Urheberrecht: Auf den Lauer

Christopher Lauer, Berliner Abgeordneter der Piraten, hat in einem Tagesspiegel-Gastkommentar vom 30.5.12 Dinge klargestellt. Grund genug, aus der Perspektive des Schriftstellers darauf einzugehen und dieselben Dinge klarerzustellen. Von unserem Gastautor Oliver Bottini

1. Lauer schreibt: “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen. Nochmal: Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen. Und: Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen.”

Ein seltsamer Satz. Er ist als Antwort auf den wiederholten Vorwurf gemeint, die Piraten wollten das Urheberrecht abschaffen. Also müsste der Satz syntaktisch sinnvollerweise so lauten: “Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen.” Ich als Hobby-Pathetiker hätte das “nicht” sogar kursiviert: “Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen.” Das wäre doch mal eine Antwort gewesen!

Der Tagesspiegel sieht das übrigens ähnlich, denn der Titel des Beitrags ist ein (eben modifiziertes) Zitat daraus: “‘Wir Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen!’” In der Lauer-Syntax aber legt sich die Betonung unweigerlich auf dem Objekt nieder, also “das Urheberrecht”. “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen.”

Hm.

Christopher Lauer ist trotz eklatanter Komma- und milder Rechtschreibschwäche ein gebildeter Mann – Theater in der Schule, Physik-Studium begonnen, dann Studium der Kultur und Technik mit Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikgeschichte, Mitglied im Innen- sowie im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Er wird sich bei dem seltsamen Satz “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen” also etwas gedacht haben. Wenn man nun genau hinhört, kann man an den Lauer-Gedanken (oder seinen Freud’schen Ungedanken?), die zwischen den Zeilen so mitschwingen, teilhaben. Man vernimmt dann ein schlimmes Wort: ein granitschweres SONDERN.

“Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen, sondern …”

Sondern was?

  •  Brötchen aus Industrieweißmehl?
  •  Fragen zur Afghanistanpolitik und ähnlich komplexen Dingen an gewählte Abgeordnete ohne Krawatte?
  • iTunes?
  • Die Urheber?

Oberflächliche Leser werden Christopher Lauers ungeschriebene (Un-)Gedanken beim ersten Satz des folgenden Abschnitts aufatmend wieder vergessen: “Wir wollen das Urheberrecht den technischen Realitäten des 21. Jahrhunderts anpassen.” Sie werden die beiden Sätze zusammen denken: “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen, sondern den technischen Realitäten des 21. Jahrhunderts anpassen.”

Aufmerksamere Leser werden nicht in diese Falle gehen. Die Stolpersyntax des ersten Satzes ist ihnen zu gewichtig. Denn auch beim Zusammendenken widerspricht sie der wohlmeinenden Interpretation Ach so, nicht abschaffen, sondern nur anpassen, uff, zum Glück!Nein, nein, das steht da nicht. Da steht und schwingt noch immer mit: “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen, sondern …”

Zugegeben, ich habe keine Ahnung, was stattdessen abgeschafft werden soll, ich bin weder Lauerianer noch Freudianer. Also rate ich. Ich wette, der Satz geht in den Untiefen von Lauers Kopf so zu Ende: “Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen, sondern seine Gültigkeit im Internet mit ihren unsäglichen Konsequenzen.” Das klingt auch komisch? Weil: Gültigkeit kann man nicht abschaffen? Leute, wir sind bei Lauer, da kommt es auf den Ausdruck nicht so an. Ich finde diesen Satz sehr Lauer’sch, stilistisch wie inhaltlich. (Obwohl, richtig Lauer’sch wäre er wohl erst ohne Komma vor “sondern”.)

Viele dieser Konsequenzen sind übrigens auch aus meiner Sicht wirklich unsäglich: die horrenden Abmahnungen, Three Strikes, die pauschale Kriminalisierung, Kunstschaffende (“Gierhälse!”) als Feindbild hier, Kunstrezipienten (“Diebe!”) als Feindbild dort, die Verhinderung neuer Kunst (die auf geschützte Werke zurückgreifen möchte), zu hohe E-Book-Preise und so weiter.

