Vornamen 2012 – Was manche Eltern ihren Kindern antun


 

Ein kleiner Artikel in der Tageszeitung erweckte am Morgen kurz meine Aufmerksamkeit. Es ging darin um Vornamen die Eltern in Deutschland ihren Neugeborenen im Jahre 2012 gegeben haben. Maximilian und Marie lagen vorn, das kennt man ja. Diese Namen sind schon seit Jahren in der ‚Hitparade‘ der Vornamen ganz oben zu finden. Soweit also nichts Neues.

Aufgelistet wurden dort aber auch ungewöhnliche, seltene Vornamen für Neugeborene:

Belmondo, Buckminster, Daron Angel, Eisi, Hajaina, Legolas, Price, Pazifik, Rocky, Smart – das sind einige der genehmigten Vornamen, für kleine Jungen wohlgemerkt. Besser man erwähnt es, ansonsten wäre es in einigen Fällen wohl fast gar nicht zu erkennen.

In der Kategorie der Mädchen-Namen findet man dann z.B. Amsel, Ducati, Frangi-Pany, Maybee, Neki, Sueann-Presess, Versann und Hedi-Rocky.

Also, bei allem Respekt für die Wahlfreiheit und die natürlich unterschiedlichen Geschmäcker und Vorlieben der einzelnen Eltern, und ich will hier ja auch nicht als der große Spießer daherkommen, aber ob sich diese Eltern einmal überlegt haben was sie ihren Kindern mit einem solchen Namen für ihr Leben antun?

Wie kommt sich ein solches Kind wohl später im Kindergarten, oder in der Schule vor, selbst noch als Erwachsener vor, wenn es ständig mit Missverständnissen und billigen Scherzen bzgl. seines Vornamens leben muss? Haben die Eltern dieser Kinder wohl darüber nachgedacht, bevor sie ihre extravaganten Namensträume an ihren Kindern ausgelebt haben? Ich kann mir das nicht vorstellen.

Merkwürdig auch, was für Namensgebungen inzwischen in diesem Lande bei den Einwohnermeldeämtern offenbar problemlos funktionieren.

Mal am Rande: Als ich 1971 geboren wurde, da konnten meine Eltern mich lediglich mit der Auflage ‚Robin‘ nennen, dass sie mir noch einen zweiten Vornamen dazu gaben, um mit dem Vornamen eindeutig das Geschlecht erkennbar zu machen. Robin wird in England z.B. für Männer (z.B. Robin Hood), in den USA aber häufig auch für Frauen (z.B. Robin Beck) verwendet. Meine Eltern entschieden sich dann für den Namen meines Vaters als meinen zweiten Vornamen. Damit war das Einwohnermeldeamt dann zufriedengestellt. In der Praxis habe ich diesen zweiten Vornamen dann nie verwendet.

Auch in der Grundschule war mein Vorname damals aber dann noch so ungewöhnlich, dass ich ihn quasi jedem erst einmal buchstabieren musste. Oft wurde ich aus Unwissenheit fälschlicher Weise dann ‚Robert‘ oder ‚Robby‘ gerufen, auch von Lehrern. Das legte sich erst in letzter Zeit, als der Name ‚Robin‘ dann nach und nach in Deutschland  häufiger Verwendung fand. Inzwischen gibt es das Problem in meinem Fall seit ein paar Jahren quasi nicht mehr.

Und meine noch eher harmlosen Erlebnisse waren garantiert gar kein Vergleich zu den zukünftigen ‚Problemen‘ der kleinen Ducati, von Amsel, Maybee, Buckminster, Legolas, Cabero, Price, Smart, Versann und Sueann-Presess und Rocky.  Arme Kinder!

18 Kommentare

…also ehrlich, ich glaube, in dem Fall macht man es sowieso falsch, egal wie. Ich habe meine ganze Kindheit über unter meinem Vornamen extrem gelitten, weil niemand anders in meinem Alter so hieß. Alle Elisabeths waren mindestens 30 Jahre älter (und sind heute in der Regel mindestens 30 Jahre jünger). Ich fand den Namen viel zu lang, umständlich und so dermaßen altmodisch, dass ich mich nie so habe nennen lassen. Inzwischen finde ich ihn ganz gut, aber dafür, dass es ein ganz normaler Name ist, könnte ich jetzt auch ganz schön viele Hänseleien aufzählen.

naja, mit h hinten ist manchmal schon zu kompliziert gewesen, aber egal, ich bin ja jetzt damit versöhnt 🙂

Nunja, aus “Elisabeth” lässt sich aber auch immer was Zeitgemäßes machen – Elli, Lisa, Lisbeth, Lizzy, zur Not auch spanisch “Isabel” oder in Abkürzung davon “Isa” … den Namen würde ich zur Not selbst noch vergeben. “Maybe(e)” würde meine womögliche Tochter hingegen bestimmt nicht heißen. 😉

Oh, sehr geil: Hab gerade mal den ein oder anderen Namen per Google gesucht und bei dem unter den Mädchennamen gelisteten “Neki” kam folgendes heraus:

Der Vorname Neki ist ein albanischer maskuliner Vorname.

