Waffen (in) der Kritik

Waffe
Waffen-Debatte: Vor jedem Schuß sorgfältig zielen – Foto: DF, privat

Warum wir in der Debatte über Waffen unsere Emotionen abrüsten und unsere Fakten aufrüsten sollten.

Es stört, dass seriöse Journalisten in nachrichtlichen Texten für seriöse Medien von einem „AK-15-Schnellfeuergewehr mit Ständer” oder über „Gewehrfeuerbeschleuniger, die halb automatische Waffen in Killermaschinen verwandeln“ schreiben (diese ursprünglichen Formulierungen sind inzwischen teilweise korrigiert). Solch eine emotionalisierende und faktenferne Sprache behindert das Nachdenken und Debattieren darüber, wie Verbrechen verhindert werden können.

AK-15: Das Schalke 05 unter den Waffen“

AK ist die Abkürzung für Автомат Калашникова, oder Awtomat Kalaschnikowa, das weltbekannte sowjetische Sturmgewehr. AR-15 steht für eine ganz Reihe von Modellen verschiedener Hersteller, die auf dem vollautomatischen (die Waffe schießt, solange der Abzug durchgezogen ist) US-Sturmgewehr Armalite AR-15 basieren.

Die vielen halbautomatischen (nur ein Schuß für jedes Ziehen des Abzugs) von der AR-15 abgeleiteten Modelle sind den USA und anderen Ländern bei Sportschützen und Jägern beliebt.

Aber eine AK-15 als allgemeine Waffenkategorie existiert nicht. Sie ist das Schalke 05 unter den Waffen, eine BMW E-Klasse, der CDU-Politiker aus dem Seeheimer Kreis. Kurz und gut: Eine Fehlbezeichnung, die gerade denen nicht unterlaufen sollte, deren Handwerk die Information und die präzise Sprache ist.

Die Killermaschine war Stephen Paddock. Er hat die Waffe und die Umstände ihres Gebrauchs mit Bedacht so gewählt, dass er maximalen Schaden anrichten konnte. Aus seiner sorgfältigen Vorbereitung können wir schließen, dass er unter anderen Umständen andere Mittel gewählt hätte. Zum Beispiel: Timothy McVeigh ermordete 1995 in Oklahoma City 168 Menschen ohne einen einzigen Schuß abzufeuern – mit Hilfe von Treibstoff und Pflanzendünger. Der Islamische Staat setzt auf Lastwagen.

Verbieten nach sorgfältiger Zielansprache

Zurück zu Paddock: Auch Befürworter eines allgemeinen Rechts auf Waffenbesitz (wie dieser Autor) können „bump fire stocks“ ablehnen, wie sie von Stephen Paddock eingesetzt wurden. Diese Vorrichtungen ermöglichen sehr schnelles, aber auch ungleichmäßiges und unpräzises Einzelfeuer. Sie sind weder zur Verteidigung, noch für den Schießsport, noch zur Jagd sinnvoll einsetzbar. Für Paddock bildeten die technischen Nachteile kein Hindernis. Er wählte sein Mordwerkzeug und seine Opfer entsprechend.

Auch wenn die Mordwerkzeuge eine wichtige Rolle spielen, ist das wesentliche und gefährlichste Instrument eines Massenmörders seine Fähigkeit einen Plan zu fassen und auszuführen. Das Geraune von Killermaschinen verstellt den Blick auf dieses Problem.

Darüber, ob der Zugang zu den Mitteln sinnvoll beschränkt werden kann, wäre sachlich zu diskutieren. Viele Dinge die von Terroristen oder Amokläufern zum Massenmord eingesetzt werden können, sind relativ frei verfügbar und sollten strengeren Beschränkungen unterliegen. Dasselbe gilt umgekehrt. Manche Beschränkungen treffen eben die Richtigen, andere die falschen.

Aber zunächst ist für eine fruchtbare Debatte zwischen der Ursache (Paddock), dem Mittel (AR-15) und der Folge (Mord) zu unterscheiden. Es geht darum, wie man Täter an ihrem Tun hindern kann, ohne Andere unnötig einzuschränken.

So ein Beharren auf exakten Begriffen darf man natürlich angesichts der Opfer des Massenmords von Las Vegas auch kleinlich finden.

Es ist kleinlich.

Was wir erwarten

Allerdings ist so eine faktenhuberische Kleinlichkeit bei den meisten anderen Fragen im Journalismus selbstverständlich.

  • Wir erwarten, dass Journalisten, die über den Dieselskandal schreiben, auch wissen wie Stickstoffdioxid entsteht und wirkt.
  • Wir erwarten, dass Journalisten, die über Fussball schreiben, wissen was ein Abseits ist.
  • Wir erwarten, dass Journalisten, die über die Bundespolitik schreiben, wissen wen die Bundesversammlung wählt.
  • Wir erwarten, dass Journalisten, die über Unternehmen schreiben, den Unterschied zwischen Vorstand und Aufsichtsrat kennen.

