Unser Sonntag! Amateurkicker contra Bundesliga

Der Fußball-Sonntag war einst Rückzugsgebiet für die Amateure. Das ist längst vorbei. Seit dieser Saison spielt die Bundesliga am Sonntag gar schon um 15.30 Uhr. Dies trifft die kleinen Vereine. Vor allem, aber nicht nur, im Ruhrgebiet.

Reiner Grundmann, Gründer der Initiative "Unser Sonntag". Foto: Daniel Drepper.

Keine fünf Minuten ist der Schlusspfiff vergangen, da hat Gerd Schröter-Kochmann schon abgesperrt. Der Grill ist aus, die letzte Flasche Bier verkauft, die Spieler von Scholven und Schaffrath auf dem Weg unter die Dusche. Es ist Sonntagnachmittag, kurz vor 17 Uhr. Dort, wo Kreisligist Hansa Scholven früher so etwas wie Vereinsleben hatte, stehen jetzt noch drei Zuschauer unter dem alten Abdach am Rande des Platzes. In Schalke-Schals gewickelt trinken sie den letzten Schluck Bier, ehe es nach Hause geht. Die Bundesliga ruft.

Noch 30 Minuten bis zum zweiten Sonntagsspiel. Schalke 04 empfängt den Hamburger SV. Das Geschrei aus der Arena hört man bis nach Scholven, das nur eine Autobahn-Abfahrt weiter seine Heimstatt hat. Selbst Leute aus Scholvens Vorstand setzen sich heute lieber in die Arena, als ihren Verein im Derby gegen den SC Schaffrath zu unterstützen. „Ab 16 Uhr stehe ich hier deshalb ziemlich alleine da“, sagt Schröter-Kochmann, Vorsitzender der Scholvener. „Aber ich kann die Leute ja nicht anschnallen, die machen das ja ehrenamtlich.“

Der Fußball-Sonntag war einst Rückzugsgebiet für die Amateure. Das ist längst vorbei. Seit dieser Saison spielt die Bundesliga am Sonntag gar schon um 15.30 Uhr. Dies trifft die kleinen Vereine. Vor allem, aber nicht nur, im Ruhrgebiet.

Reiner Grundmann, Gründer der Initiative "Unser Sonntag". Foto: Daniel Drepper.

Keine fünf Minuten ist der Schlusspfiff vergangen, da hat Gerd Schröter-Kochmann schon abgesperrt. Der Grill ist aus, die letzte Flasche Bier verkauft, die Spieler von Scholven und Schaffrath auf dem Weg unter die Dusche. Es ist Sonntagnachmittag, kurz vor 17 Uhr. Dort, wo Kreisligist Hansa Scholven früher so etwas wie Vereinsleben hatte, stehen jetzt noch drei Zuschauer unter dem alten Abdach am Rande des Platzes. In Schalke-Schals gewickelt trinken sie den letzten Schluck Bier, ehe es nach Hause geht. Die Bundesliga ruft.

Noch 30 Minuten bis zum zweiten Sonntagsspiel. Schalke 04 empfängt den Hamburger SV. Das Geschrei aus der Arena hört man bis nach Scholven, das nur eine Autobahn-Abfahrt weiter seine Heimstatt hat. Selbst Leute aus Scholvens Vorstand setzen sich heute lieber in die Arena, als ihren Verein im Derby gegen den SC Schaffrath zu unterstützen. „Ab 16 Uhr stehe ich hier deshalb ziemlich alleine da“, sagt Schröter-Kochmann, Vorsitzender der Scholvener. „Aber ich kann die Leute ja nicht anschnallen, die machen das ja ehrenamtlich.“

Ende 2008 unterschrieb die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Pay-TV-Sender Sky, der damals noch Premiere hieß, für ihre 36 Profivereine einen TV-Vertrag bis 2013. Jährliche Einnahmen: 412 Millionen Euro. Ab September findet nun jeweils schon um 15.30 Uhr ein Sonntags-Spiel der ersten Bundesliga statt, zu sehen live im Pay-TV. Damit tritt die Bundesliga erstmal in direkte Konkurrenz zum Amateurfußball, der seine Spiele traditionell am Sonntag um 15 Uhr austrägt.

Auf dem DFB-Bundestag segneten die Vertreter der Amateurvereine im Frühjahr diesen gegen die bis dato geltenden Regeln verstoßenden Vertrag im Nachhinein ab. Gegen den Willen vieler Amateurvereine, die sich in der Initiative „Unser Sonntag“ sammelten und vor dem Bundestag eine Unterschriftenliste übergaben.

