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Paralympics X: Sind die Paralympics die moralischeren Spiele?

Die Paralympics sind Geschichte und schon jetzt, vier Tage nach der Schlussfeier, ist kaum noch etwas von Ihnen zu hören. Die Sportler sind wieder zu Hause und die meisten tagesaktuellen Medien haben sich – wer will es Ihnen verdenken – neuen Themen zugewandt. Aber weil wir hier bei den Ruhrbaronen unabhängiger arbeiten könnnen und ich nach drei Mal zwölf Stunden Schlaf auch langsam wieder auf dem Damm bin, gibt es noch einmal ein abschließendes, exklusives Interview mit dem Sportpädagogen Professor Jürgen Funke-Wieneke von der Uni Hamburg. Und natürlich musste ich diesen Eintrag auch noch nachliefern, um das Maskottchen-Foto zu bringen.

Paralympics IX: Sport, Politik, Abschied

Das ist die Lounge des Nicklaus North Golf Club zu Whistler. Hier haben sich die deutschen eingemietet mit ihrem deutschen Haus, unter anderem, um sportpolitisch für sich zu werben. Im kommenden Sommer entscheidet sich, wer die Winterspiele 2018 bekommt. Frankreich, Korea oder Deutschland (München). Auch wohl deshalb ist das Deutsche Haus Paralympics erstmals in etwa gleicher Größenordnung und Anlage hergerichtet, wie das Deutsche Haus während der Olympischen Spiele. Am Freitag war NPC-Abend im deutschen Haus zu Vancouver. Die Deutschen hatten alle anderen 44 nationalen Vertretungen bei diesen Paralympics eingeladen, in den Nicklaus North Golf Club zu kommen und gemeinsam zu feiern. Ganz so leer wie auf dem Foto war es am Ende nicht, aber wenn ich richtig gezählt habe, kamen lediglich Vertreter aus genau fünf Nationen: Einige Österreicher und Griechen sowie Gäste aus Australien, Bosnien-Herzegowina und der Mongolei.

Vielleicht hätte sich der ein oder andere da ein wenig mehr erhofft. Gerne würde ich hier aktuell die sportpolitischen Bemühungen der Deutschen während der Paralympics anreißen. Gesprochen habe ich unter anderem Michael Vesper und Willy Bogner.

Paralympics VIII: Die strammen Waden aus dem Allgäu

Gestern war Gold. Dreimal. Und dazu sogar noch einmal Silber und zweimal Bronze. Das hatte ich heute morgen hier schon einmal angedeutet. Einmal Gold hat Willi Brem geholt, ein blinder Biathlet und Langläufer aus dem Allgäu, der seit acht Jahren einen treuen Fanclub mit dabei hat. Stramme Waden, Lederhosen, Dirndl – als die Jungs und Mädchen reinkamen ins deutsche Haus, dachte ich zunächst, die gehörten zur Bewerbungsgesellschaft München 2018. Naja, ich wurde eines besseren belehrt. Mein kurzer Text über Willi Brem und seine elf lustigen Bayern:

Paralympics VII: Vancouver, Whistler und Proteste in der Grauzone

Heute gibts – nach einem Tag Pause – Meldung aus Whistler und Vancouver. Sechs Medaillen, im ewigen Medaillenspiegel der Winter-Paralympics an Norwegen vorbeigezogen, bester Tag in der deutschen Winter-Paralympics-Geschichte. Ok, das soll reichen. Mehr gibts sicherlich auf einschlägigen Agenturverwurstungs-Portalen. Stattdessen gibts von mir weiter unten eine Geschichte zu einem der großen Probleme der Paralympics: Der Einteilung in Schadensklasen. Vorab die grobe Beschreibung eines typischen Tages in Whistler für mich freien Journalisten:

Paralympics VI: Eine schrecklich nette Familie

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Wer hätte es gedacht: Es wird stressig bei den Paralympics. Vier Stunden Schlaf pro Nacht und trotzdem häufen sich die ausstehenden Geschichten langsam an. Deshalb gibt es unten als Update nur schnell eine Geschichte, die ich unter anderem für Zeit-Online geschrieben habe. Zum Eindruck, den ich nach drei Tagen von den Paralympics gewonnen habe:

Die Winter-Paralympics in Kanada wollen sich offiziell nicht mit den Olympischen Spielen messen. Trotzdem betonen sie bei jeder Gelegenheit, wie akzeptiert, erfolgreich und gleichberechtigt ihre Veranstaltung mittlerweile sei. Dabei hätten sie das gar nicht nötig.