Nur: Der prognostizierte E-Book-Boom (z.B. faz.net vom 7.6.12) in Verbindung mit

  •  der Forderung, Privatkopien sollten erlaubt und auch zahlenmäßig nicht beschränkt sein (ob nun über Tauschbörsen oder von dir zu mir),
  •  einer künftigen digitalen Bücherei, die wie die herkömmlichen stationären Büchereien grundsätzlich alle Werke vorrätig hält und gegen eine geringe Mitgliedsgebühr verleiht,

würde dafür sorgen, dass der Verkauf von E-Books und gedruckten Büchern einbräche. Zumindest die Gefahr kann doch kein vernünftiger Mensch leugnen. Das Urheberrecht in toto wäre zwar nicht abgeschafft, aber die Existenz vieler Schriftsteller gefährdet – was in etwa auf dasselbe hinausliefe. Nur Bestsellerautoren, clevere Eigenvermarkter und die richtig Harten unter uns (tagsüber arbeiten, nachts schreiben, wie am Anfang halt) blieben übrig. Und natürlich die, die literarische Magerkost für 0,99 Cent anbieten, ohne dass ihr Text von einem Lektor jemals auch nur angeniest worden wäre.

2. Lauer schreibt: “Urheber bekommen die Verwertungsrechte an ihren Werken automatisch nach 25 Jahren zurück, was sie gegenüber Inhalteanbietern stärkt.”

Herr Lauer, ich bin entsetzt! Wieso nach 25 Jahren – und nicht mehr nach 10? Sind Sie ein U-Boot, ein Trojanisches Pferd, ein Agent der Content Mafia, der heimlich im Schlabberlook der Piraten segelt? Bekommen Sie von den Verlagen üppig gefüllte Briefumschläge zugesteckt? Denn Sie stärken mit diesem Vorschlag die Verlage, nicht die Schriftsteller!

Neulich las ich bei einem Kollegen, er verkaufe die Rechte an seinen Büchern lediglich für 4 Jahre, was mir wenig erscheint. In meinen Verträgen steht “10 Jahre ab Erscheinungsdatum”. Das finde ich fair für beide, Verlag wie Autor. 25 aber will ich nicht! Schicken Sie mich nicht zurück in die Rechtelosigkeit, Herr Lauer, aus der meine Vorgänger (und deren Agenten) sich nach jahrelangem, bravourösem Kampf befreit haben.

3. Lauer schreibt: “Oft gebe ich die Namen von Urhebern, die Aufrufe unterzeichnen oder Debattenbeiträge verfassen, bei iBooks oder Amazon ein. Seltenst finde ich dort ihre Werke zum Kauf. Bei The Pirate Bay findet man sie allerdings auch kaum.”

Hm! Eigenartig. Das kann ich mir nicht erklären. Vertipperles vielleicht? Machen wir einen Test. Auf der Website der Kampagne Wir sind die Urheber stehen zahlreiche Namen von Unterzeichnern. Nehmen wir die ersten 20:

Daniel Kehlmann, Felicitas Hoppe, Roger Willemsen, Michael Lentz, Charlotte Roche, Arnold Stadler, Marion Brasch, Florian Illies, Moritz Rinke, Henning Ahrens, Mirko Bonné, Sven Regener, Mario Adorf, Andreas Steinhöfel, Thomas Glavinic, Ines Geipel, Matthias Politycki, Ralf Bönt, Christoph Peters, Martin Pollack.

So. Und wen finden Sie da nicht bei Amazon und/oder iBooks?

Vor einigen Tagen erschien auf faz.net ein “Debattenbeitrag” von Juli Zeh und Ilja Trojanow. Die beiden finden Sie da auch nicht? Also, ich bin verwirrt & neugierig. Was für Namen, zum Geier, geben Sie ein?