Bewusstes gender bendern oder doch nur Doofheit der Eltern? 😀

Ich habe mal eine Kölnerin kennen gelernt. Sie ist Christin und ihr Mann Moslem. Beim ersten Kind gab es in der Familie und Verwandtschaft soviel Zoff um den Vornamen, dass sich die Eltern für einen jüdischen Namen entschieden. Beim zweiten Kind das selbe Theater, also musste wieder ein jüdischer Name her. Beim Dritten Kind war schon der jüdische Name Tradition.

Ich wäre ja dafür, die Kinder einfach durch zu nummerieren. Frei nach Rambo: Wir sind Amerikaner, unsere Namen bedeuten einen Schei..

Robin war für die 70er Jahre in Deutschland tatsächlich ungewöhnlich. Oder stammt der Autor aus der “DDR”? Dort existierten derartige Verballhornungen tatsächlich.

Konrad

@Konrad: Ich wurde 1971 in Dortmund geboren. Bis in die 1990er-Jahre kannte ich selber aber nur einen anderen Robin hier im Lande. Das war der Journalist Robin Lautenbach, der schon in meiner Kindheit hin und wieder in der Tagesschau zu sehen war. Durch den ‘Robin Hood-Film’ mit Kevin Kostner (1991) wurde der Name dann auch in Deutschland geläufiger. 1996 war er in Münster sogar mal unter den Top 10 für Jungen, habe ich damals in den Westfälischen Nachrichten zumindest so gelesen. Habe nun auch schon jahrelang meinen Namen nicht mehr buchstabieren müssen, wenn ich mich irgendwo vorgestellt habe. Das ‘Problem’ hat sich für mich erledigt. Ob das auch bei den o.g. seltenen Namen der Gegenwart so sein wird, das erscheint mir zumindest zweifelhaft. Diese scheinem mir doch noch deutlich ‘extremer’ zu sein.

Ist schon erstaunlich, welche Namen heutzutage durchgehen.
Vor einigen Jahren ging der Fall eines Ehepaares durch die Zeitungen, die ihre Tochter “Azalee” nennen wollten – mit dem gar nicht mal so doofen Argument, man könnte Mädchen schließlich auch Jasmin, Erika, Rose oder Margherite nennen (oder für Fremdsprachler “Daisy” oder “Susanna”).
“Azalee” wurde nicht genehmigt.
Damals dachte ich so im Scherz, ist vielleicht auch besser so, demnächst kommt jemand an und will sein Töchterchen “Löwenzahn” nennen…
Heute scheint der Scherz Wirklichkeit geworden zu sein.
Arme Kinder!

Namen sind allerdings in Deutschland erlaubt und sollten meiner Meinung nach auch zulässig sein, unabhängig davon, ob sie dem Autor nun gefallen oder nicht. Das eigene Kind nach berühmten und/oder nachahmenswerten Persönlichkeiten zu benennen ist zwar etwas aus der Mode gekommen, aber auch daran kann ich nichts grundsätzlich negatives erkennen, so im Sinne von auf-den-Schultern-von-Riesen-stehen.
Das Mr.Fuller hier niemandem ein Begriff zu sein scheint, können wir ja den Eltern nicht zum Vorwurf machen.

P.S.
Nur am Rande sei hier noch erwähnt, dass die Namensvergabe nirgendwo zentral dokumentiert wird. Diese beliebesten-Vornamen-Listen werden z.B. durch das Lesen von Geburtsanzeigen in Zeitungen dokumentiert; sie sind nie repräsentativ.
P.P.S.
“Ein kleiner Artikel in der Tageszeitung…” Eine Quellenangabe ist zuviel verlangt?

@Gast: Es handelt sich dabei ja auch nicht um die ‘Hitparade’ der Namen, sondern um eine Auflistung einiger recht ‘ungewöhnlicher’ Namen des letzten Jahres.

Gelesen habe ich das als kurzen Text übrigens im Mantelteil der ‘Waltroper Zeitung’, einer kleinen Lokal-Ausgabe des ‘Medienhauses Bauer’, das den Kreis Recklinghausen mit einigen kleinen Lokalzeitungen versorgt. Es handelte sich dabei ganz offenbar um eine Agenturmeldung, denn eine Meldung von ganz ähnlichem Inhalt kam am nächsten Tag auch bei RTL im Fernsehen in der Sendung ‘RTL aktuell’ vor.

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