wenige Kilometer nördlich von Hamm. Während Lidl und Rewe in Drensteinfurt ihre Preise nicht selbst festlegen können, ist der Edeka Markt in Sendenhorst relativ frei in seiner Preisgestaltung. Denn Marktleiterin Emel Demirer führt eine privatisierte Filiale, wie es sie bei Edeka oder Rewe öfter gibt. Bei Discount-Artikeln wie der Eigenmarke “gut und günstig” sowie Angeboten muss sie den Preisen der Edeka-Zentrale folgen, bei allen anderen Produkten dürfte der Sendenhorster Edeka-Markt theoretisch selbst über die Preise entscheiden.

„Wir bekommen für alle Produkte Verkaufspreise von Edeka vorgeschlagen und könnten dann mit dem Preis runtergehen. Allerdings müssen wir ja auch gut kalkulieren und dadurch findet eine Anpassung auf ziemlich identischem Niveau statt“, sagt Demirer (rechts im Bild). Dass es eine Anweisung gebe, unter einen bestimmten Preis keinesfalls abzusinken, verneint Demirer. Die offiziellen Empfehlungen würden allerdings nicht häufig geändert. Die Absprachen, sagt Demirer, könnten höchstens bei den Großhändlern stattfinden. Die Einzelhändler würden dann ja automatisch mitmachen. Demirer, 33 Jahre alt und schon seit einigen Jahren Marktleiterin in Sendenhorst, nimmt sich Zeit und gibt offen Auskunft. Keine Selbstverständlichkeit, wie später klar wird.

Deutlich weniger Einfluss auf ihre Preise haben die Marktleiter von Rewe und Lidl in Drensteinfurt. Der Rewe von Marktleiterin Agnes Nowak kann lediglich die Obst- und Gemüsepreise selbst bestimmen. Alle anderen Preise bekommt Nowak vorgegeben, denn der Supermarkt ist nicht privatisiert und direkt der Order der Rewe-Gruppe unterstellt. Aber wer entscheidet letzendlich über die Preise in Drensteinfurt? Die übergeordnete Vertriebszentrale in Dortmund verweist an die nationale Zentrale in Köln. Dort lassen die Mitarbeiter in der zuständigen Abteilung für Tiernahrung anklingen, dass sie durchaus reden könnten – verweisen dann aber doch an ihre Chefin. Auch die will nichts sagen, reagiert mit völligem Unverständnis auf die Frage nach der Preisgestaltung, will am Ende noch wissen für wen der Artikel denn genau sei und verweist an die nationale Pressestelle der Rewe-Gruppe.

Doch auch die will auf eine Mail-Anfrage keine Auskunft geben. Nicht einmal, welche Stelle oder wenigstens welche Hierarchieebene für die Preisgestaltung zuständig ist. „Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir weder detaillierte Auskünfte zu unserer Preisgestaltung machen, noch Vertragsinterna kommunizieren“, heißt es per Mail. Und weiter folgt Geschwurbel aus dem PR-Lehrbuch: “Preise bilden sich im Wettbewerb am Markt. Die REWE Group sieht sich in der Verpflichtung, ihren Kunden stets wettbewerbsfähige und marktkonforme Preise zu bieten. Neben dem Wettbewerb spielen vor allem die Rohstoffpreise eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung. Hinzu kommen Faktoren wie Transport oder Kosten für Verpackungsmaterial.” Aha. Vielen Dank auch.

Noch schwerer ist der Weg der Preise bei Konkurrent Lidl nachzuverfolgen. Die Markleiterin, offenbar von oben eingeschüchtert, will keinerlei Auskunft geben und zunächst mit ihrem Vorgesetzten sprechen. Eine Telefonnummer, unter der man sie in den folgenden Tagen erreichen kann, will sie aus “Datenschutzgründen” (und das bei Lidl …) nicht herausgeben. Und auch den Kontakt zu ihrem Vorgesetzten will oder darf sie nicht herausgeben. So bleibt nur die Option Rückruf. Und siehe da, noch am Abend ruft der Bezirksleiter für das südliche Münsterland zurück – mit unterdrückter Nummer. Er erkundigt sich, was das denn für ein Artikel sei und wofür die ganzen Infos benötigt würden. Dann erklärt er, zu Preisen könne er grundsätzlich keine Infos geben. Gefolgt vom Verweis an den übergeordneten Vertrieb im ostwestfälischen Westerkappeln, nordöstlich von Osnabrück.

