Who the fuck is Alice?

Alice Schwarzer hat in Duisburg eine Vorlesung über Männer, Frauen und Gewalt gehalten. Dabei bezog die oftmals scharf kritisierte Feministin auch Stellung zum Fall Jörg Kachelmann. Doch was ist von der Frauenrechtlerin übrig? Oder: Who the fuck is Alice?

Alice Schwarzer hat in Duisburg eine Vorlesung über Männer, Frauen und Gewalt gehalten. Dabei bezog die oftmals scharf kritisierte Feministin auch Stellung zum Fall Jörg Kachelmann. Doch was ist von der Frauenrechtlerin übrig? Oder: Who the fuck is Alice?

Alice Schwarzer ist und bleibt Deutschlands Feministin Nr.1 Foto: C.Hahn
Alice Schwarzer ist und bleibt Deutschlands Feministin Nr.1 Foto: C.Hahn

Die Tickets für die Vorlesung von Deutschlands Feministin Nr. 1 waren schnell vergriffen – auf dem Duisburger Campus tummelten sich am Dienstag Abend ungewohnt viele ältere Generationen. Im September wurde bekannt, dass Alice Schwarzer die diesjährige Mercator-Professur der Universität Duisburg-Essen erhält. Eine Aufgabe, die Weltoffenheit, aber auch Diskussionsbereitschaft erfordert.

Der erste Vortrag sollte sich um „die Funktion der Gewalt im Verhältnis der Geschlechter“ drehen. So richtig konnte sich kaum Einer vorstellen, was eine Alice Schwarzer darunter versteht. Im Vorfeld der Vorlesung spekulierten einige Besucher im Foyer des Audimax – wird sie sich zu Kachelmann äußern? Ja, sie wird. Freiwillig und direkt, wie manch einer der anwesenden 68-er es von Alice Schwarzer gewohnt ist.

Die Antwort

Seit vierzig Jahren ist Alice Schwarzer in Sachen Gleichberechtigung unterwegs – gegen Sexismus, gegen Diskriminierung und gegen den Abtreibungsparagraphen 218. Vierzig Jahre, die Alice Schwarzer zu einem Medienmagnet gemacht haben. Wann immer der Begriff der Gleichberechtigung in einer Polit-Talkshow fällt, ist die Mutter der deutschen Gleichberechtigung nicht weit. Dabei sagt sie selbst, dass sie es bedauert, immer auf die Frauenkiste reduziert zu werden. Leider haben wir in Deutschland nur die eine Ansprechpartnerin, wenn es um Frauenkram geht.

Alice Schwarzer bei der offenen Diskussion. Foto: C.Hahn
Alice Schwarzer bei der offenen Diskussion. Foto: C.Hahn

Kritiker behaupten, Schwarzers Ansichten seien veraltet und mittlerweile wirklich nicht mehr zeitgemäß. Und so war auch ihre Vorlesung am Dienstag nicht wirklich eine Überraschung. Wer ihr Buch “Die Antwort” (2007) nur grob überflogen hat, wird schnell erkannt haben, wohin das Ganze führt. Das Thema des sexuellen Missbrauchs ist wichtig und muss angesprochen werden – leider scheint Alice Schwarzer ihre bekannten Thesen aus aktuellem Anlass einfach mit ein paar frischeren Zahlen aktualisiert zu haben.

Das eigentliche Problem der ganzen Veranstaltung: Seit einigen Wochen begleitet Alice Schwarzer den Kachelmann-Prozess für die BILD-Zeitung. Hätte sie den Namen “Kachelmann” in ihrer Vorlesung nicht fallen lassen, wäre sie eindeutig glaubhafter. Denn wenn das Thema “Männer, Frauen und Gewalt” heißt, gehört dazu einiges mehr als ein Wettermoderator, über deren Schuld oder Unschuld wir bis heute nichts wissen. Wenn Frau Schwarzer den Kachelmann-Fall ziemlich am Anfang einer Vorlesung als “Schauprozess” tituliert, bleibt ein fader Nachgeschmack. Objektivität sieht anders aus.

Alice Schwarzer als BILD-Girl

Gerade weil das Thema des sexuellen Missbrauchs durch den Fall Kachelmann medial wieder präsent geworden ist, muss darüber geredet werden. Doch die Art wie Alice Schwarzer sich als BILD-Reporterin engagiert, lässt Zweifel an ihrer Unvoreingenommenheit aufkommen. Die BILD-Zeitung präsentiert jeden Morgen auf Seite 1 ein neues Nackedei, daneben steht nun die Berichterstattung zu Kachelmann. Gender-Bewusstsein geht anders. Meint man.

Denn Schwarzer sieht darin keinen Widerspruch – vielmehr hat die vermeintlch Kachelmann-freundliche Berichterstattung von Qualitätsmedien wie ZEIT oder SPIEGEL Alice Schwarzer gestört: „Es gab diese beiden gewaltigen Leitmedien, die die Stimmung in Deutschland zum Kippen brachten. An der Stelle habe ich mich eingemischt“, sagt Schwarzer.

Ist der Feminismus tot?

