Wer Moslem ist, bestimmt Ralf Jäger

Foto: Metropolico.org/flickr
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Man stelle sich das vor.

Schwere Polizeistiefel treten die Eingangstür einer Wohnung in Wanne-Eickel ein. Fünf vermummte, mittelschwer bewaffnete Beamte stürmen ins Wohnzimmer. Am Tisch sitzen drei junge Männer, bekleidet mit Schiebermütze und Zhōngshān zhuāng-Kutte („Mao-Anzug“). An der Wand hinter ihnen prangt das Konterfei des Großen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong himself.

Auf dem geräumigen, mit mild-grünen Kacheln bedeckten Tisch in der Mitte des Raumes liegen zahlreiche kleine, rote Büchlein mit dem Titel „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung“. In einer Ecke entdecken die Polizisten eine Kiste mit kleinen Handzetteln. „Es lebe die Kulturrevolution!“, steht auf den einen, auf den anderen: „Kommunismus ist nicht Liebe, sondern ein Hammer, um den Feind zu vernichten. – Mao Tse-Tung“.

Das Propagandamaterial wird konfisziert.

Die Mitglieder der Gruppe, die sich „Maoistischer Aufbau“ nennt, werden verhört. Nach und nach finden die Ermittler heraus: Die Aktivisten haben nicht nur zahlreiche Demonstrationen, Kundgebungen und Infostände in den Innenstädten organisiert. Sie haben ihre Arbeit auch auf Video festgehalten und im Internet verbreitet. Außerdem fallen den Beamten Programmhefte in die Hände, aus denen hervorgeht, dass im Hinterzimmer einer Spelunke am Stadtrand regelmäßig konspirative politische Schulungen stattfinden. Dem Nachwuchs soll die reine Lehre eingehämmert werden. Auch Chinesisch-Kurse stehen auf dem Plan, um das kleine, rote Buch aus der Feder Maos im Original lesen zu können. Doch das ist nicht alles.

Bei der Auswertung von Festplatten und Email-Servern finden die Polizisten heraus:

Die Gruppe rekrutiert seit Jahren Kämpfer für maoistische Rebellengruppen im indischen Distrikt Bastar, im umkämpften Bundesstaat Chhattisgarh. Es tobe ein „Volkskrieg in Indien“, sagt einer der Verdächtigen aus, „die finale Schlacht gegen die hindufaschistische Burgeoisie“.

Mindestens drei junge Sinologie-Studenten aus Bochum sind bereits nachweislich in das asiatische Land ausgereist und haben sich der PLGA, einer „Volksbefreiungs-Miliz“, angeschlossen. Von mindestens einem weiß man, dass er an Anschlägen auf Regierungstruppen beteiligt war. Ziel sei der politische Umsturz des Landes und die Errichtung eines agrar-kommunistischen Utopias nach dem Vorbild Mao-Chinas gewesen. Handschellen klicken. Der Fall scheint klar.

Scheint.

Leichte Innenminister-Lackschuhe treten im Foyer des nordrhein-westfälischen Landtages vor die Presse. Es handele sich um eine extremistische Gruppe, so der Innenminister, der in seinem Leben noch nicht eine Zeile der „Mao-Bibel gelesen hat, kein Wort Chinesisch spricht und Indien nur von der Speisekarte seines Lieblingsrestaurants kennt. Gerade junge Menschen, so fährt er fort, sollten in die Szene geleitet werden. Und dann der Satz:

„Klar ist, dass die Initiatoren vom ‚Maoistischen Aufbau‘ keine politischen Motive verfolgen“.

Nochmal: “keine politischen Motive”.

Klingt absurd?

Ist aber passiert. Nur bezog sich diese Äußerung von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nicht auf Maoisten, sondern auf Mitglieder der radikal-islamischen Gruppe „Die wahre Religion“, die Koran-Verteilungsaktionen in zahlreichen Innenstädten durchgeführt hat, die sogenannten “Lies!”-Stände. Zudem soll die salafistische Gruppierung Kämpfer für den „Islamischen Staat“ rekrutiert haben. Gegen die Gruppe führten die Behörden vor kurzem bundesweite Razzien durch. Sie propagieren die Sharia, also die islamische Rechtslehre.

