“Untätigkeit hat ISIS nach Paris gebracht”

DSC_1207
Antiterror-Experte Yoram Schweitzer in Berlin. Foto: Til Biermann

Yoram Schweitzer (59), Top-Antiterror-Experte aus Israel, ist nach Berlin gekommen, um über Sicherheit zu reden. Der Termin war geplant, bevor Terroristen in Paris 132 Menschen ermordeten. Schweitzer über die Folgen der Anschläge und die Strategie gegen ISIS. Er warnt vor Stimmungsmache gegen Flüchtlinge:

Es gibt das Bild von Juden als Kanarienvögel in der Kohlenmine. Wenn Juden angegriffen werden, der Kanarienvogel an Luftmangel stirbt, wird es irgendwann auch die anderen Menschen erwischen. Was sagen Sie dazu in Bezug auf Paris?

Unglücklicherweise erlebt Israel vieles, das später auch woanders auf der Welt passiert. Was wir in Israel in den letzten Monaten gesehen haben, Messerattacken und Angriffe mit Fahrzeugen, könnte auch bald in Europa passieren. Oder wenn Sie schauen, was im Gaza-Streifen geschah, dass Zivilisten als menschliche Schutzschilde gegen Israel benutzt werden. Auch das werden wir in Rakka und Mossul sehen, wenn die internationale Koalition dort angreift.

In Israel sind die Reaktionen auf Terror-Angriffe oft sehr schnell. Glauben Sie Europa kann eine ähnliche Effizienz erreichen?

Wenn wir mehr Gewalt auf den Straßen Europas erleben, ja. Ich glaube, in Paris wird sehr viel mehr Sicherheits-Personal auf den Straßen sein, wie es in Israel der Fall ist. Man muss aber aufpassen, nicht in Alarmismus zu verfallen und das alltägliche Leben unmöglich zu machen, denn das ist das Ziel der Terroristen.

Es gibt das Gerücht, zwei der Terroristen könnten Flüchtlinge gewesen sein. Wie kann Europa mit der Flüchtlingskrise sicherheitstechnisch umgehen?

Die Flüchtlingskrise ist kompliziert genug, was die humanitären Aspekte angeht. Es ist die Absicht der Terroristen, Muslime in Europa zu rekrutieren. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein, nicht die ganze Population von Muslimen zu verunglimpfen und weitere zu den Islamisten zu treiben. Das wichtigste Prinzip im Kampf gegen den Terrorismus ist, so chirurgisch, so präzise, so selektiv wie möglich vorzugehen. Sonst spielt man in die Hände der Terroristen. Außerdem bin ich als ein externer Beobachter Europas sehr besorgt, was den Rechtsextremismus angeht. Ich bin mir fast sicher, dass wir rechtsextremen Terrorismus sehen werden. Diese Leute werden die Situation ausnutzen, weil die verrückten und unmoralischen Menschen beider Seiten – die Islamisten und die Rechtsextremen – nur nach Möglichkeiten für Gewalt suchen. Deshalb kann dieses Gefühl von blinder, nicht unterscheidender Rache für die Taten von Paris ausgenutzt werden und in Fremdenangst übergehen.  Die Rechtsextremen und die Islamisten sind aus dem gleichen Material gemacht.

Wird eine Ausweitung der Angriffe auf ISIS die Terror-Gefahr in Europa erhöhen oder verringern?

Die Angriffe müssen intensiviert werden, das hätte schon längst geschehen sollen. Rakka aus den Händen von ISIS zu befreien, ist ein sehr wichtiger Schritt, um ISIS zu schlagen. Rakka ist die symbolische Hauptstadt, das Skelett des Islamischen Staates. Das wird gelingen. Untätigkeit hat ISIS nach Paris gebracht hat und wird die Terroristen auch in andere Städte im Westen bringen. Mit diesen Leuten kann man keinen Kompromiss finden.

Wenn Juden in Israel ermordet werden, schieben manche es auf israelische Besatzung. Als die Journalisten von Charlie Hebdo ermordet wurden, sagten manche, sie hätten halt nicht den Propheten Mohammed beleidigen sollen. Was werden diese Leute jetzt zu Paris sagen?

Sie werden immer Gründe finden. Diese Verbrecher werden sagen, der Westen habe Muslime angegriffen. Diese Rhetorik gab es schon von den Terroristen in London 2005, welche Zivilisten dafür beschuldigten, dass britische Truppen im Irak waren.

Haben Sie einen Rat an Europa?