4. Lauer schreibt: “… hier noch eine Antwort auf die Frage, wovon denn ein Künstler leben soll. Von seinen Erzeugnissen natürlich. Für die bekommt er Geld. Er sollte sich also mit seinem Inhalteanbieter damit auseinander setzen, auf welchen Plattformen seine Werke legal zum Kauf angeboten werden.”

Sie meinen vermutlich: “seine Werke als E-Books”. Also, meine Werke werden bei Amazon und bei iBooks, bei buch.de und libreka.deund anderen legal als E-Books angeboten. Und was bringt’s? Soll ich mir mal die Mühe machen und ausrechnen, wie viel Prozent vom Verkauf meiner ersten 5 Romane bis zum 31.12.2011 auf die E-Book-Ausgaben fallen?

Ok. Weit unter 1 Prozent. Ehrlich gesagt: weit unter 0,5 Prozent. So um die 0,25 Prozent nämlich.

Gut, ganz fair ist diese Rechnung nicht. Dem E-Book-Boom stehen in Deutschland noch ein paar doofe Hindernisse im Weg. Aber vielleicht verstehen Sie jetzt, dass ich mir Sorgen mache, wenn dem gedruckten Buch der Garaus gemacht werden soll und Politiker wie Sie vorschlagen, ich solle künftig – zumal in einer Welt der Tauschbörsen und digitalen Bibliotheken – von den E-Book-Verkäufen leben.

Dieser Text erschien ursprünglich auf Oliver Bottinis Blog.

13 Kommentare

Wenn der Autor immer so schreibt, habe ich zumindest eine gute Nachricht für ihn: Es ist nicht die Einhaltung des Urheberrecht, das seine Kunst brotlos macht. – An dieser Stelle darf er sich ein „sondern“ denken.
Eine so bemühte Kritik um der Kritik Willen bereitet schon fast physische Schmerzen.

Es gab mal eine Zeit in dem jeder seine Aufgaben und Pflichten hatte. Der Adel regierte, die Bauern die hatten ordentlich zu arbeiten.

Mache bemüht empörte Nachricht der “Urheber” liesst sich ganz ähnlich. Die Adeligen wussten schliesslich auch nicht, was sie machen sollten wenn die nicht mehr über ihre Leibeigenen herrschen durften. Wo kommen wir denn da hin!

Nein, nein. Das kann man natürlich nicht vergleichen.
Wir haben ja eine Buchpreisbindung, egal wie sinnvoll die ist: ES GEHT UM KULTUR.
Wir haben eine sehr arbeitsteilige Publikationsindustrie, egal wie sinnvoll das ist: ES GEHT HIER UM DIE KULTUR.

Nein. Es geht um Verteilungsschlüssel.

Es geht darum das man im freien Wettbewerb bestehen kann. Jeder für sich. Das bedeuter leider auch das man aus seinem bequemen Eckchen vielleicht mal aufstehen muss und sich eine neue Nische suchen muss. Der derzeitige Stand der Dinge lösst keinerlei Probleme. Und mit einem ordentlichen Fussstampfer “Ich will aber” kommt man auch nicht weiter.

Man sollte die Kunden einfach nicht mehr als Verteilungsschlüssel betrachten, den man unter sich mit festen Prozenten aufteilen kann.

Setzt euch zusammen! Alle. Auch ganz normale Kunden sollten dabei sein.

Leider bin ich immer wieder erstaunt und erschrocken über das allgemeine Sandkastenniveau.

Da kann man dem ersten Kommentar nur zustimmen. Und man sieht/liest immer nur das was man lesen will…

@Zersenser

Also, Sie fühlen sich schwer geknechtet, weil Sie nicht alles gratis bekommen? Weil Sie für Bücher und Musik bezahlen müssen?

