Wie es ab jetzt mit Schulz bergab gehen wird

Wuschige Jusos


Sie sind  wieder einmal ganz wuschig, die Sozialdemokraten: Martin Schulz euphorisiert die seit Jahren am Boden liegende Partei. Doch Schulz ist ein Kandidat, der für die Union leicht zu demontieren sein wird. Nach der Bundestagswahl werden alle froh sein, wenn es vorbei ist.

Ich bin kein besonders mitleidiger Mensch, vor allem nicht, wenn es um Politik geht. Von den drei SPD-Kanzlerkandidaten, die im Gespräch waren, wurde es meiner Meinung nach der mit den geringsten Chancen: Martin Schulz. Dass Gabriel und Scholz sich im  Wahlkampf gegen Merkel nicht verbrennen wollten, kann ich allerdings gut verstehen: Dass Gabriel  jetzt abtrat, war vernünftig. Dass Scholz nicht antrat auch – seine Zeit könnte in vier Jahren kommen.

Schulz großer Vorteil zur Zeit ist, das er bekannt ist, aber sich bislang kaum jemand für das interessierte, was er machte. Über das Europaparlament wird relativ wenig berichtet. Allein der Skandal um die von ihm kassierten Sitzungsgelder an 365 Tagen im Jahr, hätten die Karriere jedes Landtags- und Bundestagskandidaten beendet – bei einem Abgeordneten des Europaparlaments war es egal, weil den meisten das Europaparlament egal ist – es ist kein richtiges Parlament, es kann ja nicht einmal den EU-Haushalt alleine beschließen. Mal schauen, was sich da noch alles finden wird.

Dafür kommen aus Europa viele absurde Beschlüsse. Auch wird man sich seine Reden, und Schulz redet viel, noch einmal anschauen. Als  Mahmud Abbas, der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde, im Europaparlament gegen Israel hetzte, fand Schulz seine Rede “inspirierend“.

Jetzt beginnt die große Stunde der Europakorrespondenten. Mal schauen, was sie alles spannendes entdecken werden. Die Aufmerksamkeit, die ihre Arbeit nun bekommen wird, haben sie sich redlich verdient.

Im nächsten halben Jahr wird sich die Welt ändern und sie wird wahrscheinlich kein netterer Ort werden. Trump, die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, der Brexit, Putin und die Konflikte im Nahen-Osten – dass ein Dampfplauderer wie Schulz ins Kanzleramt gewählt wird, ist eher unwahrscheinlich. Mehr als das: Es wäre ein hohes Risiko.

 

59 Kommentare

Keep Angie great again .Sie ist das beste was Deutschland im Moment innerhalb des politischen Systems zu bieten hat. Ich hab mich auch direkt gefragt was das den soll das so ein Schulz Hype ausbricht, das es heißt er ist in Umfragen gleich auf mit Angie. Warum ist das so? Wo für steht der Typ? Was hat der so geschafft in der Politik? Was will der erreichen? Niemand weiß das.

Nicht nur die Euphorie in "meiner" SPD, sondern vor allem die durchweg positiv-kritischen bis wohlwollenden Kommentare zu Schulz in den Medien -sh.z.B. Spiegel-online, sh.Südd.Zeitung und die akutellen Umfrageergebnisse deuten an, daß die SPD mit Schulz "den richtigen Spitzen- Kandidaten für die Bundestagswahl und den Parteivorsitz gefunden zu haben scheint.

D.h. für mich als alten SPDler vor allem,

a.)
daß es ab sofort" eben nicht mehr als unabwendbar erscheint, daß Angela Merkel auch nach der Bundestagswahl im Sept. 2o17 für weitere 4 Jahre Kanzlerin bleibt
b.),
daß der Wahlkampf nicht nur deshalb interessant, spannend, höchstkontrovers der AFD wegen ablaufen dürfte, sondern auch deshalb, weil Schulz und die SPD höchst motiviert und vor allem wieder optimistisch mitmischen können und
daß
c.)
von dieser wieder höchst motiviert und optimistisch wirkenden SPD mit Schulz als ihrem Spitzenkandidaten für die Budnestagswahl auch die NRW-SPD bei der Landtagswahl profitieren könnte.

PS
Daß ich persönlich von Anfang an -auch mit entsprechendem massiven internen Einsatz in "meiner" SPD für Schulz – weniger für Scholz und gar nicht für Gabriel- gestritten habe- habe ich hier bei den Ruhrbaronen mehrfach bekundet; umso größer meine Zufriedenheit mit der jetzt durch die SPD getroffenen Personalentscheidung -bisher formal erst nur die Nominierung von…..

Dass von "außerhalb" diese Personalentscheidung kritisiert wird, dass ab sofort "Schwächen der Person, Schwächen des Politikers Schulz" Bestandteil der öffentlichen Diskussion sein werden, ist selbstverständlich -sh.hier der Kommentar von Stefan Laurin-. Und dafür gibt es sehr unterschiedliche Motive, über die ich jetzt und hier nicht spekulieren werden; "bringt ja -so oder so- nichts."

Martin Schulz wirkt auf die Seele der SPD wie Viagra auf die erektile Dysfunktion eines Greisen. Das Beben, welches derzeit überall im Körper der alten Volkspartei zu spüren ist und bei allen Beteiligten nicht mehr für möglich gehaltene Frühlingsgefühle weckt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Gemächt in den letzten 18 Jahren auf kümmerliche 20-25 Prozentpunkte zusammengeschrumpelt ist.

Mit anderen Worten: Auf zur Jagd auf Martin Schulz, den kriegen wir auch noch erlegt! Ehrlich, lieber Stefan Laurin, das kotzt mich an! Dass Politiker jeder Couleur immer gleich zum Freiwild erklärt werden, kaum dass sie eine öffentliche Funktion anstreben. Macht ihr euch eigentlich keine Gedanken, was das zur Folge hat? Nämlich, dass jeder halbwegs begabte Mensch künftig einen Riesenbogen um derartige öffentliche Ämter macht? Generelle Medienschelte liegt mir wirklich fern, aber wenn Recherche bei euch nur noch aus geplanter, angestrebter Skandalisierung und dem Wühlen im Dreck besteht, dann wundert es mich nicht, dass all diesen Scheiß keiner mehr lesen will. Klar, bin auf den Titel hier oben schon reingefallen – clickbaiting halt – aber leider der übelsten Art. Echt – zum – Kotzen! Sorry. Und bestimmt finde ich in den Tausenden Artikeln hier jede Menge Zitate von Ihnen, in denen ich eine beängstigende Gesinnung reininterpretieren kann, z.B. diesen hier.

