Trailer ist richtig gut geworden

Nein, dass ich jetzt das Hohe Lied auf Trailer singe, hat nix damit zu tun, dass in der aktuellen Ausgabe David Schraven einen kleinen Text veröffentlicht hat und Christoph Schurian interviewt wird. Beides hat mit dem Ende der taz-nrw vor einem Jahr zu tun und ist lesenswert – aber das Besondere ist, dass Trailer in den letzten Monaten eigentlich immer lesenswert war.

 

Jahrelang habe ich mich geärgert, wenn in der Döneria meines Vertrauens weder Heinz noch Coolibri (die basteln gerade an einer neuen Homepage!) zu finden oder gleichmäßig mit scharfer Soße und Zaziki bestrichen waren: Bei einem Kalb vom Rundspieß ließ ich mir den Gedanken an Gammelfleisch gerne mit der Lektüre der beiden kostenlosen Stadtmagazine vertreiben. Lag stattdessen Trailer…

Nein, dass ich jetzt das Hohe Lied auf Trailer singe, hat nix damit zu tun, dass in der aktuellen Ausgabe David Schraven einen kleinen Text veröffentlicht hat und Christoph Schurian interviewt wird. Beides hat mit dem Ende der taz-nrw vor einem Jahr zu tun und ist lesenswert – aber das Besondere ist, dass Trailer in den letzten Monaten eigentlich immer lesenswert war.

 

Jahrelang habe ich mich geärgert, wenn in der Döneria meines Vertrauens weder Heinz noch Coolibri (die basteln gerade an einer neuen Homepage!) zu finden oder gleichmäßig mit scharfer Soße und Zaziki bestrichen waren: Bei einem Kalb vom Rundspieß ließ ich mir den Gedanken an Gammelfleisch gerne mit der Lektüre der beiden kostenlosen Stadtmagazine vertreiben. Lag stattdessen Trailer da, wußte ich genau: Das Ding ist so dünn, da steht so wenig drin, das habe ich durchgelesen, bevor der erste Zwiebelring meinen Magen erreicht hat.

Das hat sich geändert. Ich weiß nicht genau warum, aber vor nicht allzu langer Zeit wurde am dem Konzept des Blattes geschraubt – und zwar in Richtung Qualität. Vor allem die Texte von Lutz Debus sind grandios – auf sein Interview mit Jochen Malmsheimer habe ich ja schon vor ein paar Monaten hingewiesen. Aber diese Ausgabe war nicht die Ausnahme. Gute Hefte sind bei Trailer zur Regel geworden. Viel Kultur und Kulturpolitik, gut geschrieben, schöne lange Texte – was will man mehr. Die Lücke, die MARABO hinterlassen hat – so es sie denn überhaupt gibt – wird von Trailer jedenfalls teilweise gefüllt. Also: Trailer bitte nicht mehr ungelesen in der Ecke liegen lassen sondern einstecken und lesen… es lohnt sich.

 

11 Kommentare

Ich muss doch sehr bitten: heinz und coolibri? *wo kann man hier nochmal die Buchstabengröße kleiner stellen?* Und trailer als Maximalforderung? Die “marabo”-Lücke? Wann ist denn deren Revival-Party und wie fand man bei den ruhrbaronen die tempo-Ausgabe im letzten Jahr? Vielleicht ist so etwas tempo-artiges ja auch ein Ansatz für die taz-Phantomschmerzen… Was ist das denn für eine Eigenwerbung, Herr Laurin? 😉

@Jens: Danke der Nachfrage – die Tempo-Ausgabe fand ich schön – hat mich gefreut, auch das Magazin habe ich in den 80ern gerne gelesen. Eigenwerbung? Ich hab mit Trailer und dem Verlag nix zu tun – also auch keine Eigenwerbung. Heinz und Coolibri (und Prinz) sind nun mal die führenden Stadtmagazine der Region – und es gibt gute Gründe, warum es hier nichts wie die KölnerRevue oder Tipp und City gibt. Trailer hat sich verbessert und wirklich gute Texte drin – den Marabo-Phantomschmerz habe ich ja in Frage gestellt und eine Revivalparty wird es nicht geben (Warum auch?). Aber wenn ein Medium sich auf einem guten Weg befindet, kann man sich ja wohl noch freuen…

>die Tempo-Ausgabe fand ich schön – hat mich gefreut, auch das Magazin habe ich in den 80ern gerne gelesen

In TEMPO damals war ich ja auch mild peripher involviert.

Ich schrieb zum Jubliäumsheft – kram – damals in einem anderen Sektor unter anderem das:

“Schon jemand das neue TEMPO gelesen?

Und warum schreiben sich eigentlich alle TITEL aller MAGAZINE versal?

Was soll man davon halten? Also vom allerletzten TEMPO?

Es wiegt, gefühlte, mehr als drei kg, und scheint damit endlich in der
Gewichtsklasse der Coffee tables angelangt. Gewichtsmäßig kann man mit
dem Heft also genauso viel Ratten erschlagen, wie es der
durchschnittlich gewichtige, von Benedikt Taschen edierte Kunstkatalog
durch einen guten Wurf vermag.

Gestern abend, am Bahnhof habense mir extra ‘ne Plastiktüte dafür gegeben.

Aber – das alte Typoraster, ich hatte das schon vergessen, es wirkt
immer noch modern. Bzw. wie klassische Moderne.

War ja von ‘The Face’ geklaut. Wie hieß noch gleich der AD, der den
Style prägte? Also, der von ‘The Face’, hilfsweise der vom Tempo?
Neville Brody! Warum habense den nicht wieder rangelassen?

