Türkei-Wahl: Ruhrgebiet erneut Erdogan Hochburg


Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele rechtsradikale türkische Wähler wie im Ruhrgebiet. Unter den ausgezählten Stimmen der Türken in Deutschland erzielte Erdogan in Essen 76,9 und in Düsseldorf, wo auch Türken aus dem westlichen Ruhrgebiet wie Duisburg ihre Stimme abgaben, 71,3 Prozent. Auch bundesweit Schnitt Erdogan mit 65,1 Prozent deutlich besser ab als in der Türkei, wo er bislang 53,3 Prozent der Stimmen erhielt. Unklar ist noch, wie stark Wahlfälschungen und Manipulationen das Ergebnis beeinflussten. Schon bei der Abstimmung über die Verfassungsänderung in der Türkei im vergangenen Jahr erhielt Erdogan im Ruhrgebiet die meisten Stimmen. Neben einer AfD-Hochburg ist das Revier auch eine AKP-Hochburg.

11 Kommentare

In Gelsenkirchen fahren gerade hupende Autos mit Türkeifahnen in der Nähe des Hbf. Von Antifaschisren ist nichts zu sehen.

@Jiri: Aber Anhänger aller anderen Gruppen sind bestimmt gerade dabei, Mannhaft die Demokratie zu verteidigen…

Die größte Gefahr für das liberale Zusammenleben und die rechtsstaatlichen Errungenschaften in Europa gehen nicht von den rechtspopulistischen Parteien aus, sondern von denjenigen Einwanderern, die die vorgenannten Prinzipien nicht akzeptieren wollen.

#1:

Keine Angst, die werden zur Verhinderung der nächsten AfD Veranstaltung umso zahlreicher und radikaler vor Ort sein.

Wenn ich mir die Zahlen anschaue, sehe ich südlich von Hannover überall Ergebnisse im Bereich von 2/3 der Stimmen.
Das ist eine eindeutige Wahl, und sie passt auch zu den Bildern in den Strassen des Ruhrgebiets. Hier sieht es eher aus wie auf den Veranstaltungen der AKP Anhänger.

Offen ist für mich, wieso Menschen hier ihren Präsidenten hochachtungsvoll unterstützen, aber gleichzeitig nicht die Folgen der Politik in der Türkei erleben wollen.
Welcher Türke, der in D lebt, leistet seinen Wehrdienst vollständig in der Türkei ab?

Dann haben wir das Thema politische Bildung in D auf dem Tisch. Bringt sie etwas?
Das aktuelle System in der Türkei widerspricht einfach vielen Grundsätzen. Offensichtlich ist das den hier lebenden und meistens auch hier geborenen Türken egal. Sie gestalten das System in der Türkei ohne wirklich davon betroffen zu sein.

"Der Kampf gegen Rechts" in der Politik wird auch immer mehr zur inhaltslosen Nummer. Zuschauen, betroffen wirken, nicht handeln ist die Devise. Diese Politik ist ebenso glaubwürdig wie das "más integracion" im Fußball.

Für mich erweist sich auch die doppelte Staatsbürgerschaft immer mehr zum Problem. Warum sollen Menschen mehrfach wählen können?
Was ist so schwer daran klar zu definieren, welchem Staat ich mich zugehörig fühle?

Das Kleinreden von faschistischen und autoritären Bewegungen bei Einwanderern ist fatal. Ich habe von der größten Gefahr gesprochen. Dass von Rechten auch eine Gefahr ausgeht,will ich nicht bestreiten.

@ Jiri: Die wirklich größte Gefahr ist, den existierenden Faschismus und Rassimus, Nationalismus und Vergangenheitsverklärung in "größer/kleiner", "meiner/Deiner" oder "ausländisch/inländisch" zu relativieren.

Diese Tat ist ekelhaft. Antisemitismus ist aber kein biodeutsches Problem, sondern ist von Nazis in die islamischen Länder exportiert worden und hat dort Fuss gefasst. Antisemitismus gibt es auch in Frankreich, Gb und den USA.

Bei den Einwanderern, die vor allem aus dem Gebiet des ehemaligen osmanischen Reich kommen haben sich nun mal Strukturen gehalten, die autoritäre Charaktere fördert. Da sollte auf jeden Fall mit verbesserter Bildung und solchen Massnahmen wie Kopftuchverboten reagiert werden, dami Mädchen und Frauen eine Alternative zu ihren Herkunftssitten gezeigt wird.

Allerdings muss solchen Leuten ,die sämtliche Formen modernen Zusammenlebens verweigern und sich hier auch antisemitisch, aber auch chauvinistisch aufführen, entgegengetreten werden.

Ein Problem ist aber auch, dass auch viele "integrierte Türken" kein Interesse daran haben, die Demokratie gegen ihre autoritären Landsleute zu verteidigen: Von den 3,5 Millionen türkischstämmigen Einwohnern in Deutschland sind zwar nur 1,4 Millionen türkische Staatsbürger und damit wahlberechtigt. Von diesen 1,4 Millionen haben allerdings auch nur rund 700 000 abgestimmt. 450 000 davon votierten für die Präsidialverfassung. Diese Gleichgültigkeit wird dafür sorgen, dass die Feinde der Demokratie irgendwann nicht nur die Debatten bestimmen. Die AfD wurde ja auch nur von knapp 5,9 Millionen (bei rund 61,5 Millionen Wahlberechtigten) gewählt und spielt sich auf bzw. wird hofiert, als stünde sie kurz vor der "Machtergreifung".

Und @ #1 Jiri und vor allem #4 Gerd: Alle Populisten sind Arschlöcher, überall! Natürlich ist es kein Ruhmesblatt, wenn es keinen zivilen Widerstand gegen die Erdogan-Freunde. Das aber zum Anlass zu nehmen, die Gefahr klein zu reden, die von Höcke, Gauland, Storch, Orban, Le Pen, Strache und Co ausgeht, ist schon sehr bemerkenswert.

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