Weihnachten bei den Ruhrbaronen

War früher wirklich alles besser? Weihnachten im Jahre 1980. Foto: privat

Früher war Weihnachten gefühlt ein Highlight im Kalenderjahr für fast jeden von uns. Im Laufe des Lebens ändert sich das für viele dann. Unterschiedliche Einstellungen und Gefühle gegenüber der je nach Standpunkt schönsten oder nervigsten Zeit des Jahres entwickeln sich. Auch im Team der Ruhrbarone.

Wir haben hier einmal zusammengetragen wie unterschiedliche Mitwirkende dieses netten kleinen Familienblogs über die kommenden Feiertage denken und wie sie sie verbringen werden.

Und was macht Ihr so? Wie denkt Ihr darüber? Lasst es uns wissen und hinterlasst uns gerne einen Kommentar.

Frohe und entspannte Feiertage, wie immer ihr sie auch verbringen mögt!

Peter Hesse: Erst ein Gedicht von Robert Gernhardt, dann Bescherung und ab dem dritten Glas Sekt sagt meine Mutter: „Bleib doch heute hier, das Bett ist schon gemacht.“ Zuhause bei mir wartet allerdings schon „Todesmelodie“ von Sergio Leone im DVD-Player. Okay, das kann warten – aber nicht lange. Der Heiligabend geht mit dem ersten und zweiten Weihnachtstag ja in eine besondere Verlängerung – und ein paar Tage später gibt es an Silvester eine Art Elfmeterschießen.

Arnold Voss: Dem Weihnachtsfest kann man nicht entkommen. Also mach ich mit. Und mit Leuten, die sich wirklich mögen, kann es sogar ganz nett sein. Ob mit oder ohne Geschenke. Also: Frohe Weihnacht, Leute!

Sigrid Herrmann-Marschall: Besuche bei Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle. Gutes Essen in Gemeinschaft. Entspannter planen, als man es sonst oft tut. Ruhe, viel Schlafen. Freude daran, sich hübsch und festlich zurechtzumachen. Weitere schöne Dinge tun wie Filme gucken und dabei stricken. Die bislang ungesehenen neuen Science Fiction Filme des Jahres nachholen. Unverzichtbar: “Drei Nüsse für Aschenbrödel”, wobei ich mich heute wundere, dass ich diesen Prinzen mal hübsch fand. Der Prinz ist schon ok, da habe ich mich wohl verändert.

Robin Patzwaldt: Als Kind war Weihnachten natürlich stets ganz toll. Wochenlang freute man sich schon auf die erhofften Geschenke. Der religiöse Aspekt stand für mich schon damals nicht wirklich im Mittelpunkt, wenn ich mit Eltern und Schwester auch stets den Gottesdienst besuchte am Heiligabend. Im Laufe der Jahre schwand die Vorfreude nach und nach. Und auch der Kirchenbesuch setzte bei mir irgendwann aus. Jetzt, mit Mitte 40, finde ich Weihnachten sogar eher unangenehm. Meine Familie sehe ich ohnehin jede Woche, religiös bin ich auch nicht geworden. Also bedeuten die Feiertage für mich eher ein paar ruhige Tage. Zu ruhig, nach meinem Geschmack. Deshalb habe ich mich auch in diesem Jahr wieder freiwillig zum Arbeiten einteilen lassen. Sollen die feiern können, denen es etwas bedeutet. Ich werde am Heiligabend mit Eltern, Schwester und Nichten zusammen schön Abendessen, etwas quatschen. Dazu den einen oder anderen Drink. Das ist für mich Weihnachten. Mir reicht das so.

Thomas Meiser: Weihnachten? Schwein schlachten? Wer schlachtet das Goldene Kalb? – Das schrieb ich mal als Zeile mit 17 in der Schülerzeitung Evolutionäre Zelle, gratis verteilt am Rheinhauser Krupp-Gymnasium. Die Sparkasse sponserte uns, mit einer Anzeige. Mehr will mir gar nicht einfallen.

Simon Ilger: Weihnachten? Das ist immer auch Geburtstag, weil meine Eltern Mitte März 1985 nicht auf die Idee kamen, dass jetzt ein Kind zu machen irgendwie auf ein unglückliches Geburtsdatum hinauslaufen würde. Alle sagen: „Das ist ja schlimm!“. Kann ich nicht beurteilen, ich kenne es nicht anders. Als Kind war immer gut, dass man sich besonders große Geschenke wünschen konnte, später hat es dann den Vorteil, dass man die Familie nur einmal im Jahr sehen darf. Seit ich nichts mehr geschenkt bekomme und mir die Dinge die ich mir wünsche von meinem eigenen Geld kaufen muss, sehe ich meist zu, dass ich an Weihnachten arbeite. Vielen liegt ja doch was an den Tagen und dann sollen die gerne frei machen. Außerdem gibt es 150%-Zulage und ich habe viele große, teure Wünsche.

