Wired-Jubiläum: Es steht 3:3 bei den Scouts des digitalen Zeitalters

Seit 15 Jahren gibt es das Magazin Wired. Kaum eine andere Zeitschrift hat sich so intensiv (und oft auch klug) mit der digitalen Revolution auseinander gesetzt. Auch was das Design von Magazinen betraf, haben die Kalifornier Maßstäbe gesetzt. Mit einem Brief an seine Kinder hat nun Louis Rossetto, einer der Wired-Mitbegründer, eine erste Bilanz gezogen. 

Mitte der 90er Jahre pilgerte ich Monat für Monat zur Bahnhofsbuchhandlung im Hauptbahnhof Essen um auch ja keine Ausgabe von Wired zu verpassen. OK, Benzin war nach heutigen Maßstäben billig, aber vergnügunssteuerpflichtig war die Fahrt von Gladbeck nach Essen-Mitte nie. Wired vermittelte eine Ahnung der Zukunft des Internets, die ich mir, ausgestattet mit einem 16 Mhz LCII und einem 1200 Baud-Modem zwar sehnlichst wünschte, aber doch…

Seit 15 Jahren gibt es das Magazin Wired. Kaum eine andere Zeitschrift hat sich so intensiv (und oft auch klug) mit der digitalen Revolution auseinander gesetzt. Auch was das Design von Magazinen betraf, haben die Kalifornier Maßstäbe gesetzt. In einem Brief an seine Kinder hat nun Louis Rossetto, einer der Wired-Mitbegründer, eine erste Bilanz gezogen. 

Mitte der 90er Jahre pilgerte ich Monat für Monat zur Bahnhofsbuchhandlung im Hauptbahnhof Essen um auch ja keine Ausgabe von Wired zu verpassen. OK, Benzin war nach heutigen Maßstäben billig, aber vergnügunssteuerpflichtig war die Fahrt von Gladbeck nach Essen-Mitte nie. Wired vermittelte eine Ahnung der Zukunft des Internets, die ich mir, ausgestattet mit einem 16 Mhz LCII und einem 1200 Baud-Modem zwar sehnlichst wünschte, aber doch nicht wirklich vorstellen konnte. In Wired schrieb Negroponte seine Kolumnen, wurde die Unabhängigkeitserklärung des Internets von John Perry Barlow diskutiert und schaffte es Richard Dawkins auf das Cover – mit vergrößertem Kopf, weil er so schlau ist und ja irgendwo so viel Gehirn hin muß.
Nun hat Louis Rosetto, einer der Wired-Gründer, in einem Brief an seine Kinder Bilanz gezogen. Wired war immer meinungsfreudig und hat gerne Prognosen abgegeben. Rosetto schaut nun nach, welche eingetreten sind und welche nicht. Er kommt zu einem drei zu drei – unentschieden, kein schlechter Wert. Wired lag seiner Meinung nach falsch mit:

– Dem Ende der Geschichte. Das Heft hatte sich hinter Francis  Fukuyamas These gestellt, dass nach dem Ende der Sowjetunion der Siegeszug von Marktwirtschaft und Demokratie nicht mehr aufzuhalten sein würde. Rosetto räumt ein, dass er mit dem Hass des Islamismus nicht gerechnet hat.

– Dem Tod der alten Medien: Zu früh hatte Wired das Ende der Printmedien ausgerufen. Die halten sich allerdings mit großer Zähigkeit.

– Das Ende der Politik: Noch immer ist die Macht in den Händen von Politikern. Die politische Klasse wurde nicht von demokratischen, selbstorganisierenden Netzwerken verdrängt.

Doch es war natürlich nicht alles schlecht:

– Der oftmals belächelte Long Boom ist nach Rosettos Meinung Wirklichkeit geworden:  Die Armut nimmt weltweit ab, immer mehr Menschen können lesen und schreiben und leben in Demokratien.

– Das Internet  hat sich zu dem entwickelt, was Wired "Die eine Maschine" nannte.  Durch die technologische Verbindung ist zwar ein Weltbewußtsein noch nicht geschaffen worden, es ist aber, so Rosetto, auf dem Weg.

– Technologien werden die Beziehungen der Menschen untereinander verändert. Twitter, Facebook  etc. belegen das ja.

Auch für die Zukunft ist Rosetto optimistisch: Er geht davon aus, dass die Menschen in Zukunft weniger egoistisch sein und sich verantwortungsbewußter verhalten werden: Die Milleniumgeneration, so zumindest seine Hoffnung, wird idealistischer sein als deren Eltern und Großeltern. Da schauen wir 2043 noch einmal nach – dann wird Wired 50.

Kommentar verfassen