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Das Ruhrgebiet erlesen

Ullrich Sierau Das Ruhrgebiet, über mehr als ein Jahrhundert beschrieben von Schriftstellern: In der Reihe Europa erlesen des Wieser Verlages ist ein aussergewöhnliches Buch über das Revier erschienen.

“Selbst im Herzen der großen Städte an der Ruhr bleibt die Struktur der Vorstadt entscheident” Ein Satz wie er heute noch geschrieben werden könnte. Erik Reger, der Autor des großen Ruhrgebietsromans “Union der festen Hand” schrieb ihn schon 1928.

Auf 280 Seiten werden in Europa lesen: Ruhrgebiet Texte über das Ruhrgebiet vorgestellt: Heinrich Heine, Eckhard Henscheid, Heinrich Böll, Alexander Kluge, Ernest Hemingway und viele mehr findet man in der von Thomas Ernst und Florian Neuner herausgegebenen Textsammlung.

Ruhrbarone gehen Offline

Wir schalten nicht unseren Blog ab, nein, aber wir machen jetzt eine Offline-Variante unserer Seite. Sprich, wir geben ein Print-Ding raus.

In dem Ruhrbarone-Offline-Ding wollen wir die Geschichten schreiben, die uns bewegen, die uns interessieren, die uns faszinieren. Vom Innenleben der Linken Partei in NRW, bis zu den Pakistanischen Terrorbanden aus dem Sauerland mit Wurzeln in Duisburg.

Dabei beschränken wir uns nicht auf das Ruhrgebiet. Wir schauen über den Tellerrand. Wir ziehen einen Freiheits-Vergleich zwischen Blogs in Deutschland und Europas letzter Hardcore-Diktatur in Weißrussland. Wir blicken auf den Weltfinanzplatz nach Dubai. Was geht da unten ab?

Wir wollen auch Hintergründiges bieten, wie die Story über die Toten von Hagen, die im Polizeigewahrsam verreckten, und über die Schalke Finanzen.

Wir wollen harten Stoff liefern, beispielsweise eine Analyse über die Kreativquartiere, die im Pott wenig mehr sind als Public Relations. Über die Möglichkeiten einer Schwarz-Grünen Landesregierung. Oder über die Zukunft der Energiewirtschaft.

Das alles wollen wir.

Wir finanzieren das Heft selber.

Phantasialand für Bildungsbürger

Das gestrige Titel. Thesen, Temperamente Special zur Ruhr2010 –kurze Portraits zugewanderter Künstler wie Steven Sloane, kritische Kommentare, etwas Ironie vom Moor – all das kam viel näher an das Ruhrgebiet heran als die peinliche Lanz-Posse ZDF und die VIP-Show am Samstag.

Schön schon am Anfang Reinhards Mohrs ironischer Kommentare zur Industriekultur : „Ich bin gespannt, ob das Parkhaus auch mal zur Kultur wird.“ Sein Tipp im Kulturhauptstadtjahr: Katalog ignorieren und sich treiben lassen – es bleibt einem auch beim Aufbau der Programmbücher kaum etwas anderes übrig.
Peter Lohmeyers lieferte einen Grund für die Verteilung des Programms auf das ganze Revier, der treffend: So reich, alles an einem Ort zu machen, sei das Ruhrgebiet nicht. Man hätte, um ein gutes Programm zu bekommen, das ganze Revier nehmen müssen. Das stimmt natürlich – keine Ruhrgebietsstadt ist für sich alleine sonderlich interessant.

Ging es ohne Klischees? Ne, natürlich nicht und wir wissen, dass viele der Klischees auch einen wahren Kern haben – wer von uns hatte keinen Opa auf der Zeche? Hat nicht auf Halden gespielt oder erinnert sich nicht an den Dreck, von dem es früher noch viel mehr gab als heute?
Bezeichnend und auch von ttt nicht thematisiert: Ob Lohmeyer, Herbert Grönemeyer oder Dietmar Bär: Keiner der vorgestellten Protagonisten lebt hier mehr. Das hat doch gute Gründe, über die würde ich gerne mal etwas wissen und vielleicht was man dafür tun kann, damit so Leute hier bleiben. Warum hauen hier fast alle ab und kommen so wenige, denn wenn auch viele kämen wäre es ein Austausch und klasse und keine Aderlass

Nächtliche Klang-Impressionen auf Zollverein bei der Eröffnung von Ruhr.2010

Klangfarbe Ruhr.2010 Auf der gestrigen Eröffnung der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 habe ich fernab des großen Rummels eine wundervolle Klanginstallation entdeckt.