Man muss mit den örtlichen Muslimen zusammenarbeiten, welche diese Art von Terrorismus verachten. Damit sie helfen können, jene unter ihnen zu identifizieren, die sich verdächtig verhalten. Man muss den Verlorenen dann helfen, andere Wege zu finden, mit ihren Sorgen umzugehen. Ich glaube, die Mehrheit der Muslime sind friedliebende, normale Leute. Nachrichtendienst-Arbeit ist die Basis, um gegen Terrorismus vorzugehen. Ohne genügend Informationen kann man nur im Nachhinein versuchen, die Auswirkungen einer Attacke zu minimieren. Die Kooperation zwischen den Geheimdiensten in Europa und auch innerhalb der einzelnen Länder muss noch schneller und effektiver werden.

Deutschland wurde bis jetzt weitgehend verschont. Meinen Sie, das bleibt so?

Wenn die Terroristen die nötige Infrastruktur und Möglichkeiten haben, werden sie auch in Deutschland Anschläge machen. (Das Gespräch war einen Tag vor der Spielabsage in Hannover, d. Red.) Das muss nicht groß organisiert sein, es können auch einsame Wölfe sein, die sich von Islamisten anstacheln lassen, wie wir das zurzeit in Israel sehen. Wenn dann die europäischen Rechtsextremen reagieren, kann die Situation eskalieren.

Was ist die richtige Taktik, ISIS zu besiegen?

Die präzisen Luftschläge sind wirkungsvoll und sollten ausgeweitet werden. Ansonsten sollte es genügen, Militär-Berater und Spezialkräfte zu schicken, um die einheimischen Truppen zu unterstützen. Es ist wie bei einem europäischen Basketballteam, wenn Sie ein oder zwei NBA-Spieler dazu nehmen, wird die Qualität der Mannschaft entscheidend verbessert. Wichtig ist, dass Assad kein Teil der Lösung sein kann, er muss weg. Es könnte sein, dass man den Russen einen Preis dafür zahlen muss. Außerdem sollten die anderen arabischen Staaten rekrutiert werden, ihre eigenen Probleme zu lösen.

Zuerst in kürzerer Form erschienen auf: http://www.bz-berlin.de/berlin/antiterror-experte-ueber-die-richtige-taktik-gegen-isis

13 Kommentare

Einerseits hat er vollkommen Recht. Wenn israelische Juden angegriffen werden, wird das außerhalb Israels erst dann zur Kenntnis genommen, wenn die Juden sich verteidigen. Und dann wird die Verhältnismäßigkeit oder gar Legitimität der Verteidigungsmaßnahmen in Frage gestellt.

Andererseits besteht kein Zusammenhang zw. der europäischen Israelfeindlichkeit und dem Aufstieg des IS. Der ist erfolgreich weil er die ethnischen und religiösen Spannungen innerhalb der islamischen Welt ausnutzt, weil Assad den IS mehr oder weniger ignoriert und weil „der Westen“ nicht frühzeitig gegen Assad vorgegangen ist. Hätte Obama wie angedroht militärisch auf den Einsatz von chemischen Waffen reagiert, wäre Assad seit 2013 Geschichte.

„Untätigkeit hat ISIS nach Paris gebracht“

Bei dieser Problematik sollte man Israel und ihre Experten erst einmal außen vor lassen!
Dazu sind sie viel zu sehr involviert!
Im Grunde genommen handelt es sich doch hier um einen Jahrzehnte bestehenden Konflikt zwischen zwei islamischen Interpretationen, der Schietischen und der Summitischen im Nahen Osten.
Konflikte, die in mittelalterlicher archaischer Stammesmentalität bis heute ausgetragen werden!
Da hat sich dann die USA ohne entsprechende Kenntnisse als Weltpolizei eingemischt und regulieren wollen zu Gunsten einer westlich orientierten "Demokratie".
Sprich, mal die Summiten, mal die Schieten unterstützt, aber gerade im Irak-Konflikt dafür gesorgt, dass die machthabende Elite der Summiten unter Assad nach ihrem Abzug nicht mehr an der Regierung beteiligt wurden.
Was fürchterliche Massaker an den Summiten unter der schieitischen Regierung in der Nachfolge von Assad zur Folge hatte.
Daraus hat sich unter Beteiligung hochrangiger ehemaliger Militärs des Summitenregimes Assads die Widerstandsbewegung ISIS gegründet aus der jetzt der sogenannte Kalifenstaat IS hervorgegangen ist.
Dieser "Staat" kennt keine Grenzen!
Seine Maxime: " Überfallen, alle "Ungläubige" töten und weiter ziehen, überfallen, alle "Ungläubige" töten und weiter ziehen,…etc"
Mit Verlaub, das ist eine völlig andere Dimension, als der Konflikt zwischen Israel und Palästina.
Mit Verlaub, es geht auch nicht um Ost oder West!
Es geht darum diese verblendeten Menschen und Staaten aus dem Mittelalter herauszuholen, ihnen beizubringen, religiöse Schriften nicht wörtlich zu nehmen, sondern im geschichtlichem Kontext zu interpretieren.
Dazu haben wir Christen auch Jahrhunderte gebraucht!
Was heute IS vorgeworfen wird ist vor 200 Jahren nicht anders im Namen der Christenheit geschehen!
Ein komplexes Thema, aber Bombardieren hilft nicht weiter!
Da gibt es nur einen Weg, meiner Meinung nach, nämlich alle Moslems davon zu überzeugen:
Es gibt verschiedene Wege zu Gott,
Christus, Allah, Buddha,Rastafari oder was auch immer
Gott ist Liebe, Toleranz und Respekt, auch vor Andersdenkenden