Den Computer, mit dem Sie das geistige Eigentum anderer mit so unverholener Anspruchshaltung herunter laden wollen, haben Sie doch auch nicht gratis bekommen, oder?

In den meisten Haushalten steht alle 2 Jahre ein neues Gerät, noch schneller, noch bessere Grafik, mit 2 Mio Megafurz Speicherkapazität und was noch.
Aber Musik und Bücher sollen bitteschön gratis sein.
Der 120cmFlachbildschirm ist fast schon Standard, aber für die Filme, die man sich darauf ansieht, will man nix bezahlen, sonst fühlt man sich wie der Leibeigene Anno 1750?
Geht’s noch?

Überhaupt der Vergleich mit dem parasitären Fürsten: Es ist Ihnen vielleicht nie in den Sinn gekommen, aber auch Künstler arbeiten. So ein Buch oder Film produziert sich nämlich nicht von allein.
Aber mal angenommen, das Künstlerleben wäre tatsächlich so ungemein bequem und profitabel, warum sind Sie eigentlich keiner?
Fehlts da womöglich an Phantasie und Talent?
Oder sind Sie am Ende der Meinung, daß allein die Vorstellung, von seinem Talent und der eigenen Phantasie zu leben, irgendwie parasitär ist und die daraus resultierenden Produkte womöglich total überflüssig?
Dann verstehe ich nicht, worüber Sie sich derart erregen, daß Ihnen der Vergleich mit einem feudalen Fronarbeiter in den Sinn kommt, nur weil sie dafür was aus der Tasche tun sollen…

@Puck:

Ich gehöre zu den zahlenden Verteilungsschlüsselbütteln die alles mögliche ertragen. DRM in Spielen, CDs und Büchern. Es macht aber kein Spass wenn ich meine gekauften CDs nicht am Rechner hören kann oder meine Bücher “mal eben” auf dem Rechner anschauen kann. Da habe ich noch das besondere Pech tatsächlich kein kommerzielles OS zu benutzen und bin von daher für die Verwertungskette sowieso ein ganz Schlimmer.

Zum Schreiben braucht es talent, wie für jeden Beruf. Man sollte als Kreativer aus seinem Elfenbeinturm herauskriechen und zur Kenntnis nehmen das es keinen einfachen Weg mehr gibt Geld zu verdienen.
So hart das für den Einzelnen ist: Wenn man von seinem Traumberuf nicht leben kann, dann kann man nicht hoffen das man durch Verwertungsgesellschaften trotzdem noch alimentiert wird.

Man hat viele Pfründe der Vergangenheit, die man nicht ändern will. Ändern, NICHT kürzen.

Beispiel Bücher:
Einen Haufen bücher wird einfach nicht mehr verlegt, oft schon nach 1-2 Jahren nach dem Erscheinungsdatum. Die Gebrauchtpreise für diese Bücher liegen dann um ein vielfaches höher.
Inzwischen haben Verlage erkannt das sie ohne grosse Mühe eben solche Schätzchen als eBook herausbringen können: Und für 1-0,50 EUR weniger kann ich ein eBook kaufen, nein LIZENZIEREN. Mit allen Nachteilen, denn das ist ja nur noch ein Lizenzprodukt! Es gehört mir nicht. Ich habe nichtmal einen anspruch es jederzeit zur Verfügung zu haben!
Entspricht das deinem bestimmten Verhältnis? Sicher nicht.

Und das ist die legale Realität jetzt.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich auszumalen das viele Leute das nicht durchschauen und entsprechend günstigere Angebote wahrnehmen. Denn auch das wird ja gerne verschwiegen: Gerade solche garstigen Downloadportale sind NICHT gratis. Viele Leute zahlen für illegale Angebote. Seltsam, oder?
Jetzt ist nur noch die Frage wie schmerzhaft die Bauchlandung wird, wenn eBooks wirklich Massenware werden wie ein tragbares Musikgerät.