Dass diese sonst selbstverständliche Art von journalistischer Themenkompetenz bei einem so wichtigen Thema wie Waffen plötzlich gering geschätzt wird, ist für die Opfer und Hinterbliebenen des Mörders von Las Vegas natürlich nachrangig.

Es ist kein gesellschaftliches Problem, dass Journalisten sich bei Waffen plötzlich sachliche Fehler erlauben dürfen, wie bei sonst keinem Thema. Es ist ein journalistisches.

Als Leser dürfen wir erwarten, dass Journalisten einen zentralen Aspekt ihrer Berichterstattung besser beherrschen, als Sarah Connor den Text der deutschen Nationalhymne.

34 Kommentare

" Auch Befürworter eines allgemeinen Rechts auf Waffenbesitz (wie dieser Autor) …"

Können Sie das bitte näher ausführen. Es würde mich interessieren, wie Sie ein allgemeines Recht auf Waffen begründen. Spielt das Recht der Amerikaner auf das Tragen von Waffen dabei eine Rolle?

@ Michael … In der Frage schwingt ein klitzekleiner, aber kategorialer Fehler mit: Die EINSCHRÄNKUNG individueller Rechte bedarf einer Begründung, nicht die Freiheit (die die Möglichkeit des Waffenbesitzes, aber keineswegs einen Zwang oder eine Aufforderung beinhaltet). Man kann / könnte auch darauf verzichten, wenn man es selbst möchte.

Die BRD kennt – leider – kein 2nd Amendment.
Generell gehört es in den Bereich der urbanen Mythen, dass es eine Korrelation zwischen nationalem Waffenrecht und Tötungsdelikten (mit legalen Waffen!) gibt.

Gegenfrage: Wie soll(te) die Einschränkung eines individuellen Rechts begründet werden?

Der Artikel trifft aber sachlich völlig zu, bei Berichten über Waffen(recht) schreiben oft uniformierte bzw. unbedarfte. Autoren und Kommentatoren.
Leider war es in NRW die Zuständigkeit eines grünen Umweltministers, sich in das Jagdrecht einzumischen. Das führte dann z.B. dazu, dass nach Attentaten mit illegalen automatischen Waffen im Ausland, Jäger in halbautomatischen Waffen nur noch drei Schuß Kapazität führen dürfen. Schalldämpfer sind für Jäger in NRW verboten (in anderen Bundesländern erlaubt), aber die Munition in NRW muss bleifrei sein …
Klar, wenn ich in den Urlaub fahre, bringe ich auch mein Haustier zum Tierpräparator in die Pflege 😉
Ist in etwa eine ähnliche Vorwandargumentation, wie die Abschaltung von AKW in Deutschland nach einem Tsunami in Japan 😉

Sie sind auf der richtigen Spur, @Michael.

Ich bin wie die Autoren der US-Verfassung überzeugt, dass alles, was nicht explizit zu verbieten ist, erlaubt sein sollte. Der Besitz von Schusswaffen bis zum großkalibrigen halbautomatischen Gewehr gehört dazu. Allerdings finde ich auch, dass Reglementierungen es ermöglichen sollten, im begründeten Einzelfall den (legalen) Zugang zu unterbinden.

Es gibt viele Menschen, die das Tragen Waffen und deren Besitz sowieso, befürworten. Ob der Autor dieses Artikels dazugehört oder eben nicht, spielt für eine evtl. Diskussion darüber ob das US-amerikanische Waffenrecht geändert werden sollte, überhaupt keine Rolle.
Hierzulande laufen solche Diskussionen meist über moralische Einwände ab. Und bisher reicht das aus, um innerhalb der Republik eine selbstgrechte Mehrheit auf seine Seite zu bekommen. Aber so kann niemand Menschen überzeugen, deren Moral anders konstruiert ist, und die sagen, daß sie das Recht auf Notwehr in Anspruch nehmen wollen. Auch das ist eine moralische Einstellung.
Wer die überzeugen möchte, sollte also sachlich diskutieren. Und um das zu können, müssen die Berichterstattungen schon sachlich und kompetent sein. Und daran hapert es. Übrigens nicht nur in solchen Fällen. Die Blutrünstigkeit der Rezipienten gerade aber auch der Waffengegner muß in den Medien natürlich trotzdem voll befriedigt werden. In Deutschland klappt das wunderbar wenn wenn lang gewachsene Vorurteile wegen der " Unziviliertheit " anderer Völker als unmittelbare Erklärung präsentiert werden. Dazu benötigt kein Redakteur Sachkenntnis zu keinem Thema. Und die fehlt vielen Journalisten sehr häufig. Trotzdem kommen sie beim Leser oder Zuschauer immer wieder damit durch. Und so verstehe ich den Autor Daniel Fallenstein, daß ihn das ärgert und daß er darauf hinweisen will.