Da ich des nächtens unterwegs war und keine weiteren Infos habe, vermute ich mal, dass es sich um die in diesem Beitrag erwähnte Aufführung "Klangfarbe" handelte.

Wie ich fand, waren die Klänge sehr passend in das schneebedeckte Ambiente des Niemandslands zwischen der Zeche Zollverein und der Kokerei eingepasst.
Musikalisch erinnerte sie mich ein wenig an die rhythmischen Geräuschcollagen von SPK.
Einen Klangausschnitt findet ihr auf folgender Seite bei posterous.

Hihihi – mächtig was los da:

Rapper rappen – Ich ess Pommes mit Mayo. Und in Herne bin ich immer wieder gerne. Wozu soll ich in die Ferne. Hahahaha

Jetzt verstehe ich, warum das ZDF das nur in einer Zuschauerbefreiten Zeit senden wollte. 🙂 Aber wem es gefällt. Und dann kommt noch der Steiger – Glück Auf – Das Licht an in Jazz. Bin mal gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer, die sich den Kram in der Kälte ansehen mussten.

K2010: Frieren für Bilder

Morgen beginnt die Kulturhauptstadt. Es ist Arschkalt. Das angekündigte Programm ist gut. Grönemeyer singt, ein Philharmonie-Orchester spielt. Es wird Schnee treiben. Über die Menschen, über die Sitze, über die Musiker. Nur hier und da in sackkalten Hallen wird vor Komödiantenbühnen kein Schnee auf die Mützen rieseln. Warum das Ganze?

Ich will kein Miesepeter sein. Aber ich kann mich so schlecht zurückhalten, wenn ich etwas so dumm finde, wie das hier, die Eröffnung der KH-Zwanzig10. Warum wird der Event nicht verschoben, wenn alle Zeichen auf Scheißwetter stehen? Jetzt, wenn man das noch rechtzeitig organisieren kann? Warum wird das nicht umgelegt in eine Halle? Und warum ist das Ganze überhaupt da draußen auf Zollverein und nicht wie versprochen in der Schalke-Arena?

Die Begründungen, die ich höre, sind alle gleich schlecht. Es heißt, die Arena sei zu teuer gewesen. Mann, Mann, dann hätte man ein wenig mehr Geld besorgen müssen, oder das Programm abspecken. Es heißt, ein wichtiger Spitzenverantwortlicher der Zwanzig10.GmbH habe sich mit dem WDR zerstritten, deswegen müsse das Ganze nun für das ZDF über die Bühne gerockt werden. Es geht um die Bilder. Für’s Fernsehen, heißt es. Es soll geil aussehen.

Bilder. Die Menschen morgen sollen also für Bilder frieren. Für’s Fernsehen frieren. Ich hoffe, jeder wird morgen dran denken, wenn ihm die Kälte durch die Schuhe kriecht, durch die Hose kriecht, bis an die Nieren kriecht.

Und wenn dann bei der Live-Übertragung zur Spitzensendezeit um 15:30 Uhr in einer Schnee-Böe die Haare der Moderatorin im Monitor verwehen. Wenn hinter ihr weniger Zuschauer im Eiswind ausharren, als im ZDF-Fernsehgarten. Ich hoffe dann werden die Bilder das erhoffte positive Signal ausstrahlen. Der Ruhrpott erstarrt im Eis. Geil.

Ich war mal vor Jahren bei der Aufzeichnung einer WDR-Show für die ARD im Bottroper Saalbau. Ich war ein Kind und saß

Goosen und die Prilblumen: dat Ruhrgebiet im Färnsehn

Man kommt sich immer mehr so vor, als hätten die Europäische Union oder die Weltbank oder Abu Dhabi Millionen bereit gestellt, um Horden von Ethnologen (Volkskundlern) ins Ruhr2010gebiet zu schicken, die uns jetzt staunend entdecken und mal so richtig durchleuchten.

Das fühlt sich eigentlich ganz schön an, muss ich gestehen. An die Wertschätzung des neuen GEO Specials oder des ADAC Reisemagazins haben wir uns ja schon gewöhnt, und täglich filtern ja auch die Ruhrbarone Artikel aus fernen Städten und Ländern über uns heraus. Das ist oft lustig zu lesen, vor allem, weil die Autoren häufig Abtrünnige sind, die es hier nicht gepackt haben und dann nach Hamburg gehen mussten.