@Burzinski
Es ist ein seltsames Verständnis von Journalismus. Im Falle von Herrn Schulz ist seine bauernschlaue Bereicherung durch Sitzungsgelder an 365 Tagen im Jahr nun wirklich gut dokumentiert. Er selber bezeichnet die soziale Gerechtigkeit als seinen Wahlkampfschwerpunkt. Nun, finde den Fehler…..

"… kaum dass sie eine öffentliche Funktion anstreben."

Das ist der Witz der Woche. Schulz drängt es geradezu zwanghaft an die Fleischtöpfe der öffentlichen Hand. Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass Schulz eine Zeitlang irgendwas in Brüssel/Europa war. Schulz ist nur an der Macht und den damit zusammenhängenden Zahlungen interessiert. Der Mann ist immerhin von der SPD. Deren Funktionsträger fallen nicht mit politischen Inhalten auf. Man denke nur an den dicken Arbeiterverräter und die Tante mit der Fielmann-Brille.

150 Jahre SPD. Der Kapitalismus gratuliert.

Ach so, aber es ist kein bedenkliches Verständnis von Journalismus, dass hier jemand – aus welcher politischen Gesinnung heraus auch immer – per se mal zum Staatsrisiko erklärt wird? Oder Politiker zu Arbeiterverrätern, was ja nicht so weit entfernt ist von dem Jargon des Volksverräters, oder?

@Matthias Burzinski: Doch, das ist ziemlich weit von beidem entfernt. In einer schwierigen Lage ist ein Dampfplauderer wie Schulz im Vergleich zu Merkel schlicht ein Risiko. Der Mann trug, ausser in Würselen, nie Verantwortung. Es sind keine guten Zeiten für einen Azubi im Kanzleramt.

Der Herr Schultz – ein "typischer Sozi" und Vertreter der kleinen Leute ?? Wahrscheinlich, denn das Scheffeln mit der Kohlenschaufel in die eigene Tasche – das beherrscht Martin Schultz perfekt. Und teilweise auch noch steuerfrei – ganz wie seine Wirtschaftsfreunde in der Brüssel-EU im Steuersparparadies "Juncker" zu Luxemburg:

Herr Schultz hat für 365 Tage im Jahr über 111.000 Euro zusätzlich und steuerfrei (!) zu seinen sechsstelligen Bezügen als Sitzungsgeld im EU-Parlament kassiert und damit möglicherweise betrogen. Denn er war etliche Tage gar nicht in Brüssel und es fanden da gar keine Sitzungen mit ihm statt.(Beleg: http://www.swr.de/report/presse/eu-tagegeld/-/id=1197424/did=13302262/nid=1197424/gc8skf/ ).

Schultz ist nicht der "Sankt Martin" der SPD, sondern deren Steinbrück: Der erhielt für einen einzigen Vortrag im Wasserwerk Bochum = 25.000,00 Euro Bezahlung. (Beleg: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwiipZXcq-jRAhViJpoKHXjzCiMQFggmMAA&url=http%3A%2F%2Fwww.stern.de%2Fpolitik%2Fdeutschland%2Fsteinbrueck-auftritt-bei-den-stadtwerken-bochum-25-000-euro-fuer-ein-bisschen-plauderei-3572894.html&usg=AFQjCNEwwAdwjBh0Fg9GSuH2OAWKwE9MJA )

Toller Kanzlerkandidat der ältesten Malocherpartei Deutschlands! Vielleicht kann er auch August Bebels historische Uhr verleihen – gegen kleine Gebühr…

"Oder Politiker zu Arbeiterverrätern, was ja nicht so weit entfernt ist von dem Jargon des Volksverräters, oder?"

Das ist aber lustig. Einem SPD-Apologeten passt das Wort Arbeiterverräter nicht.
Genau das ist Gabriel aber, genau das macht die SPD seit 150 Jahren: die Arbeiterklasse verraten. Wer hat z. B. die Repressionsmechanismen Hartz-4 und Co. entworfen? Wer hält die Schwachen und Entrechteten im Namen des Kapitals klein? Richtig -die SPD.

Nebenbei, Matthias Burzinski, Sie stehen soweit rechts, dass Sie eine linke Position nicht erkennen können.

Nach Notat das Forum gewechselt.

Ok, hab verstanden: Merkel, die große Modernisiererin, soll also als ewige Kanzlerin bis zu ihrem Tode weiterregieren, denn die Zeiten werden sich ja in den nächsten Dekaden wohl kaum noch ändern, gell. Und wer – bitte – wäre denn kein Azubi auf dem Posten des Kanzlers?
Ach ja, und Menschen, die gerne reden und kommunizieren, sind demnach also per se ungeeignet für das höchste Staatsamt – auch ein interessantes Menschenbild.
Und Arbeiterverräter – dabei bleib ich – ist nicht weit entfernt von Volksverräter, halt nur eine Frage der Perspektive.

@Michael NN: Ich fühle mich ertappt. Sie müssen echt ein Recherche-Genie sein. Sie wissen nicht nur alles über Martin Schulz, sondern auch über mich. Natürlich, Sie haben recht – wie doch immer, oder?

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Ihr kennt offenkundig nicht, nicht hinreichend den politischen Hass, den einige "Ruhrbarone" mit sich herumschleppen und offenbaren, wenn sie nur im entferntesten zu erkennen glauben, die SPD und ihre Protagonisten -hier Martin Schulz- könnten mit ihren Ideen, mit ihren Entscheidungen, mit ihrer Persönlichkeit positive öffentliche Aufmerksamkeit erlangen, evtl. sogar öffentliche Zustimmung finden und so für "diese Ruhrbarone" und ihresgleichen gefährlich werden.

Das ist nun 'mal so. Das wissen viele Menschen in der Region, in NRW und darüber hinaus. Sie gehen folglich damit relativ gelassen bis gleichgültig um -"müßt Ihr das noch lernen?!"

PS
Da ich als SPD-Akivist u.a. mitbekommen habe, wie seinerzeit gegen Willy Brandt gepöbelt , wie ihm mit abgrundtiefem Hass begegnet wurde, und wie er trotzdem oder gerade deswegen den größten Wahlerfolg in der Geschichte der SPD erzielt hat, weiß ich, daß Hass und Pöbeleien in der Bevölkerung auch das Gegenteil von dem zu bewirken vermögen, was sich die Hasser, die Pöbler von ihren politischen Kampagnen erhoffen.

Ich vergleiche hier n i c h t M. Schulz mit W.Brandt!!
Wohl aber Hasskampagnen, Pöbeleien gegen politische Gegner und problematisiere Ursachen und deren gewollte, erreichte oder verfehlte Wirkungen.