Doch wie viel Idealismus hat Alice Schwarzer noch? Ihre Arbeit für die BILD lässt sich vielmehr im Kontext ihres Lebens betrachten: 1978 verklagt Alice Schwarzer zusammen mit anderen Frauen den Stern (sog. Sexismusklage). Die Titelbilder seien zu sexy, ja geradezu sexistisch. Erfolg hatte sie damals wenig, aber es war immerhin ihre erste Aktion gegen pornografische Bilder. 2004 nahm Alice Schwarzer “Die goldene Feder” der Bauer Verlagsgruppe an – ein Verlag, der kurz vorher den deutschen Playboy verlegt hat. 2007 hat Alice Schwarzer Werbung für die BILD gemacht, 2010 schreibt sie selbst Beiträge für das Boulevardblatt.

Immer wieder wurde in den letzten Jahren Kritik an der Vorzeige-Feministin laut. Jeder neuer, moderner Feminismus („Wellness-Feminismus“) wird von Alice Schwarzer abgelehnt und sie geht noch weiter: „Ich bin mit Verlaub nicht abzulösen!“, stellt Alice Schwarzer 2008 fest. Da scheint es fast ironisch, wenn Frau Schwarzer bei ihrer Vorlesung in Duisburg über mangelnde Solidarität bei Frauen spricht.

Schwarzer: ironisch und humorvoll

Alice Schwarzer sagt von sich selbst, sie sei humorvoller geworden und versuche, Vielem eine Prise Ironie entgegen zu bringen. Sie ist vielleicht eine Über-Feministin, am Ende aber nur eine Durchschnittsfrau. Denn nicht nur sie ist humorvoll: Die meisten jungen Frauen heute sind selbstbewusst und das mit einem Augenzwinkern. Sie können den Mann mal als Macho nehmen und mal als Freund. Aber immer als Mensch.

Innerhalb weniger Tage waren die Karten für Schwarzers Vorlesung vergriffen. Foto: C.Hahn
Innerhalb weniger Tage waren die Karten für Schwarzers Vorlesung vergriffen. Foto: C.Hahn

Und auch wenn Alice Schwarzer oft als verbissen bezeichnet wird: Vor ihrer ausgeprägten Toleranz gegenüber Boulevardmedien konnte man sie wenigstens als Feministin ernst nehmen. Durch ihr Verhalten in den letzten Jahren und insbesondere in den letzten Monaten hat Frau Schwarzer ihr Lebenswerk nach und nach degradiert.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet ein Mann das Bedürfnis vieler junger Frauen von heute auf den Punkt bringt, wenn Harald Schmidt ironisch anmerkt: “Wir werden nie vergessen, dass sie den Feminismus nach Deutschland gebracht hat, aber aus dem Tagesgeschäft soll sie sich bitte raushalten.”

16 Kommentare

Frau muss auch leben. Darum ist Frau Schwarzer gezwungen, ihre aufgewärmten Phrasen lebenslang zu verkaufen. Funktioniert doch immer noch.

Wenn Alice Schwarzer etwas Effektives gegen die patriarchale Gesellschaft zu bieten hätte, dann wäre sie nicht seit Jahrzehnten so gut im Geschäft, unterstützt sogar von BILD. Dann würde man sie fertigmachen und/oder totschweigen – s. Eva Herman.

@Bilder: Eva Hermann wurde ja nun alles nur nicht totgeschwiegen. Sie bekam jede Gelegenheit, ihre Beschränktheit unter Beweis zu stellen.

@ Stefan: Eva Herman wurde zunächst in einer Weise fertig gemacht, auf die sie nicht eingestellt war. Seitdem sie sich gefangen hat, wird sie praktisch tot geschwiegen.

Wer sind denn für Sie die Schlauen? Anne Will, Sabine Christiansen und Dieter Bohlen?

@ Stefan: Wenn Sie einen Maßstab nehmen, nachdem Eva Herman dumm sei – wer ist dann nicht dumm? Wieviele bleiben dann noch?

Eva Herman mag nicht alles durchschaut haben, aber sie hat es verstanden, dass Sozialleben kein Ding der Beliebigkeit ist, dass wir auf bestimmte Muster seit Millionen von Jahren angepasst sind. Damit unterscheidet sie sich immerhin schon von denen, die meinen, man könne Eltern und Kinder auch getrennt leben lassen, Hauptsache, die eltzern verdienten gutes Geld.

Eva Hermann? War das nicht diese sehr erfolgreiche Fernsehkarrieristin die dann ein von den Verkaufszahlen sehr erfolgreiches Buch geschrieben hat in dem stand, dass Frauen statt Erfolg lieber Kinder haben sollten?

Die ZEIT hatte in ihrem Dossier zuletzt auch einen guten Artikel über Alice Schwarzer gebracht, der wie dieser hier ihre Entwicklung nachzeichnet, die in den letzten Jahren doch auch Anlass zur Kritik gab.

