Was folgt aus der Olympiamedaille des DEB-Teams? – Etwas Essig in den Champagner

Eishockey. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist toll, was Bundestrainer Marco Sturm und seine Schützlinge da gerade bei den Olympischen Spielen abliefern. Gar keine Frage! Nach zwei Überraschungssiegen zuletzt gegen Schweden und Kanada steht die Deutsche Mannschaft nun tatsächlich im Endspiel, trifft dort am Sonntag auf die Auswahl der Russen.

Damit hat die DEB-Truppe die Silbermedaille schon einmal sicher. Vielleicht wird sogar noch Gold daraus. Der größte Erfolg einer bundesdeutschen Auswahl aller Zeiten ist es schon jetzt. Bisher ist diesbezüglich immer auf eine einst in Innsbruck errungene Bronzemedaille aus dem Jahre 1976 verwiesen worden, wenn es um ein echtes Eishockeymärchen aus deutscher Sicht ging. Der Erfolg aus grauer Vorzeit wurde 2018 bereits getoppt. Entsprechend groß ist die Freude darüber aktuell.

Man hat in diesen Stunden urplötzlich und völlig unerwartet den Eindruck, dieses Land erlebt gerade eine große Eishockeyeuphorie, wie es sie so zumindest schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Das tut der gesamten Sportart in Deutschland insgesamt sehr gut.

Eishockey ist hierzulande ja eher eine Randsportart, wird in vielen Regionen der Republik nicht wirklich viel beachtet. In einigen wenigen Städten hingegen kann es dieser attraktive, schnelle Mannschaftssport jedoch durchaus mit den hohen Beliebtheitsgraden des Fußballs aufnehmen.

Der überraschende Erfolg in Korea wird diesen Sport landesweit zumindest kurzfristig etwas populärer machen, ihm zu mehr Öffentlichkeit verhelfen. Das hat diese tolle Sportart zweifelsohne schon längst einmal verdient. Jetzt gilt es für die Macher und die Aktiven diesen Schwung für ihr Anliegen zu nutzen um einen dauerhaften Aufschwung daraus zu machen, die Strukturen zu stärken und die weißen Flecken auf der Eishockey-Landkarte zumindest nicht weiter anwachsen zu lassen, möglichst sogar etwas zu verkleinern.

Dass Eishockey bei uns schon seit Jahren in vielen führenden nationalen Medien zudem fast gar nicht mehr stattfindet, das könnte sich jetzt vielleicht zumindest wieder auf das ehemalige Niveau von vor einigen Jahren zurückführen lassen, als es in der ‘Sportschau’ der ARD und der ‘ZDF-Sport-Reportage’ zumindest noch regelmäßige Zusammenschnitte der spektakulärsten DEL-Spiele vom Wochenende zu sehen gab. Von Berichten aus der nordamerikanischen NHL, wie es sie früher ebenfalls häufiger im sogenannten Free-TV innerhalb der führenden Sportsendungen der Republik zu bestaunen gab, einmal ganz zu schweigen.

Eishockey hat zweifelsohne das grundsätzliche Potential zumindest zur Mannschaftssportart Nummer zwei in Deutschland. In den letzten Jahren hat es seinen angestrebten Spitzen-Rang in der Beliebtheisskala jedoch viel zu oft schon anderen Sportarten überlassen müssen, die aktuell deutlich häufiger für größere mediale Aufmerksamkeit sorgen, zuletzt bei vielen jungen Menschen als deutlich ‘angesagter’ galten.

Die Chance Eishockey im Ganzen (wieder) erfolgreicher zu vermarkten, die war in Deutschland, bedingt durch diese Olympische Medaille, welche Farbe sie am Ende auch immer haben wird, wohl noch nie so groß wie in den nächsten Monaten.

Dieser große Verdienst ist Marco Sturm und seinen Jungs zumindest schon einmal sicher. Die Eishockey-Vereine und -Verbände sollte diese unerwartete Gelegenheit nicht leichtfertig wieder vertun. Wer weiß schon, ob es eine solche Freude über die Nationalmannschaft so rasch noch einmal geben wird.

Und da stört es aktuell bei all dem Jubel eben offenbar auch kaum jemanden, dass diese Truppe bei ihrem sportlichen Überraschungscoup maximal davon profitiert hat, dass die Aktiven aus der NHL die Konkurrenz in diesem Turnier deutlich weniger verstärkt haben als bei den letzten Spielen und Weltmeisterschaften, als die in dieser Woche bezwungenen Schweden und Kanadier noch mit unzähligen aktiven NHL-Spielern geradezu gespickt waren, was diesmal eben nicht der Fall ist, da die weltbeste Liga in Übersee mit allen 31 Teams im Wettbewerb um den Stanley Cup seine laufende Hauptrunde voll durchgespielt hat, was alleine rund 450 Kanadier und ca. 50 Schweden in ihren dortigen Klubs hielt.

