WM: TV-Moderator Oliver Pocher erweist dem Fußballsport einen Bärendienst

Oliver Pocher bei Facebook
Facebook Screenshot

So eine Fußball-Weltmeisterschaft ist im Grunde ja eine tolle Sache. Menschen aus allen Erdteilen treffen aufeinander und feiern eine große Fußballparty. In der Theorie zumindest.

Es gibt aber auch noch immer viel zu viele Zeitgenossen die bei dieser Gelegenheit gerne mal in längst vergessen bzw. überwunden geglaubte Klischees zurückfallen.

Aktuell ist der TV-Moderator und bekennende Hannover 96-Anhänger Oliver Pocher da so ein Negativbeispiel. Auf Facebook verbreitete er nun diesen völlig widerlichen Beitrag unter seinen gut 860.000 ‚Fans‘. Und aktuell ‚liken‘ auch noch über 45.000 seiner ‚Freunde‘ diese Peinlichkeit.

Da muss man sich ja nicht wundern, dass Fußball bei vielen Leuten im Lande noch immer so ein negatives Image hat. Beiträge wie dieser tragen jedenfalls nicht gerade dazu bei das Image der Sportart zu verbessern. Auch der Völkerverständigung und dem wünschenswerten Abbau von Aggressionen unter Sportfans erweist der Hannoveraner durch seinen primitiven Beitrag im Netz einen echten Bärendienst. Ob Herr Pocher darüber auch mal nachgedacht hat? Vermutlich nicht…

28 Kommentare

Nachdem Joseph Ratzinger vor gut einem Jahr als Papst und oberster Moralapostel abgedankt hat, kann man froh sein, dass es in Deutschland noch die Ruhrbarone gibt.

Nur: Wie soll man als rechtschaffener Christ und Fußballfan, der sich zwar über den Sieg gegen die Franzosen freut, dessen Freude aber durch die obige Karrikatur jäh ausgebremst wird, mit Oliver Pocher umgehen? Gefangen nehmen und den Franzosen ausliefern, damit sie zwar nicht seinen Kopf, aber zumindest seinen permanent pubertierenden Wurmfortsatz mit dem Fallbeil von seinem Körper abtrennen mögen?

ich glaube nicht das Oliver Pocher nachgedacht hat.
Immerhin fickt in diesem Bild der deutsche Adler den gallischen Hahn.
Was will uns Pocher damit sagen ?
DAS DEUTSCHLAND SCHWUL IST ?
Da kann man doch als deutsch denkender und deutsch fühlender Deutscher nur beleidigt sein ! 😉

Es sind solche Vorgänge, die eben zeigen, dass das Fähnchenaufhängen, das Rückspiegelkondomieren und die Wangenmalerei nicht die harmlose, sonnige Rückkehr zu einem gesunden Verhältnis zur eigenen Staatsangehörigkeit sind, sondern zu einem Patriotismus, der, wie es Goethe ausdrückte, die Geschichte verdirbt.

Hat Jemand von Pocher was anderes erwartet? Der Mann ist die fröhlich gelebte Schadenfreude, eine Art Berufsarschloch mit Spitzbubengesicht.

Oliver Pocher ist bekanntlich stets und überall dabei, selbstverständlich auch in Sachen WM, etwas für sich, für seine Bekanntheit, für seine “Kohle” zu tun. Insofern denkt er zielgerichtet nach!

Aufmerksamkeit, wie er sie jetzt auch hier bei den Ruhrbaronen erfäht, sind das was er will.

Robin, ich kritisiere damit nicht Anlaß und Inhalt Deines Kommentares.

Ärgerlich für mich ist in diesem Falle wie in vielen vergleichbaren Fällen, daß Typen wie Pocher damit das erreichen was sie um jeden Preis wollen, nämlich öffentliche Aufmerksamkeit.Das registriere ich, unaufgeregt, den Aufregung Pochers wegen findet bei mir nicht statt.