"Was wir erwarten"……..

Ja!
Mir scheint allerdings, es wäre -noch-zutreffender , wenn gesagt werden würde:
"Es ist eine journalistische Selbstverständlchkeit, daß………….

Und zu den journalistischen Selbstverständlichkeiten zählt für mich darüber hinaus,
daß die angemahnte Sachkunde einherzugehen hat mit dem jeweils bestmöglichenFaktenscheck und dem "festen Willen" eines jeden Journalisten, informieren statt meinungsstark Politik machen zu wollen (Ausnahmen: Kommentare, Kolumnen, Glossen, die als solche zu kennzeichnen sind.)

Daniel Fallenstein,
von dem was Sie erwarten, was ich erwarte, ist die große Mehrheit der Journalisten in Deutschland "meilenweit" entfernt. Wer könnte, wer sollte das zu verändern versuchen :
"Die lohn- bzw. gehaltsabhängigen Journalisten"? Gegen den Widerstand der profitorientierten Verlage, Fernsehanstalten, Internetbetreiber pp…….? Das zu erwarten, erscheint mir mit Blick auf die materielle Existenzgrundlage der meisten Journalisten in Deutschland irreal.

Zum Recht auf freien Waffenerwerb, freien Waffenbesitz, freien Waffengebrauch, nur zu reglementieren, wenn………. zwei ironisch/zynische Anmerkungen:

a.)
Wird dieses Recht durch seine Befürworter eingefordert, weil es sich um ein sog. staatsgegebenen Grundrecht handelt -s. USA oder -demnächst in Deutschland um ein solches handeln sollte?-
oder gar deshalb, weil es sich um ein Menschenrecht handelt, also um ein vorstaatliches, überstaatliches, natürliches Recht eines jeden Menschen?
b.)
Solange die Waffenbesitzer unter sich bleiben und ihresgleichen erschießen, gönne ich ihnen ihre diesbezügliche umfassende, nicht reglementierte Freiheit.

Bezogen auf die USA:
Selbst der jüngste Massenmord in Nevada wird meines Erachtens weder in Nevada, geschweige denn in den USA insgesamt an der gegenwärtigen Rechtslage -freier Waffenerwerb, freier Waffenbesitz (in Nevada das freie/freizügige Tragen von Waffen jeder Art in der Öffentlichkeit) und am Recht auf Waffengebrauch…substantiell etwas ändern.
Dass daran eine kritische Diskussion in Deutschland, in Europa, weltweit außerhalb der USA etwas ändert,schließe ich aus -die Diskussion hier einbezogen-.

Warum dann trotzdem diese relativ "hitzige Diskussion" in Deutschland? Befürchten die einen, daß das gegenwärtige diesbezüglich geltenden Recht in Deutschland weiter verschärft werden könnte oder -bzw. und- erhoffen sich die anderen, Waffenfreiheit in Deutschland a la USA? Wenn das so sein sollte, kann ich die Motivation für die Diskussion nachvollziehen.

Meine persönliche Positionierung dieserhalb:

Ich kann als nicht Waffenbesitzer und Freund vieler waffenbesitzender Jäger mit der gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland "gut leben". Änderungsbedarf? Sehe ich weder in die eine noch in die andere Richtung.

PS

Interessant ist für mich, daß aufgrund des jüngsten Massenmordes in den USA in Deutschland medial in den Mittelpunkt der Diskussion das "Recht auf Waffenbesitz" gerückt zu werden scheint.

Für mich hätte es nahegelegen, statt dessen in der Information mehr und nachdrücklicher
herauszustellen, daß es sich
a.) um einen Terrorakt handelt,
b.) um den Terrorakt eines weißen (!!) US-Bürgers ,
c.) um den Terrorakt eines Weißen ohne sog. Migrationshintergrund und nichtmuslimischen Glaubens, und
d.) hätte es in den kommentierenden Beiträge in den Medien mehr und nachdrücklicher als ich es wahrgenommen habe, nachdenkenswerte Verweisungen auf den Massenmord Breviks inNorwegen geben können- aus völkisch-rassistischen Motiven-.

(Hätte ein "nicht weißer" US-Bürgermit Migrationshintergrund und muslimischen Glaubens den Terrorakt begangen, wie hätte dann die mediale Information und vor allem die mediale Kommentierung ausgesehen?
Mit dieser Frage Stellung wäre ich wieder auf die Ausgangsfrage an "die"
Journalisten zurückgekommen: "Was wir ,besser wohl, was ich erwarte".