Nachdem nun auch die aktuelle ADAC Motorwelt ihre entsprechende Titelstory hat („Ruhr 2010: Revier der Ideen“) und in der ZEIT seit Wochen eine sehr lesenswerte Reihe mit tollen Ruhrgebietssagen auf der Kinderseite läuft (zuletzt: „Emscher Neck und Emscher Nixe“; zuvor u.a. „Der Barbarazweig“ oder „Der Raubritter Joost“, was mich an den Heimatkundeunterricht in meiner Volksschule in Bochum-Riemke erinnert, als wir vom Riesen auf dem Tippelsberg erfuhren), nach all diesen putzigen Annäherungs- und Wertschätzungsversuchen also ist leider die Woche fast wieder um, in der das ARD-Morgenmagazin seine Reporter auf uns hetzt und hier mal untern Teppich kuckt.

Heute morgen (aber da schlafen Ruhrbarone noch) ging es zu Frank Goosen nach Bochum. Der Mann ist nicht nur ein Töfften, der dicke Glatzenmann hat auch erheblich abgenommen, so viel,

Ruhr2010-Eröffnung – gerade gut genug für das Nachtprogramm

Wenn ich diese entrückten Halbkindergesichter da oben auf dem Foto sehe, das die Ruhr2010 zur Ticketwerbung nutzt, muss ich an Enttäuschung denken. Die Art von Enttäuschung, die man sieht, wenn man einem Dreijährigen einen Schoko-Keks in die Hand drückt, diesen VOR dem ersten Bissen wieder wegnimmt und als Ersatz eine Stange Rhabarber spendiert. Das Gesicht nach dem ersten und einzigen Bissen in den Rhababer. Das ist Enttäuschung. Anstatt in der Schalke-Arena mit 60.000 Menschen und Live-Übertragung wird die Kulturhauptstadt am Samstag vor irgendwelchen Politikern auf Zollverein eröffnet. Die Bürger müssen draußen bleiben. Im Wetterbericht wird Schneefall angekündigt – es ist die Rede von einem Temperaturstutz in Bodenlose.

Ok, jetzt präsentiert uns die Ruhr2010 unser Stange Rhababer, eine Methadon-Fernsehübertragung. Es geht um eine "Glück Auf, RUHR.2010!"-Show im ZDF. Aufgezeichnet am Freitag um 19.30 Uhr, ausgestrahlt um 22.35 Uhr. Kurz vor Mitternacht ist die Nummer zu Ende. Statt im Hauptprogramm ein Hit in der Nische eines Rentnersenders. TOLL!! Wir dürfen noch Fotos machen – vorher, mit den wichtigen Menschen. Also mit Pleitgen und den ZDF-Schranzen. Das stand in einer Pressemitteilung der Ruhr2010.

Es werden noch begeisterungsfähige Publikumsstatisten gesucht. Hier klicken, wenn Sie dabei sein wollen.

Ich denke bei der Nummer an die alten Ankündigungen.

K2010 – Abgelehnte Projekte

Nicht alles, was bei der Kulturhauptstadt mitmachen darf, ist toll. Genauso wenig ist alles super, was die Manager der K2010 abgelehnt haben. Trotzdem: die eine oder andere Perle haben die offiziellen Kulturleute übersehen. Und genau darum geht es bei der Internetseite unprojekte2010.de. Hier werden alle abgelehnten Projekte gesammelt, um quasi in einer Trostrunde noch ein paar brauchbare Ideen herauszufiltern.

Die Nummer ist ganz einfach: Jede Menge Leute können ihre abstrusen oder brillanten Projekte auf der Seite dem breiten Publikum vorstellen, die keine Gnade vor der offiziellen K2010 gefunden haben. Ab dem 10. Januar darf dann das Publikum fünf Punke an die Projekte verteilen. Die fünf Vorhaben mit den meisten Punkten sollen dann im Herbst, September oder Oktober, in der Kneipe „banditen wie wir“ im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt werden.

Wir finden diese Idee sehr geil. Deswegen: Hingehen, mitstimmen.

Die abgelehnten Unprojekte werden in folgende Kategorien eingeteilt: