Vorbereitung: Macht sich der BVB aktuell nur etwas vor?

BVB-Trainer Jürgen Klopp. Foto: Robin Patzwaldt
BVB-Trainer Jürgen Klopp. Foto: Robin Patzwaldt

Nach der völlig verkorksten Bundesliga-Hinrunde war man sich beim BVB nach außen hin schnell einig woran es denn wohl lag. Die schlechte Saisonvorbereitung im Sommer, als das Team eigentlich nie komplett zur Verfügung stand, soll zu einem großen Teil Schuld an der desaströsen Punkteausbeute der ersten 17 Ligaspiele gewesen sein.
Nie habe man wirklich mit dem vollen Kader komplett trainieren können, da durch Verletzte und unterschiedliche Rückkehrdaten der Spieler durch die WM das für die Spielweise der Borussen so wichtige Spiel nie wirklich einstudiert werden konnte, so lautete die Hauptfehleranalyse im Dezember.
Und zur Beruhigung der Fans gaben Jürgen Klopp und Co. kurz vor Weihnachten dann zu Protokoll, dass dies nun vor der Rückrunde ja zum Glück völlig anders sei. Endlich könne man in der Vorbereitung für längere Zeit mit dem kompletten Kader trainieren, an tatktischen Dingen arbeiten, sich daher eben auch viel besser, konzentrierter auf die Rückrunde vorbereiten.
Klingt ja alles auch gut und nachvollziehbar. Auch in den jüngsten Stellungnahmen aus La Manga, dem Trainingslager der Dortmunder in diesen Tagen, hört man dahingehend beruhigende Statements. Der Kader sei endlich mal wieder weitestgehend komplett, könne sich so mit Engagement und voller Konzentration gut einspielen.
Aber ist das aktuell so eigentlich wirklich der Fall?

 

 

Nach den kurzfristigen Verletzungen von Marco Reus und Henrich Mchitarjan kurz vor der Weihnachtspause, den zu Länderspielreisen abgestellten Shinji Kagawa, Mitch Langerak und Pierre-Emerick Aubameyang fehlten ohnehin schon etliche Hochkaräter zum Jahresauftakt.
Dann kamen mit Sven Bender (unmittelbar vor der Abreise ins Trainingslager nach Spanien) und nun gestern auch noch mit Erik Durm (Faserriss) weitere, kurzfristige verletzungsbedingte Ausfälle hinzu. Bender und Durm werden zudem, ebenso wie die zu Länderspielen abgestellten Borussen, zum Rückrundenauftakt in Leverkusen schon mal definitiv fehlen.
Kann man in Anbetracht dieser Unregelmäßigkeiten im Trainingslager und zum Ligastart wirklich noch von einem ‚endlich kompletten Kader‘ in der Vorbereitung, von einer guten Möglichkeit zum Einspielen, sprechen? Wohl kaum!

 
Der BVB hat ganz offenkundig auch aktuell wieder ähnliche Probleme mit einem ausgedünnten Kader in der so wichtigen Vorbereitung wie schon zuletzt. Wenn auch (noch) nicht ganz so viele Langzeitverletzte wie noch im Sommer.
Man ist von Vereinsseite aus offenkundig aktuell aber bemüht den Optimismus nach außen nicht zu verlieren. Das ist sicherlich löblich und auch im Sinne des gewünschten Mannschaftserfolges nachvollziehbar. Optimismus soll entstehen bzw. erhalten bleiben.
Der Realität entspricht es allerdings so nicht.

 
Den Trumpf des endlich mal kompletten Kaders in der Vorbereitung gibt es bei näherem Hinsehen nämlich gar nicht. Und damit eben auch nicht den großen Unterschied zur Vorbereitung zum Sommer.
Zumal in den nächsten Tagen, zumindest theoretisch, noch weitere Ausfälle hinzuzukommen drohen. Denn das Training und die Vorbereitungsspiele kommen ja größtenteils erst noch.
Kann man, wenn man es mit den Dortmundern hält, also nur stark hoffen, dass man sich, den Medien und den Fans beim BVB nicht nur etwas vorzumachen versucht, wenn es um die dringend erforderlichen Fortschritte im Vergleich zur angeblich für die schlechte Vorrunde verantwortliche Vorbereitung vom Sommer 2014 geht…