Nachtrag:
Helmut Junge, ich habe den Beitrag -4- erst gelesen, nach dem ich meinen Beitrag -5- versandt hatte und konnte folglich nicht auf ihn Bezug nehmen. Ich teile grundsätzlich die dort formulierten Gedanken/Erwägungen.

@ Daniel Fallenstein

"Zurück zu Paddock: Auch Befürworter eines allgemeinen Rechts auf Waffenbesitz (wie dieser Autor) …"

Waffen haben nichts in Privatbesitz zu suchen.

Sagt Ihnen jemand, der selber schon geschossen hat, ich habe die "Goldene Schützenschnur" der Bundeswehr. Unser Schnellfeuergewehr hieß "G3" – der Schaden, den man damit anrichten kann, dürfte vergleichbar zum "AR 15" sein, was übrigens gleichbedeutend mit "M 16" ist, die Waffe, die die Amerikaner in Vietnam einsetzten …

Das Recht auf eine Waffe, die zum gezielten Töten konstruiert ist, kann nur dann ein Freiheitsrecht sein, wenn die Gesellschaft als ganze sich im Kriegszustand befindet. Ansonsten gehören Waffen, jenseits der erlaubten Jägerei , ausschliesslich in die Hände von staatlicherseits dazu legitimieren Personen. Das Waffenrecht der USA stammt aus einer Zeit in der die US amerikanische Gesellschaft sich im Inneren (noch) in in vielen Landesteilen in einem kriegsähnlichen Zustand befand. Daraus ein ewiges und grundsätzliche Freiheitsrecht zu konstruieren ist, gelinde gesagt, sehr gewagt.

"Aus seiner sorgfältigen Vorbereitung können wir schließen.."
Können wir bitte mal schließen, dass kein Journalist der Welt momentan aus all den bekannten "Umständen" und angeblichen Vorbereitungs-Szenarien dieses Anschlags *irgendwas* schließen kann? In dieser Hinsicht sind meine Person und Jeder, der etwas Hirn darauf verwendet, momentan garantiert kein kaffeesatzlesendes "wir", da hilft auch die kleine, lustige Waffenkunde nicht weiter.

Es ist mir und wahrscheinlich auch jedem anderen vernunftbegabten Menschen und den Opfern sowieso völlig wurscht, mit welcher Waffengattung oder welchem Modell der Täter in Las Vegas getötet hat. Es ist mir auch vollkommen wurscht, ob ein mir nicht bekannter Journalist hier möglicherweise eine falsche Typenbezeichnung oder Funktionsfähigkeit beschrieben hat.

Es ist mir vielmehr vollkommen unerklärlich, wie man angesichts dieses grauenhaften Massakers auf die Idee kommt, eine Debatte über journalistische Sorgfaltspflichten zu führen, weil irgendein Journalist da möglicherweise etwas nicht ganz so exakt beschrieben hat.

"Aber zunächst ist für eine fruchtbare Debatte zwischen der Ursache (Paddock), dem Mittel (AR-15) und der Folge (Mord) zu unterscheiden. Es geht darum, wie man Täter an ihrem Tun hindern kann, ohne Andere unnötig einzuschränken." (Autor)

Worin besteht bitte die Einschränkung? Dass Sie – falls Sie keine Sondergenehmigung haben sollten–nicht jede Waffe kaufen dürfen, die Sie kaufen wollen?

Wozu braucht "Jedermann"/"Jedefrau" eine Schusswaffe?

Alleine, dass 30 % der BewohnerInnen dieser Republik (in den USA 89 % !) bereits über Schusswaffen verfügen, finde ich schon schockierend genug.

Es gibt aus meiner Sicht kein Recht darauf, als Privatmensch Schusswaffen, die geeignet sind, bei Benutzung andere Menschen zu töten, zu besitzen – man muss es noch drastischer formulieren: Schusswaffen dienen im Falle der Benutzung letztlich vor allem diesem Zweck – sie wurden auch zu nichts anderem erfunden und sind hierfür fast ausnahmslos geeignet.

Das Argument, dass man einem anderen Menschen mit einem Wattestäbchen oder einem Teelöffel auch die Augen ausstechen kann – um es mal auf die Spitze zu treiben- kann nicht gelten.- Genausowenig sind LKWs zum Verüben von Terroranschlägen erfunden worden und werden in der Regel auch zu anderen Zwecken benutzt. Bei Schusswaffen ist das anders- auch wenn manch einer behauptet, dass das Schießen auf Scheiben Sport wäre.

Interessant ist daher die Frage, warum der Autor dieses Beitrages nun "ein Befürworter des allgemeinen Rechts auf Waffenbesitz" ist.

Das erschließt sich aus seinem Beitrag nicht.

Wozu also?