“Klar ist, dass die Initiatoren von ‘Lies’ keine religiösen oder gemeinnützigen Motive verfolgen, sondern dass es sich hier um eine eindeutig extremistische Kampagne handelt, die gerade junge Menschen in diese Szene leiten will”, sagte er jüngst in einer Reaktion auf die Razzien. und sprach von einer “pseudoreligiösen ideologie”.

Wer Moslem ist, bestimmt Ralf Jäger.

8 Kommentare

Eine Schriftenmission für den Islamwahnsinn wahabitischer Richtung gab es in meiner
Jugend noch nicht.

In meiner Jugend gab es den kommunistischen Wahnsinn orientiert an
Heiligen Stätten wie Moskau oder Peking.
Die Gläubigen lsdrn Heilige Schriften wie die MEGA oder die Moabibel.

Gelegentlich prügelten sich die Gläubigen am Ussuri oder beim Festival der Jugend von SDAJ und MSB Spartakus in Dortmund am Signal Idunapark, oder war es in Dortmund
beim FIFA WM Stadion?

Gerade Bürgersöhne rutschten höufig in die Sektenszene.

Ich besuchte ein besseres bürgerliches Gymnasium für das "Echtabitur"
für Knaben in Hagen.
(Das Gymnasium für das "Kaufabitur" gab es in Garenfeld. Alle anderen Gymnasien
boten ein Abitur ohne Schulgeld an. Auf besonderen Wunsch gab es überall
ein Abi mit einem grossen Latrinum, aber mehr war nichtn drin.)

Neben uns gab es ein kleines aufgeblasenes Gymnasium für die volle
Dröhnung Latrinum/Graecum und auf besonderen Wunsch sogar Hebröicum.

Ich verteilte dort vor der Schule eine liberale Schülerzeitung §radix" der FDP
Jugendorganisation Jungdemokraten.

Für einen aufgeblasenen Bürgerjüngling dieser Schule war dies zu viel.
Irgendein Lehrer und Parteifreund war dran gewsen. Er war reif für eine
Stelle als Schulrektor. Wie jeder beamtetete Lehrer hatte er enau zwei Lehrbefähigungen ür zwei gymnasiale Schulföcher.

Latein, Griechisch oder Hebräisch hatte er bei Lehrer Welsch in der Kaygass
nicht studiert.

Wegen dieser Demütigung der humanistischen Gläubigen durch die FDP und die
Verteilung einer FDP Schülerzeitung wollte er mich verürügeln.

Ich informierte in rein verbal:
Prügelei fällt aus wegen iss nicht. Ich bin störker…

Nur ein paar Wochen später traf ich ihn in der Fussgängerzone. Er verteilte
eine Zeitung der "Liga gegen den Imperialismus" mit "Sieg im Volkskrieg
für das freie Kampuschea".
Pol Pot war damals schon an der Macht und die Totalevakuerung aller
erorberten Städte, weil…. (Imperialische Bombenangriffe,,,)
war damals schon bekannt.
Jedem vernünftigen Menschen war natürlich bekannt, dass die Totalevakuierung
ein paar Prozent umgebracht hatte, oder diese umgebracht wurden.

Natürlich veröffentlichte die Liga gegen den Imperialsmus auch eine Bankverbindung.
Sie bestand bei der Deutschen Bank.

Ein paar Jahre später gab es irgendwelche kambodschanische Überfälle
im vietnamesischen "Papageienschnabel" und die Vietnamesen sorgten für
Ordnung. In den paar Jahren hatte Pol Pot etwa ein Viertel der Kambodschaner
umgebracht.
Pol Pot floh nach Pekiung und es gab ein paar begrenzte militärische
Strafexpeditionen gegen die Vietnaesen an der chinesischen Grenze.
Die Vietnamesen war ja auch fpr Moskau.
Die Bundesregierung verteidigte dann noch viele Jahre das Selbstbestimmungsrecht
des jambodschanischen Volkes und ünterstützte Pol Pot.