@2 : "…sondern vor allem die durchweg positiv-kritischen bis wohlwollenden Kommentare zu Schulz in den Medien -sh.z.B. Spiegel-online, sh.Südd.Zeitung…"
"Die Medien" spiegeln aber nicht die öffentliche Meinung, sondern veröffentlichen ihre Meinungen; schlimmstenfalls versuchen sie, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Auch Clinton war der Liebling der Medien.

Davbub
1.
Ja, so ist das dann wohl mit der "Lügenpresse" .
2.
Ich denke, Martin Schulz dürfte es freuen, wenn er nach wenigen Tagen öffentlicher Präsenz als SPD-Kanzlerkandidat schon mit H.Clinton als Medien-Liebling verglichen wird.

@Walter Stach:
Doch, ich weiß das, ich lese das hier auch schon länger, und mit zunehmendem Widerwillen, aber das heißt ja nicht, dass man das immer so hinnehmen muss. Eigentlich geht es auch ums Prinzip, das merkt hier nur keiner, weil Ihnen – in der Tat – der Hass das Gehirn verklebt hat. Diese Selbstgerechtigkeit, mit der über andere und Ihre Verfehlungen und Charaktereigenschaften geurteilt wird, das ist wirklich zerstörerisch. Auch für einen selbst, doch das merken noch viel weniger. Und es beinhaltet ja auch eine endlose Steigerungslogik. Wo soll das enden?

Martin Schulz und all die anderen, die zur Wahl antreten, sind – egal welcher Parteizugehörigkeit – sicher keine Engel. Engel werden nämlich keine Kanzler. Aber diskreditiert sie/ihn das vollständig?

Der Artikel ist eine Punktlandung mit wenigen Worten.

Die Journalisten werden die nächten Monate noch ein wenig recherchieren.
Danach werden wir viele Einzelheiten aus der EU kennen.

Die Spd als Partei des kleinen Mannes zeigt überdeutlich, wie man Posten verteilt.
So erreicht man alte Wähler nicht und neue schon gar nicht. Welcher Malocher kann schon vom einen Ministerium zum anderen wechseln und den Wechsel damit begründen, dass er mehr Zeit für die Familie will.

In der realen Welt bekommt man mit den Aussagen keinen Job zum Kistenauffüllen.

Möglich, dass Schulz doch noch das eine oder andere unsaubere Eckchen hinterlassen hat .

Nun aber Schulz als Claquer antisemitischer Propaganda zu verleumden ,ist schon ein starkes Stück- zum einen wegen der skurrilen Quelle Mena-Watch, zum anderen aber auch nicht verwunderlich, weil Herr Laurin jegliche Kritik an Israel als antisemitisch diffamiert. Abbas ist also demnach per se ein Antisemit, weil er Palästinenser ist, der palästinensischen Interessen und Rechte vertritt.

Also, wenn Schulz Abbas applaudiert und für palästinrnsische Rechte eintritt, könnte das das erste Mal seit Eintritt meiner Volljährigkeit sein, dass ich die SPD wählen würde Danke Insofern für den Hinweis., Herr Laurin

Zur Sprache: "Risiko" und "Verräter" – das sind zwei völlig verschiedene Kategorien. Jemanden als "Verräter" zu bezeichnen (egal ob nun als "Volks-" oder "Arbeiter-" oder die seinerzeitige Kampagner rechter Kreise gegen den "Landesverräter Herbert Frahm") ist ein starkes moralisches Unwerturteil, geradezu die Aufforderung, denjenigen hinter Gitter zu bringen. Demokraten sollten politische Gegner nicht einfach so als Verräter bezeichnen, das verläßt den Rahmen der zivilisierten politischen Auseinandersetzung. Hingegen Schulz (oder irgendeines anderen Kandidaten) im Kanzleramt als Risiko anzusehen, das beinhaltet große Zweifel an seiner Kompetenz, aber kein moralisches Unwerturteil. Es ist kein Verbrechen, ungeeignet oder unfähig zu sein, und es muß in der politischen Debatte in einer Demokratie selbstverständlich möglich sein, die Kompetenz von Kandidaten zu bezweifeln.

Da sage noch einer, die SPD bewege die Gemüter nicht. Es scheint, dass die Ruhrbarone sich als Fortsetzung des nd und anderer sozialistisch-kommunistischer Parteiblätter verstehen, in denen auch dauernd das Verräterglöcklein für die SPD geläutet wurde. Aber Obacht: die Kommis als organisierte Massenbewegung gibt es nicht mehr, die SPD sehr wohl noch. wenn auch verkleinert.

Dass Martin Schulz Sitzungsgelder eingeheimst hat, war mir völlig neu. Dass Kritik an ihm den SPD-Fans sauer aufstößt, ist der Tatsache geschuldet, dass er im Moment deren einziger Hoffnungsträger ist.

Ich gehöre nicht zu denen, für die Politiker per se korrupt, unfähig oder beides sind. Im Gegenteil glaube ich, dass die meisten von ihnen ihren Job ordentlich machen und versuchen, den Laden zusammenzuhalten.

Martin Schulz macht das nicht: Er ist ein gnadenloser Schwätzer und Opportunist, ein Mann ohne Rückgrat. Das aufgeführte Beispiel im Europaparlament ist nicht deswegen so widerlich, weil die fragliche Rede von dem „Palästinenser“präsident Abbas gehalten wurde sondern weil dieser darin u.a. die Lüge eingeflochten hat, dass israelische Rabbiner dazu aufgerufen hätten, palästinensische Brunnen zu vergiften.

Der künftige sozialdemokratische Kanzlerkandidat hat dazu begeistert applaudiert. Wer sich (nicht zum ersten Mal) auf einem solchen unentschuldbaren Niveau bewegt, gibt begründeten Anlass zu massiver Kritik.

Da war doch auch noch diese Lüge über den israelischen Wasserraub, die er unkritisch wiedergegeben hat. Ein Palästinenser kriege nur 7 Liter pro Tag, ein Jude 70 oder so?

Jeden Menschen holt seine Geschichte ein, wenn er in einer Demokratie mit freien Medien für ein wichtiges öffentliches Amt kandidiert. Die entscheidende Frage dabei ist jedoch, wie diese Geschichte von seinen Wählern gesehen wird. Finden Sie ihn sehr kompetent, werden sie ihm frühere Fehler, sofern er sie zu gibt ,verzeihen. Tun Sie es nicht, werden sie sie ihm doppelt anlasten, auch wenn er sie öffentlich bereut.