Wer Krieg führt im Namen Gottes, hat Gott nicht verstanden!!!!!

@Til Biermann
Thanks!
Hatte kein Rechtsschreibkorrekturprogramm zur Hand!

Hoffe aber inhaltlich verstanden worden zu sein!

Gruß

Thomas

@ Thomas Thieme # 2

"Wer Krieg führt im Namen Gottes, hat Gott nicht verstanden!!!!!"

Das sehen die, die zu Zeit Krieg im Namen Gottes führen, aber genau umgekehrt, Herr Thieme. Für die gilt: Nur wer Krieg im Namen Gottes führt, hat Gott verstanden, bzw. wer keinen Krieg im Namen Gottes führt, hat Gott n i c ht verstanden.

Deswegen würde ich ihnen auch nicht empfehlen, diese Muslime davon zu überzeugen, dass es verschiedene Wege zu Gott gibt. Sie könnten über den ersten Satz nicht hinauskommen, weil ihnen danach die Möglichkeit genommen wird, je wieder nur ein einziges Wort über ihre Lippen zu bringen. Es sei denn, sie haben dabei eine Knarre in der Hand.

Bei aller Notwendigkeit etwas gegen Daesh zu unternehmen, sollte man im Hinterkopf behalten, dass die aktuelle Macht Daeshs erst durch Interventionen erzeugt wurde. Nach der Intervention im Irak und dem anschließenden Wegfall jeglicher staatlicher Struktur, entstand ein Vakuum in dem die Vorgängerorganisation (bekannt als al-Quaida im Irak) unter al-Zarqawi gedeihen konnte. Diese versuchte in Syrien Fuß zu fassen als die Aufstände begannen, konnte sich jedoch gegen die FSA und die al-nusra-Front nicht durchsetzen. Erst als Waffenlieferungen in das Gebiet begannen und es anscheinend zu einem florierenden Handel zwischen der FSA mit Soldaten und Waffen kam, gewann Daesh schnell an Gebieten, Einfluss und Macht. Diese nutzten sie dann dazu weiteres militärisches Gerät, das von den internationalen Truppen im Irak zurückgelassen worden war, an sich zu bringen. Erst die militärischen Interventionen des Westens haben Daesh zu einer solchen Macht verholfen.

Dies vorangestellt muss dennoch das Vorgehen gegen Daesh intensiviert werden. Es darf jedoch nicht wie blinder Aktionismus wirken. Frankreich, Russland, Europa und die USA brauchen einen Plan was nach der Militärintervention passieren soll. Sie müssen es irgendwie schaffen in beiden Ländern (und in Libyen, Mali und Nigeria eigentlich auch) staatliche Strukturen wiederherzustellen. Nur so kann ein militärischer Sieg gegen Daesh auch von Dauer sein. Andernfalls wird es sich als Pyrrhussieg und Daesh als Hydra mit vielen Köpfe entpuppen.

Ausgezeichnetes Interview mit Herrn Schweitzer. Ich denke er hat die Kernpunkte angesprochen. Da Israel schon seit Jahren das Problem des islamistischen Terrors kennt, durch leidvolle Erfahrungen, denke ich kann man von Israel nur lernen.
Shalom Benny

"Erst die militärischen Interventionen des Westens haben Daesh zu einer solchen Macht verholfen.:

Ganz im Gegenteil. Obamas vorschneller Abzug der US Truppen aus dem Irak hat dazu geführt, dass die schiitische Regierung dann freie Hand zur Unterdrückung der Sunniten hatte. Zu seiner Inaktivität in Syrien habe ich mich schon geäußert.

