Wenig Spender bei Jedem Kind ein Instrument

Die Idee hat Charme: Jedes Kind im Ruhrgebiet soll in der Grundschule ein Instrument lernen. Vor allem für Kinder aus bildungsfernen Schichten eine große Chance. 2007 startete das Projekt Jedem Kind ein Instrument (JeKi) im Ruhrgebiet.

Zuvor war es erfolgreich in Bochum erprobt worden. Allen Kindern im Revier die Möglichkeit zu geben, ein Instrument zu lernen, ist teuer: Gut 42 Millionen Euro Kosten wurden bis 2011 vom Land NRW veranschlagt.

13,6 Millionen Euro stellt dabei das Land NRW zur Verfügung, die Kulturstiftung des Bundes 10 Millionen, 12,5 Millionen sollen von den Eltern kommen, 3,3 Millionen von den Städten, 630.000 Euro von der Zukunftsstiftung Bildung. 12 Millionen sollten zudem von Sponsoren und Spendern aufgebracht werden.

Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat: Statt 12 Millionen Euro brachten Sponsoren und Spender nach einem Bericht des Landesrechungshofes bis zum April vergangenen Jahres nur gut eine Million zusammen. Und auch längst nicht jedes Kind im Ruhrgebiet hat die Chance an dem Projekt teilzunehmen. Zahlreiche Städte wie Alpen, Hünxe oder Wetter machen nicht mit. Von 900 Grundschulen im Revier beteiligen sich nur 650 an dem Programm. Jedes dritte Kind im Revier ist also auch weiterhin ohne Instrument.

Das soll sich künftig ändern. Manfred Grunenberg, Vorstand der Stiftung „Jedem Kind ein Instrument“ sagt: „Wir gehen auf die Städte zu und hoffen, sie zum mitmachen bewegen zu können.“ Das langsamere Wachstum hat für Grunenberg aber auch den Vorteil, dass das geringe Spendenaufkommen sich nicht ungünstig auf das Projekt ausgewirkt hat: „Wir konnten mit Hilfe der Städte die Instrumente kaufen. Das Geld hat gereicht.“

Und weil dem so war, hat man sich auch nicht mit aller Energie um mehr Spender bemüht: „Kurz nach unserem Start begann die Finanzkrise und wir standen bei den Spenden im Wettbewerb mit der Kulturhauptstadt. Unser Ziel ist es jetzt, mit den Spenden die Gebühren für die Kinder zu finanzieren, die aus Familien kommen, die nicht als Hartz IV Empfänger von den Gebühren befreit sind, aber bei denen es trotzdem finanziell eng ist.“ Ohnehin müssten die laufenden Kosten eines solchen Projektes staatlich finanziert sein: „Wir sind Teil der Bildungsinfrastruktur. Die muss gesichert sein und kann nicht von einem schwankenden Spendenaufkommen abhängen“.

Gefährdet ist das Projekt nicht. Auch die neue Landesregierung will JeKi auf das ganze Land ausdehnen. Andreas Kersting, Pressereferent des Kultur-Ministeriums NRW: „Grundsätzlich stehen wir dem Projekt positiv gegenüber. Allen Kindern den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, ist ein zentrales Anliegen unserer Kulturpolitik. Da ist es folgerichtig, dass das Projekt auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus weitergeführt wird. Wir wollen das Projekt allerdings weiterentwickeln.“ Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, wie vom Landesrechnungshof schon von der alten Landesregierung gefordert, sei in Auftrag gegeben worden. Und im September kommt dann auch noch einmal Geld in die JeKi-Kasse: Am 24.September. lädt Bundespräsident Christian Wulff zu einem Benefiz-Konzert des Violinisten David Garrett zugunsten von Jeki in die Kölner Philharmonie.

Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereits in der Welt am Sonntag

4 Kommentare

Jedes Kind ein Bier. Aber nur für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Ist ja schließlich die nicht vorhandene Unterschicht, für die eigens das Sat.1-Nachmittagsprogramm eingerichtet wurde. Das übrigens auch bildungsfern ist.

Bah. Wie ich diesen Herkunftseuphemismus hasse.

Also ich bin ein grosser Fan von Jeki. Mein Sohn lernt Querflöte in der Schule. Aber es ist alles andere als umsonst. Kostet jeden Monat 35 € inkl. Leihinstrument.
Soviel muss einem das schon wert sein. Aber da es in der Schule stattfindet ist keine Taximami nötig. Mein Sohn freut sich immer auf drauf. Wenn es angeboten wird sollte man die Möglichkeit nutzen.

@Torti: Ja, Jeki, dafür lohnt sich zu streiten ..

Ich finde eh, Kids, so ab Kindergartenalter sollen multiinstrumental ausgebildet werden.

Ich hatte ja nur die Gnade, so ab ’69 im kath. Kindergarten auf die Blockflöte herangeführt zu werden.

Seitdem kann ich alle möglichen Instrumente gleich mies spielen. /-:

Der Pfiff ist aber Improvisation.

Übrigens auch in der Didaktik des Orffschen Instrumentariums verankert.

Der Pfiff ist dann etwa, wenn einer der langjährig weltberühmtesten Jazzer, nämlich Gunter Hampel, einen Improvisationskurs mit Kindergarten-Kids gibt und das Ergebnis dann auch noch auf der Hauptbühne eines Festivals zum Tragen kommt.

Zu sehen hier, ab etwa Sekunde 56′.

http://www.youtube.com/watch?v=qxDZKfAauB8

Ich sach Dir eins:

Kids, die so angefixt sind – die lassen das nie wieder los. (-:

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