Verpasst: Homöopathische Überdosis

Ich schau viel zu selten bei Scienceblogs vorbei. Und so habe ich eine sehr schöne Aktion verpasst, die gestern in vielen Städten stattfand: Homöopathie-Kritiker kippten sich homoöpathische Mittel in Überdosis rein um zu zeigen, dass der ganze Quatsch nichts bringt und nur Abzocke ist und nur eine Wirkung hat: Sie macht einen schlanken Geldbeutel. Die Aktion gab es im vergangenen Jahr schon einmal in England. Schon da fand ich sie sehr schön. Und ab jetzt schau ich öfter bei Scienceblogs rein.

19 Kommentare

@Stefan: Ich würde mich auch nicht wundern, wenn die Homöopathie nur den Placeboeffekt ausnutzt. Womöglich handeln hier sowohl Patienten als auch “Heilkundigen” aus Unwissenheit darüber.

Nichtsdestotrotz kann der Placeboeffekt der Schlüssel zur finanziellen Gesundung unseres Gesundheitswesens sein. Man stimuliert die Selbstheilungskräfte des Körpers durch irrtümiichen Glauben, ausgelöst durch Smarties 🙂

Super Aktion. Wie heißt es doch so schön “Glaube versetzt Berge”. Nachweislich ist noch nicht mal die geringste Spur des ursprünglichen Wirkstoffs in Globuli und Co. enthalten. Es ist tatsächlich ein reiner Plazebo Effekt. Wobei dieser nicht zu vernachlässigen ist. Erstaunlicherweise funktioniert es auch bei Hunden.
Aber die Homöopathie hat schon einen sehr großen Nutzen: für die Hersteller natürlich!

Ich kann ja auch nicht viel mit Homöopathie anfangen, aber grade Skeptiker sollten wissen, dass diese Aktion genauso wenig beweißt, wie die Erfolgsberichte der “Gläubigen”. Meiner Meinung nach gibt es sinnvollere Betätigungsfelder.

Wieso muss ich mich eigentlich mehrmals wöchentlich von Anhängern der Schulmedizin anpissen lassen, wenn ich mich der Homöopathie zugeneige? Sie können doch auch schlucken, was immer Sie wollen, ohne dass ich Ihnen das alle Nase lang vorhielte oder mich ebenso anhaltend wie lautstark über ihre Geistes-, Gemüts- und Seelenzustände ausließe. Ich wußte bisher nicht, daß Chemie und Toleranz einander grundsätzlich ausschliessen, scheint aber so zu sein…

@ Mimi Müller (# 6)
Ich glaube, das kann ich Ihnen erklären. Also jedenfalls, wieso ich mich selbst zu besagten “Anpissern” zähle. Okay, das Zeugs schadet nicht. Und meist sind die Kosten auch überschaubar. Manchmal aber auch nicht. Und das ärgert mich dann. Ich finde nämlich, es gehört sich nicht, Leute auszunehmen, nur weil sie krank und dumm sind. Und das Widerlichste an der Sache ist, dass mit Menschen, die manchmal nicht nur ein bisschen, sondern richtig ernsthaft krank sind, Geschäfte gemacht werden. Ganz unabhängig, wie viel Geld abgezockt wird: es ist so gemein, die Hoffnungen Verzweifelter auszunutzen! Deshalb plädiere ich hier für ein Höchstmaß an Intoleranz.
Außerdem: wer es ernst meint mit seiner Kritik an der “Schulmedizin” (ich mag naheliegenderweise diesen Begriff nicht so sehr), der sollte sie kritisieren. Es gibt wahrlich genug Kritikpunkte! Wer stattdessen Hokuspokus betreibt, “entlastet” ja gleichsam die Medizin von auch m.E. dringend gebotener Kritik.
Ich räume ein: in der Liebesperlen-Szene gibt es zwar Leute, die eindeutig zu den Tätern zu rechnen sind, sowie Leute, die ebenso eindeutig zu den Opfern zu rechnen sind, doch die meisten lagern irgendwie so dazwischen. Vermutlich auch Sie, liebe Mimi. Deshalb bin ich Ihnen nicht böse. Schade ist nur, dass Angehörige esoterischer Bewegungen Argumenten kaum zugänglich sind.

Ach, Herr Jurga,
ich glaube nicht nur, ich weiß, dass Sie alles erklären können. Das ist für Sie nicht schwer, denn wenn man so viele “Scheuklappen” trägt, gerät einem nicht allzuviel ins Blickfeld.

