Marco Russ: Wenn ein Millionenspiel beweist, dass es wahrlich wichtigeres als Geld und Fußball gibt

Das Stadion in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Muns, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Stadion in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Muns, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist die einzig verbliebene große Entscheidung der Bundesligasaison. Wer siegt in den beiden Relegationsspielen, sichert sich so den letzten zu vergebenen Startplatz im Fußballoberhaus, der 1. FC Nürnberg, oder die Frankfurter Eintracht?

Gestern Abend stand das Hinspiel in Frankfurt auf dem Programm. Der erste Akt eines Dramas, der auch über Millionen von Euro entscheidet. Doch all dies geriet gestern weitestgehend in den Hintergrund, da ausgerechnet so kurz vor einem so wichtigen Spiel der Frankfurter Abwehrspieler Marco Russ mit der Diagnose einer schweren Tumorerkrankung diagnostiziert wurde und dies auch öffentlich wurde. Er entschied sich, obwohl er eigentlich in diesem Moment ganz andere Sorgen gehabt haben dürfte, dafür dabei auf dem Platz mitzuwirken, seine Mannschaft in der sportlich soi wichtigen Relegation aktiv zu unterstützen. Dabei ist für die nächste Woche ist seine Operation vorgesehen. Eine Situation, welche die Diskussionen rund um den Kick bestimmte.

Und, als wäre dieses Geschehen nicht schon bemerkenswert genug, hielt das Schicksal für Russ an diesem Tage noch ganz andere Überraschungen bereit. Sein Team, die Eintracht, bestimmt das Spiel gegen den dritten der Zweiten Liga, mit rund 75% Ballbesitz, drängte die Franken völlig in die Defensive. Doch wie es im Fußball eben manchmal so ist, das erste Tor erzielten trotzdem die Gäste. Dass dies ausgerechnet durch ein Eigentor von Marco Russ (42.) geschah, dass zeichnete an diesem Tage jedoch ein Bild, wie man es sich bemerkenswerter kaum hätte ausdenken können.

Dass Russ dann im weiteren Spielverlauf dann auch noch die 10. Gelbe Karte der Saison sah, damit für das Rückspiel in Nürnberg am Montag gelbgesperrt ist, damit vielleicht die Karriere des Abwehrrecken beendete, das ‚krönte‘ dann den Abend des 30-Jährigen zusätzlich, der ansonsten eine tadellose Leistung ablieferte, die zweitmeisten Ballkontakte auf dem Platz hatte, eine prima Passquote aufwies und auch sonst eine mehr als ordentliche Figur machte.

In Anbetracht der Dinge, welche sich wohl gerade gedanklich in seinem Kopf abgespielt haben dürften, gar nicht hoch genug anzurechnen. Schlicht beeindruckend!

Trotzdem durfte sich Russ in der zweiten Halbzeit nur noch über den Ausgleich seiner Mannschaft freuen. Mijat Gacinovic traf in der 65. Spielminute in das für die Eintracht richtige Tor, egalisierte damit Russ Fauxpas. Zu mehr sollte es für die Gastgeber an diesem Abend nicht reichen, trotz der drückenden Überlegenheit auf dem Platz.

Nun reicht dem 1. FC Nürnberg, dem dritten der abgelaufenen Zweitligasaison, bereits ein 0:0 im Rückspiel im eigenen Stadion um in die erste Liga zurückzukehren. Entscheidung dann am Montag.

Marco Russ wird dann, aus bekannten Gründen, nicht mit dabei sein. Er fehlt gelbgesperrt. Und trotzdem kannten die Diskussionen nach dem Kick fast nur dieses eine Thema: Warum wurde das Untersuchungsergebnis, sehr zum ‚Bedauern‘ der Nürnberger, ausgerechnet so kurz vor dem Spiel bekanntgegeben. Wie konnte es angehen, dass die Staatsanwaltschaft kurz vor dem Spiel Privatwohnung, Spind und Hotelzimmer von Marco Russ untersuchte, da die NADA die erhöhten Blutwerte dort den Vorschriften entsprechend gemeldet hatte, Russ damit faktisch unter ‚Dopingverdacht‘ stand? Warum wurde ein rund drei Wochen alter Bluttest erst so spät ausgewertet? Fragen, die allen Beteiligten, je nach Blickwinkel, an diesem Abend durch den Kopf gingen, die leider auch ziemlich unwürdige Äußerungen nach dem Spiel zur Folge hatten. Äußerungen, für die sich die Beteiligten inzwischen teilweise aber auch wieder entschuldigt haben. Worte, die Marco Russ, der sich am Abend noch mit seinen beiden Kindern vor der Frankfurter Fankurve für die Unterstützung bedankt hatte, immer mehr in Erklärungsnöte zu bringen drohten, obwohl er sicherlich auch ohne diese Diskussionen schon betroffen genug gewesen sein dürfte.

So kam insgesamt ein Fußballabend dabei heraus, der eines einmal wieder ganz deutlich und offensichtlich machte: Es gibt wahrlich wichtigere Dinge im Leben als Fußball!

Alles Gute daher auch von dieser Stelle, Marco Russ!

2 Kommentare

Robin, HCG-Funde bei einem männlichen Sportler deuten fast immer auf Doping hin, weil Wachstumshormon-Doping durch extern zugeführte Wachstumshormone (gibt's online aus Russland oder China zuhauf zu kaufen) eine der z.B. bei Bodybuildern bekanntesten Dopingformen ist. Wenn Russ dann zu einem Urologen zur weiteren Untersuchung geschickt wurde, deutet viel auf Verdacht auf Hodenkrebs hin. Und der OP-Termin deutet auf Hodenentfernung als Standardtherapie im frühen Stadium hin.

Mit dieser Diagnose kann jeder Fußballspieler gut und gerne noch jeden Tag bis zur OP voll durchziehen, also sollte man die Legendenbildung an dieser Stelle runterschrauben. Auch ein freiwilliges "Outing" war nicht gegeben, da die SGE bei Dopingverdacht verpflichtet ist, dies öffentlich bekannt zu machen. Ob das Probenergebnis tatsächlich erst drei Wochen später dem Verein und dem Spieler bekannt wurde oder ob man die Pflichtmeldung doch lieber etwas "pressewirksam" als Motivations-AddOn den Fans präsentieren wollte – wer will das genau wissen?

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