Also Oliver Pocher hat das nicht zufällig getan. Der ist ein Medienprofi und als solcher weiss er das provozieren und polarisieren immer wieder hilft sich selbst im Medienrummel zu promoten…leider fällt Robin darauf zum x-ten mal rein…denn mit genau so einer Reaktion einer empörten und moralisiernden Entrüstung spielt Oliver Pocher…denn die nützt ihm selber am meisten…..

Ich bin einfach der Meinung, dass ansprechen und mal ausführlich ausdiskutieren in solchen Fällen häufig mehr bewirkt, auch noch mehr Leute auf solche Dinge (Fehlentwicklungen) aufmerksam macht, als es ein simples ‘Ignorieren’ täte. Und wie die bisher durchaus bunt gemischte und emotionale Debatte hier dazu ja auch wieder zeigt, kommen dabei häufig dann auch ganz interessante Gedanken zu Tage. Dass das dann nicht allen gefällt liegt ja in der Natur der Sache… 🙂

Wie hätte dieser Beitrag wohl vor 100 Jahren ausgesehen? Er wäre im Stadtanzeiger statt auf Facebook erschienen und der Adler hätte noch eine Pickelhaube getragen. Ansonsten genauso.

Wahrscheinlich hat @Arnold Voß Recht mit seiner Analyse.
Pocher spielt das Berufsarschloch mit dem Spitzbubengesicht.
Das kann er eben. Immerhin hat er es geschafft, daß ich ihn schon häufig im TV gesehen, und mir sogar seinen Namen gemerkt habe.
Aber das ist ihm nur gelungen, weil er auch als Clown (Kabarettist?) auftritt. Ein Profi halt.
Aber bei dieser Karikatur fällt mir etwas auf.
Wieso eigentlich haben die Franzosen für sich den Hahn als nationales Tierwappen gewählt. Bei den Deutschen, aber auch anderen Völkern muß es unbedingt das mächtigste Tier der Lüfte sein. Das ist wahrscheinlich nationale Tiefenpsychologie.
Den Humor, der nötig ist, solch ein relativ schwaches Tier für sich zu wählen, bringen weder wir Deutschen heute auf, noch haben ihn unsere Vorfahren aufgebracht. Wenn wir wählen können, muß es anscheinend protzig sein. Die Franzosen setzen da und auch beim Spiel mehr auf Eleganz.
Und @dda, weil du es ansprichst. Auch das Köpfen geht bei den Franzosen, zumindest sprachlich, deutlich eleganter als bei den Deutschen. Die haben es mit der Guillotine gemacht (klingt sehr sanft) und die Deutschen mit dem Fallbeil auf dem Schaffott (klingt gemeiner).

Ob Fallbeil oder Guillotine, der Kopf schlägt auf jeden Fall scharf ab und hart auf, @ Helmut Junge!!!
Kleiner Lesetip für unser “gemeinsames Thema”: Rosa Meyer-Levine, Im inneren Kreis. Hübsche Beobachtungen einer Insiderin über die Führungsschicht der Komintern und der deutschen KP, liest sich locker weg. Eher Boulevard,denn hohe Theorie.

Wieso lassen wir uns eigentlich die Vorfreude auf Die Mannschaft vs SELECAO von Pocher beeinträchtigen? Niederlande gegen Argentinien wird sicherlich auch ein Brüller, welcher Art auch immer, werden. Konzentration auf das wirklich Wichtige!!
Für alle Fälle wird schon mal ein Fläschlein der guten, vor allen französischen Witwe, kaltgestellt.