@ Mimi Müller

Prima, funktioniert doch: Bezichtigt man halt sein virtuelles Gegenüber der Allwissenheit, und schon wird die eigene bewusste Unzulänglichkeit ganz wunderbar übertüncht.

Und “Scheuklappen” sind ein ebenso immer wieder gerne ins Feld geführte Totschlag-Argument. Der andere (Kritiker zumal) traut sich halt nicht, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Ergo: Mann, ist der borniert. Die eigene, bis dahin ebenso prima funktionierende Borniertheit darf vollends vernachlässigt werden. So baut man scheinbare Argumentationslinien auf – bloß stellen die sich spätestens bei tatsächlich sachlichen Argumenten als banale Kulisse heraus, war`s das… so, das war`s dann aber auch.

Placebos wirken selbst dann, wenn die Patienten gesagt kriegen, daß sie ein Placebo, statt einer wirksamen Arznei bekommen.

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/312600.html

Heute weiß schließlich jeder, daß Placebos helfen. Also kann man es ruhig verraten, daß es sich um ein Placebo handelt. So einfach ist das mittlerweile.
Eine homöopathische Hochpotenz, in der rein rechnerisch kein einziges Molekül Wirkstoff enthalten ist, wird demzufolge genau so wirksam sein, wie eine Zuckertablette. Warum auch nicht?

Selten so viel Blödsinn auf einer Kommentar-Seite gelesen. Ich empfehle besonders Stefan Laurin den Besuch eines Seminars zum Thema Wissenschaftstheorie und bitte nicht in homöopathischen Dosen, damit es hundertprozentig hilft. Zu den weiteren Kommentaren, nur zwei kurze Argumente:

Es gibt auch sehr gute “Schulmedizinische”-Präparate die sehr viel Geld kosten, weil diese in der Forschung und Entwicklung sehr viel Geld gekostet haben und/oder nicht von der Kasse übernommen werden. Es kommt darauf an, wie ihr versichert seid. Mit einer relativ günstigen Zusatzversicherung werden sowohl die Besuche bei Homöopathen als auch die Medikamente erstattet. Die Kostenfrage ist also lächerlich.

Zum anderen ist auch die Wirkung von anderen Schulmedizinischen Präparaten mindestens umstritten.

Zum letzten kenne ich ein halbes dutzend Ärzte, die sowohl niedergelassene Ärzte (u.a. Zahnarzt, Internistin, Allegmeinmediziner) als auch Heilpraktiker sind, als kurzes lebensnahes, subjektives Beispiel.

Ich schließe mit dem großartigen Dieter Nuhr, der mal gesagt hat: “Natürlich gehe ich auch zum Heilpraktiker, aber nicht immer und dogmatisch. Wenn ich ein Schleudertrauma habe, brauche ich keine Bachblüten-Therapie.”

@Martin Hartmann : Wenn Sie Dieter Nuhr “großartig” finden, bezichtigen Sie bitte nicht andere des Blödsinss. Dieter Nuhr ist der Guido Westerwelle unter den deutschen Witzeerzählern.

@Martin Hartmann : Wenn Sie Dieter Nuhr “großartig” finden, bezichtigen Sie bitte nicht andere des Blödsinns. Dieter Nuhr ist der Guido Westerwelle unter den deutschen Witzeerzählern, also nicht witzig.

1.) Über Dieter Nuhrs Qualitäten als Komiker darf man natürlich geteilter Meinung sein (ich z.B. finde ihn streckenweise amüsant, aber “großartig” sind in meinen Augen dann doch andere).
2.) Unabhängig davon ist es – da würden wohl auch seine Fans zustimmen – ziemlicher Dummfug, ihn als Autorität zu medizinischen Fragen zu zitieren…
3.) …obwohl er mit dem zitierten Satz gar nicht mal so daneben liegt. Das Berufsbild des Heilpraktikers ist nicht klar definiert und kann von seriöser Physio- und Psychiotherapie über Naturheilkunde bis zu Hokuspokus a la Bachblüten und Homöopathie so ziemlich alles jenseits der “Schulmedizin” umfassen. Aber letzteres mit den erstgenannten unter einen Hut zu stecken und undifferenziert der bösen “Schulmedizin” entgegen zu stellen, ist ja ein beliebtes “Argument” der Hoöopathieverfechter.

Kommentar verfassen