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Hamlet in Hamme

Wegen Peter Zadek kamen Leute wie meine Eltern nach Bochum. Zwei Stunden hin, zwei zurück, Welttheater im Ruhrgebiet gucken, Hamlet in Hamme. Damals war ich zu klein, doch seit Jahren wohne ich nur ein paar Meter entfernt von der Fabrik, in der wilde Gestalten wie aus dem Gestiefelten Kater sechs Stunden lang den kompletten Hamlet auf die Rampe wuchteten. 

Abbildungen: Gisela Schiedler, Zadeks Hamlet in Hamme, Bochum u. Frankfurt/M 1977.

Pro Tana

Altes Ruhrgebiet sitzt am Balkon
oder beim Fenster mitm Armkissen,
um mal links, ma rechts zu grüßen:
Hömma, Vatta, komma, Telefon!

Das Revier hat sein Idiom.
Eine Mischung aus Westfälisch,
Sauerland, Rotwelsch und Schlesisch.
Sprachenschmelz aus Tradition.

Auch Schanzara, Manger, Tetzlaff,
Atze Schröders Ruhrpottstenz,
sind aus Kiel, Berlin und Koblenz
oder noch nem andren Kaff.

Und was heißt das für den Pott,
dass die Stars, Musen und Dusen,
nicht aus Kray, eher aus Leverkusen,
ist das der Kulturbankrott?

Nö, Vatta, ist besser so.
Wenn hier zugereiste Künstler sterben,
ist für alle was zu erben.
Und ohn Zufluss, keine Regio.

Taxifahrer trauerten schon lange,
früher fuhren sie Tana, die nach jedem Auftritt stoppte,
an die Tanke, wo sie kräftig shoppte,
aus und vorbei, seufzt nicht nur die Taxischlange.…