@Helmut (#10)

früher im Lateinunterricht mussten wir noch die ersten Sätze aus Caesars ‘De bello Gallico’ auswendig lernen. Da heißt es: Gallia est omnis divisa in partes tres quarum unam incolunt belgae aliam aquitani tertiam qui ipsorum lingua celtae nostra galli appellantur… kennt wahrscheinlich noch jeder: Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, den einen bewohnen die Belgier, den anderen die Aquitanier, den dritten diejenigen, die in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier genannt werden.
Darüber hinaus ist das Lateinische Wort für Hahn: gallus. Es ist zwar nicht belegt und vermutlich auch unwahrscheinlich, dass die lateinische Bezeichnung für Kelten = galli ursprünglich mit der Bezeichnung gallus = Hahn etwas zu tun hat, aber man darf annehmen, dass die Ähnlichkeit dieser Begriffe dazu geführt haben könnte, dass die Verbindung Gallier = Hähne zu einem späteren Zeitpunkt geschaffen wurde.

Interessanterweise finden sich noch heute in dem von Caesar beschriebenen Gebiet, welches Frankreich und große Teile Belgiens umfasst, auf Markt- und Dorfplätzen Statuen von Hähnen, vornehmlich auf Ehrenmalen, mit denen an kriegerische Auseinandersetzungen erinnert wird, während diese Form der Darstellung außerhalb, beispielsweise bei uns in Deutschland, völlig unüblich ist.
In Wallonien und der Communauté française de Belgique ist der Hahn sogar bis heute das offizielle Wappentier, im Gegensatz zu Frankreich, wo es kein offizielles Wappentier gibt. Juckt die Franzosen aber nicht im geringsten, wie man an der Omnipräsens des Coq Gaulois, so nennt man das Viech in seiner Muttersprache, beobachten kann.

Auf den ersten Blick mag der französische Hahn nicht so edel wirken wie der deutsche Adler oder der englische Löwe, allerdings werden in der Heraldik auch dem Hahn positive Eigenschaften zugesprochen. So gilt er als äußerst wachsam und kämpferisch und darüberhinaus – das dürfte ihn für die Franzosen so sympatisch machen – ist der Hahn ein Tier des einfachen Volkes, vornehmlich der Bauern. Seinen absoluten Höhenflug erlebt der Hahn dann auch in der Französischen Revolution und steht seitdem eigentlich synonym für das französische Volk, auch wenn der eine oder andere spätere Imperator zwischenzeitlich den Hahn dann wieder durch einen stattlicheren Adler ersetzen wollte.

Der Coq Gaulois ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Coq au vin, auch wenn beide aus Frankreich kommen und es sich um denselben Vogel handelt. Unterscheiden kann man die beiden aber relativ einfach, denn der eine schwimmt in Wein und der andere raucht wie ein Berserker.

Mir hat einmal ein Franzose (!) erklärt, warum gerade der Hahn das Wappentier Frankreichs sei: Weil es das einzige Tier ist, das auf einem Haufen Mist steht und dabei das Maul aufreißt …

Sei’s drum. Besonders gelungen ist die – wohl nicht von Herrn Pocher selbst gezeichnete – Karikatur nicht, aber mann sollte sie auch nicht überbewerten: Geschmacklosigkeiten sind in Wahlkämpfen, Junggesellenabschieden und eben auch bei Fußballturnieren ein Teil des Geschäftes. Wie formulierte Stefan Laurin neulich sinngemäß so schön: Das Leben ist eben kein evangelischer Kirchentag!

@Thomas: Solche Ereignisse verderben mir nicht den Spaß am Fußball und auch nicht die Vorfreude auf die Halbfinalspiele. Sie führen, zumindest bei mir, allerdings dazu, dass ich mich in meiner Meinung bestätigt fühle mich von diesen ‚Schland‘-Partys auch weiterhin konsequent fern zu halten. In diesem Zusammenhang verweise ich dann gerne auf den Kommentar von Rambow (#4), welchen ich inhaltlich weitgehend teile.

@dda, sehr schön ausgearbeitet. Sowas macht mir Freude. Der Hahn war auch wichtig als Tier beim MSV-Duisburg, als der noch Meidericher SV hieß. Ortsnamen, die auf “rich” enden, sind keltischen Ursprungs. Und bevor das Zebra zum Wappentier dieses Vereins wurde, setzte man vor Spielbeginn möglicher weise einen Hahn in den Mittelkreis. Köln brachte früher immer einen Ziegenbock mit. Aber der Hahn paßt eben zu Meiderich. Genaues weiß ich leider nicht (noch) darüber. Wenn das mit dem Hahn stimmen sollte, könnte (könnte, könnte.könnte)…ein älterer Brauch vorliegen. Vor der fränkischen Zeit lebten hier Kelten, vielleicht Belger.

