…und noch eins

Die Eröffnung des Centros 1996 war eine Sensation. Die Fertigstellung des Limbecker Platzes macht klar, dass das Konzept Einkaufszentrum im Ruhrgebiet an seine Grenzen stößt.

Limbecker Platz Foto: ECE

Die Innenstädte im Ruhrgebiet sind nicht für ihre Schönheit bekannt. Im Krieg fast vollständig zerbombt und in den 50er und 60er Jahren zum größten Teil von einer Generation geschmackloser und weitgehend talentfreier Stadtplaner wieder aufgebaut, sind sie fast alle von einer seltsamen Monotonie. Die städtebaulichen Traditionen der Vorkriegszeit wurden begeistert aufgegeben. Noch in den 70er und 80er Jahren kam es aus heutiger Sicht zu unvorstellbaren Planungssünden: Die Abrisse von einstmals die Innenstädte prägenden Gebäuden wie dem alten Rathaus in Essen, dem Stadtbad in Bochum oder dem alten Hauptbahnhof in Gelsenkirchen zeigten, dass viele Planer

Die Eröffnung des Centros 1996 war eine Sensation. Die Fertigstellung des Limbecker Platzes macht klar, dass das Konzept Einkaufszentrum im Ruhrgebiet an seine Grenzen stößt.

Limbecker Platz Foto: ECE

Die Innenstädte im Ruhrgebiet sind nicht für ihre Schönheit bekannt. Im Krieg fast vollständig zerbombt und in den 50er und 60er Jahren zum größten Teil von einer Generation geschmackloser und weitgehend talentfreier Stadtplaner wieder aufgebaut, sind sie fast alle von einer seltsamen Monotonie. Die städtebaulichen Traditionen der Vorkriegszeit wurden begeistert aufgegeben. Noch in den 70er und 80er Jahren kam es aus heutiger Sicht zu unvorstellbaren Planungssünden: Die Abrisse von einstmals die Innenstädte prägenden Gebäuden wie dem alten Rathaus in Essen, dem Stadtbad in Bochum oder dem alten Hauptbahnhof in Gelsenkirchen zeigten, dass viele Planer und Kommunalpolitiker im Ruhrgebiet nicht die schnellsten waren, wenn es darum ging, aus den Fehlern der Nachkriegszeit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Begeisterung für alte Industriegebäude, pompös zur Industriekultur verklärt, lässt sich nur mit der Belanglosigkeit der Städte erklären – auch in anderen Teilen Deutschland gibt es alte Industriegebäude – aber normalerweise markieren sie nicht die architektonischen Glanzpunkte.

Und während die Innenstädte der meisten Revierstädte zusehends verödeten, begann schon in den 60er Jahren der Boom der Einkaufszentren im Ruhrgebiet. Nach dem Main-Taunus-Zentrum vor den Toren Frankfurts eröffnete 1964 mit dem Ruhr-Park das zweite Einkaufszentrum der Republik  in Bochum. Heute ist der Ruhr Park mit einer Fläche von 126.000 Quadratmetern, 18. Millionen Besuchern und einem Umsatz von 350 Millionen Euro das größte Einkaufszentrum Deutschlands. Den Preis dieser Erfolgsgeschichte kann man in der Bochumer Innenstadt sehen: Seit Mitte der 90er Jahre gibt es in Bochum kein Kaufhaus mehr, auch in guten Lagen sind 1Euro-Shops auf dem Vormarsch, und der erst vor zwei Jahren eröffnete  Massenbergboulevard sieht vor allem  an Werktagen wie ein dröger, grauer Fluss aus. Allein das lange Zeit von den städtischen Planern übersehene Bermudadreieck verströmt urbanen Charme.

Ein noch größeres Desaster lässt sich in Oberhausen betrachten. Gut, auch vor der Eröffnung des Centros 1996 war die Oberhausener Innenstadt kein Schmuckstück – die öde Marktstraße konnte nie mit Essen oder auch Duisburg mithalten, doch das Centro gab ihr den endgültigen Todesstoß. Hat das Centro wenigstens für neue Jobs gesorgt? Nein, neueren Untersuchungen nach halten sich die Gewinne und Verluste an Arbeitsplätzen die Waage.