Die von Sturm nominierte DEB-Auswahl hingegen muss durch diese Tatsache aktuell nur auf rund ein halbes Dutzend Kufen-Cracks im Turnierkader von Pyeongchang verzichten. Doch diese Tatsache wird von fast allen derzeit Jubelnden bisher schlicht ignoriert.

Aber dies ist dann auch tatsächlich der einzige Wermutstropfen an der Geschichte, wenn man denn überhaupt etwas Essig in den süßen Champagner der vielleicht überraschendsten Medaillengewinner aus deutschen Landen schütten möchte.

5 Kommentare

Der erste Schritt zum Sieg ist immer anzutreten. Deshalb mag ich das NHL Gejammer nicht.
Wenn Olympia für Sportler keinen Wert hat, ist es so.

Bisher dachte ich immer, dass Her Patzwaldt der letzte Eishockey Freund des Ruhrpotts ist. Wir werden sehen, ob es mehr werden. Ich gehe eher nicht davon aus. Die großen Städten haben ihre Fußballmannschaft, und die anderen Sportarten kommen danach. Beim Eishockey ist dann auch noch die Ausrüstung/Spielfläche nicht einfach zu bekommen.

Ich habe übrigens noch nie ein Spiel Live im Stadion gesehen.

@ Robin Dass das Eishockey nicht das große Interesse landesweit findet, hat sicher auch damit zu tun, dass die DEB-Mannschaft v.a. bei WMs ab den 80ern meist ein oder zwei gute Spiele gegen Große wie die CSSR, Kanada oder Schweden zeigte, um dann gegen schwächere Gegner Spiele völlig unnötig auf der Strafbank zu verlieren. Das war nur deprimierend, irgendwann habe ich mir das nicht mehr angetan. Eine kanadische Zeitung wird heute im VT mit den Worten von der "nicht denkwürdigen deutschen Eishockeygeschichte" zitiert. Besser kann man es kaum ausdrücken.
Da die WMs ja auch seit den 90ern von Spielern aus ausgeschiedenen Stanley-Cup Vereinen geprägt wurden (gestern noch bei den Edmonton Oilers, heute im CSR-Trikot), waren Erfolge auch zunehmend schwerer zu erzielen.
Immerhin hörte ich gestern im TV von einem DEB-Perspektivplan, nach dem man bis zu den Mitt/End20ern auf Augenhöhe mit den Großen sein will. Schau`n wir mal!!

Den gestrigen Sieg der DEB-Auswahl muss man meines Erachtens nicht kleinreden. Sogar unter der Prämisse, dass es noch hunderte, potentiell bessere kanadische Spieler gäbe, muss man konstatieren, dass Kanada auch beim ansonsten vorhandenen Spielermaterial immer noch um Klassen besser als Deutschland ist. Weiterhin ist ein Außenseitersieg im Eishockey ungleich schwerer als beispielsweise im Fußball, in dem auch mal ein Glückstreffer fällt und man anschließend elf Mann ins Tor stellt. Die Möglichkeit gibt Eishockey einfach nicht her.

Natürlich hat Kanada gestern einige kapitale Böcke geschossen, die NHL-Profis eher weniger passieren dürften, nur muss man diese Fehler auch in Torerfolge ummünzen. Aber wenn sie nicht mitspielen wollen…

Ein spannendes Finale, bei dem ein paar Sekunden fehlten.
Die Übertragung der schnellen Sportart übers Internet funktionierte bei meinem Billig-Fernseher auch ruckelfrei.

Insgesamt ist Eishockey aber schon die Suche nach dem Puck.
Auch stören die vielen Werbeunterbrechungen. Dann wird auch noch ständig die Aufholjagd der westlichen Nachbarn zum 4:4 erwähnt. …

@ke: "Insgesamt ist Eishockey aber schon die Suche nach dem Puck."

Ging mir am Anfang auch so. Da gewöhnt man sich dran. Ehrlich. Wer häufiger Eishockey schaut, der hat diese Probleme nicht mehr. Früher gab es übrigens mal Versuche mit einem beleuchteten Puck für die TV-Zuschauer usw.. Hat sich aber nicht bewährt damals.

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