Sebastian Bartoschek: Ich mag Weihnachten. Mochte es schon immer. Kein anderes Fest wurde in meiner deutsch-polnisch-schlesischen Familie so sehr mit Magie und Riten aufgeladen. Stroh unterm Teller, oder Geld. Karpfen zum Essen, davor noch in der Badewanne bei Oma, Steinpilzsuppe, Pierogi. Seit ich verheiratet bin, mit einer “Hiesigen”, wie meine Oma sagt, dann auch noch Kartoffelsalat und Würstchen. Das “gute Zimmer” Verlassen, das Christkind “hören”, das Klingeln des Glöckchens. Das Fiebern auf Geschenke, die Mitternachtsmesse auf polnisch in RE-Süd. Und ja, später auch Alkohol. Eine Zeit des Zusammenkommens der Familie, des Miteinanderseins, des Redens, der Liebe, des Streitens. Weihnachten. Seit ich Vater bin, ist es noch einmal anders: Weihnachten ist ein Kinderfest, sagte mein Schwiegervater, er hatte Recht. Mein Ältester ist seit des ersten Türchens des Adventskalenders hibbelig. Über Nacht verschwundene Wunschzettel. Basteln. Singen an Adventssonntagen. Wir sagen euch an den lieben Advent. Das Kaufen eines Baumes als Familie, die Vorfreude auf das Aufstellen, das Schmücken. Weihnachten ist für mich wieder frei geworden von lockerer Abwertung, mit dem Viele versuchen das Leben Anderer – ohne Not – abzuwerten. Ich mache da nicht mehr mit. Und es fühlt sich sehr gut an. Euch allen da draußen, Frohe Weihnachten – euch und all euren Lieben.

Robert Herr: Weihnachten, das ist für mich Würstchen mit Kartoffelsalat, Stirb Langsam und Fairytale of New York.

Michael Kolb: Was Weihnachten für mich ist? Keine Ahnung, woher soll ich das wissen? Schließlich ist erst morgen Weihnachten… oder noch genauer, übermorgen. Ich kann also allerhöchstens etwas dazu sagen, was Weihnachten für mich war. Letzen Endes ist Weihnachten eine Reihe von Verlusten und Enttäuschungen. Zuerst verliert man den Glauben an den Weihnachtsmann und irgendwann den Glauben an die Menschheit. Auf der Krakauer für 4.00 rumkauen, dass einem das Fett vom Kinn auf die Funktionsjacke tropft, aber hmpfnd den Kopf schütteln, wenn einem eine Bodo für 2.50 angeboten wird… Man bekommt auch selten das, was man sich wünscht. Das Evil Knievel Stunt Motorrad 1977 gab’s nicht, durfte ich mir für teuer Geld dann antiquarisch kaufen, dafür dann aber Bettwäsche und einen Schlafanzug von Oma… Okay, die damals niegelnagelneue Playmobil Feuerwehr, die war schon in Ordnung, allerdings hatte ich sie mir nicht explizit gewünscht, von daher taugt sie nicht als Gegenbeispiel. Und irgendwann ist dann da dieses Weihnachten, das das erste Weihnachten “ohne” ist. Das erste Weihnachten ohne Lumpi, das erste Weihnachten ohne Opa, das erste Weihnachten ohne… und irgendwann auch das erste Weihnachten ohne den Weihnachtskuchen von Mama… Weihnachten, Du sentimentales Arschloch.

Lu Rip: Ich finde Weihnachten blöd und anstrengend! Nicht so mein Fall. Nicht sehr ausgereift und differenziert mein Kommentar, aber ehrlich. Zumindest bin ich Keks-Fan, schon einmal EIN Vorteil. Geschenke find ich auch gut, im Dezember bin ich Materialistin, auch weil ich dazu noch Geburtstag habe. Deswegen: sind Freunde und Partys angesagt, um meinem wahrgenommen Stress etwas für mich Angemessenes entgegenzusetzen!

Stefan Laurin: Als Kind war Weihnachten ein streng ritualisiertes, sehr ernstes Fest an dem es zwei Dinge mit Sicherheit gab: Geschenke und Streit. Seit langem ist diese Zeit vorbei und Weihnachten wurde ein sehr entspanntes Fest, auf das ich mich freue: Man trifft Familie und Freunde, es gibt gutes Essen. Die Coca-Cola-Trucks rollen durch den Fernseher und das Land, Rudolf hat eine rote Nase, Der kleine Lord und das wunderschöne Aschenbrödel mit den Drei Nüssen werden begrüßt wie lange vermisste Freunde. Geschenke, Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbaum, geschmückte Innenstadt? Finde ich alles gut. Weihnachten wird als Fest von Jahr zu Jahr besser, lustiger, entspannter, partyhafter und lockerer. Gute Sache. Und Euch allen ein frohes Fest!

Daniel Fallenstein: Weihnachten ist wie dieser englische Brotaufstrich Marmite. Man muss es mögen.

2 Kommentare

Ich bedauere es, dass es keinen studentischen Hilfskraft-Bereitschaftsdienst an Weihnachten gibt. Ich würde mich freiwillig melden.

Was gestern war und morgen sein kann will ich vergessen.
Weihnachten 2017 freut mich, dass viele Patienten an mich gedacht haben und mir etwas mitbrachten. Scheiss auf Kommerz und Schokolade, ich habe auch Briefe und Dankeskarten bekommen. So schlecht scheine ich meine Sache nicht zu machen, wenn sich jemand für erfolgreiche und angenehme Behandlung bedankt oder mir eine Geschichte aufschreibt, die von Glaube, Liebe und Hoffnung handelt.
Weihnachten 2017 ist für mich auch eine willkommene Gelegenheit für einen persönlichen Jahresabschluss. Ich war selbst sehr krank und begrüße 2018. Und ich betrinke mich heute etwas mit einem ehrlichen Kronen Pils.
Frohe Weihnachten!

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