@Thomas Weigle, sprachlich schön klingen nützt dem Betroffenen tatsächlich rein gar nichts in dieser Sache. Da stimme ich Ihnen zu.
Übrigens Danke für den Literaturhinweis auf das andere Thema. Da sind wir ja ganz dicht beeinander. Und es ist auch wichtig, daß das ausgewertet und neu interpretiert wird. Mal sehen, wann ich wieder dazu komme.

warum hast du den kanal von jemanden abonniert, dessen verzweilfte bemuehungen um oeffentliche aufmerksamkeit im peinlichen ringen der exen und bald-exen mit denen vom bobbele bestehen. blockieren und ab dafuer. bei dem mist auf facebook hoffe ich ja schon, dass schland-schleisse scheitert – nur damit die traurig sind.

@Bochumer: Ich verfolge die Facebook-Einträge von Oliver Pocher nicht bewusst oder gar regelmäßig. Ich bin am Morgen erst mehr oder weniger zufällig über eine der diversen Kopien des Beitrags von Herrn Pocher gestolpert. Lt. Screenshot hatte der Beitrag bis heute früh ja schon über 9.200 Kopien durch bewusstes Teilen und 45.600 ‚Likes‘ nach sich gezogen, was ja immer auch in entsprechenden Kopien und Links bei anderen Usern von Facebook mündet.

@DiscipulusSenecae (#12)

Franzosen verstehen es, sich selber nicht immer all zu ernst zu nehmen. Das Bild vom zeternden Hahn auf dem Mist ist in Frankreich Gang und Gäbe und natürlich auch von Uderzo und Goscinny im Rahmen einer Asterixgeschichte in Szene gesetzt worden:

http://imgl.krone.at/Bilder/2003/11/05/Asterix_plaudert_aus_der_Schule-Neuer_Asterix-Story-12165_500x316px_1_1x0zLSTnvNto2.jpg

auf dem Bild dargestellt ist Kokolores, der gallischen Hahn, der sich übrigens auch mit dem Adler wird messen müssen, nur halt mit dem römischen. Erschienen ist die Geschichte bereits 1962, in Deutschland allerdings erst 2003 (Band 32, Asterix plaudert aus der Schule)

@Helmut (#16)