Wenn die lieben Leute langsam aber unausweichlich alt werden, dann klammern sie an ihrem Pöstchen oder an ihrer Vormachtstellung. Es fällt hat schwer, von der Bühne abzutreten bzw. sich einzugestehen, dass die eigene Zeit sich dem Ende neigt. In diesem Zusammenhang geschehen dann halt so vermeintlich wundersame Dinge wie der Pakt mit der BILD.

Die Dame möchte das sein, was der Fußballspieler Fritz Walter jahrzehntelang auch war: Vorsitzende(r) des eigenen Denkmalschutzvereins.
Sie will sich die Anerkennung (und die Kohle) abholen, die sie glaubt, im Laufe ihres Lebens verdient zu haben.
Prinzipiell ist da gar nichts dran auszusetzen, aber mittlerweile gibt es zuviele von der Sorte: Sie hocken in Talkshows, lassen sich Ehrenprofessuren und Ehrendoktorwürden aufs Auge drücken, schreiben “offene Briefe”, lassen sich mit “Preisen” zumüllen usw..
Das elder-statesman-Gehabe dieser Leute nervt. Fr. Schwarzer ist da auch nur eine weitere Nervensäge.

@ Arnold Voss

Wenn Frauen lieber Erfolg haben sollten anstatt Kinder zu kriegen, sollen wir uns dann welche backen zukünftig oder wie soll es mit Nachwuchs gehen? Was ist an Kinder kriegen und Kinder aufziehen so schlimm? So schlimm, dass Frauen es nicht mehr machen wollen. Und zwar die wichtigste und anspruchvollste Aufgabe der Welt nicht mehr machen wollen.

Schade dass ihre Mutter nicht lieber erfolgreich sein wollte als sie zu gebären und aufzuziehen. Dann hätte ich die Zeit, in der ich diesen Kommentar schrieb, besser nutzen können…

Die Frau ist unglaubwürdig, egozentrisch unsachlich und fällt stets negativ auf, indem sie ihren Gegnern durch emotionalisierte Scheinargumente und Unterstellungen die moralische Integrität abzusprechen versucht.

Sie gebärdet sich selbst, wie der größte Patriarch. Zudem denke ich, dass ihr Intellekt massiv überschätzt wird.

Peinlich hoch 10.

@ Ein Mann: Wenn Kinder kriegen und aufziehen die wichtigste und anspruchvollste Aufgabe der Welt ist, warum nur haben dann Männer offensichtlich keine Lust darauf? Kinder kriegen können sie natürlich nicht, aufziehen jedoch schon. Bei fast allen Paaren übernimmt jedoch die Frau den Hauptanteil an der Kinderbetreuung, die Elternzeit (der längere Teil) wird fast ausschließlich von Frauen genommen, und auch die meisten Alleinerziehenden sind Frauen. Wenn Männer die zwei Monate Wickelvolontariat der Elternzeit nehmen, dann machen sie meistens exakt diese zwei Monate und geben das Kind anschließend wieder an die Frau ab. All das spricht nicht dafür, dass Männer die Betreuung von Kindern für eine interessante und erfüllende Aufgabe halten – ansonsten würde sie sich anders verhalten. Daher finde ich es immer irgendwie merkwürdig, wenn ein Mann den Frauen das Kinderkriegen und -aufziehen schmackhaft machen will.

Ihre Antwort zeigt, dass Sie auch korrumpiert sind vom Gedankengut von Schwarzer bzw. Feminismus. Sofern Sie noch liebesfähig wären und an die zu erstrebende Einheit von Mann und Frau glauben würden, hätten Sie die Frage nicht gestellt. Dann wüßten Sie, um was es geht. Liebesfähige Menschen wissen um diese Sachverhalte… Also, lernen Sie zu lieben, dann sind alle Fragen beantwortet. Noch ein Tipp: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Daran hängt das ganze Universum, außer Schwarzer, den Feministinnen und vielen anderen!

@ Ein Mann: Sie können mir durchaus zutrauen, dass ich unabhängig von Alice Schwarzer auch noch selbst denken kann. Um die Antwort auf die Frage, wie es zu erklären ist, dass manche Männer das Kinderkriegen und -betreuen den Frauen gegenüber lobpreisen, aber offenkundig kein Interesse daran haben, selbst all zu viel Mühe in diese Aufgabe zu stecken, haben Sie sich gedrückt.
Ein Vorschlag für mehr Toleranz: Wenn die konventionelle Kleinfamilie für Sie der allein selig machende Weg zum Glück ist, dann sei Ihnen das gegönnt. Aber bitte gestehen Sie anderen zu, ihren Lebensweg selbst zu wählen. Das, was Sie für erfüllend halten, muss es für andere nicht sein.

@ Eva: Wie ich in meiner Antwort geschrieben habe: In Liebe lösen sich alle Fragen auf und man gelangt zu Antworten. Also, nochmals gesagt: Lernen Sie (wieder) zu lieben, dann erhalten Sie die Antwort aus sich selbst heraus. Wenn ich Ihnen die Frage beantworte, werden Sie es mir nicht glauben und weiter diskutieren wollen. Dafür ist mir meine Zeit aber zu schade und ausserdem ist es für Sie von viel grösserem Wert, wenn Sie die Antwort in sich selbst finden.

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