Es hängt also alles davon ab, wie kompetent und wie glaubwürdig Schultz bei den Wählerinnen und Wählern rüber kommt. Und genau deswegen werden die politischen Gegner der SPD genau an den beiden Stellen auf ihn einprügeln. Das ist ihr gutes Recht und geschieht natürlich auch bei den Ruhrbaronen. Aber hier dürfen die Freunde der SPD auch wieder zurück prügeln. ☺

@26:
Wer arbeitet macht Fehler. Wer viel entscheidet, wird auch Deals etc. machen.

Das ist bis zu einem gewissen Grad OK. Der Umgang mit den Ereignissen ist ein anderer.

Wann werden Rücktritte von wem gefordert? Was sind die Maßstäbe?

Wir haben bspw. einen Ex-Bundespräsidenten, der wg. einer relativ kleinen Sache mit einer Frau als PR-Beraterin durch eine sehr schlechte Kommunikation zurücktreten musste.
Wir haben einen Innenminister, der seit Jahren aus meiner Sicht sehr berechtigten Rücktrittsforderungen ausgesetzt ist, der immer noch im Amt ist.

Insgesmat hängt dann auch viel von den Personen ab. Wie gehen sie mit diesen Forderungen um. Genießen sie das "volles Vertrauen" in der Partei und beim Bürger?

Insgesamt ist das Bild entscheidend.
EU Politiker haben ein schlechtes Image, dass sie sich über viele Jahre erarbeitet haben. Viel Geld, wenig Verantwortung. Viele Posten (z.B. Stellvertreter), aber wenig Resultat
Viele Subventionen (z.B. Landwirtschaft), deren Sinn bezweifelt werden kann.
Es ist kein Wunder, dass diese Organisation beim Bürger der EU nicht besonders hoch im Kurs steht.

Für mich steht Herr Schulz genau für diese EU, die dann noch zu seinen Zeiten in große Vertrauenskrisen geraten ist.

Dass die SPD begeistert ist, ist klar. Die Angriffspunkte sind für mich zu groß als dass er erfolgreich agieren könnte. Im eigenen SPD-Kosmos ist das anders. Aber auch Frau Kraft hat mir ihrer fatalen Regierungsbilanz sehr hohe Zustimmungswerte erreicht.

Das kommt mir vor wie im Vorortverein. Irgendwie geht es seit Jahren bergab, aber bis auf Jupp will keiner den Vorsitzenden machen, also Wiederwahl.

#3 der, der auszog
Um in der Metaphorik zu bleiben: Schulz ist Viagra zur Selbstbefriedigung? 😉

Schulz "steht" doch auch für eine Partei, die immer noch in Kategorien des 19. Jahrhunderts schwärmt & träumt …

@#26 Arnold Voss: Israel und Antisemitismus wird in den nächsten Wahlkämpfen in diesem Jahrvoraussichtlich keine Rolle spielen, insofern kann die SPD mit Schulz bei den Wählern noch Punkte einfahren.

@Klaus Lohmann: Das große Thema wird Sicherheit sein. Für die SPD wird das nicht einfach. Für einen Europapolitiker wie Schulz erst recht nicht.

Manch ein Kanzlerkandidat der SPD ist zeitlich so früh in diese Funktion geschoben worden, daß für seine Gegner genügend Zeit blieb, ihn zu erlegen. Warten wir mal bis zum Sommer ab, dann sehen wir etwas genauer, wo der Hype um den jetzigen Kandidaten geblieben ist.
Dann könnte Gabriel vielleicht doch noch…? Er will ja abspecken und wäre dann ein ganz anderer.

"…Welcher Malocher kann schon vom einen Ministerium zum anderen wechseln und den Wechsel damit begründen, dass er mehr Zeit für die Familie will…" #20

Genau!
Und weil die Lebensrealität der Bürger so anders ist, deswegen sind die Politiker auch soooo beliebt …

@ 18: Na, und schon wieder den Bezug zur AfD/Pegida hergestellt. Im Gegensatz zu vielen Ihrer früheren "Genossen" bin ich dort weder Mitglied noch Mitmarschierer. Sie sollten die Texte sorgfältig lesen und darüber nachdenken, statt diese reflexartig zu kommentieren.
Die "Lügenpresse" scheint Ihr Trauma zu sein, nicht meines.

@Stefan Laurin, so weit ich mich zurückerinnere, hätte Olaf Scholz die Kandidatur nur als Folge einer angebotenen Kampfabstimmung haben können, Das und nur das hatte Scholz abgelehnt.
Schulz bekommt Spitzenkandidatur und zusätzlich Parteivorsitz ohne Kampfabstimmung.
Das macht für mich einen wesentlichen Unterschied aus.
Weil es innerhalb der SPD keine Richtungskämpfe, kann ich nur spekulieren, was der Grund dafür sein könnte.
Offenbar wollte Gabriel Olaf Scholz nicht, aus welchen Gründen auch immer,
Martin Schultz dagegen wohl. Und uns Wählern macht man ein "U für ein O" vor.

" Und weiter geht's bergab"…….
1.
Lt. aktuellem "Deutschlandtrend" würden sich bei einer Direktwahl des Kanzlers 5o% für Schulz und 36 % für Merkel aussprechen.

2.
Lt. akuteller Wählerbefragung durch Infratest/Dimap kommt die SPD auf 28 %!
Das sind rd. 6 % mehr "als vor Schulz" und immerhin kommt die SPD damit wieder auf "Sichtweite" der CDU heran, die nach wie vor deutlich vor der SPD liegt -34 %.

"Bergab" sieht anders aus.

Hier mag man einen Trend erkennen -für mich als SPDler einen positiven.

Hier mag man im Gegensatz dazu auch lediglich Ergebnisse eines schon an sich fragwürdigen Unterfangen erkennen , ergänzt um den Hinweis , daß bis Sept.2o17 noch " viel Wasser durch den Rhein fließt".
Eine Meinung, die man vertreten kann und die ich respektiere.

Mir scheint jedoch, sh. die Prophezeiung im Kommentar von Stefan Laurin und die im Trend "SPD-kritschen-Kommentare (vorsichtig formulier), daß "man" sich nicht nur von Vorurteilen und Emotionen leiten lassen sollte, sondern sich -vor allem wenn man einer Person, einer Sache gegenüber von Vorurteilen zu strotzen scheint- , sondern daß "man" sich zumindest bemühen sollte, nachdenklich, möglichst rational mit einem Thema, einer Person umzugehen.

-28-
letzter Satz

Ich gehe davon aus, daß die herkömmliche "Selbstbestimmung" aller (!!) Parteien -in Westeuropa, Deutschland eingeschlossen- und die von ihnen herkömmlich gewollte " Fremdwahrnehmung" durch die Bürger/die Wähler sich schon jetzt in einem evolutionären Prozess befinden, den sie noch zu leugnen , den sie sogar aufzuhalten versuchen. Mir scheint, daß sie damit scheitern werden.
Das gilt auch für "meine" SPD, aber eben auch für alle (!!) anderen Parteien.