Und: Hat jemand schon die Geschichten gelesen, leider komm’ ich heute
nicht dazu.

Gutes dabei?

Aber durchgeblättert hab’ ich grad: Das Beste ist eine
sepia-alike-Ad-Strecke von H&M, in der die Autoren von einst sehr
fotoshop-geschönt in H&M’s Klamotten posieren, mit Preisangaben, die
deren Billigkeit unterstreichen:

Adriano Sack träckt ein Sackleid und Astrid Proll soviel Kajal unter
den Augen, wie die Bundeskanzlerin, nachdem sie einen schlechten
Vortag hatte.

Überhaupt merkt man in den Fashionstrecken sehr die Fortschritte von
Adobes Fotoshop. […]”

/ Und dann geht die Leier weiter …

Stefan, sei ehrlich: Der von Dir gerühmte Titel ‘Trailer’, ich kenn’ den noch nicht mal, weil ich kein Döner eß’, ist eine Verteilzeitung.

Und über Verteilzeitungen haben wir damals gespottet. Weil wir uns verkauften.

Verteilzeitungen sind nix, sie machen kein Agenda Setting, sie können höchstens Coffee tables sein.

In Deinem Fall Döner tables.

So richtig gut fänd ich ja, wenn die (hoffentlich) engagierten, frechen, modernen, blutjungen (usw.) Menschen von trailer sagen würden: “Was will der denn von uns?” 🙂

@Thomas/Jens: Schaut Euch die Artikel von Debus an – die sind gut. Punktum. @Jens: Ich will gar nix von denen, aber die Entwicklung gefällt mir.

>Schaut Euch die Artikel von Debus an – die sind gut.

Ok. Lutzens Geschichten – ich kenne den nicht persönlich, kann also unbefangen urteilen – sind wirklich gut.

Da steckt Herzblut drin und auch die Phase der Aneignung. Manchmal auch Drama. Über die Betroffenheit hinaus.

So sind wir ja damals auch in den Metropolenmagazinerjob gekommen. Und der Job war eine Mission. Nicht wahr, Stefan? (-:

Aber das war in den Achtzigern. Nu is neues Jahrtausend.

Deswegen teile ich die Thesen Deines Lobpreisens auf dieses Verteilheft nicht.

@Thomas: Und wann hast Du solche Texte in den vergangenen Jahren in einem im Ruhrgebiet erscheinenden Stadtmagazin gelesen? Eben. Da gibt sich jemand Mühe und macht es gut.

Stefan:

Und wann hast Du solche Texte in den vergangenen Jahren in einem im Ruhrgebiet erscheinenden Stadtmagazin gelesen?

Die Antwort ist einfach: Nie.

Zumal – ich hätte die schon selbst schreiben müssen. (-;

Aber das der Autor gute Arbeit rankrarrt, hab’ ich ja im vorangegangenen Posting schon geschrieben. Ich thesiere aber, daß das Medium old school ist.

Ich wiederhole: Sowas kann man nur aus einem Impetus der Identifiktation und Betroffenheit machen. Eine der klassischen Reporter-Rollenanlagen. Ich denke, Du weisst, wovon *ich* rede. (-:

>Da gibt sich jemand Mühe und macht es gut.

Jetzt kommt meine aufdröselnde Abteilung:

Mühe geben ist Scheiße. Mühe ist nur gut gemeint.

Es kommt darauf an, die Mühe, die drinsteckt, nicht durchschimmern zu lassen. Grundsätzlich. Immer. In allem.

Jedenfalls nix gegen Debus. Mittlerweile sicherlich einer der besten Revierschreiber. Wir drei anderen schreiben ja nicht mehr übers Revier. (-;

Soweit ich unmaßgeblich den Sprengel weglese.

@Thomas Mühe geben ist Scheiße. Mühe ist nur gut gemeint.

Besser als nix machen und nur rumbesserwissen.

Ich möchte noch hinzufügen dass ich von Leser-Blatt-Bindung etwas halte und deshalb manche Formate – vom print giveaway bis zu gewissen blogs – schon recht gut, ich sage mal: durchchoreographiert sein müssen, damit die Leserschaft mittanzt und nicht nur konsumiert. Auch das scheint für manche, gerade inhaltlich / von der Ausrichtung her in den 00ern schwieriger geworden zu sein. Das konnte mensch m.E. auch jenem tempo ansehen, das sich zu sehr auf alte Kräfte selbst abgefeiert hat, anstatt – um das zu wiederhoeln – inhaltliche Positionen von damals innerhalb der Themen von heute von einer jüngeren Garde repräsentieren zu lassen. Man muss auch abgeben können, sonst wird man so altersstarrsinnig. 🙂 Wahrscheinlich castet die Chefetage da ganz okay; ich jedenfalls lese immer nur, was sich mir innerhalb von 10m Umkreis aufdrängt, und das hat Trailer bis jetzt nicht geschafft – wahrscheinlich ist meine Pommesbude einfach zu groß.

KAnn mich nur an das gute Outfit vom trailer anschließen. Die Themen haben im Gegensatz zum Coolibri oder Heintz Format. Insbesondere das Heintz wird immer schlechter und der Coolibri geht mehr und mehr in die Partie -Schiene.

Ich wollte schon lange ein kritisches anspruchsvolles Magazin im Pott sehen. Mit dem trailer habe ich es bekommen.

Weiter so!!!!

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