Ich kann – auch beim besten Willen nicht- nicht nachempfinden, warum man in seiner Freiheit eingeschränkt sein sollte, wenn man keine Schusswaffen besitzen darf.

Im Gegenteil- ich finde es geradezu befreiend, nicht in einem Land zu leben, in dem ich von Schusswaffenbesitzern umgeben bin und das Gewaltmonopol – anders als im "Wilden Westen"- beim Staat liegt. (ich wäre bestimmt schon mindestens fünfzehn Mal erschossen worden…)

Vielleicht könnte man aber ja Geld und Polizisten einsparen, wenn jeder sich dann mit seiner eigenen Waffe selbst verteidigen könnte – das hätte Vorteile, nicht nur für die Waffen-, sondern auch für die Bestattungsindustrie. und das eingesparte Geld sowie die Mehreinnahmen aus den Steuern auf Waffen-und zubehörverkäufen, den Lohnsteuern und der "Bestattungssteuer"könnten dann für den Ausbau von U3-Kitaplätzen und Bildung ausgegeben werden- sozusagen freier Waffenverkauf als angewandte Sozialpolitik….(nicht ganz Ernst gemeint).

Arnold, ich habe zwar keine Waffe, aber einen Bumerang habe ich mir vor ein paar Tagen in einem Andenkenladen auf Korfu schon gekauft. Ich kann es einfach nicht sein lassen. Bewaffnet zu sein ist vermutlich genetisch programmiert. Außerdem hatte ich als Kind immer einen Plastik-Colt und Knallpatronen und ein selbstgemachtes Holzschwert. Letzteres wollte mir ein älterer Mann (SPD) wegnehmen, damit ich nicht kriegslüstern werde. Aber mein Opa, auch SPD, hat dem Kerl den Marsch geblasen, und ich durfte das Holzschwert behalten. Ich habe dann trotzdem nie einen Krieg geführt. Keinen einzigen! Aber jedes Jahr schieße ich auf der Sterkrader Kirmes Plastikblumen. Und die hängen an mehreren Stellen im Haus. Dieses Jahr habe ich 5 Euro für 100 Schuß mit einer Luftmaschinenpistole auf eine Karte geschossen und den Stern fast komplett herausgeschossen. Ich hab aber nur einen Trostpreis gekriegt. Aber wenn die Hunnen wieder mal kommen sollten, weiß ich, daß ich ganz gut treffen kann.
Ich habe die Frage, warum es in den USA keine Mehrheit gegen den Waffenbesitz gibt, und darauf käme es ja an, wenn Waffenbesitz verboten werden sollte, so für mich beantwortet, daß für die Mehrzahl der Amerikaner die Vorstellung von einer Notwendigkeit zur Selbstverteidigung noch sehr lebhaft im Kopf herumspukt. Daran, daß so ein Wahnsinniger aus welchen Gründen auch immer gezielt Massenmord begeht, denken sie bei ihren Überlegungen nicht. Aber wenn diese Leute nicht überzeugt werden, wird es nie eine Mehrheit gegen Waffenbesitz geben. Überzeugen muß man die. Verbieten kann man nämlich nur mit Mehrheiten. Aber 4 mal soviel Tötungsdelikte wie in Europa trotz der Waffen unterm Gürtel zur Selbstverteidigung sind für mich persönlich ausreichender Grund den Waffenbesitz stärker zu reglementieren. Trotzdem klappt es da nicht.

Noch was: Solange Reichsnazibürger Waffen horten dürfen, mit denen sie dann Polizisten verletzen und erschießen, wird es hier keine positive Einschätzung zu Waffenliberaltralala geben. Punkt.

Ein Recht Waffen zu besitzen ist auch sinnvoll, wenn der Staat im Bereich Sicherheit versagt und somit individuell vorgesorgt werden muss.
Wenn ich mir die Fläche der USA anschaue inkl. der vielen ländlichen Bereiche sehe ich ein Waffenbesitzrecht durchaus als sinnvoll an. Es gibt auch wilde Tiere etc.

In Deutschland haben wir meistens keine Waffen im Haus. Dennoch haben wir auch Massentötungen gehabt.
Aktuell gibt es dann gefühlt in jeder Woche eine Messerstecherei in jeder Großstadt. Es sieht also so aus, dass Waffenbesitz in Form von Messern in den Städten häufig vorkommt.
Das interessiert aber kaum und ist evtl. noch ein kleiner Artikel im Polizeibericht.

#2 "Generell gehört es in den Bereich der urbanen Mythen, dass es eine Korrelation zwischen nationalem Waffenrecht und Tötungsdelikten (mit legalen Waffen!) gibt."