Die Mitarbeiter dort verweisen wiederum an die Lidl-Zentrale nach Neckarsulm, die Preise würden komplett von dort gemacht, schließlich gebe es auch ein komplett einheitliches Kassensystem. In Neckarsulm wiederum ist die Reaktion ähnlich wie auf den den unteren Ebenen: Es herrscht Unverständnis, wie überhaupt danach gefragt werden kann, wer wo wie die Preise festlegt. Zu Preisen würden grundsätzlich keine Auskünfte erteilt, heißt es misstrauisch, nach erneutem Nachfragen fast feindselig. Erneut wird sich erkundigt, wo dieser dubiose Artikel denn erscheinen solle. Preise, das wird deutlich, sind bei deutschen Supermärkten ein heikles Thema.

Die Mitarbeiter in den lokalen Märkten haben – kaum verwunderlich – mit den Vorwürfen der Preisabsprache nichts zu tun. Und sie machen sich auch entsprechend wenig Gedanken darum. Die verschlossene Haltung der Konzerne offenbart jedoch Nervosität. Nicht einmal grundsätzlichste Informationen werden Bekannt gegeben. Dabei ist der Verdacht auf Preisabsprachen sehr konkret, wie das Bundeskartellamt gegenüber den Ruhrbaronen nochmals ausführt (siehe unten “Der Hintergrund”). Und deutlich wird auch: Die Preise der verdächtigen Markenprodukte vom Hundefutter bis zum Filterkaffee sind in den Märkten in Drensteinfurt und Sendenhorst zwar nur in Ausnahmen völlig gleich – aber doch oft erstaunlich ähnlich.

Unter dem Verdacht der Preisabsprache stehen unter anderem Produkte von Mars (Süßwaren, Tiernahrung, Reis etc.) sowie Kaffeeprodukte. Eine völlig subjektive Zusammenstellung der Ruhrbarone zeigt, dass die Preise oft sehr ähnlich sind. So kosten Balisto-Schokoriegel im Lidl 1,95 Euro, im Rewe und Edeka jeweils 1,99. Beim Pedigree-Hundefutter liegt Lidl bei 1,55 Euro, die anderen beiden Anbieter bieten es jeweils für 1,69 Euro an. Außer, dass der Billig-Discounter wenige Cent unter den Vollsortimentern liegt, sind die Preise auf fast gleichem Niveau.

Tabelle mit Preisen (Lidl / Rewe / Edeka)

Ebly Sonnenweizen — / 1,99 / 2,19
Uncle Bens Saucen — / 1,79 / 1,59
Uncle Bens Reis 500g — / 1,99 / 1,89
Melitta Café Auslese 4,29 / 3,99 / 4,29
Dallmayr Prodomo Kaffee 4,49 / 4,79 / 4,79
Cesar Hundefutter 150g 2,99 (4 Stück) / 0,85 / 0,85
Pedigree Classic 820g 1,55 / 1,69 / 1,69
Pedigree Hundesnack 1,65 / 1,89 / 1,79
M&M 2,49 (285g) / 1,79 (180g) / 1,89 (180g)
Mars/Twix/Snickers 1,89 / 1,99 / 1,99
Balisto Schokoriegel 1,95 / 1,99 / 1,99
Senseo Kaffeepads — / 2,49 / 2,49

Der Hintergrund:
Insgesamt zwei Dutzend Firmen hat das Bundeskartellamt in Verdacht, illegal Preise abgesprochen zu haben. Die Hersteller sollen mit den Einzelhändlern festgelegt haben, unter welchem Preis ihre Produkte auf keinen Fall verkauft werden dürfen. Es scheint, als seien gewisse Preisgrenzen seit Jahren flächendeckend nicht unterboten worden. So bleiben erstens die Gewinne bei allen Beteiligten hoch und die Stabilität wird erhalten. In dem sternförmigen System spricht der Produzent der “hochwertigen Markenprodukte” (bei denen die Gewinnspanne besonders groß ist) mit jedem Händler den gleichen Preis ab, so können sich alle sicher sein, dass kein Preiskampf entsteht. Zweitens behalten die Markenprodukte durch den hohen Preis beim Endverbraucher ihre gefühlt hohe Wertigkeit (gut für den Produzenten) und drittens können Einzelhändler wie Rewe oder Edeka ihre Eigenmarken „ja“ oder „gut und günstig“ mit relativ großem Preisabstand zu den Markenprodukten verkaufen, erklärt Kartellamtssprecher Kay Weidner den Ruhrbaronen die Systematik.

In Verdacht hat das Kartellamt noch weitere Händler und Branchen, die aktuellen Durchsuchungen gründen aber auf besonders gravierenden Fällen, bei denen die Beweislage laut Kartellamt sehr gut sei. In den vergangenen Jahren hat das Amt immer wieder Millionen-Bußgelder gegen Lebensmittelunternehmen verhängt. Die aktuellen Durchsuchungen sind ein weiteres Ergebnis dieser jahrelangen Arbeit. Sollten sich die Absprachen so darstellen, wie es das Amt vermutet, wird es saftige Geldbußen geben. „Den Vertriebsverantwortlichen muss sonnenklar gewesen sein, dass diese Absprachen im kartellrechtlich verbotenen Bereich liegen“, so Weidner.