Präs.kandidat Macon in Frankreich, so scheint mir, geht einen solchen "neuen Wege jenseits der klassischen Parteistruktur in Frankreich -hier LINKS, da Rechts und da die MItte.

Und Trump hat ja mit Erfolg bewiesen, daß sich politische Mehrheiten und politische Macht in der Tat jenseits klassischer Partei-Strukturen, ja sogar in bewußtem Gegensatz zu ihnen, gewinnen lassen -"Ende offen".

Im übrigen:

Euphorisch bin ich als "Sozi"angesichts der Schulz-Kandidatur nicht. Ich halte allerdings in Abwägung zu denkbar anderen Personalentscheidungen die Entscheidung pro Schulz für die unter den gegebenen Bedingungen zweckdienlichste.

Ich kenne nicht d i e Antwort für die Zustimmung in der SPD und außerhalb für Schulz.
Mir scheint, daß er vor allem jemand ist, der Menschen für sich gewinnen kann, also jemand ist, den man seit altersher einen "Menschenfänger" zu nennen pflegt.

Walter Stach … der – spezifisch deutsche – "Sozialismus" etc. ist eine pseudo-politische – proto-wissenschaftliche – emotionale, psycho-logische Reaktion aus der Epoche der Romantik. Ich kann weder etwas für Ideengeschichte noch für die Realität 😉 Trostpflaster, die sich mnache Dickschädel beim Anrennen gegen die Wirklichkeit holen. Echt jetzt, Empirie ist, richtig verstanden, gar nicht so verkehrt.

Erst wenn das letzte Formblatt ausgefüllt und wenn der letzte Ressentiment geladene Ruhr-Hinterwäldler erkennt, dass er global vernetzt ist, dann ist das 21. Jahrhundert hier mental angekommen 😉 Es soll hier mit dem Internetz auch in manchen mit Gehirnzellen gefangenen Ideologien um GedankensindGefühle-Filter-Bubble handeln.
Das gilt selbstverständlich auch für den regional-digitalen Kommentar-Adel 😉
noblesse oblige

-36-
Die Behauptung im ersten Satz ist…..? ?
Ich kann mich mit ihrem Inhalt nicht auseinandersetzen, weil ich ihn -mit Verlaub- für hanebüchenen Unsinn halte.

Da die Idee des Sozialismus, sozialistische Systeme, sozialistische Parteien weltweit in Geschichte und Gegenwart -Deutschland eingeschlossen- in diversen wissenschaftlichen Disziplinen Gegenstand sehr, sehr umfangreicher Forschungsarbeiten waren und sind, darüber tausende Promotionsarbeiten geschrieben wurden und, und, und…….kann ich der Sache wegen, denn die erscheint es mir nach wie vor wert zu sein, mich auf den von mir sog. hanebüchenen Unsinn nicht einlassen.

Im übrigen meine ich, daß Martin Schulz das falsche Objekt ist, um sich an ihm in Sachen "Sozialismus" abzuarbeiten.

Er ist für mich ein volksnaher Politiker, ein überzeugter Kämpfer für ein "Mehr" an politischer Einheit (West-)Europas, jemand, der ohne Wenn und Aber zu den Grundwerten unserer Verfassung und zum System des demokratischen und sozialen Rechtsstaat steht, also radikal und vehement jeder völkisch-nationalistischen Gesinnung entgegentritt, und der sich -nicht zuletzt- der Idee der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet sieht -nicht mehr, nicht weniger.

Wenn ich den französischen Präsidentschaftskandidaten Macon im meinem Beitrag -28-erwähnt habe, dann nur deshalb, um so der einfachheithalber daran zu erinnern, daß es nicht nur in der Theorie, sondern in der praktischen Politik bemerkenswerte Gedanken und Ideen gibt, die zu erkennen geben, daß es Bewegungen gibt, die darauf abzielen, "ab jetzt" Politik außerhalb der klassischen Parteistrukturen zu versuchen, eben nicht -mehr- in den Kategorien des 19. Jahrhunderts.
In diesem Sinne werden sich , das leugnet niemand, alle (!!) Parteien in Deutschland, folglich auch die SPD, mittelfristig auf evolutionäre Prozesse in der "Parteienlandschaft" einstellen müssen, möglicherweise sogar auf gravierende Veränderungen im Verständnis von der verfassungspolitischen und verfassungsrechtlichen Bedeutung der Parteien in repräsentativen Demokratien.
Aber auch bezogen auf diese Thematik ist Martin Schulz "das ungeeignete Objekt" so wie es auch Frau Merkel, Herr Seehofer, Herr Lindner pp. wären.

Die Wähler werden sich im Sept. 2o17 in ihrer Entscheidung nicht leiten lassen von Erwägungen über "Schulz und Sozialismus" oder über "Schulz und die Frage nach einer zeitgemäßen und zukunftstauglichen SPD", sondern von…….????
Das wird sich zeigen -ich weiß es nicht; ich prognostizieren diesbezüglich auch nichts.

Jetzt und hier kann "man" doch lediglich meinen (!!), Martin Schulz sei als "Kanzlerkandidat der SPD"…….??
-Stefan Laurin meint, "der Anfang vom Abstieg der SPD". Diese Meinungen teilen -nicht überraschend-viele der Blogger hier bei den Ruhrbaronen. Ich teile sie nicht. Derzeit (!!) folgere ich aus den mir bekannten Fakten, daß Stefan Laurin mit seiner Meinung daneben zu liegen scheint.-

Die Subjektivität all dieser Meinungen ist selbstverständlich, einschließlich ihrer Prägung nach der sozialen/kulturellen Verfassung eines jeden Einzelnen, nach seinen gesellschaftspolitischen, möglicherweise parteipolitischen Präferenzen und nach den konkreten persönlichen materiellen Interessen.

Ich gestehe, daß ich mit der Causa Schulz sehr , sehr gelassen umgehe -offenkundig im Gegensatz zu manch Anderem hier bei den Ruhrbaronen und im Gegensatz zu so manchem Granden in CDU/CSU, wie ich so eben -sh.Spiegel online-lesen konnte, aber auch im Gegensatz zu meinem radikalen Engagement, wenn es gegen den IS, wenn es gegen die AFD, wenn es gegen Trump geht, dann ist mir jede Gelassenheit fremd.

