Über Ferrostaal spricht man wieder

Bei Ferrostaal wird alles neu. Der Laden mit der wohl höchsten Korruptionsdichte Deutschlands soll künftig saubere Geschäfte machen. Zweifel am Erfolg sind angebracht.

Die Geschichte von Ferrostaal ist lang, lässt sich aber schnell erzählen. Im Jahr 1920 gegründete entwickelte sich das einst in den Niederlanden angesiedelte Unternehmen nach dem zweiten Weltkrieg zum Umschlagplatz deutscher Industriegüter und Dienstleistungen. Ganz sauber ging es da wohl nicht immer zu, das war bis in die 90er-Jahre auch egal. Mit dahin durften im Ausland gezahlte Schmiergelder hierzulande von der Steuer abgesetzt werden.

Vor dem neuen Jahrtausend änderten sich aber die Steuergesetze und auch die öffentliche Wahrnehmung. Die Gewährung geldwerter Vorteile hatte nun nicht mehr nur ein Geschmäckle, sie wurden illegal. Bei Ferrostaal hat man das auch realisiert, Ex-Chef Matthias Mitscherlich bemühte sich sogar um eine Verbesserung. Wie gut er darin war, dass müssen wohl bald die Richter entscheiden. Neben anderen Managern und Ferrostaal ermittelt die Staatsanwaltschaft München auch gegen ihn.

Nachdem Mitscherlich seinen Platz geräumt hat, will nun Jan Secher das Unternehmen von der Strafbank holen. Eine Compliance-Struktur wurde eingezogen, einige Mitarbeiter mussten gehen. Er ist auf dem richtigen Weg.

Nun kommt der zweite Schritt. Zum Wochenanfang segnete der Aufsichtsrat eine neue Strategie ab. Aus heiklen Geschäften ziehen sich die Essener zurück, so vom Verkauf von U-Booten. Die Zukunft des Unternehmens soll nun im Projektgeschäft liegen, also dem Bau von Anlagen für die Petrochemie und das Öl- und Gas-Business.

Das dürfte ganz im Interesse des Eigners sein. Der Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi war eigens bei Ferrostaal eingestiegen, um die Industrialisierung des eignen Landes voran zu treiben. Abu Dhabi rüstet sich für die Zeit nach dem Öl. Als MAN seine Tochter Ferrostaal zum Verkauf stellte, griffen die Scheichs schnell zu. Groß war aber der Frust, als die Schmiergeldaffäre ans Tageslicht kam.

Aber werden die neue Compliance-Regeln und die neue Struktur reichen, um Ferrostaal vor dem Untergang zu retten? Bei Thyssen, Daimler und auch einigen anderen Firmen hört man, dass das Vertrauen in Ferrostaal erschüttert ist. Secher und seine Truppe muss also intensiv um Vertrauen werben.

Dafür muss er auch mal an die Öffentlichkeit. Ich habe seit seinem Amtsantritt im Juni nichts von ihm gelesen. Ferrostaal spricht nicht, über Ferrostaal wird geschrieben. Solang das so ist, zweifele ich an der Zukunftsfähigkeit.

Kommentar verfassen