Das ist nicht richtig.

https://i2.wp.com/scienceblogs.com/gregladen/files/2017/10/gun-ownership-vs-gun-deaths_2.png?w=630

https://i2.wp.com/scienceblogs.com/gregladen/files/2017/10/GunOwnershipVGunDeathAcrossCountries.png?w=890

Quelle: http://scienceblogs.com/gregladen/2017/10/02/more-guns-equals-more-gun-deaths/

@Michael,#15
Die Quelle ist nicht geeignet, den angeführten Punkt zu entkräften, aus folgenden Punkten:

– Gun death != Tötungsdelikt mit legaler Schusswaffe
"Gun death" ist viel weiter gefast, hierzu zählen wahrscheinlich auch Selbsttötungen per Schusswaffe. Umfasst wahrscheinlich ebenfalls Unfälle.

-Waffenanzahl != legaler Waffenbesitz
Resultieren die Toten aus Waffen legaler Besitzer oder illegal gehaltenen Waffen?

Fände es aber trotzdem schön wenn abraxasrgb,#2 selber eine Quelle angeben würde.

In den für die USA immer zitierten "…über 30.000 Toten pro Jahr durch Schußwaffen…" sind m.W. allein ca. 12.000 Selbstmorde enthalten. Rechnet man die restlichen zwanzigtausend um auf die Einwohnerzahl, relativiert sich die Angelegenheit schon sehr.
Der Besitz einer Waffe ist m.E. sehr wohl ein Grund-Menschen- oder vorstaatliches Recht. Dies gibt der Bürger auf gegen das Versprechen des Staates, ihn vor äußeren und inneren Bedrohungen zu schützen. Da beides in D in den vergangenen Jahren vom Staat nicht mehr geleistet wurde, kann ich den Ruf nach einem liberalisiertem Waffenrecht verstehen.
In manchen Situation halte ich auch mittlerweile einen als Schlagwaffe zu nutzenden Gegenstand bereit.
@ ke: Bei den Messerstechereien können Sie getrost von täglich sprechen.
@ RobinS :"Wozu braucht "Jedermann"/"Jedefrau" eine Schusswaffe?"
"Ich kann – auch beim besten Willen nicht- nicht nachempfinden, warum man in seiner Freiheit eingeschränkt sein sollte, wenn man keine Schusswaffen besitzen darf."
Zu 1. Um sich gegen diejenigen zu verteidigen, die die Waffen besitzen und in krimineller Absicht nutzen.
zu 2. Wenn in diesem Land sich jeder deutsche oder ausländische Kriminelle problemlos mit Schußwaffen versorgen kann, der Staat aber nur in m.M. nach äußerst unzureichender Art & Weise für die Sicherheit seiner ehrlichen Bürger sorgt, dann schränkt der Staat mein Recht auf körperliche Unversehrtheit, Eigentum und letztlich auch auf ein Leben in Freiheit ein.
Als unser ehemaliger NRW-IM Jäger von den Grenzen des Rechtsstaates schwafelte, bis an die man im Fall Amri gegangen sei, dann wurde in mir direkt der Kaufanreiz geweckt.

@20
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Dank für diese wunderbare Quelle.
Sie zeigt toll wie man sich alles so hinbeiegen kann wie man will. Es ist alles dabei:
* Ein reisserischer Aufmacher "Gibt es eine Relation zwischen Waffenbesitz und Mordraten?
"
* Eine Reihe von 404ern in den Quellen, Page not found… (u.a. der vom FBI)
* EIn Verweis auf eine Seite von Marktradiakalen die mit Sprüchen wirbt wie "Don't blame me, I don't vote." Da ist der Demokrat zuhause.
* Eine Studie einer amerikanischen Regierungseinrichtung die im ersten Absatz (Summary) bereits sagt, dass der in der Quelle gezogene Schluss nicht gilt.
* Eine selbstgemalte Tabelle mit zusammengewürfelten Daten aus unterschiedlichen Quellen, die genau garnichts aussagt.

Und sonst nichts. Ich freue mich immer über Meinungsvielfalt auf diesem Blog. Aber der Artikel ud die KOmmentare geben wenig Anlass zur Freude, denn schöne Argumentationsketten kann ich nicht finden.

Für das tragen von Schusswaffen sehe ich nur drei Begründungen:
* Ich bin Jäger und auf der Jagd. (Und darüber kann man diskutieren)
* Ich habe Paranoia. Und das in einem Maße bei dem ich bereit bin Menschen zu töten.
* Ich habe Mordgelüste.

Beliebige Mischungen sind natürlich möglich,
Bisher habe ich auch weder im Artikel noch in den Kommentaren einen anderen Grund gelesen, gibt es noch einen?