Wofür steht denn die an der Regierung beteiligte Spd und insbesondere ihr möglicher Kanzlerkandidat? Inhalte gab es bisher kaum.
– Mehr Europa? Wer will Eurobonds, noch mehr Haftung, Inflation etc?
Insbesondere die Europapolitik hat doch dafür gesorgt, dass sich viele Länder auf den Nationalstaat fokussieren wollen mit so wenig Eu mit ihren gut versorgten Politikern/Beamten wie möglich. Der Brexit war doch auch nur möglich, weil der EU Elfenbeinturm jeden Kontakt zur Basis verloren hatte.
– Sicherheit wird ein Kernthema sein. Womit will die Spd und insbesondere der Ex-Eu-Politiker punkten?

Die interessanteste Frage: Welche konkreten politischen Erfolge hat er vorzuweisen?

Dann wird aktuell über Sitzungsgelder diskutiert.

Ich bleibe bei : bergab

#37 WStach
Schön Tapete, leider hält der Kleister das Ding nicht an der Wand.
Es gibt auch Exobiologie, Theologie , Gender Studies etc.. Da können sich gerne ein paar "Wissenschaftler" mit "Sozialismus" beschäftigen. Sagt nur nichts über die Validität der in "Sozialismus" enthaltenen Thesen aus 😉
Aber wenn er das Herz wärmt, in diesen kalten, rauhen realen Zeiten … kann man sich auch gerne in Sozialismus einwickeln.

@ #38 KE Kein Einwand zu den Konsequenzen von Schulz 😉
Merke(l): Wer mit den Politik(ern) von gestern Politik für heute & morgen zu machen, der wird am Wahltag hoffentlich die Quittung bekommen … die Rechnung bezahlen ja ohnehin die Bürger.

Ich bin erstaunt, ich bin verwundert, ich bin überrascht über das Ausmaß an Angst, an Verunsicherung, an daraus resultierender Wut darüber, daß die SPD mit Martin Schulz als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2o17 antreten wird. Das gilt nicht nur für so manchen Beitrag hier, sondern auch für "CDU-Granden", wie Spiegel online heute berichtet. Ist das schon jetzt hysterisch zu nennen ?Was ist dieserhalb noch zu erwarten, wenn das mit den Umfragewerten pro Schulz so weitergeht?

Selbstbewußtsein, Selbstsicherheit, Gelassenheit bei den SPD-Gegnern, bei den Schulz-Gegner angesichts ihrer demonstrierten Gewißheit, daß es, wie prophezeit, für Schulz und damit für die SPD und für die SPD und damit für Schulz als Kanzlerkandidatem bergab gehen wird?

Seltsam, seltsam.

@37"…aber auch im Gegensatz zu meinem radikalen Engagement, wenn es gegen den IS, wenn es gegen die AFD, wenn es gegen Trump geht, dann ist mir jede Gelassenheit fremd."
Etwas mehr Gelassenheit könnte auch Sie zu einer eher differenzierten Betrachtung der Dinge befähigen.
Is, AfD und Trump auf eine Stufe zu stellen, ist schon sehr speziell.

Ich halte es inzwischen für denkbar, dass Schulz bei den nächsten Wahlen Merkel ablösen könnte.

Allerdings wird dies nicht passieren, weil er in der SPD ist oder weil die SPD ein so tolles "besseres" Parteiprogramm im Gegensatz zur CDU hat, sondern weil ein Großteil der Wähler Merkel einfach überdrüssig geworden ist.

Ja, Robert Müser, die Schwäche Merkels wird noch von vielen unterschätzt. Es gibt diesbezüglich eine Wechselstimmung im Land. Und in jedem öffentlichen Streitgespräch wird er besser rüberkommen als sie, egal was er oder sie sagt.

Wenn es zu einem echten Wechsel und nicht nur zu einem Pappnasen-Tausch in einer neuen GroKo kommen soll, muss sich bei der SPD mehr tun als diese belanglose "Ich bin der Martin, ne?"-Kampagne mit der hundertvierundachtzigsten Neuauflage der Gerechtigkeitsdebatte, die Schulz grad ganz unten aus der Rundablage rausfischt. Beseeltes Anhimmeln und Teeny-Gequietsche für den Kandidaten reicht nicht, auch nicht in NRW, wo Wende-Hanni nun ganz flink aus Siggis Ar… in den von Martin wechselt.

Früher wurden Wahlen in der Mitte gewonnen, heute werden sie an den Rändern verloren. Die Partei, der es gelingt, die meisten der Europafrustrierten, der am Gewaltmonopol des Staates zweifelnden und all der anderen – oft aus gutem Grund – staatskritischen Menschen doch noch zu überzeugen, wird gewinnen. Schulz als wendigem, stets auf den eigenen – auch materiellen Vorteil – bedachten Populisten ist dies durchaus zu zutrauen. Ob er allerdings die Heilsversprechen nach der Wahl einlösen wird und kann, wage ich zu bezweifeln. Und auch der hervorragende deutsche investigative Journalismus wird womöglich aus der Europa-Zeit das eine oder andere Schmankerl zu Tage fördern, das Schulz in anderem Licht erscheinen läßt. Wenn die Feinheiten der Zuwendungen für Sitzungen im EU-Parlament Thema in den Medien werden sollten, wird auch der Nimbus des hart arbeitenden Buchhändlers, der nur für das Wahre und Gute kämpft, leiden.

-43-

-sh.letzter Satz-
Das kann einer der Gründe sein, warum aktuell Merkel in den Umfragen deutlich hinter Schulz liegt ( "….wenn Sie den Kanzler direkt wählen könnten, dann…..").

Über andere Gründe ließe sich spekulieren und vor allem liäßt sich darüber spekulieren, ob die Gründe allesamt letztendlich bei der Wahlentscheidung im Sept. 2o17 ausreichen werden, um die Kanzlerin Merkel (durch Martin Schulz ?)abzulösen.

Ich wiederhole mich in meiner Meinungsbekundung:
1.
Es tut der gebeutelten, mit Häme überschütteten SPD -"meiner Partei"-gut -sehr gut-, daß sie nach der Wahl von Schulz zum Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl als Partei in dem Umfragewerten um ca.8 % zulegen konnten (aber immer noch unter 3o % und deutlich hinter CDU/CSU liegt) und das sie, wer hätte darüber vor ca. 3 Wochen zu spekulieren gewagt, mit Schulz einen "Kanzlerkandidaten " hat, der immerhin in den Diskussionen als durchaus ernstzunehmender Konkurrent für Frau Merkel "gehandelt wird". Das wird die SPD in den Wahlkämpfen 2o17 besonders motivieren. Das wird das Selbstbewußtsein von Martin Schulz und sein dementsprechendes Engagement im Wahlkampf stärken bzw. beflügeln -falls das überhaupt noch möglich ist.
(Das mag dazu beitragen, daß auch die NRW-SPD mit Frau Kraft als Spitzenkandidaten auch nach der Landtagswahl wieder eine Koalition "anführen" und Frau Kraft erneut MP wird -sh.45 Klaus Lohmann-
Klaus Lohmann,
ich habe im übrigen relativ viele Gründe, um mich als Genosse, wenn es um das NRW-SPD-Spitzenpersonal geht, Frau Kraft eingeschlossen, um Zurückhaltung in der Öffentlichkeit zu bemühen!)

