Von Jubelstürmen und überraschenden Selbstzweifeln – Die Fußball-Bundesliga startet kunterbunt

Das Stadion in Mönchengladbach. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei
Das Stadion in Mönchengladbach. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Kaum hat die Bundesliga wieder so richtig Fahrt aufgenommen, da kommt auch schon wieder eine rund 14-tägige Pause im Fußballoberhaus auf alle Fußballfans zu. Seit Jahren schon ist das ein wenig nachvollziehbarer erster Länderspieltermin so kurz nach dem Ligastart im Hochsommer. Werfen wir daher heute noch einmal einen kurzen Blick auf den Start der Eliteteams, bevor es dann erst Mitte September mit Spieltag ‚Vier‘ für alle weitergeht.

Zwei Teams haben bekanntlich bisher alle Ihre drei Spiele gewonnen. Mit dem FC Bayern München durfte man in dieser Kategorie wohl rechnen. Schon beeindruckend was die Guardiola-Truppe da auch aktuell wieder auf den Platz gebracht hat. Dass der BVB aber ebenfalls die Optimalpunktzahl aus seinen ersten Ligaspielen aufweisen kann, das ist dann wohl schon etwas überraschender. Die Fans sind aktuell geradezu euphorisch. Gerader der überzeugende 4:0-Auftakt gegen den Namensvetter aus Mönchengladbach bleibt in Erinnerung. Doch die Borussia überzeugte nicht nur in der Liga. Die Schwarzgelben haben bereits acht Pflichtspiele auf dem Konto. Alle acht (!!!) wurden gewonnen. Vereinsrekord! OK, Acht Pflichtspiele täuscht etwas. Die Europa League-Quali machte es u.a. möglich. Chemnitz, Wolfsberg und Odds zu besiegen ist ja nett, aber wohl am Ende auch nicht der echte Maßstab. Von daher sollte man nun auch nicht übertrieben feiern. Auch in der Liga traf der BVB mit Ingolstadt und Berlin bereits auf zwei Teams, welche man am Ende der Saison vermutlich in der unteren Hälfte antreffen wird. Alles ist aktuell also noch etwas relativ. Erfreulich ist der Start natürlich trotzdem. Acht Siege aus acht Spielen ist eben nicht mehr zu steigern. Alles ok für Thomas Tuchel und Co..

Auch die Aufsteiger aus Darmstadt und Ingolstadt starteten erstaunlich positiv in die neue Runde im Oberhaus. Darmstadt 98 ist nach drei Unentschieden in Folge zwar technisch noch sieglos, doch auf der anderen Seite eben auch noch immer ungeschlagen.
Noch erfolgreicher bei der Punktejagd waren da gar noch die Ingolstädter. Obwohl gegen Dortmund im ersten Heimspiel noch klar mit 0:4 unterlegen, siegten die ‚Schanzer‘ in Mainz und in Augsburg jeweils mit 1:0. Seit Jahrzehnten gelang dies keinem Aufsteiger mehr. Respekt! Und die Erfahrung zeigt ja, dass Aufsteiger letztendlich häufig nur dann eine Chance auf den Klassenerhalt haben, wenn sie gerade am Anfang, wenn die Kraftreserven noch da sind, die Aufstiegseuphorie noch entsprechend vorhanden ist, entsprechend punkten. So gesehen liegen beide Aufsteiger da aktuell überraschend gut im Rennen.

Aus dem zweiten großen Revierclub, dem FC Schalke 04, wird man hingegen bisher noch nicht wirklich schlau. Der Auftakt unter Coach Breitenreiter lief beeindruckend. Im DFB-Pokal mit einem 5:0-Erfolg gegen Duisburg, und dann zum Ligastart ein beeindruckendes 3:0 in Bremen. Das war stark. Das folgende 1:1 daheim gegen Aufsteiger Darmstadt war dann ein erster Dämpfer. Zumal das Spiel dabei schon weniger inspiriert wirkte. Noch enttäuschender dann die Leistung am vergangenen Freitag. Klar, in Wolfsburg kann man verlieren. Das ist schließlich ein Champions League-Teilnehmer. Doch das 0:3 war dann doch am Ende etwas zu widerstandslos zustande gekommen, um sich nun die Sache noch irgendwie schönreden zu können. Die Schalker gehören bei ihrem Abwärtstrend der letzten Spiele definitiv zu den Vereinen, denen die Länderspielpause aktuell so gar nicht recht kommen dürfte. Viele Spieler auf Reisen. Da wird es schwer für Andre Breitenreiter am Spiel der Knappen zu arbeiten.
Im Vergleich zu den Teams aus Augsburg, Stuttgart und Mönchengladbach verlief der Start der Gelsenkirchener allerdings noch vergleichsweise gut.