Heute unterstützt die Bundesregierung im Islamsektenbereich alle
Sekten ausser IS und Al Kaida.

Die theologische Anmassung von Ralf Jäger über die wahre Religion
entscheiden zu können ist natürlich mist.

In dieser Gegend ist eigentlich jede Religion Mist, wenn man mal con Christentum, Judentum,, Jesidentum und ein paar Liberalen absieht Mist.

Auch proiranische schiitische Milizen sind Mist, denn es ist Mist mal eben 100
Emokinder ganz ohne Gerichtsverfahren aus den Klassenzimmern zu zerren und sie noch auf den Schulhöfen zu steinigen.

Warum sagt der Jäger denn nichts zur irakischen und saudischen Regierung?

Achim

"Sie propagieren die Sharia, also die islamische Rechtslehre."

Sie propagieren eine radikale islamistische Interpretation der Sharia. Die Sharia propagieren mehr oder weniger alle Muslime. Wie immer bei Religion ist die Interpretation bzw. die religiöse Praxis das Entscheidende.

Ansonsten versteh ich die Skandalisierung hier nicht. Was dieses Pack an religiösem Zeug macht, ist doch egal – wichtig ist das, was sie politisch machen. (Hätte Jäger gesagt, die Terrorfreunde hätten keine politischen Motive verfolgt, hätte ich die Empörung verstanden, aber so?) Klar, für die sind Religion und (terroristische) Politik eins. Die deutsche Legislative und Exekutive folgen diese Gleichsetzung allerdings nicht. (Herr Niewendick vielleicht schon, sollte er aber besser nicht.)

Und dass die Typen keine Muslime wären, hat Herr Jäger auch nicht behauptet.

@Achim / #1
"Warum sagt der Jäger denn nichts zur irakischen und saudischen Regierung?"

Weil er NRW-Innenminister ist und nicht Bundesaußernminister?

(Den Rest Ihres Wirrsals ignoriere ich besser.)

Ich verstehe den Artikel leider schon sprachlich nicht. Vielleicht wäre es hilfreich Ironie und ggf. direktes Zitat deutlicher darzustellen. Was der Artikel implizit weiter tragen will? Dass pauschal im Sinne einer Demokratie, in der Ausdeutung des Begriffs jede politische Bestrebung, jedes Handeln muss zwangsläufig legal und legitim sein, eben jeder alles politisch anstreben können muss.
Im Ernst? Diese Ausprägung antihistorischer Demokratienauslegung macht es derzeit möglich, dass sich wieder faschistische oder proto-faschistische Systeme, die keine Interesse an der Beibehaltung der o.g. Ausprägung einer Demokratie haben können, festsetzen.
Eine Lehre aus der Geschichte muss es doch aber sein, dass jede Form, die totalitäre Herrschaft über Menschen propagiert, tyrannisch, faschistisch, stalinistisch, maoistisch, etc., keinerlei Berechtigung, nicht moralisch, nicht politisch, nicht religiös, in einem demokratischen System haben kann.
Eine Kritik, die das Dilemma des Umgangs mit der Handlungsweise, wie im Art. beschrieben, aufmacht, hätte was. Im Prinzip, lässt sich die nicht-Duldung unterdrückerischer, anti-humanistischer Propaganda in einem Staat, der sich als demokratisch begreift, denke ich, gut legitimieren. Betrachtet man aber den aktuellen und zu projizierenden Kontext, u.a. auch historisch-reflektierend, muss man die Verhaftungs- und Durchsuchung Aktion als ein Mittel sehen, dass in dieser Form von der Mehrheit noch gut akzeptiert werden kann (und wird) und der sicher für andere folgende Aktionen als Akzeptanzbeschaffer dienen soll. Und da steht das Dilemma dumm rum. Denn dieser Staat ist in seinen Strukturen weniger demokratisch als streng hierarchisch und in Teilen totaliristisch konstituiert. Wenn das Alle Inkludierende Wir ihm das durchgehen lässt, sitzen wir dann morgen auch im Knast oder lassen Wir es zu, das mit solchen Aktionen dem perversen Anti-Islamismus auch hier Autobahnen gebaut werden? Was wenn nicht? Tragen wir dann Leuten, deren politische Ansichten wir für so verwerflich und verabscheuenswürdig halten (das Wir in dem Fall, für den Fall, sowohl in- wie exkludierend und in der Differenz, gemeint), den Banner vorneweg?