Für Mitglieder, Freunde, Anhänger, potentielle Wähler der SPD besteht jedoch m.E. kein Anlaß, in Hysterie zu verfallen wegen der hervorragende aktuellen Umfragewerte für Martin Schulz. Die Emotionen in der Bevölkerung pro Schulz (und damit pro SPD) sind das Eine, sind etwas, was mich als SPDler sehr freut, das Andere , die Ratio, sollte dabei jedoch nicht auf der Strecke bleiben -weder im Wahlkampf noch dann, wenn über eine neue Regierungskoaltion mit einem SPD-Kanzler Schulz spekuliert wird.

-42-
letzter Satz
Kein Widerspruch meinerseits.

Ich denke, dass gegen den stärker werdenden Rechtspopulismus am besten ein sozialdemokratisch geprägter Linkspopulismus antreten kann. Genau dafür ist Schulz der richtige Kanidat. Ob das gelingt, steht noch in den Sternen. Aber da die CDU-CSU ihren inneren Streit auch im Wahljahr nicht zu schichten in der Lage sein wird und die Liberalen immer noch nicht begriffen haben, dass die Gerechtgkeitslücke (nicht nur) in Deutschland keine gefühlte sondern eine reale ist, steigen die Chancen der SPD mit Schulz enorm.

Allen Unkenrufen zum trotz wird der jetzt gestartete Aufholprozess kein Strohfeuer sein. Die Zeit arbeitet vielmehr für den Linkspopulisten Schultz, und die SPD wird sich ohne Wenn und Aber geschlossen hinter ihn stellen, weil auch der rechte Flügel heilfroh ist, dass es mit den Wählerstimmen wieder aufwärts geht. Ob dabei am Ende eine andere Politik herauskommt, waage ich zu bezweifeln. Aber die schon länger andauernde Merkeldämmerung wird 2017 zu ihrem Versinken führen.

-46-
Ja, so wird es wohl kommen.
Die Gegner der SPD, die Gegner von Martin Schulz werden sicher schon dabei sein, irgend etwas aus seiner Vergangenheit auszugraben und für diverse Kampagnen gegen die SPD und gegen Schulz zu nutzen. Wenn das nicht so wäre, würde das der Tradition einer "wahlkämpfenden Rechten" zu widerlaufen.

Aber……
1.
Nicht nur der Wahlerfolg von Trump hat gezeigt, daß emotionale Begeisterung nicht zu bremsen ist, indem man einem Kandidaten "moralisch-ethisch" Fehlverhalten vorwirft; das Gegenteil kann eintreten.
2.
Der dringend notwendige Sachstreit im Wahlkampf über die für Deutschland zweckdienlichste Politik in den nächsten Jahren , der Streit über die dafür am ehesten geeignet erscheinende Koalitionsregierung und über den dafür am besten geeignet erscheinenden Kanzler, sollte den Wahlkampf bestimmen und nicht permanente Versuche, "Unzulänglichkeiten" im persönlichen Verhalten der Spitzenkandidaten aufzudecken und in den Mittelpunkt des Wahlkampfes zu rücken.

3.

Walter Rathenau hat 'mal sinngemäß gesagt;
"Ein gezielte Suchen wird immer dazu führen, gegen politische Akteure personenbezogene Einwände vortragen zu können, denn nur die NULL ist "rund , also macken- und zackenlos".

Jetzt fällt der Begriff "Populist". War das nicht immer böse?
Waren moralische Verfehlungen, insbesondere wenn man für Gerechtigkeit ist, nicht immer unglaubwürdig?
Waren "Menschenfänger" nicht gefährlich?

-51-
-52-
Wenn jemand durch Überzeichnen einer Lage, einer gesellschaftlichen Situation versucht, "die Zustimmung der Massen zu gewinnen", wenn er also "Populismus" betreibt, z.B. im Wahlkampf,
dann wird -selbstverständlich- nicht nur, ich denke sogar nur sehr selten, über die grundsätzliche "demokratische Legitimität" von Populismus gestritten, sondern in der Regel -oder sogar immer?- darüber, ob das ,was Inhalt populistischer Aktivitäten oder was deren Zielen sind, von den Streitparteien gewollt oder abgelehnt wird.

Für mich bedeutet das:
Wer als Populist agiert, um die "Zustimmung der Massen" für völkisch-nationalistische-antidemokratische Inhalten und Zielen zu gewinnen, gegen den agiere ich, und zwar heftig, und nicht nur ratinonal, sondern auch emotional.

Wer als Populist agiert, um die "Zustimmung der Massen" wider völkisch-antidemokratische-nationalistische Bewegungen zu gewinnen, wer als Populist agiert, um die (west-)europäische Einheit voranzubringen, wer als Populist agiert, um die "Zustimmung der Massen" für mehr (soziale) Gerechtigkeit zu gewinnen, wer als Populist wider die Trumps, die Putins. die Erdogans, die Orbans, die Petrys, Höckes und Gaulands agiert, der findet mich an seiner Seite -als Populist!

@ 53: Also sind lügen, Tatsachen verdrehen, hetzen und die anderen Techniken des Populismusses erlaubt, wenn es um "die Sache" -natürlich die der Linken – geht ?
Das konveniert mit dem Verhalten der für das Wahre & Gute kämpfenden Trump-Gegner, die schon einmal bei der Vereidigung einen Politiker verprügeln und sogar vor der Verächtlichmachung seiner Frau und seines Sohnes (m.W. 10jährig) nicht halt machen.
Schulz hat die vergangenen Jahre in Brüssel dafür gesorgt , daß alles so wurde, wie es jetzt ist. Seine Partei hat in dieser Zeit regiert, und jetzt wollen sie die Revolution?

"…der findet mich an seiner Seite -als Populist!"
Die Populisten der Neuzeit fassen sich da aber wesentlich kürzer.

