Verdi-Mitlieder stimmen über Streik beim WDR ab

wdrFast 40 Opern hat Giuseppe Verdi in seinem Leben geschrieben. Die Gewerkschaft, die sich nach dem Viel-Arbeiter der Musikszene benannt hat, schafft 2015 vielleicht noch eine ähnlich hohe Zahl von Streiks. Neuestes Opfer: Der WDR.

In einer Online-Abstimmung fordert die Gewerkschaft gerade ihre Mitglieder im WDR auf, sich zu dem Streik zu äußern. Dass dort jeder abstimmen kann oder alle so häufig wie sie gerade Spaß haben, für den Streik klicken können, stört die Gewerkschaft wenig. Es drängt sich nämlich der Verdacht auf, dass ohnehin um jeden Preis gestreikt werden soll.

Nach Kitas, Post, Amazon, KIK und Co soll also der größte ARD-Sender lahmgelegt werden. Aber warum eigentlich? So genau weiß das niemand, außer vielleicht die Verdi-Verantwortlichen. WDR-Mitarbeiter rätseln in Facebook-Runden darüber, worum es wirklich geht. Die Verdi-Forderung lautet: 6% mehr Lohn und eine Sockelzahlung. Gerade mal zwei Verhandlungsrunden haben stattgefunden. Von einem Scheitern kann keineswegs die Rede sein.

Bereits bei Amazon und KIK drängt sich der Verdacht auf, dass es der Gewerkschaft um eine möglichst große Öffentlichkeitswirksamkeit geht. Mit dem WDR könnte man noch eine Schüppe drauflegen. Ob das tatsächlich im Interesse der Mitarbeiter ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Beim WDR scheint es jedoch nicht nur um Außenwirkung zu gehen. Vertreter der Journalisten-Gewerkschaft DJV äußern eine andere Vermutung: Verdi will in erster Linie die Konkurrenzgewerkschaften platt streiken. Bei dem öffentlich-rechtlichen Sender ist neben dem DJV beispielsweise auch die Orchestervereinigung vertreten. Nachdem der Bundestag das Tarifeinheitsgesetz beschlossen hat, will sich verdi offenbar als besonders kämpferisch positionieren. Jedenfalls gab es über den Streik keine Absprachen mit den anderen Gewerkschaften, die waren selbst von der Verdi-Strategie überrascht.

Nach Willen des Bundestages soll in Zukunft nur noch die stärkste Gewerkschaft für die Mitarbeiter verhandeln. Im WDR ist die Situation besonders verworen, weil Verdi unter dem Strich zwar die stärkste Gewerkschaft sein dürfte, in Einzelbereichen wie Journalismus oder Orchester aber andere Berufsverbände die Nase vorn haben.

Georges Bizet kritisierte Giuseppe Verdi einmal: “Er ist kein Italiener mehr, er macht Wagner nach”. Auf die Gewerkschaft übertragen, könnte man sagen: “Verdi macht GdL oder Cockpit nach”. Statt zu verhandeln, wird einfach mal die Arbeit niedergelegt.

Hinweis: Ruhrbarone-Autor Michael Westerhoff arbeitet als freier Mitarbeiter für den WDR und ist Mitglied im DJV, hat aber keine Funktion im DJV und verhandeln im WDR auch nicht über Tarife.

 

7 Kommentare

1.) Was Michael Westerhoff hier eine "Online-Abstimmung" nennt (hört sich fast an wie Urabstimmung), ist in Wirklichkeit lediglich eine Umfrage. Und wie das bei Online-Umfragen so üblich ist, wird die wohl auch hier eher zur Aktivierung der Leserinnen und Leser sowie zur Sensibilisierung für die gestellten Fragen dienen und nicht als verbindliche Entscheidung. So viel Medienkompetenz hätte ich einem freien Mitarbeiter des WDR schon zugetraut, dass er das nicht verwechselt.

