TU Dortmund: Musste Amnesty Inernational aus Angst vor religiösen Fundamentalisten beim Sommerfest draussen bleiben?

TU Dortmund Foto: Tuxyso Lizenz: CC
TU Dortmund Foto: Tuxyso Lizenz: CC

Das Sommerfest der TU-Dortmund liegt schon ein paar Monate zurück. Es war wohl ein gelungenes Fest: Es gab ein Wassereis-Glücksrad, Molekulare Nascherei und ein Quizspiel des Autonomen Schwulenreferat. Was es nicht gab, war ein Stand der Hochschulgruppe von Amnesty International (AI HSG ).

Das lag nicht daran, dass die AI HSG  nicht gerne einen Stand gemacht hätte. Aus einem vorläufigen Protokoll der “15. Sitzung des 06. Studierendenparlaments TU Dortmund vom 09.07.2013”, das diesem Blog vorliegt, gehen die Gründe hervor:

Der Sprecher der AI HSG berichtet: Die HSG veranstaltet Poetry-Jams und ist mit Ständen auf vielen Veranstaltungen in Dortmund vertreten. Die Verwaltung der TU hat der AI HSG nicht erlaubt, einen Stand auf dem Sommerfest zu machen. Eine Ausstellung der AI HSG zu iranischen Menschrechstaktivistinnen wurde vom Leiter der Universitätsbibliothek abgelehnt. Als Begründung in beiden Fällen wurde angegeben, dass politische und religiöse Gruppen auf dem Sommerfest bzw in der UB nicht gewollt sind.

Grund für die Ablehnung:

Die UB hat sich bei der Ablehnung der Ausstellung unter anderem auf den Vorfall bei einer Ausstellung in der UB Duisburg-Essen bezogen, bei dem ein Ausstellungsstück mit dem Hinweis auf die Verletzung religiöser Gefühle zerstört wurde.

Den Vorfall aus Essen kennen die Leser dieses Blogs.

Die taz berichtete damals:

Weil sie zwei Poster in einer Ausstellung über aktuelle Graphic Novels für anstößig hielt, schritt eine muslimische Studentin zur Selbsthilfe und hängte die umstrittenen Exponate ab. Und nicht nur das: Offenkundig aus antiisraelischen Motiven heraus zerstörte sie eines der beiden Plakate. Daraufhin wurde die Comic-Ausstellung in der Universitätsbibliothek vorzeitig beendet – aus Protest gegen die erfolgte Zensur.

Menschenrechte scheinen also religiöse Gefühle zu stören – na und? Dann tun sie das eben. Die Menschenrechte sind schlicht und ergreifend wichtiger als die Gefühle von Fundamentalisten. So einfach und klar ist das.

Auf den AStA konnte die AI HSG damals nicht zählen:

Der AStA hat abgelehnt, dass die AI HSG sich mit an den Stand des AStA stellt. Der AStA nennt als Gründe technische Probleme und Platzprobleme und hat sich von der AI HSG eine Entpolitisierung gewünscht.

Wir haben die TU Dortmund um eine Stellungnahme gebeten und werden diese hier zeitnah einstellen.

 

5 Kommentare

Scheint ein Trend zu sein, der derzeitige Asta der Ruhr Uni Bochum besteht ja ebenfalls auf ein unpolitisches Sommerfest (wobei die Bochumer Amnesty-Hochschulgruppe dabei noch als “unpolitisch” durchging).

Finde ich gut, dass dies zur Sprache kommt und bin gespannt auf die Antwort der TU. Hier eine (vielleicht etwas übertriebene) Doku zum Thema:

http://www.youtube.com/watch?v=ggKSZgJyO8I&list=PLQIgHdaSN4N3ctbCxg6rNaM8kR5C26Wp9

Generell: Ich denke man sollte das Thema Religion vs. demokratische Werte nicht weiter der political correctness wegen unberührt lassen. Unter allen Linken (zumindest denjenigen, die sich für liberal und tolerant halten) MUSS das ein Thema sein. Es kann ja nicht sein, dass derzeit nur rechte bis faschistische Parteien für Freiheit und Säkularität einstehen. Da stimmt doch dann was nicht…

Die Erfahrung mit weltlichen und religiösen Fundamentalisten hat immer wieder gezeigt, dass Entgegenkommen (welcher Art auch immer) nie zur Ruhe oder Befriedung führt, sondern automatisch zu weiteren Forderungen im Sinne der Fundamentalisten.
Wann werden unsere “Linken” und alle anderen Träumer das endlich verstehen?

Wow, der AStA “hat sich von der AI HSG eine Entpolitisierung gewünscht”. Welche Voll-Honks hängen denn da rum? Damit kann man ja nun alles rechtfertigen, dass man es “entpolitisiert”. Wäre wieder mal Zeit, liebe Ruhrbarone, zu schauen, wieviele Stimmen die Fundis an den Unis an die Urne bringen, dass sie soviel Einfluss haben, den ASten solche Texte zu diktieren – und welche Demokraten sich darauf einlassen, solche Positionen dann auch noch öffentlich zu vertreten.

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