7 Kommentare

Nun ja….stimmt schon es gibt eine Verletztenliste….aber mal objektiv betrachtet, und es fällt mir echt schwer das zu schreiben, Schalke hat auch eine lange Liste von Verletzen….und wenn man da mal den Platz in der Tabelle vergleicht…..und die Qualität des Restkader ohne die Verletzen dann ist der Tabellenkeller damit eigentlich nicht zu erklären….ich bin der Meinung das mittlerweile das Spielsystem von Klopp von den Gegnern geknackt ist…die anderen Mannschaften wissen wie man taktisch dagegen spielt und gewinnnen kann….und trainieren das auch entsprechend…in der CL funktioniert das noch…aber auch nicht mehr lange….Klopp wird sich neue erfinden müssen und den Kader ohne Echte-Liebe-Gesülze radikal umbauen….ob er das kann…hoffen wir mal…

@Thorsten Stumm: Genau das ist der Punkt. Ich habe doch große Zweifel, dass man der Vorbereitrung so viel Verantwortung für die schwache Vorrunde des BVB zuschreiben kann. Denn obwohl auch jetzt ein halbes Dutzend Spieler fehlt finden die Situation offiziell alle toll. Soooo groß ist der Unterschied zum Sommen also gar nicht. Und richtig, Bayern und S04 hatten und haben auch viele Verletzte. Deren Vorrunde war aber nicht so desaströs. Man kann an der Darstellung des BVB, es hätte zu großen Teilen an der Vorbereitung gelegen, also durchaus zweifeln. Zumal Weidenfeller in einem Bild-Interview gerade abgestritten hat, dass er zu wenig Urlaub und eine schlechte Vorbnereitrung gehabt hätte. Mir kommt die offizielle Begründung für die Misere beim BVB deutlich zu knapp formuliert vor. Wollem wir hoffen, dass man die Sache intern wirklich erkannt und behoben hat. Nicht das nach den ersten 2-3 Rückrundenspielen die große Panik ausbricht.

@Robin
Die Zweitligalizenz ist ja beantragt :)….dann hole ich mir ne Dauerkarte… hatte ich zuletzt in den 80er….und das war oft ein hartes Brot… LOL

@Thorsten: An diese Zeiten kann ich mich auch noch recht gut erinnern. Da war man dann schon froh, wenn ein Heimspiel nicht verlorenging. Kommt halt alles irgedwann mal wieder 😉 Einmal haben wir auf der Südtribüne sogar alle gesessen, weil nur so wenige Leute da waren. War im DFB-Pokal, glaube ich. 🙂

Im Englischen gibt es ja den Ausdruck vom “elephant in the room”. Bedeutet ein riesengroßes und gravierendes Problem wird konsequent ignoriert.
Auch ich denke die verkorkste Hinrunde hat andere Ursachen als eine schlecht gelaufene Vorbereitung (z.B. das schon.angesprochene “geknackte” Spielsystem). Hoffentlich kommunizieren die in Dortmund intern anders als nach außen.
Ansonsten: P. Neururer ist ja momentan wieder zu haben

Robin, Thorsten
wenn die Mannschaft gleiichermaßen von Zweifeln geplagt, von Verunsicherungen beherrscht wird wie mir das bei Euch zu sein scheint, na dann……………………….!

Wenn ich jetzt Euch gegenüber feststellen würde, daß mich keine Zweifel plagen bezüglich einer “befriedigenden” Rückrundenleistung des BVB, endend deutlich oberhalb der Absteigsplätze, wenn ich sagen würde, ich wäre mir dessen sicher, würde ich lügen.
Aber….optimistisch denken, optimistisch argumentieren, optimistisch handeln -die Mannschaft auf’m Platz und die Fans auf der Tribüne!.

@Walter: Gab es diese optimistischen Sprücha a la ‘wir haben verstanden’ aus dem Umfeld des Teams aber nicht auch schon nach den Heimspielen gegen Mönchengladbach und Hoffenheim bzw. vor den Auswärtsspielen in Paderborn, Berlin, Bremen usw..? Die Ergebnisse sind ja bekannt 😉

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