Und in jedem Fall waren das nur die Anlässe. Ursachen sind die Schismen innerhalb des Islam.

Ich gebe Marius recht, erst die militärische Intervention des Westens hat zu dem Terror geführt.
Und was lernen wir daraus ?
Der Westen sollte stabile Diktaturen unterstützen, die dann mit eiserner Faust für Unrecht und Ordnung sorgen.
Noch leben Söhne von Saddam und Gaddafi die vom Westen wieder an die Macht gebracht werden könnten.
Wenn sich diese zukünftigen Diktatoren an zivilisatorische Mindeststandards, wie z.B. antikapitalistische Lippenbekenntnisse und die Verurteilung der Israelischen Politik, halten sollte sich auch die Kritik aus der westlichen Zivilgesellschaft in Grenzen halten…

Da der Krieg in Syrien fast 5 Jahre andauert, sogar mit sehr viel Geld aus USA einzig die Ablösung Assads angestrebt wurde, was aber nicht gelang, haben sich etwa 300 Terrorbanden aus der ganzen Welt dort breit gemacht. Der IS ist davon die materiell und personell mit Abstand die Größte. Nach meiner Einschätzung ist die demokratische Anti-Assad Opposition, die von den USA unterstützt wird, von den vielen islamistischen Gruppen wie z.B. Al Nusra die die syrische Gruppe von Al Kaida ist, samt ihren modernen US-Waffen aufgesaugt worden. Während der IS sogar als erste islamistische Terrorgruppe einen eignen Staat gründen konnte. Kopfabschneiden tun sie alle, aber der IS ist selbst in dieser Frage noch viel radikaler als seine Konkurrenz. Wichtiger im Sinne der Weltpolitik ist, daß der islamische Staat das Potenzial hat, die dortigen Anreinerstaaten zu destabilisieren. Die USA ist erst spät und viel zu zögerlichgegen IS tätig geworden. Obama versucht aber mehrere politische Ziele gleichzeitig zu erreichen. Zuletzt hat er seit 14 Monaten die Kurden in diesem Gebiet Iraks und Syrien mit Waffen versorgt und deren Bodenkrieg mit Luftschlägen unterstützt. Das hat zur Rettung von Kobane und zur Befreiung größerer Gebiete an der Grenze zur Türkei geführt. Die Kurden milizen waren im April auf dem Weg nach Rakka, als Obama zugunsten Erdogans umschwenkte, und duldete, daß dieser die Kurdenmilizen, die doch US-Verbündete waren, bombardieren ließ. Seit dieser Zeit steht die kurdische Front. Warum Obama seine kurdischen Verbündeten damals fallen ließ, ist mir unklar. Jetzt aber versucht er sie wieder aufzubauen. Das liegt daran, daß die Amerikaner dort nicht mehr die einzigen Ateure mit Hochtechnologiewaffen sind. Sie stehen plötzlich in Konkurrenz mit den Russen und werden verglichen. Das ist neu für sie und nun stehen sie unter Erfolgsdruck. Was dabei herauskommen wird ist unsicher, denn den Kurden könnte es ja reichen, jetzt an die gewünschten Waffen zu kommen, ohne den Kopf hinhalten zu müssen und die Amerikaner wollen keinen Krieg mehr mit Häuserkampf. Darum gehen sie nicht selbst dorthin. In solchen Kriegen zählt die persönliche Motivation der Soldaten fast mehr, als die waffentechnische Überlegenheit. Genau das ist das Problem auch für die Europäer. Auch die Russen gehen nicht mit Bodentruppen da hinein.
Slbst die Truppen Assads lassen die gefährliche Arbeit von derHisbollah und iranischen Revolutionsgarden ausrichten. Als Schiiten sind sie natürliche Verbündete des Schiiten Assad.
Die Iraner haben auch erhebliche Verluste selbst unter ihren Generälen. Trotzdem haben sie immer neue Freiwillige. Diese Assadtruppen habe in den vergangenen 6 Wochen zuerst hauptsächlich gegen Al Kaida und andere islamistische Truppen gekämpft und weniger gegen den IS, weil das geografisch so angelegt war. Jetzt geht es auch gegen den IS. Da ihnen die russische Luftwaffe Unterstützung zukommen läßt, sind sie auch all den islamistischen Gruppen überlegen.
Zu den islamistischen Gruppen und den demokratischen Assad-Gegnern, die sich als "freie syrische Armee" zusammengeschlossen haben, läßt sich sagen, daß sie sowohl gen AssaD; ALS AUCH GEGEN DEN IS kämpfen. Zumindest teilweise. Jede militärische Kraft in Syrien bekämpft zwei Gegner. Noch nicht mit dabei ist die türkische Armee. Erdogan möchte nämlich zu gerne den Norden Syrien unter seine Kontrolle bringen, weil er einen Kurdenstaat an seiner Grenze fürchtet.
Er bereitet seine Truppen vor, um nördlich von Aleppo nach Syrien vorzudringen. Da kann schon in der nächsten Woche geschehen.
Nun mal ehrlich, liebe Mitkommentatoren. Mit welchem Plan sollen EU-Soldaten da als Bodentruppen agieren? Mal abgesehen davon, daß es auch ein Ziel geben muß für die Zeit nach dem Krieg. Wir sollten akzeptieren, daß unter den potentiellen Gegnern des IS, Assad und seine Armee ein wichtiger militärischer Machtfaktor ist, und die Kurden ein anderer militärischer Faktor. Diese zwei Gruppen sollte die Welt unterstützen. Ach ja, es gibt noch zusätzlich innerhalb der "freien syrischen Armee" Grupppen mit demokratische Zielsetzungen. Auch diese sollten unsere Unterstützung bekommen. Nur sind die größteils unsichtbar mit islamistisch Gruppen verknüpft, und trauen sich nicht auszuscheren.
Die syrische Armee steht jetzt vor Palmyra und vor Deir Hafir. Beide Städte werden vom IS gehalten.
Dessen Anhänger kämpfen verbissen und die Häuserkämpfe verlaufen blutig. Aber sind die Positionen geknackt, sind die Hürden bis Rakka nur noch schwach, weil der Nachschub schwierig für den IS geworden ist. Menschen gibt es auf dessen Seite unerschöpflich genug. Aber man braucht Sprit, Waffen Munition, und in der einsamen Wüste auch Wasser. Ichdenke, daß der IS militärisch bals erledigt sein wird, dann aber immer noch viele Terroranschläge in Syrien und dem Rest der Welt ausüben kann und auch wird. Das wäre dann in Europa innenpolitisch zu lösen.