Ist es also wirklich so schlimm sich auch mal zu Fragen welche Konditionen für einen Kunden akzeptabel sind? Ohne sich als beleidigte Leberwurst aufzuführen?

@Zersenser #7

Gebrauchte Bücher sind für gewöhnlich nicht teurer, sondern sehr viel billiger als Neuware. Das weiß ich zufällig, weil ich regelmäßig die Antiquariate im Ruhrgebiet frequentiere und dort auch schonmal Sonderwünsche anmelde, die werden dann gerne für mich zurück gelegt.
Auch im Internet wird man fündig, z. B. beim ZVAB, selbst bei Amazon bekommt man gebrauchte Bücher fürn Appel undn Ei – allerdings ohne das interessante und angregende Gespräch, das man beim Antiquar meistens gratis dazu bekommt…

Und wenn ich mir die Bemerkung erlauben dürfte: Ihre Rechtschreibfehler tun in den Augen weh. Liegt vermutlich daran, daß Sie in dieser Welt der raffgierigen Verwertung nicht sehr viel zum Lesen kommen…
Sieht allerdings auch nicht so aus, als wenn Sie es schon besonders oft versucht hätten, sonst würden Sie nicht so dummes Zeug über die Verfügbarkeit von Büchern schreiben.

Beim Verkauf von gebrauchten Büchern verdient der angeblich so parasitäre Künstler übrigens keinen Cent, nur mal nebenbei bemerkt. Ihr kleinkarierter Neid auf Künstler ist also ganz unbegründet.

Der Autor stellt fest dass der Verkauf seiner Romane als eBooks nicht funktioniert und bringt das mindestens indirekt in Verbindung mit der angeblich geplanten Abschaffung des Urheberrechts durch die Piraten.

Vielleicht ist die traurige Wahrheit die, dass von denen die elektronische Medien nutzen sich schlicht niemand dafür interessiert was er schreibt und zu glauben wenn der Staatsanwalt sich die potentiellen Käufer vorgenommen hat würde das besser könnte sich als tragische Illusion erweisen.

Schon beim Aufruf der diversen Künstler ‘für das Urheberrecht’ musste ich mich kugeln; als ob das größte Problem für Mario Adorfs Geschäftsmodell wäre dass sich Millionen Kids seine Filme im Internet runterladen. Der illegale Download bietet jedem den bequemen Weg sich vorzustellen da wären Hunderttausende dabei die sich nun genau das eigene Werk ansehen wollten und die will man mit Kriminalisierung und Abmahnung zwingen zu zahlen, bzw. unterstützt diese Politik in der naiven Hoffnung wenn man sich an die großen Rechteverwerter hängt dann fielen schon ein paar Brotkrumen ab.

Diese Rechteverwerter blockieren in Europa moderne Vertriebsformen wie Hulu und Netflix und sorgen dafür dass ihre Margen im digitalen Vertrieb exorbitant sind. Jan Delay hat immerhin festgestellt (während er mal eben für das Abschalten aller Bösen Downloads im Internet plädierte) dass er von 1 EUR auf iTunes nur 0,15 selber sieht und davon alle Kosten hat. Das fand er aber kein Problem, sondern schuld sind natürlich die Downloader.

Die Piraten haben viele Defizite, sie haben auch keinen wirklichen Plan wie es gehen soll und kaum Frauen, aber wenigstens eine Ahnung davon dass digitale Mediennutzung und -vertrieb anders gelöst werden müssen als mit Staatsanwalt, ThreeStrikes, Massenabmahnung und Kriminalisierung. Diese Ahnung haben die ‘Künstler’, Edelfedern und teils prekarisierten Lohnschreiberlinge die im Chor mit den Großkonzern und Rechteverwertern das vermeintliche Hohelied des Urheberrechts singen nicht.