Dass der Europa League-Teilnehmer aus Augsburg erst einen einzigen Punkt auf der Habenseite hat, dass sollte die Verantwortlichen wachrütteln. Durch die ungewohnte Dreifachbelastung sahen ja viele Beobachter auf die Überraschungsmannschaft der letzten Saison zukommen. Das Problem: Noch gibt es das prognostizierte Problem ja in der Form eigentlich gar nicht. Was passiert dann wohl mit den Augsburgern wenn sie demnächst den ungewohnten dreitägigen Spielrhythmus haben? Häufig bekommen Teams die das so nicht gewohnt sind dann ja Schwierigkeiten im Ligaalltag. Doch den haben die Jungs von Markus Weinzierl ja offensichtlich jetzt schon. Könnte also eine ganz harte Saison für das Team werden.
Ursprünglich hatte auch der VfB Stuttgart eine echte Aufbruchsstimmung aufgebaut. Der Trainerwechsel hin zu Alexander Zorniger brachte den Schwaben eine hervorragende Vorbereitung. Neues Personal, neue Spielweise, neues Selbstbewusstsein zum Saisonstart. Doch davon ist nach drei Spieltagen nicht mehr viel geblieben. Nach drei Niederlagen, davon zwei in Heimspielen, wirkte der Trainer am Wochenende schon arg ratlos. Viele Offensivszenen für den Traditionsclub, jedoch auch schon zehn Gegentore, teilweise aus krassen Abwehrfehlern entstanden. Dazu ein Torwartproblem. Neuzugang Mitch Langerak aus Dortmund noch immer rund zwei Monate außer Gefecht, Przemyslaw Tyton nach einer ‚Roten Karte‘ am Wochenende nun wohl erst einmal gesperrt und zudem sportlich auch nur wenig überzeugend. Der VfB dient aktuell als Beispiel, wie wenig eine gute Vorbereitung am Ende wirklich wert sein kann. Nämlich nichts.

Das bringt uns dann auch schon zum größten ‚Sorgenkind‘ der Bundesliga nach dem dritten Spieltag. Und das ist, fast sensationell, ausgerechnet Borussia Mönchengladbach. Die ‚Fohlen‘ haben ebenfalls noch keinen einzigen Punkt erobern können. Nach der heftigen Auftaktniederlage in Dortmund, setzte es dann auch noch Rückschläge gegen Mainz und gestern in Bremen. Während man aus Gladbacher Sicht mit der Niederlage in Dortmund, wenn auch sicherlich nicht in dieser Art und Weise, noch rechnen musste, kamen die Anschlusspleiten gegen die Mittelfeldkandidaten aus Mainz und Bremen dann schon noch bitterer rüber. Die als ‚Entschuldigung‘ aktuell angeführten Verletzungsprobleme wirken da doch eher wenig überzeugend als Erklärung. Das klingt nach Ausrede. Warum das Team bisher längst noch nicht wieder an die Form aus der Vorsaison herankommt? Nicht vergessen darf man, dass es einige namhafte Abgänge im Team von Trainer Favre gab. Trotzdem, ist der Null-Punkte-Start der Elf vom Niederrhein bisher wohl die krasseste Fehlleistung der 18 Bundesligateams.

Und wie auch bei Augsburg, wo es bald zusätzlich die Belastung der Euro League startet, gilt es bei Mönchengladbach zu bedenken, dass die ungewohnte Belastung durch die Champions League ja noch gar nicht angefangen hat. Was mag das wohl erst noch geben, wenn ab Mitte September die Königsklasse weitere Konzentration von den Fohlen zu stehlen droht?
Da scheint eine ziemlich harte Saison ins Haus zu stehen. Gestern habe ich bereits an mehreren Stellen gehört und gelesen, dass einige Beobachter hier schon Parallelen zur überraschend katastrophalen Vorrunde des BVB in der Vorsaison sehen. Das scheint mir übertrieben. Doch andererseits hatten die Dortmunder im Vorjahr ja sogar noch ihr zweites Spiel der Saison in Augsburg gewonnen. Die Gladbacher haben aktuell noch immer keinen einzigen Punkt auf der Habenseite. Das dürfte denen zumindest erst einmal die Länderspielpause ganz schön versauen. Weiter geht es in der Buli erst in knapp zwei Wochen. Bis dahin heißt es jetzt auch erst einmal, so oder so, kräftig grübeln für Sportdirektor Max Eberl und Co..

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