Nach der ersten Saisonhälfte ist der kriselnde Pay-TV-Sender Sky mit dem neuen Spielplan hochzufrieden. „Die Abonnenten nehmen das Angebot an, das ist richtig gut eingeschlagen“, sagt Ralph Fürther von der Sky-Sportkommunikation. Die Nutzungszahlen sollen laut Fürther um 60 Prozent gestiegen sein. Genauere Erklärungen oder Einschaltquoten will Sky nicht herausgeben. Wert legt Fürther aber darauf, angeblich keine Protest-Mails oder Abbestellungen bekommen zu haben. Und überhaupt finde doch über das gesamte Wochenende verteilt Erstligafußball statt. „Ein Spiel am Sonntag zerstört doch nicht den Amateurfußball“, sagt Fürther.

Auch Hermann Korfmacher, als Vizepräsident des DFB für die Amateure zuständig, glaubt, dass die Bundesliga-Sonntagsspiele keinen Einfluss auf die Zuschauerzahlen der Amateurvereine haben. Bei einer Präsidiumssitzung habe er die 21 Landesverbandspräsidenten befragt und alle hätte einen negativen Einfluss verneint. „Klar sind wir über das Spiel nicht erfreut, aber die Schwarzseherei ist doch sehr übertrieben“, sagt Korfmacher.

Ist sie das wirklich? Das versucht eine willkürliche, deutschlandweite Befragung der Ruhrbarone zu klären, die im Ruhrgebiet beginnt. Zwischen Dortmund, Gelsenkirchen und Bochum sind die Probleme besonders groß, deshalb hatte sich hier Anfang des Jahres die genannte Protest-Initiative „Unser Sonntag“ gegründet. Anführer war Rainer Grundmann, Vorsitzender des Gelsenkirchener SC Schaffrath. Grundmann spricht von leergefegten Plätzen, von Einbußen bis zu 50 Prozent und von nicht gehaltenen Versprechungen. Obwohl damals manch ein Gespräch mit den DFB-Oberen stattfand, gab es seit der Verabschiedung des neuen Spielplans keinerlei Kontakt mehr zu den Verantwortlichen.

Knapp 100 Kilometer weiter nördlich, im Münsterland, sind Zuschauer-Probleme dagegen kaum zu spüren. Der SV Drensteinfurt spielt in diesem Jahr erstmals seit langem um den Aufstieg in die Bezirksliga, so schauen eher mehr als weniger Zuschauer den Spielen zu. Ein Fazit will der Geschäftsführer Thomas Bonnekoh aber erst am Ende der Saison ziehen. In einer ähnlichen Situtation sind der SV Dessau 05 in Sachsen-Anhalt und der Münchner Verein SC Baldham-Vatterstetten: Mit den Vereinen im Ruhrgebiet fühlen die Verantwortlichen zwar mit, sie selbst spüren die Konkurrenz der Bundesligateams jedoch kaum.

Kritik am neuen Spielplan übt Werner Binne. Er ist Vorsitzender des Bezirksoberligisten FC Wunstorf, der seine Spiele 25 Kilometer westlich von Hannover austrägt. Bisher hat Binne mit den frühen Sonntagsspielen wenig Probleme gehabt, doch ihn ärgert die generelle Benachteiligung der kleinen Vereine. Er fürchtet, dass auf die Amateure in Zukunft noch weniger Rücksicht genommen wird. „Da geht es einfach um zu viel Kohle“, sagt Binne, der arge Probleme hat, seinen Jahresetat von 170000 Euro zu stemmen.

Dass aber nur das Ruhrgebiet unter den frühen Sonntagsspielen leidet, ist auch nicht richtig: So spricht Stephan Eichelmann von etwa 20 Prozent weniger Zuschauern, wenn der VfB Stuttgart am Sonntag spielt. Sein Verein, die Spielvereinigung Feuerbach, hat sein Zuhause nur sechs Kilometer vom Stuttgarter Stadion entfernt. Eigentlich, so Eichelmann, müsse sich der DFB ja für seine Mitglieder einsetzen, aber da laufe man als Verein gegen eine Betonmauer. „Der Lobbyismus der DFL ist viel zu groß.“

Eines wird bei der Befragung deutlich: Die meisten Amateurvereine fühlen sich von ihren Verbandsvertretern nicht Ernst genommen. Je höher das Amt, desto entfremdeter von der Basis, so die Meinung. Dies beginne zum Teil schon auf Bezirksebene. Und das, obwohl die DFB-Funktionäre eigentlich die Vorkämpfer des Amateurfußballs sind und dessen Rechte und Wünsche gegenüber den Profivereinen vertreten müssten.

Auch Gerd Schröter-Kochmann von Schalkes Nachbar Hansa Scholven fühlt sich allein gelassen. Der Amateurfußball befinde sich ohnehin auf dem absteigenden Ast, da machten es die Sonntagsspiele der Bundesliga nicht besser. „Die Ehrenämtler sind an der Grenze der Belastbarkeit. Wenn dann der Zuspruch fehlt, wird es mit der Motivation noch schwieriger“, sagt Schröter-Kochmann. Mit gut 1500 Euro Verlust pro Saison rechnet Scholvens Vorsitzender allein durch die Sonntagsspiele. Hoffnungen, dass die Lage noch einmal besser wird, hat er keine.

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