Mit freundlchen Grüßen
Trevor

Trevor … keiner zwingt Dich dem Schießsport oder der Jagd nachzugehen. Wenn du anderen Menschen – auch ohne für Dich nicht nachvollziehbare oder gar logisch wahre Argumente – zubilligst, eine andere Meinung bzw. Lebenspraxis zu haben, dann könnte das mit der (Gedanken-bzw. Meinungs und Lebens-) Freiheit doch noch etwas werden 😉
Waidmannsheil 😉
Leider bezweilfe ich, dass es in Deutschland auf absehbare Zeit in irgendeinem Lebensbereich eine "Liberalisierung" geben könnte. Dazu lieben unsere Landsleute Verbote zu sehr. Vor allem, wenn sie anderen Menschen etwas verbieten, das sie selbst nicht betrifft 😉

Ich wohne in Berlin im Bezirk Wedding. Ich bitte darum, zumindest dort die bisherigen Waffengesetzte beizubehalten und auf weitere diesbezügliche Liberalisierung zu verzichten. 🙂

Ansonsten siehe nochmal # 8

Es gibt keinen vernünftigen Grund den Bürgerinnen und Bürgern das Tragen von Waffen zu verbieten. Ein solches Verbot ist im Gegenteil der Ausdruck Generalverdachts gegen den staatlichen Souverän und somit eine Anmaßung diesem gegenüber. Es gibt auch keinen Grund hierbei willkürliche Grenzen zu ziehen (Sportwaffen vs. Jagdwaffen vs. Kriegswaffen). Wer einen Menschen töten will, kann dies mit jedem Art von Waffe und jeder Art von Gegenstand, der sich als Waffe eignet. Von daher sind derartige Unterscheidungen und daraus resultierende Einschränkungen ebenfalls Ausdruck einer zutiefst illiberalen Geisteshaltung. Egal ob Luftpistole oder Sturmgewehr, ob Panzerabwehrgeschütz oder Panzer – der Erwerb von Waffen jeder Art muss in einem freien Land den freien Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes nach Belieben möglich sein. Es ist Sache des jeweiligen Besitzers mit seinem Besitz verantwortlich umzugehen und nicht Sache des Staates diesen Besitz zu verbieten und so die Eigenverantwortung des Einzelnen einzuschränken.

@Tobias Zacher: Da Sie anscheinend in einem "liberalen" (oder das, was Sie sich darunter vorstellen) Paralleluniversum zu leben wünschen – gibt es dort dann auch einen Friedensnobelpreis und die ICAN?

Übrigens, wenn hier schon permanent mehr oder weniger seriöse Statistiken zitiert werden:

https://www.nytimes.com/interactive/2017/10/06/us/las-vegas-gun-deaths.html?rref=collection%2Fsectioncollection%2Fus&action=click&contentCollection=us&region=stream&module=stream_unit&version=latest&contentPlacement=14&pgtype=sectionfront
"Comparing the Las Vegas Attack With Daily Gun Deaths in U.S. Cities"

http://www.gunviolencearchive.org/past-tolls "PAST SUMMARY LEDGERS"

Es ist also keineswegs so, dass die Zahlen von Schießereien mit Todesfolgen (ohne Selbstmorde und nur mit einem Bruchteil an der Gesamtzahl durch die ewig als 2nd-Amendment-Argument propagierten "Selbstverteidigung") in den letzten Jahren abgenommen haben. Und die jährlichen Zahlen an sich sind – zumindest in den Großstädten – ebenfalls erschreckend genug.

Wie in der neuzeitlichen praktischen Philosophie bewährt, ein Gedankenexperiment, anstatt einer Prinzipiendiskussion:
Wer würde sein – eventuell aggressives – Verhalten in einer Gesellschaft, in der man (oder Frau) eine Waffe führen darf, ändern? Das schwule / lesbische Paar in Neuköln (den Wedding lasse ich Arnold zuliebe außen vor), die alleine ausgehenden Frauen in Köln, der Eigenheimbesitzer entlang der Siedlungsgebiete im Einzugs(Einbruchs)bereich der Autobahnen etc.? Oder derjenige, der Freiheiten, Unversehrtheit oder Eigentum anderer bedroht bzw. attackiert?

Es führt, wie die Altertumsgeschichte zeigt, in eine Aufrüstungsspirale, solange es legal bzw. "normal" wäre, Waffen *jeglicher* Art zu besitzen. Dabei werden Diejenigen zu absoluten Verlierern und Opfern, die Waffen und deren Gebrauch prinzipiell ablehnen, weil diese Gruppe in diesem Gedankenexperiment außen vor bleibt – was unrealistisch ist.