2.) Die Behauptung "Statt zu verhandeln, wird einfach mal die Arbeit niedergelegt" ist schlichtweg falsch. Beim WDR geht es aktuell doch gar nicht darum, zu streiken STATT zu verhandeln. Es geht um die Frage, ob die nächste Verhandlungsrunde mit einem Warnstreik begleitet werden soll oder nicht. Warnstreiks während (!) Tarifverhandlungen sind legitim und nicht unüblich. Jedenfalls sind sie keine Alternative zu ihnen, wie Sie hier den Eindruck vermitteln wollen. Warnstreiks können außerdem dazu beitragen unbefristete Streiks zu verhindern. Wenn Sie polemisieren möchten, meinetwegen. Aber bitte nicht mit falschen Tatsachenbehauptungen!

3.) Jetzt noch ein Meinungsbeitrag: Ich halte die Streiks bei KIK (Discounter mit ausbeuterischen Arbeits- und Produktionsverhältnissen) sowie bei den Lohndrückern Amazon und Post für absolut berechtigt. Und der Kita-Streik straft ja nun die abwegige Analyse (Parallelisierung ver.di – GdL/Cockpit) Lügen. Erstens ist die Situation in den Branchen absolut nicht vergleichbar. Und zweitens würde eine kämpferische Gewerkschaft wie die GdL bestimmt nicht drüber nachdenken, diesen Pseudo-Schlichterspruch anzuerkennen, der über fünf Jahre hinweg eine weitere Abwertung der sozialen Berufe zementiert. Wenn es was an ver.di zu kritisieren gibt, dann, dass sie sich jahrelang hat von der Politik und Arbeitgebern hat einlullen lassen, so dass nun so viele krasse Abwehrkämpfe auf einmal notwendig sind.

So oder so, lieber Michael Westerhoff: Bitte nicht mit falschen Fakten und an den Haaren herbeigezogenen Gleichsetzungen populistische Vorurteile gegen Gewerkschaften nähren!

<i>Hinweis: Der Autor dieses Kommentars ist freier Journalist, Mitglied bei DJU/ver.di, hat in der Gewerkschaft aber kein Amt und keine Funktion inne, und hat beruflich auch noch nie etwas mit dem WDR zu tun gehabt.</i>

Hallo Data,

ich sehe jetzt gar nicht so die Widersprüche zwischen dem, was ich geschrieben habe, und dem, was Sie sagen. Deshalb fällt mir ein Widerspruch nicht ganz einfach und ich verzichte darauf. Zudem polemisiere ich nicht gegen Gewerkschaften, bin ja selbst im DJV, im Gegenteil: Ich finde es befremdlich, dass Verdi beim WDR einen Alleingang ohne die anderen Vereinigungen durchzieht. Das verwundert nicht nur mich als Beobachter, sondern auch die anderen beiden Gewerkschaften. Da muss man schon mal kritisch hinterfragen, warum Verdi das tut. Das ist nämlich unsolidarisch und egoistisch von Verdi. Davon haben die Mitarbeiter rein gar nichts, im Gegenteil, allenfalls hat Verdi einen positiven Effekt für sich selber.

sollen Verdi doch Streiken.
Ist ja nicht so, das sie dadurch zahlende Kunden vergraulen könnten.
Der Beitragspflichtige hat das Recht zu zahlen und die Fresse zu halten, er kann kein Recht darauf das überhaupt ein Programm ausgestrahlt wird.

Was ist dieses WDR….Ironie aus…also wie Stefan würde ich einen Streik oder gar die Auflösung des WDR nicht bemerken….die dort hergestellte Bild und Tonkulisse wird von mir seit Jahren nicht mehr konsumiert….

Interessant sind die O-Töne zum Poststreik:

http://blog.fefe.de/?ts=ab6b8e23

Aussage vom DHL Fahrer (er hatte 4 Tage lang gestreikt): "Ich streike nie wieder, denn jetzt muß ich alles das in 4 Tagen liegengeblieben ist noch zusätzlich zustellen"

Aussage vom DPD Fahrer, der privat auf eine DHL Lieferung wartet: "Im Moment liegen 8000 Pakete im Verteilzentrum Gersthofen/Augsburg. Den Rückstand aufarbeiten dauert bis zu 6 Monate"

Ein Fahrer hat pro Tag 100-300 Pakete zum zustellen (wobei 300 der Spitzenwert von Weihnachten ist).

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