Ja, es ist Populismus, was Schulz betreibt. Moralisch werten will ich das nicht. Ich frage mich allerdings was einen erfolgreichen Populisten ausmacht.
Klar, die SPD hat stark zugelegt. Da sind sich die Meinungsforscher einig. Nur das linke Spektrum ist gleich groß geblieben, Grüne und Linkspartei sind kleiner geworden. Das Potenzial für Rot-Rot-Grün ist konstant geblieben. Rechte Wähler werden durch Schulz nicht angesprochen. Trotzdem muß Merkel jetzt Angst haben von rechten und linken Populisten in die Zange genommen zu werden. Sie kann als Kanzlerin nämlich auf Realpolitik nicht verzichten und es den Populisten nachmachen. Darum war ihr Außenminister Gabriel (SPD) auch schon als erster wichtiger EU-Repräsentant in die USA geflogen um mit Trumps Vizepräsident Mike Pence und US-Außenminister Rex Tillerson "gute Gespräche" zu führen. Daß das im Widerspruch zu Aussagen von Schulz steht, ist offensichtlich.
http://www.n-tv.de/politik/Gabriel-verzichtet-auf-den-grossen-Zoff-article19687801.html

Ebenso offensichtlich stehen auch Gedanken von SPD-Fraktionschef Oppermann im Widerspruch zu Aussagen von Schulz. Oppermann will zwar keine Mauer bauen, aber Flüchtlinge nach Nordafrika zurückbringen, was den gleiche Effekt wie eine Mauer hätte.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/f-a-s-exklusiv-oppermann-will-fluechtlinge-nach-nordafrika-zurueckbringen-14844895.html
Das ist die derzeitige Realpolitik der Regierung, also auch der SPD. Und wie positioniert sich Schulz? Schulz attakiert den US-Präsidenten heftig.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article161785880/Niedertracht-Schulz-attackiert-Trump-scharf.html
Daran ist jetzt schon zu erkennen, daß SPD-Regierung und SPD-Kandidat unterschiedliche Position vertreten, bzw. durchsetzen.
Ich frage mich, wie lange diese Positionen nebeneinander glaubwürdig koexistieren können. Wenn die Wahl in sechs Wochen anstehen würden, könnte es reichen. Aber die Wahl für den Bundestag ist erst am 22.9. dieses Jahres.

@ Davbub # 54

Ein Populist ist nicht notwendigerweise ein Lügner, Hetzer und Tatsachenverdreher. Lesen sie einfach mal im Duden oder bei Wikipedia nach:

Aus Wikipedia:

Dem Begriff Populismus (von lateinisch populus ‚Volk‘) werden von den Sozialwissenschaften mehrere Phänomene zugeordnet. Einerseits handelt es sich um ein unspezifisches Schlagwort, teils auch um einen spezifischen Politikstil, eine Form der politischen Rhetorik bzw. Strategie zum Machterwerb; andererseits wird Populismus in der Forschung auch als Teil verschiedener Ideologien eingestuft.[1] In der politischen Debatte ist Populismus oder populistisch ein häufiger Vorwurf, den sich Vertreter unterschiedlicher Richtungen gegenseitig machen, wenn sie die Aussagen der Gegenrichtung für populär, aber nachteilig halten. Man spricht dann auch von einem politischen Schlagwort bzw. „Kampfbegriff“.

Populismus ist häufig geprägt von der Ablehnung von Machteliten und einigen Institutionen, Anti-Intellektualismus, einem scheinbar unpolitischen Auftreten, Berufung auf den „gesunden Menschenverstand“ (common sense) und die „Stimme des Volkes“, Polarisierung, Personalisierung, Moralisierung und Argumenten ad populum oder ad hominem.

Populismus betont häufig den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Elite“ und nimmt dabei in Anspruch, auf der Seite des „einfachen Volkes“ zu stehen. Populismus hat hingegen kein bestimmtes, eigenes Wertesystem, das seinen ideologischen Kern ausmachen und ihn von anderen Ideologien abgrenzen würde. Er kann daher mit ganz unterschiedlichen politischen Richtungen und Zielsetzungen einhergehen. Oft ist er Stilmittel von Protestparteien und -politikern, oder auch von sozialen Bewegungen.[2] Historisch sind etwa der Peronismus und der Poujadismus als populistische Bewegungen bekannt. Allgemein wird häufig über die Begriffe „Linkspopulismus“ und „Rechtspopulismus“ diskutiert, wobei sich viele Themen überschneiden können und simple Einordnungen unmöglich bzw. aus wissenschaftlicher Sicht nicht stichhaltig sind.

@ 56: Hier war aber die Rede von den derzeitigen Populisten, denen man genau das genannte immer vorwirft. Populismus ist z.Zt. negativ besetzt und spricht von einer vereinfachenden, oft die Tatsachen verdrehenden Art der politischen Meinungsbeeinflussung. Wir reden hier über Schulz, Afd und andere im Jetzt und nicht über Evitas Mann.

Aber wie glaubwürdig sind populistische Gedanken eines Kandidaten, der nicht über Parteifreunde in Regierungsämtern verfügt, die seinen Gedankengängen in der alltäglichen Regierungsarbeit Folge leisten? Ein Populist ist m.E. nur erfolgreich, wenn er persönlich von seinen Ideen überzeugt ist, und dem seine Partei auf allen Ebenen zur Seite steht. Dazu käme noch, daß diese Partei auch in vergangenen Jahren eine ähnliche Politik betrieben haben müßte.
Zur Zeit steht die SPD aber sehr breitbeinig da und versucht offenbar das gesamte politische Spektrum gleichzeitig zu besetzen. Was wie ein Neuanfang aussieht, muß aber auch politisch umgesetzt werden. Und das klappt nicht in der Regierung. Die Mehrheit für Rot-Rot-Grün gibt es bereits seit der letzten Bundestagswahl, wurde aber nicht eine Sekunde in Betracht gezogen. Jetzt im Wahlkampf geht es für die kleinen potentiellen Koalitionspartner aber evtl. um Alles.

Wenn ich mir diese sehr humoristische Veranstaltung namens Kanzlerhuldigung in München anschaue, die CDU und CSU heute abgeliefert haben, dann könnte Schulz es tatsächlich schaffen, da Einigkeit bei den Unionsparteien irgendwie anders aussieht.

Spannend ist auch der programmatische Ansatz der Union, der auf der einen Seite für eine Obergrenze und gleichzeitig auf der anderen Seite gegen eine Obergrenze ist. Für wie blöd hält die Union eigentlich ihre potentiellen Wähler?

Da hat Schulz einen Ansatzpunkt von der Union geschenkt bekommen, den er sicherlich zu seinen Gunsten ausschlachten wird. Das Thema Migration / Integration wird m.E.n. den Wahlkampf noch stark prägen.

Es bleibt spannend!

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