@10: Der IS beherrscht große Teile der Wüste und einige Verbindungsstrassen. Für diese Gebiete interessiert sich keine Armee, die ihn bekämpft. Gleichzeitig führt dies aber dazu, dass die Macht und Stärke wg. der großen Flächen überschätzt wird.

Es handelt sich um wenige 10000 Kämpfer. Im Irak mag es noch viele Anhänger geben, die sich im Nachkriegs-Irak als Verlierer betrachtet haben, aber mit der Ideologie wenig anfangen können. Vermutlich haben sie sich einfach verrannt. Bei einer guten Alternative würden Städte wie Mossul mit seinen Millionen wahrscheinlich schnell kippen.

Die Schwierigkeiten beim Kampf in der Wüste sind klar. Wenn dann bei Kälte und Hitze auch noch die Nachschubwege wirksam abgeriegelt würden und Telekommunikation unterbrochen wird (gibt es sie eingentlich noch in den besetzten gebieten?), wird die Moral schnell sinken.

Der Einsatz von Bodentruppen ist sinnvoll. Das ist aber nicht Aufgabe der NATO/EU. Hier ist die einheimische Bevölkerung gefragt.

BTW: Die meisten Opfer gibt es in Afrika. Damit sind die Theorien über eine Destabilisierung des Westens wohl hinfällig, wenn man nicht daran glaubt, dass der Westen grundsätzlich für alles verantwortlich ist. Warum schaffen nur so viele andere STaaten eine friedliche Entwicklung auch in der internationalen Gemeinschaft und trotz eines kolonialen Erbes?

Für mich wird die militärische Kraft überschätzt. Nur die vielen Gruppen, die ihr eigenes Süppchen kochen, führen dazu, dass eine weitere Gruppe am Rand der Wüste existieren kann.

"Wenn sich diese zukünftigen Diktatoren an zivilisatorische Mindeststandards, wie z.B. antikapitalistische Lippenbekenntnisse und die Verurteilung der Israelischen Politik, halten sollte sich auch die Kritik aus der westlichen Zivilgesellschaft in Grenzen halten…"

#9: LAMO!

Kommentar verfassen