@Puck:
Es scheint bei dir ja nicht ohne Beleidigungen zu gehen. Schade eigentlich, aber sehr typisch für “DIE KULTURschaffenden” die sich immer wieder zu Wort melden. Mit Sachlichkeit gäbe es wohl mehr Verständnis.

Hallo Oliver Bottini,

der e-Book-Markt in Deutschland boomt nun auch:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/E-Books-Verkaufszahlen-steigen-Preise-sinken-1705447.html

Und ich bin einer von denen. Im Übrigen habe ich mir zwei Ihrer Krimis gekauft. Hat der beitrag hier doch schon was gebracht 🙂

PS: ich finde die DRM-Restriktionen blöd. Mit den entsprechenden Mitteln kann man sich davon befreien. Es kann doch nicht sein, dass man ein e-Book nur auf einem Computer/e-Book-Reader oder ähnlichem nutzen kann. Da sind mir digitale Wasserzeichen lieber, die zeigen, wer sich das Buch gekauft hat.

@Aus Maus #11

Hallo Aus Maus,

danke für den interessanten Link. Ein “Boom” sieht aber noch ein bisschen anders aus, oder? 😉 2% im ersten halben Jahr, na ja … Und 41% aller Downloads sind kostenlose Bücher. Hm! Andererseits bewegt sich was, das ist richtig und war zu erwarten und ist ja auch gut. Der E-Book-Verkauf bei meinem neuen Roman liegt im Vergleich auch deutlich höher, es sind jetzt knapp 8% des Gesamtverkaufs.

Ich finde DRM auch blöd. Unter anderem das meinte ich mit “doofe Hindernisse”. Es gibt bei den Verlagen ernsthafte Überlegungen, auf DRM zu verzichten, was ich begrüßen würde. Mal sehen, was kommt.

Schön, dass Sie sich zwei meiner Krimis gekauft haben, auch dafür danke!

…und ich finde sie sogar gut. Jetzt muss ich die folgenden Bücher auch noch kaufen. So ein Mist 😉

zum Boom:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Umfrage-Jeder-zehnte-Deutsche-liest-E-Books-1726030.html

Da kommt schon noch was auf den deutschen Buchhandel zu und schaut man sich folgenden Link an, gibt es offenbar kaum Auswirkungen auf den Verkauf des klassischen Buchs:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Kauf-von-E-Books-geht-nicht-zulasten-gedruckter-Buecher-1727142.html

Zum Thema noch eine Anmerkung, auch wenn hier wohl niemand mehr mitliest:
Es sind die Bilder in den Köpfen der Menschen über Künstler und die teilweise sehr harte Wirklichkeit, die immer wieder zum Zusammenprall der Meinungen hier (und anderswo) führt. Da gibt es die Stars in der Schreiberzunft und natürlich die im Filmbusiness und in der Musik. Hat man keine ‘Künstler’ im Bekanntenkreis, versteht man vielleicht nicht, wie schwer es ist, mit Kunst seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Ich kann dazu allein zwei Fälle aus meinem Umfeld nennen. Ein Regisseur, der von Hartz4 lebt (obwohl man immerhin bereits zwei Filme im öffentlich rechtlichen Fernsehen von ihm sehen konnte) und eine Musikerin, die im besten Tango-Quartett Deutschlands spielt und es selbst mitgegründet hat und trotzdem den Hauptteil ihrer Zeit damit verbringt, Musikunterricht zu geben. Die Musikerin kann zumindest davon leben. Aber es dürfen keine ungeplanten Ausgaben wie ein kaputtes Auto dazukommen. Und beide sind aus einem Jugendlichen-Alter raus.

Entzieht man den Beiden von mir Erwähnten auch nur 10% dessen, was sie jetzt bekommen, landet der eine auf der Straße und die Andere muss vielleicht ihre Musik aufgeben und vom Geld leben, dass die Musikschüler ihr einbringen.

Als Konsument kann ich auf der anderen Seite gut verstehen, wenn ich einfach und schnell auf Kulturgüter zugreifen kann.

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