zum Meidericher Hahn kann ich Dir leider nix sagen. Über die Menschen, die vor 2000 Jahren zur Zeit der Römer und Germanen in der Gegend um Meiderich lebten, lässt sich aber vermutlich einiges herausfinden. Immerhin verlief hier die Grenze zwischen Germania Magna und der römischen Provinz Germania Inferior, die den gesammten Niederrhein und weite Teile der Niederlande sowie Belgiens umfasste. Hauptstadt dieser Provinz war die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln und verwaltungsmäßig war sie Gallien angegliedert. Das sich in diesem Grenzgebiet Belger tummelten, die zu den Keltenvölkern zählten, dürfte nichts aussergewöhnliches gewesen sein, denn wenige Kilometer von Meiderich entfernt, allerdings auf der anderen Rheinseite, liegt Moers-Asberg und dort gab es vor 2000 Jahren das römische Auxiliarlager Asciburgium, welches Ruhr und Emschermündung sicherte und an dieser Stelle den Vorläufer des Hellweges kontrolliert haben dürfte, sowie die römische Süd-Nord-Route von Köln über Neuss und Xanten nach Nimwegen. Auxiliartruppen waren – wie der Name sagt – sogenannte Hilfstruppen der römischen Legionen, die ungefähr 50% der römischen Streitkräfte ausmachten. Im Gegensatz zu den Legionären waren diese Soldaten keine römischen Staatsbürger, weil sie von Verbündeten angefordert oder aus unterworfenen Völkern rekrutiert wurden. Die gallischen Völker galten bei den Römern als sehr tapfer und von Belgien nach Köln benötigt man zu Fuß eine knappe Woche, bis Asberg weitere zwei bis drei Tage. Da diese Truppen in der Regel 26 Jahre im Dienst waren (am Ende winkte meist das volle römische Bürgerrecht) und sie meist auch den Anschluss an ihre Heimat verloren, waren sie ein wesentliches Element des Romanisierungsprozesses in den neuen römischen Provinzen.
Vor gut 2000 Jahren sind die Römer nun über die Lippe nach Germania Magna eingefallen, um die rechtsrheinischen germanischen Gebiete zu erobern. Die Rede ist von drei Legionen mit schätzungsweise 15 bis 20.000 Mann. Hinzu kommen jetzt noch zigtausende Auxiliarsoldaten, die in den Lagern längs des Rheines zur Grenzsicherung abgestellt wurden. Das muss ein Riesenmeer an Menschen gewesen sein, was sich damals zwischen Köln und Xanten sammelte, und ein Schmelztigel der Kulturen, zusammengewürfelt aus den unterschiedlichsten Provinzen des Römischen Reiches und vermutlich einem sehr hohen Anteil an Kelten aus Gallien, die 70 Jahre vorher von Caesar unterworfen wurden.
Auch wenn Meiderich auf der “falschen” Rheinseite liegt, dürfte es trotzdem einen regen Austausch mit den Menschen gegeben haben, die sich rechts und links von Moers-Asberg niederließen.

Die Frage, die sich mir stellt: Gab es damals überhaupt schon Meiderich und wenn ja, wie groß war Meiderich damals?

Leider kann ich diesbezüglich nur auf Wikipedia zurückgreifen. Erste urkundliche Erwähnung ist das Güterverzeichnis von Kloster Werden zu Beginn des 10. Jahrhunderts. Das klingt so weit plausibel. Was mich irritiert ist zum einen der Name Medriki = Meiderich, der soviel bedeutet wie feuchte Gegend, was im Klartext heißen könnte, dass man dort unter Umständen nasse Füße bekommen kann. Ein Sumpfgebiet, oder zumindest eine Gegend, die hin und wieder von Hochwassern heimgesucht wird. Desweiteren irritiert mich die Tatsache, dass sich das Flußbett des Rheins in dieser Region in den letzten 2000 Jahren sehr stark verändert hat. Teile von Ruhrort, das ja zu Zeiten Napoleons (immer diese Franzosen!) an die damalige Stadt Meiderich angliedert wurden, liegen heute rechtsrheinisch, vor 800 Jahren lag Ruhrort allerdings linksrheinisch und vor 2000 Jahren wiederrum rechtsrheinisch. Der Essenberger Bruch nördlich von Rheinhausen, an dem sich der Rhein zur Römerzeit langschlängelte, und an dessen westlicher Schleife das Lager Asberg lag, versandete bereits im 1. Jahrhundert. n. Chr. Wenn es im heutigen Meiderich zur Römerzeit Siedlungen gegeben haben sollte, was ich nicht weiß, dann werden sie auf jeden Fall irgendwann dem sich verändernden Flußbett zum Opfer gefallen sein. Aber ich lass mich da gerne eines besseren belehren. Interessant ist das Thema allemal.