Text und Fotos (Daniel Drepper) erscheinen auch in lokalen Zeitungen in Drensteinfurt und Sendenhorst.

6 Kommentare

Preisabsprachen können aber auch wunderbar nur durch den Preis kommuniziert werden.

Baran und Sweezy haben in “Monopolkapital” darüber geschrieben. Das ist ziemlich lesenswert bei solchen Fragen. Kennen die Supermarktmenschen selbstverständlich auch.

Ich bin etwas ertstaunt über den Artikel, so haben sich hier doch meiner Meinung nach einige Denkfehler eingeschlichen.

1. Es ist doch verständlich, dass die Ketten nicht gerne über die Preise spechen, schließlich ist das ihr Kerngeschäft. Discounter könne sich nicht stark unterscheiden, hauptsächlich geht das über den Preis. Und wenn man den Preis aufschlüsseln würde, würde man zwangsläufig Geschäftsinterna aufdecken, z.B. Lieferantenpreise etc.
2. Was soll die Liste mit den ähnlichen Preisen denn aussagen? Also ich finde es irgendwie völlig normal, dass ich für das gleiche Produkt in unterschiedlichen Supermärkten gleichviel bezahle. Es ist ja schließlich das gleiche Produkt!
3. Selbst wenn die “Preisgleichheit” irgendetwas aussagen würde, so sind diese genannten Preise doch großteils gar nicht so gleich. Es sind zwar nur einige cents, doch wenn der Artikel günstig ist, dann sind das meist 10 bis 15%. Und da kann man doch nicht von gleichen Preisen sprechen.
4. Sind Lebensmittelpreise in Deutschland sehr günstig und auch so günstig wie nie. Im Gegenteil herrscht doch ein gnadenloser Verdrängungskampf, dem ja vor nicht allzu langer Zeit Plus zum Opfer gefallen ist.
5. Wenn etwas skandalös ist, dann eher die Macht der Discounter gegenüber den Lieferanten. Es sieht nämlich eher so aus, dass die großen Ketten die Preise brutal drücken können und für die Lieferanten am Ende nichts übrig bleibt.

@Dirk: Die Einwände sind sicher berechtigt. Der Text sollte aber auch keine hintergründige, nationale Preis-Analyse werden, sondern lediglich ein Test, ob es möglich ist, die Preisgestaltung in den lokalen Supermärkten nachzuvollziehen. Dass die Discounter mit ihrer Macht die Preise oft in ungesund niedrige Regionen drücken (Milch und Co) ist klar, bei den genannten Markenprodukten ist der Verdacht im Moment aber nunmal, dass die Preise künstlich hoch gehalten werden. Ganz ohne heiße Spur wird das Kartellamt keine 100 Beamten zu Hausdurchsuchungen geschickt haben. Deshalb der Ansatz. Und: Natürlich soll niemand seine geheimsten Preiszusammensetzungen ausplaudern, aber wenigstens hätte man ja mal freundlich erklären können, auf welcher Hierarchieebene die Preise denn bestimmt werden und wer wo wieviel Einfluss darauf hat. Die strikte Blockade-Politik, am extremsten bei Lidl, finde ich ziemlich schwach.

Ich arbeite in einem Edeka arkt und finde Ihre Preistabelle etwas seltsam. Dallmayr Prodomo kostete bei der Edeka Überregional 3,25€ und nicht wie von Ihnen angegeben 4,79€. Ich finde es sehr schwach bei solch kritischen Berichten falsche angaben zu machen. Der Verbraucher denkt doch immer mehr das Lebensmittel nichts mehr wert sind und er beim Einkauf betrogen wird. Wenn Sie das Thema Nahrungsmittel in Deutschland ansprechen müsste Ihre Gewichtung als Redakteur ganz anders aussehen. Lebensmittel sind in Deutschland nur noch ein Produkt um satt zu werden. Billig muss es sein. Wenn Sie doch Ihrer meinung nach “Ordentlich” recherchiert haben müsste Ihnen Aufgefallen sein das selbst die “künstlich ” hochgehaltenen Produkte immer neoch deutlich günstiger in Deutschland zu bekommen sind als im Europäischen Ausland . Selbst in Polen sind die Prozentualen Lebensmitteldeckungskosten erheblich höher als in Deutschland.
Anstellen von “Skandalmeldungen” über den Lebensmittelhandel sollte wieder Wertschöpfung betrieben werden.

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