Von Raubzügen, Rudeln und Ekelhäusern

„Kriminelle Banden aus Osteuropa von Duisburg aus auf Raubzug in der Region“, so titelte die Waz am Montag. Die Polizei berichtet von organisierter Kriminalität, die ihre Wurzeln in Rumänien hätten. Die Waz spricht von einer „Flut krimineller Banden“. So seien den Behörden vor kurzem vier „mutmaßliche Spendenbetrüger“ ins Netz gegangen.

Über derlei Klientel heißt es im Artikel:

„Wer heute bettelt, verkauft morgen unerlaubt die Obdachlosenzeitung Fifty-Fifty, ist übermorgen als Trickdieb unterwegs und tags darauf vielleicht als Einbrecher oder Metalldieb.“

Wir erinnern uns: Die Roma kommen: Raubzüge in der Schweiz”. Dieser Titel der Schweizer „Weltwoche“ sorgte im letzten Monat weltweit für Aufregung. Auf dem Titel ist ein fünfjähriger dunkelhäutiger Junge zu sehen, der der Betrachterin eine Pistole entgegenstreckt. Ein Reporter der Taz besuchte die Familie des Jungen im Kosovo. Als der abgebildete Junge, Mentor ist sein Name, die Ausgabe mit seinem Foto darauf zum ersten Mal sieht, fängt er an zu weinen. Es handelte sich um eine Spielzeugpistole.

Die Waz-Headline erinnert doch sehr an diese unrühmliche Weltwoche-Überschrift. Zwar wird die Leserin hier nicht mit vorgehaltener Waffe bedroht, ähnliche Ängste werden jedoch auch hier geschürt. So spricht die Zeitung von einer „Haupteinfallschneise, auf der die Bandenmitglieder nach Moers kommen“. Zwar werden die „Roma“ nicht explizit erwähnt, doch Formulierungen wie „Flut“, „Gruppenleiter“ und die Berichte über völlig überfüllte Wohnungen lassen Platz für Interpretationen. Es sind Formulierungen wie diese, die derartige Slogans in die Nähe von Hetze rücken. Gerade beim Thema Sinti und Roma, die in der Regel aus Bulgarien und Rumänien kommen, zeigen hiesige Medien oft wenig Fingerspitzengefühl. Zu besichtigen war dies lange Zeit in Dortmund. Hier wurde das „Problem“ der „organisierten Kriminalität“ bei den Roma von Medien und Öffentlichkeit munter mit den Themen Straßenstrich und Ghettobildung vermischt.

„Denen geht’s gut im Knast“

 Polizei, Presse und Politik schaukelten sich dabei gegenseitig hoch. Von „lawinenartigen Entwicklungen“, „Horden“, „Rudeln“ und „Ekelhäusern“ war die Rede. Die wahren Ursachen dafür, wie etwa die Diskriminierung von Roma-Familien bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, wurden kaum bis gar nicht thematisiert. Man schwang lieber den „eisernen Besen“.Was aber tun? Knast, so sind sich Polizei und Presse im aktuellen Fall einig, ist jedenfalls keine Lösung:

„Nicht wenige Beamte verzweifeln daran, dass ihnen die Hände gebunden sind. Der Knast, so sagen sie, habe keine abschreckende Wirkung: ‚Denen geht’s gut da drin.‘ Kein Wunder, denn dort muss man keine Angst vor brutalen Bandenchefs haben, die zuschlagen, wenn abends die Zahlen nicht stimmen“.

Da schürt man doch lieber Panik unter der Bevölkerung, mit „Ratschlägen“ wie diesem:

„Ein Polizeibeamter aus Duisburg warnt vor der startenden Saison der Eisdielen und Außengastronomien: Wenn Smartphones und andere teure Geräte auf den Tischen liegen, könnten die Täter auch gewalttätig werden, um im Besitz der Beute zu bleiben.“

Ethnisierung der Probleme

Ja, es gibt Kriminalität im Ruhrgebiet. Durch eine Ethnisierung der Probleme ist aber niemandem geholfen. Zwangsläufig schwingen dabei antiziganistische Stereotype mit. Vielmehr muss die Stigmatisierung aufhören, die zum Beispiel dazu führt, dass Vermieterinnen die Menschen entweder mit Bruchbuden zu überteuerten Mietpreisen ausbeuten, oder diese erst gar nicht akzeptieren. Dann würden die Menschen auch nicht in überteuerten Wohnungen „hausen“. In einem Fall soll eine Hausbesitzerin sogar bei einem Schlachthof abgetrennte Pferdebeine gekauft haben. Dies sollte die unliebsamen Mieter vertreiben. In der Polizeipresse hieß es dazu: „Ob die Füße die erhoffte Wirkung zeigten, ist nicht geklärt.“

Mutmaßlich angeheizt von Scharfmacherei kam es im Juli 2011 zu einem Brandanschlag auf ein von Roma bewohntes Mehrfamilienhaus in Leverkusen. Im Vorfeld hatte etwa Pro-NRW eine Unterschriftenaktion gegen Roma gestartet.

Sprache ist eine wirkungsmächtige Waffe. Gerade in regional verankerten Medien ist die Strahlkraft auf die Leserschaft groß. Dabei wäre, statt plumper Symptombeschreibung, eine sachliche Ursachenforschung geboten. Mit „kriminellen Banden aus Osteuropa“, die hierzulande „auf Raubzug“ gehen, ist niemandem geholfen. 

 

6 Kommentare

Machen wir uns nichts vor, die Kriminalität ist durch den Zuzug der Roma/Sinti gestiegen und das Problem lässt sich sicherlich nicht mit günstigen Wohnungen beheben.

Zunächst mal zur Klarstellung: Der Text erschien nicht in der WAZ, sondern in der NRZ. Das ist immer noch ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Zweitens wird viel in den Text intendiert, das explizit nicht drinsteht: es ist nicht die Rede von Sinti und Eima, sondern von Rumänen. Auch das ist ein Unterschied.
Drittens bringt es nichts, vor falsch verstandener politischer Korrektheit die Aufen vor der realität zu verschliessen

“Zwar werden die „Roma“ nicht explizit erwähnt, doch Formulierungen wie „Flut“, „Gruppenleiter“ und die Berichte über völlig überfüllte Wohnungen lassen Platz für Interpretationen.”

Zeugt die Tatsache, dass der Autor als einzig mögliche Interpretation auf die Roma und Sinti kommt, nicht wiederum selbst von einem Denken in antiziganistischen Stereotypen?

Und müsste es nicht eigentlich eher heißen, dass diese Formulierungen “wenig Platz für Interpretationen lassen”, wenn damit Sinti und Roma gemeint sind?

Auch hier äußern sich leider oft nur die, die nicht direkt betroffen sind. Wer jedoch mit dem Thema näher vertraut ist, wird schnell bemerken, dass das Thema Europa schnell zu einem Sprengsatz vor der eigenen Haustür werden kann. Es wird bald ein Exodus Richtung Deutschland einsetzen, der die innere Sicherheit und den sozialen Frieden unseres Landes gefährden wird. Wer etwas anderes behauptet, lügt aus Hilflosigkeit oder Dummheit.

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