Und nun der Limbecker Platz: Angebliches Metropolenshopping in 200 Läden. Ein Metropolenshopping, wie es jede zweitklassige US-Mittelstadt auf der grünen Wiese bietet: Von aussen wirkt das neue Einkaufszentrum kalt und abweisen, die Innenausstattung ist von erschreckender Beliebigkeit und ein Großteil der Ladenlokale sind von den ewig gleichen Ketten besetzt. Metropolenshopping? Hat das nicht etwas mit ausgefallenen, exklusiven Läden zu tun? Mit Angeboten, die man nicht an jeder Ecke bekommt?
Der Verlierer wird, wie meistens, wenn ein neues Einkaufszentrum eröffnet, die Innenstadt sein. Die Mieten werden fallen, die Leerstände zunehmen und die Ramscher ihre Zahl erhöhen. Und die Innenstädte der kleineren Nachbarstädte werden den Limbecker Platz auch schon bald spüren.

Aber hätte Essen auf den Limbecker Platz verzichten sollen? Nein, denn Essen hatte keine Alternative. Im Ruhrgebiet gibt es ein Wettrüsten der Städte: Der Ruhrpark wird ausgebaut, der Limbecker-Platz Betreiber ECE baut in Dortmund ein Zentrum, Recklinghausen und Bochum planen ebenfalls neue Malls – und auch viele kleinere Städte wollen nachrüsten. Werden all diese Zentren erfolgreich sein? Sicher nicht. Die paar Mal, die ich im Limbecker Platz war, fand ich es leer. Kaputte Innenstädte und leere Einkaufszentren – keine schöne Vorstellung.

Auch im Bereich des Einzelhandels wird man sich im Ruhrgebiet endlich zusammen setzen zu müssen, um die Schäden des Shopping-Center-Wettrüstens zu begrenzen. Und vielleicht sollte man einmal anfangen sich darüber Gedanken zu machen, wie Innenstädte in schrumpfenden Städten, in einer Region die bald schon 400.000 Einwohner weniger haben wird, an Attraktivität gewinnen können. Denn so bleiben wie es ist sollte es auch nicht.   
               
 

10 Kommentare

Es ist die Marktstraße in Alt-Oberhausen und nicht die Bahnhofstrasse. Und der Niedergang der Mittelzentren in Sterkrade und Osterfeld sollte auch erwähnt sein. Ob sich das dann wirklich immer noch die Waage hält möchte ich bezweifeln.

Und da sage noch einer, ewig vor der Glotze hängen hätte nicht auch irgendeinen Sinn…

mehr fällt mir im Moment jedenfalls nicht dazu ein 😉

Die Ironie der Geschichte ist, dass der Hauptinvestor ECE – einer der größten Mall-Bauer und -Betreiber Europas – aus Imagegründen schon sehr früh die Stiftung “Lebendige Stadt” gegründet hat.Hier gibt sich alles was im Städtebau und bei der Stadtplanung Rang und Namen hat gegenseitig die Türklinke in die Hand und verkündet die Rettung der Urbanität, weil die Shopping- und Entertainmentcenter jetzt nicht mehr auf der grünen Wiese sondern in die Innenstadt hinein gebaut werden.

Ich sehe es selbst stark an der Oberhausener Innenstadt und in Sterkrade (wegen Centro sowie Sterkrader Tor). Die Innenstädte bestehen fast nurnoch aus 1?-Läden und billig Klamottenläden. Ich bin überhaupt kein Fän dieses ganzes Konzeptes – allerdings kann man dann auch das ganze kapitalistische System in Frage stellen. Ich mein es ist der beste Weg viel Geld zu machen mit Massen von Leuten auf einem Fleck. Nur wohin fließt das Geld? An Ausländische Investoren…

Was mir dazu noch einfällt wäre der Trinkgeldskandal von vor einiger Zeit… passend zu dem ganzen Groß-Einkaufszentren-Konzept:
http://blog.babeltech.de/2009/10/gibst-du-auch-schon-brav-trinkgeld/

Der Limbecker Karton…

Da isser nu fertich, der neue Karton am Limbecker. Is ja schon praktisch, so direkt anne Agentur für Aabeit… nur üba de Straaße kommse da zufuuß nich mer. Kannet sein, dat dat Absicht is?
Quelle: NRW-Aktuell.tv / Youtube
Un watt machen wa eig…

Und auch der Limbecker Platz wird in ein paar Wochen, wenn sich der Hype gelegt hat und die Eröffnungsangebote Geschichte sind, wieder aussehen wie der Limbecker Platz vor vier/fünf Wochen: leer.

Am besten hat es (ausnahmsweise) Duisburg gemacht. CityPalais, Forum & Königsgallerie sind nicht ausgelagert, sondern direkt in die Innenstadt integriert. Dort einzukaufen ziehe ich mittlerweile sogar als Düsseldorfer unserer Altstadt vor.

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