@earendil #2

Ich würde Ihnen sogar zustimmen mit der Einschätzung. Würde Jäger wenigstens den Mut, oder die Fähigkeit, besitzen dies deutlich zu machen. Stattdessen stolbere ich z.B über das Wörtchen "extremistische".
Ja was den, mit den Islam hat ja das alles nichts zu tun, sind das jetzt die extremistische Kaffewindelträger und Bartliebhaber Wanne Eikel?
Ja, ich gebe gerne zu dass das vielleicht übertrieben ist, aber Jäger, ist wie immer, unglaublich diffus was er den da angibt.
Ein Lösungsvorschlag: Wieso nicht einfach "radikaler, politischer Islam"?

@Karl#3

Lassen Sie mich raten, von Facebook versehentlich hier aufgeschlagen?

Großartige Geschichte. Erinnerte mich an meine erste Freundin, die sich als Rotgardistin in der KPD/ML tummelte und die ich eigennützig tröstete, als der Große Vorsitzende dahinschied und schon bald darauf nach "Entlarvung" der Viererbande China nicht mehr das Musterländle der wahren MLer war (dafür bin ich sehr billig nach Albanien gekommen). Und ich nebenbei gesagt als bourgeoiser Jungdemokrat enttarnt wurde Aber lang, lang ist es her. Egal. Zurück zum Thema: Der Vergleich ist passend.

In welchem Paralleluniversum lebt die Landesregierung nur. Ich will da auch hin. Oder gibt es die Eintrittskarte nur für Mitglieder der regierenden Parteien?

Eine Bekämpfung von Terror etc. erfordert auch treffende Analysen und zielgerichtetes Handeln. Bei den öffentlichen Aussagen des Ministers, ist dies nicht zu erwarten.

Liegt das Problem in den Denkstrukturen/Meinungen der SPD? Unsere Integrationsbeauftragte hat mich in der letzen Zeit auch sehr irritiert.

Wir müssen daran denken, dass zurzeit BW Soldaten im Nahen Osten ihr Leben im Kampf gegen den Terror riskieren, um andere Länder beim Kampf gegen den Terror zu unterstützen. Da versteht es sich von selbst, dass die Innenpolitiker alles tun, um den Nachschub und die Unterstützung der Terror-Kämpfer aus dem eigenen Land zu unterbinden.
Dies erfordert zuerst klare Analysen.

@Christian Perzel#4
>>Lassen Sie mich raten, von Facebook versehentlich hier aufgeschlagen?
Das Argument verstehe ich nicht.

Dieses „In-Schutz nehmen“ von Salafisten erinnert mich jetzt schwer an eine Rede von Brigitte Gabriel über die Islamisierung des Libanons als die Massaker in den Städten an den Christen anfingen – Zitat:

„Und die linksorientierten Christen riefen, dort, wo die Moslems kamen um zu schlachten, sagten die Linken: „Ihr könnt uns doch nicht abschlachten, wir sind mit euch marschiert, wir haben euch vor Gericht repräsentiert, wir haben uns für eure Rechte eingesetzt…wir sind auf eurer Seite.“
Die Moslem gucken sie nur an und sagten: „Ihr seit nichts als nützliche Idioten, Ungläubige, wie die anderen auch!“

Bei Timecode: 8.50 Minuten in ihre Rede kann man das hören:

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