Schlagwort: Porsche

Für eine heile Welt – Porsche Day am Tag der Arbeit

Die Welt von Porsche ist die Welt im Kleinformat. Es gibt die Malocher, die ihr Leben für einen Sitz im Sportsessel opfern, es gibt die Typen, die ihren Arsch von Vati vergolden lassen. Es gibt Champagner, Bier und Streuselkuchen. Ein bisschen Porsche ist jeder. Glauben Sie uns. Wir haben es erlebt – auf dem weltgrößtem Porschetreffen in Dinslaken. Ein Erlebnisbericht von Herrn Schlange und Herrn Joswig.

„Hey!“ Ein kleiner, dicker Typ schmeißt sich Herrn Schlange und Herrn Joswig in den Weg. „Ihr könnt hier nicht durch. Falscher Eingang. Hier ist nur für Porschefahrer.“
Joswigs Halsschlagader pocht. Es ist heiß. Der erste Mai in Dinslaken ist ein herrlicher Tag. Joswig macht einen Ausfallschritt Richtung Ordner. Schlange greift ein.
„Nein, nein. Ist schon okay. Presse. Wir sind akkreditiert.“
„Oh, das ist was anderes.“
Der Securitymann lächelt die zwei Journalisten an. Joswig schnaubt. Schlange greift nach seinem rosafarbenen Poloshirt und zieht den wütenden Hitzkopf hinter sich her, wird beinahe von einem Porsche überfahren. Schöner Luxus-Tod.
Die Sonne brennt.

Fast einen Kilometer hatten sich die zwei Freunde zur Trabrennbahn geschleppt, zum „8. internationalen Club-Day der Porschefreunde“. Die Stadt ist zugeparkt. Golf, Corsa, Fiesta und Corolla säumen die Straßenränder.
Direkt vor dem Eingang hatte den beiden ein Möchtegern-Porsche, ein silberner Mazda, den Parkplatz geklaut.
Ein Wagen scherrte aus. Knapp hundert Meter entfernt. Joswig setzte den Blinker und drückte das Gaspedal durch, fuhr dabei fast einen kleinen Jungen im Rollstuhl über den Haufen, der von seinen Eltern zum Porschetreffen geschoben wurde. Zentimeter vor dem Ziel zog der Mazda in die Lücke.
„Ey!“
Der Typ ließ die Scheibe runter. „Was denn? Das ist meine Seite.“
Joswigs Finger krallten sich in das Lenkrad seines Berlingos, währenddessen splittern in Berlin die ersten Schaufenster.
Ein zehnjähriger Rotzlöffel in dem Wagen hinter dem Prekariats-Porsche schiebt seinen Kopf durchs Seitenfenster.
„Ha ha!“ Das Nelson-Imitat gibt Joswig den Rest. Simpsons um diese Uhrzeit? Seine Zähne knirschen. Doch die Reporter halten still.
Der Parkplatz-Dieb hat ein beeindruckendes Kreuz, auch sein Beifahrer ist eine Kante. Memo für den Rückweg: In die Lüftung pissen.

——————————-ZUR FOTOSTRECKE——————————-

Die Arena der 140 Millionen

Fast 6000 Menschen tummeln sich auf der Trabrennbahn. Schlange und Joswig kochen. Der feine Sand wabbert in dicken Wolken über der Rennstrecke. Ozon, Feinstaub und Bierdurst liegen in der Luft.

Über 2400 Wagen sind geparkt, 140 Millionen Euro im Rondell. Die Wirtschaftskrise blieb in der Waschanlage. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Besucher picknicken und sonnen sich, Präsentationsstunde und Ersatzteilhandel. Baseballkappen, mit den Logos berühmter Automarken, werden verkauft: Mercedes, VW, Bentley, BMW je acht, die Porschekappe zehn Euro.

Joswig lockert seinen türkisen Schal über dem rosa Shirt – original C&A, Schlanges Brust schwillt unter seinem weißen Lacoste Hemd – made in Abu Dhabi.