Was den Hahn angeht, fällt mir da gerade noch eine andere Geschichte ein. Die spielt zwar in Spanien, hat aber mit einer Familie vom Niederrhein zu tun. Aber die erzähl ich Dir ein ander mal, denn wenn meine Flasche Wein richtig geht ist es gleich drei Uhr und ich sollte langsam ins Bett…

@DDA, meine Güte, was habe ich mit meinem vagen Hinweis angerichtet? Und wahrscheinlich ist da nicht mal was dahinter. Dein Hinweis auf ein Sumpfgebiet ist interessant, denn in Lirich, einem Ort, der nicht weit von Meiderich entfernt liegt, gab es noch bis zum Bau der A42 einige Sümpfe, die ursprünglich von einem stillgelegten Bach durchflossen sein mußte, den wir als Kinder “köttelbach” genannt haben. In Wirklichkeit war es wohl ein Nebenfluß der Emscher. Die Emscher bildete hier ein Bruch.bzw. Sumpfgebiet. Ob solch ein Gebiet zum Siedeln gelockt hat, weiß ich nicht. Es gibt aber (gab) Urnenfeldfriedhöfe aus der Eisenzeit in Neumühl. Zur Zeit Cäsars waren schon sehr lange, vielleicht seit 500 Jahren Germanen von Norden zu der ursprünglichen Kultur, die wohl Keltisch war, hinzugekommen. Ein Grund, warum die Franken westlich des Rheins, wo römische Provinz auf Belgergebiet war, ohne nachweisbare ethnische Probleme angesiedelt werden konnten, war vielleicht darin begründet, daß es bereits östlich des Rheins eine Mischbevölkerung gab. Vielleicht ist die germansiche Sprache nur ein Bindeglied gewesen. So etwas wie eine Lingua franca gewissermaßen, auch wenn diese Bezeichnung andere Pidginsprachen bezeichnet. Aber damit ist dann ein keltisches Dorf namens Meiderich immer noch nicht restlos ausgeschlossen. Und Volksbrauchtum kann Jahrtausende überdauern, wenn auch immer wieder neu angepaßt. Übrigens habe ich das Gefühl, daß unser Diskurs gar nicht mehr zum Artikel von @Robin Patzwaldt paßt, aber sicher bin ich auch da nicht. Spaß macht es mir auf jeden Fall.

@ #19 | der, der auszog: Das ist u. a. ein Grund dafür, warum ich die Franzosen so gern mag!

Aber jetzt soll mir bitte niemand daher kommen, um den deutschen Humor im allgemeinen und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen im speziellen wieder in Abrede zu stellen. Einem Land, das neben vielen anderen Heinrich Heine und Loriot hervorgebracht hat, wird mann beide Eigenschaften nicht absprechen können!

@Helmut Junge, was soll das, wir haben doch nichts mit den Franzosen. Betrachte doch die Geschichte. Die Geschichte von den Rheinfranken, Niederfranken und Salier ist anders. Geschichtlich sind unsere Franken mit den Niederländern verwand. Niederländische Autoren betrachten die limburgischen, niederfränkischen und ripuarischen Sprachen auch als relativ starke sprachliche Einheit.

Mit Frankreich, mit Französisch hat das nichts zu tun.

@ Sturm Wir haben sehr wohl mit F. zu tun. KdG wird auch in F. verehrt, seine Enkel teilten im Vertrag von Verdun 843 das Karolingerreich in drei Teile auf, eines davon kann man durchaus als Ursprung des heutigen F. sehen. Allerdings ging das Streiten schon wenig später um 855 los und hielt mit Unterbrechungen bis 1945 an.
Natürlich haben wir auch mit den NL zu tun, nicht umsonst singen die ja auch, dass sie von “deutschem Blute” sind, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Als die damalige DFB11 vor dem ersten WK in Zwolle zu einem Länderspiel anreiste, soll eine große Menge Einheimischer das Deutschlandlied gesungen haben, was heute einigermaßen unvorstellbar ist.
Die Frankfurter Eintracht reiste 1920 nach Amsterdam und wurde dort mit überwältigender Gastfreundschaft empfangen, wie die Vereinschronik berichtet. Auch dies ist heute so nicht mehr vorstellbar. Wir wissen warum!!