@abraxasrgb, Ich hätte zusätzlich Angst vor Besoffenen, vor Feiglingen und radikalen Veganern. Kriminelle und Terroristen haben ja bereits Waffen. Und was Letztere betrifft, bin ich schon zweimal von linken Freunden gefragt worden, ob ich wirklich Angst vor dem Terrorismus hätte, weil ja bekannt ist, daß die Wahrscheinlichkeit durch einen Terroranschlag getötet zu werden, um das tausendfache kleiner ist, als durch einen Verkehrsunfall zu sterben, bzw. durchs Rauchen. Es kommt also immer auf den Blickwinkel an.

Lt. SPIEGEL :

Bezogen auf die USA:

"In den vergangenen fünf Jahrzehnten wurden mehr Zivilisten durch Waffengewalt getötet (1, 5 Mio) als US-Soldaten in allen Kriegen der vergangenen 23o Jahre (1, 4 Mio.)".
-DER SPIEGEL 41/2o17, S.88/89 "Sinnlos, ausweglos-.

Was mich, gelinde gesagt, irritiert, was mir zumindest makaber erscheint, ist der Umstand, daß ausgerechnet anläßlich eines Massenmordes durch einen weißen Zivilisten mit seinen Privat-Waffen, auch in Deutschland gefordert wird, die Freiheit des privaten Waffenerwerbs und die Freiheit des privaten Waffenbesitzers nicht etwa weiter einzuschränken, sondern diese Freiheit möglichst von allen Fesseln zu befreien (nach US-Vorbild?).

Das ängstigt, das besorgt mich allerdings -noch- nicht, da es dafür -noch- keine nennens- und damit bedenkenswerte positive "Grundstimmung" in der Gesellschaft gibt -nicht in der Bürgerschaft, nicht in den Medien, nicht in der Politik. Mich freut dieser Zustand, andere empfinden ihn als Ärgernis.

abraxasrgb -20-
(letzter Satz )
"Kontrollen vor dem Waffenerwerb….."
Ich darf daran erinnern, daß man in Nevada (!!) nicht 'mal einen Waffenschein braucht, die Waffen nicht registriert werden und jeder so viele und gleich welcher Art besitzen darf wie er will.
Und nach meinem Kenntnisstand denkt in Nevada auch heute nach dem Massenmord eine große Mehrheit der Menschen und der Politiker nicht daran, dieserhalb "Einschränkendes" per Gesetz vorgeben zu sollen.
Das nehme ich zur Kenntnis.
Ich akzeptiere die Meinung der Menschen in Nevada.
Ich kann ihre historisch erklärbare Motivation nachvollziehen. Ich kann auch nachvollziehen, daß die Menschen in Nevada sich "einen Dreck" darum scheren, wie in Deutschland, wie in Europa diesbezüglich über sie gedacht wird. Ebenso sollte jedoch gelten, daß "wir" in Deutschland, in Europa uns nicht von dem "Waffen-Freiheits-Geist" der Menschen in Nevada (und in den gesamten USA) lenken und leiten lassen wollen und das dies von den Menschen in Nevada akzeptiert wird.

@#31: Womit wir dann bei der Frage gelandet sind, ob eine Affinität zwischen Freiheitsliebe und Distanzwaffen genetisch vererbbar ist. Die Schweizer würden das wohl bejahen.

Helmut Aggressive Veganer? Da gebe ich Dir recht, lies Dir mal Kommentare bei Youtube unter Jagdvideos durch … ist mir erst gestern wieder aufgefallen.
Sicherheit? Ich auch ein subjektives Empfinden. Bei allen prozentualen (Relativierungen), das Risiko insgesamt steigt objektiv aufsummiert …

Walter Stach … Waffenrecht in Deutschland als eine Kombination z.B. des schweizer, tschechischen, isralelischen und amerikanischen Rechts 😉
Deutschland hat in den letzten Jahren vermutlich auch mehr Flüchtlinge aufgenommen, als die USA in allen Jahren ihres Bestehens oder Menschen dort durch Schußwaffen gestorben sind #scnr

Wenn in Deutschland mal ein Wolf wieder einen Menschen anfällt, dann werden Schäferhunde in Häuser verbannt oder eingeschläfert 😉 Jedenfalls kommt mir die Diskussion so vor.

@ abraxasgrb Solange mich Veganer nicht mit vorgehaltener Möhre zum Betreten eines Veggiestützpunktes nötigen, halte ich das Töten von Tieren aus Lust am Schießen und Töten für durchaus grenzwertiger als das, was manche im Netz so von sich geben mögen, wobei ich zugeben muss, dass ich die erwähnten Veggieseiten bisher noch nicht angeklickt habe.
Das Jagd nur dem Natur- und Tierschutz dient, mag glauben, wer will. Ich tue es nicht und erinnere mich an ein schönes Lied von Reinhard May: "Diplomatenjagd" oder so ähnlich. Und habe die Bilder der Jagdreviere von Monarchen, Fürsten, Staatsratsvorsitzenden, etc vor Augen.

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