Versetzung gefährdet!

Der gemeine Abiturient. In diesem Fall: Stefan Laurin (Foto: Stefan Laurin)
Der gemeine Abiturient. In diesem Fall: Stefan Laurin (Foto: Stefan Laurin)
Heute ist der schönste Tag des Jahres, also für manche. Nordrhein-Westfalens Schüler bekamen heute ihre Zeugnisse. Die und der ein/e oder andere der Ruhrbarone war auch mal auf der Schule. Vom Ergebnis dessen berichten einige.

Thorsten Stumm: Abi 1985 Schnitt 3,2. Mit meinen selbstmörderischen Leistungskursen Mathe und Physik hatte ich die 2,0 zwar fest im Blick aber die Reform der Reform der reformierten Oberstufe zwang mich zu Französisch als drittes schriftliches Fach. Da ich da nicht mehr als “Parlez-vous pommes frites” auf die Kette gekriegt habe (1 Punkt) ist mein Schnitt abgestürzt. Später habe ich meinen Frieden mit dieser Sprache gemacht. Pouvez-vous s’il vous plaît parler anglais ? Nach Irrungen und Wirrungen, Internetpionier, alleinerziehender Vater , Fotograf und Journalist. Für eine Jugend in Wattenscheid nicht schlecht. Wie der Wind sich hebt….

Robin Patzwaldt: Abi 1990, Note am Ende 2,8, eigentlich ein paar Zehntel besser vorbenotet gewesen. Scheiß Nervosität! 😉 Leistungskurse Englisch und Deutsch mit unauffälligen Noten immer irgendwo zwischen Schulnoten 2 und 3, dazu Mathe und Erdkunde als weitere Abi-Fächer. Bestes Fach im Abi Erdkunde, Schwachpunkt (inkl. mündlicher Abweichungsprüfung) Mathe, wo es dann nur zu einer 4 im Abi reichen sollte. Wollte nach der Schule eigentlich immer schon ‚irgendetwas mit Medien‘ machen. Daher zunächst eine Ausbildung zum Verlagskaufmann bei einer großen Tageszeitung in Hessen absolviert, und kurz darauf dann auch schon u.a. für den Lokalsport der WAZ im Kreis Recklinghausen gearbeitet. Seit Mitte der 1990er-Jahre hier im Ruhrgebiet und Münsterland immer irgendwo zwischen Verlagskaufmann und Journalismus tätig gewesen. Aber vor einigen Jahren auch schon einmal für rund drei Jahre kurzzeitig einen Fanartikelhandel betrieben. In letzter Zeit mehr und mehr im Bereich Journalismus aktiv.

Lu Rieland: Abi 2009, Schnitt 2,8: Meine Fächer waren Deutsch, Pädagogik (da man an unserer bekloppten Schule nur durch komplizierte Umwege an einen Kunst-LK kam), Spanisch und Bio. Mit einem derartig versautem Schnitt, vor allem meiner absoluten Unfähigkeit vor Menschen zu sprechen zu verdanken und damit Wortmeldungen von mir zu geben, schloss ich mit dem Gedanken ab Psychologin zu werden. Naja, alles wendete sich dank NC-freier Alternativen: jetzt bin ich ausgebildete Make-up Artistin, hab einen Bachelor of Science in Psycho und warte auf meinen Master Platz in klinischer Psychologie. Schule? Wayne. Und Kunst? Machste eh so, braucht man nicht in der Schule 😉.

Dirk Krogull: Abi 1990, Schnitt 1,6: Leistungfächer: Griechisch + Biologie; drittes Fach: Latein; mündlich: Katholische Religion. Meine Karriere als Klosterbruder scheiterte leider an einer unersättlichen Vorliebe für philippinische Splatterpornos, die auch durch andauernde Selbstgeißelung nicht zu stillen war. Endstation: Geisteswissenschaftler, Filmredakteur, Thekenphilosoph.

Simon Ilger: 2003: ich in der Oberstufe und die Amerikaner auf dem Weg in den Irak. Der eine Lehrer will die Schüler freistellen, die zur großen Anti-Irak-Kriegs-Demo in Essen gehen wollen. Die Diskussion auf meine Gegenfrage, was mit denen sei, die für den Krieg demonstrieren wollen eskaliert etwas und irgendwann fällt der Ausspruch “Du bist halt einfach ein antisemitisches Arschloch!”. Danach war ich nicht mehr so häufig dort, was eine 2,8 zur Folge hatte. Man hatte mich wegen Mathe- und Geschichts-LK ohnehin für verrückt erklärt und die wenigsten hätten viel Geld darauf gewettet, dass aus mir noch “was vernünftiges” würde. So kann man sich täuschen. In allem.

Sebastian Bartoschek: Abi 1999, Schnitt 1,2: Deutsch- und Englisch-LKs, drittes Fach Mathematik, viertes Philospophie. Sprache fand ich immer toll, hab dann aber doch Psychologie studiert, wegen Akte X. Sonst wäre es Jura geworden – heute arbeite ich viel als Gerichtsgutachter. Passt schon. Aber die Sprache und die Schrift haben dann später auch zu mir gefunden. Gerade mein Deutsch-LK hat mich echt bis heute geprägt. Tiefe und freie Diskussion über Wörter und Inhalte. Jetzt bin ich Psychologe und Journalist. Und ziemlich selbst-zufrieden.

Silke Zeidler: 1,8; ohne lernen. Weil’s ja egal war, weil ich längst wußte, dass ich Bildenden Kunst studieren möchte. Brotlos ist die tatsächlich, wirklich. So Sie mich also gern unterstützen mögen, überweisen Sie bitte auf folgendes Konto.

Stefan Laurin: Man kann die Tatsache, dass ich 1986 ein Abitur mit einem Durchschnitt von 2,9 machte, durchaus als Beweis der Existenz eines gütigen Gottes ansehen, denn viele Jahre hielt ich selbst die Wahrscheinlichkeit, von einem Kometen erschlagen zu werden, für höher. Im turbulenten Jahr 1981 war ich auf drei Schulformen – nur die Gesamtschule blieb mir erspart – bevor ich aufs Gymnasium zurückkehrte. Und auf diesem Heisenberg-Gymnasium in Gladbeck war es vor allem der damalige Rektor Herbert Sokolowski, dem ich zu verdanken habe, dass meine Schullaufbahn ein gutes Ende nahm. Ich bin ihm noch heute dankbar, denn er glaubte an mich und forderte mich zugleich. Am Ende ging ich sogar gerne zur Schule, mochte meine Jahrgangsstufe und ärgere mich, das Abitreffen vor ein paar Wochen verpasst zu haben. Ach so: Leistungskurse waren Geschichte und Biologie. Mit meinem Geschichtslehrer Reinhard Schönwälder war ich im vergangenen November essen und auch das war ein guter Abend. Ich sollte es wieder mal machen.

1 Kommentar

@Stefan Laurin: C-Kadett Stufenheck??? War auch mein "Liebster" damals, allerdings im historischen Froschgrün;-)

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