@Sturm, einige Gebiete auf der rechten Rheinseite zu denen Duisburg und auch Essen gehört, waren fränkisch und wurde etwa 500 Jahre lang von Paris aus verwaltet, nachdem dort die Franken an die Macht gekommen waren. (vorher wurden sie vom zustädigen fränkischen Teilkönig regiert.) Östlich von diesem Gebiet, also auch das östliche Ruhrgebiet, war Sachsen, was spätestens ab 800 aber auch von Paris aus verwaltet wurde, weil Karl der Große es recht blutig erobert hatte. Als die Enkel von Karl das Riesenreich in drei Teile aufteilten, gehörten Essen und Duisburg zusammen mit Holland, Belgien , Lothringen, Burgund zum Mittelreich. Die Grenze zum Ostfränkischen Reich, ging durch Schermbeck. Deutschland entwickelte sich erst später, als das Mittelreich, auch Lotharingien genannt, von den beiden Nachbarn zerschlagen und aufgeteilt wurde. Das war spätestens im Vertrag von Ribemont 880 endgültig beschlossen. Diese Aufteilung von Mitteleuropa durch die Enkel Karls hat bis heute eine große Bedeutung für die Landkarten Europas. Reste des Mittelreichs von Lothar gibt es nämlich immer noch.
Das sind die Beneluxstaaten, und wenn man bedenkt, welcher Zank noch bis vor 100 Jahren um Lothringen die Köpfe der damaligen Welt verwirrte, kann man fast genau die Karte zeichnen, wie sie für das Zeitalter dieser Teilungen gültig war.
Hier etwas darüber zu lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A4nkische_Reichsteilung
Was das Rheinland betrifft, gab es zwischendurch, mindestens seit Napoleon, aber auch nach WK1 in kleinen Teilen der Bevölkerung eine profranzösische Bewegung, die sich aber wegen der gewaltigen Veränderungen der Bevölkerungsstruktur im Gefolge des Kohlenbergbaus nicht mehr wirklich etablieren konnte. Die Zugezogene Bevölkerung war eindeutig gegen Frankreich und für Berlin. Berlin war nebenbei gesagt zur Zeit der Reichsteilungen noch ein slawisches Fischerdorf. Es hat nicht zum Kerngebiet, aus dem später Deutschland entstehen sollte, dazugehört. Leider weiß ich, abgesehen von Schermbeck keinen zweiten Ort, durch den damals eine Grenze ging, aber das westliche Ruhrgebiet war lange fränkisch und selbst wenn Karl gerne in Aachen gebadet hatte, war seine und seines Sohnes Ludwigs Residenz in Paris.

@ Helmut Junge Vor vielen Jahren fiel mir mal in der UB ein Büchlein in die Hände, in dem Herr Adenauer des profranz. rheinischen Seperatismus in den Jahren nach 1918 bezichtigt wurde, m.a. W. er wollte eine Rheinische Republik von Frankreichs “Gnaden”. Die Politik der Aussöhnung mit Frankreich im Rahmen der Westorientierung und die Etablierung der Bonner Republik kann man durchaus als eine tw.Umsetzung seiner Vorstellungen aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg sehen. Geschadet hat uns diese zumindest tw. Realisierung sicher nicht. Er fand in de Gaulle einen kongenialen Partner für diese Politik, allerdings darf man dabei auch Schumann nicht vergessen, dessen Vorstellungen maßgeblich zur Gründung der Montanunion und der EWG beigetragen haben.
Profranzösische Bestrebungen gab es linksrheinisch während und nach der 89er Rev., die allerdings im Zuge der napoleonischen Eroberungspolitik und der dadurch bedingten Aushebungspolitik für des Kaisers Armee deutlich schrumpften.

Welch hochkarätige und geschichtsmächtige Assoziationsketten zu einem so primitiven Cartoon. Vielleicht ist Pocher doch kein Berufsarschloch sondern ein genialer Stichwortgeber, respektive -zeichner. 🙂

Oliver Pocher hat lediglich versucht, Fußball mit Homosexualität zu verknüpfen – wie das heute immer wieder gefordert wird. Und ja, Sex zwischen Männern hat was mit Dominanz zu tun!

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