In Whistler treffen sich derzeit nicht nur die 500 besten behinderten Wintersportler der Welt, sondern – wie jedes Jahr um diese Zeit – auch jede Menge gut betuchte Touristen. Denn in Whistler gibt es nicht nur tolle Pisten, sondern auch teure Hotels, teures Essen und teure Souvenirs. Wer etwas auf sich und seine Geldbörse hält, fährt nach Whistler in den Schnee. Besucher zahlen im größten Wintersportgebiet Nordamerikas für einen Tagesskipass fast 100 Dollar. Wer in einem der vielen edlen Hotels eincheckt, muss nochmal das Dreifache für eine Übernachtung rechnen. Und Bier und Burger haben selbst für ein Skigebiet gesalzene Preise.

Paralympics V: Gold für eine blinde Biathletin auf der Suche nach Vertrauen

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Verena Bentele steht dort in ihrer dünnen Wettkampfkleidung, ohne Handschuhe, ohne Mütze. Sie hat mit drei Fernsehsendern gesprochen und mit dem Radio. Jetzt wollen auch noch Nachwuchsreporter von der Paralympics-Zeitung ein Zitat bekommen. Aber Verena Bentele friert. Die blinde Biathletin hat ihr achtes Paralympics-Gold gewonnen. Sie soll der deutsche Star dieser Spiele werden. Doch wenn sie krank wird, wird daraus nichts. Und deshalb ist jetzt erstmal Schluss mit Interviews.

Am Abend, nach der Medaillenvergabe auf der Medal Plaza in Whistler, ist der Andrang noch größer. Im deutschen Haus wird Bentele mit Jubel empfangen und obwohl aus Deutschland nur etwa ein Dutzend Medien bei den Paralympics vor Ort sind, ist der Andrang enorm: Blitzlicht, eine kurze Pressekonferenz, wieder Blitzlicht. Eine Unterschrift, ein weiteres Foto, noch eine Gesprächsrunde. Verena Bentele wird herumgereicht.

Schließlich geht es in den Nebenraum zum ZDF-Interview. Wieder hat jemand noch Fragen, die er nicht stellen darf. Diesmal ist es n-tv. In Whistler reißen sich an diesem ersten Wochenende alle um Verena Bentele. Ihre Geschichte ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt gehört. Dabei dreht sich Verena Benteles Geschichte gar nicht um Verena Bentele allein. Sie dreht sich ganz entscheidend auch um Thomas Friedrich. Der ist ihr Begleitläufer und vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bentele bei diesen Spielen überhaupt am Start steht.

Paralympics IV: Wie ich wegen einer Flasche Coke Diète fast die Eröffnung der Eröffnungsfeier verpasste

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Jaja, tatsächlich habe ich für 0,591 Liter Cola die ersten Minuten der Eröffnungsfeier verpasst – und beinahe am Ende auch noch das Entzünden der olympischen Flamme. Ich bin in Whistler angekommen, es ist teuer und ich seit mittlerweile 30 Stunden auf den Beinen. Gleich geht’s ein paar Stunden schlafen, deshalb vorerst nur ein kurzer Einblick mit einigen Bildern von der fast dreistündigen Eröffnungsfeier der Paralympics. Und der Aussicht auf mehr in den kommenden Tagen.

Zehneinhalb Stunden Flug, eine komplizierte Akkreditierung und zwei Rush-Hours hat es bis zum BC Stadium in Vancouver Downtown gedauert. Eine halbe Stunde vor Beginn saß ich durstig und hungrig auf meinem Platz. Dort musste ich feststellen, dass W-Lan in Kanada offenbar wie befürchtet überall extra kostet. Deshalb auch erst jetzt der Beitrag, vom Hotel aus, 80 Dollar für sieben Tage Internet.

Paralympics III: “Nicht die soziale Weihnachtsgans”

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Beginnen wir mit Frank Höfle, dem deutschen Fahnenträger bei der heutigen Eröffnungsfeier. Frank Höfle ist stark sehbehindert und immer wenn er mit dem Zug fahren will, spürt er seine Behinderung am stärksten. Höfle ist nicht vollkommen blind, aber doch so eingeschränkt, dass er kaum eine Chance hat, Fahrpläne, Bildschirme oder Hinweisschilder zu entziffern. Dann fragt Höfle nach und bekommt meist vernünftige Antworten. Er ist es gewohnt, sich helfen zu lassen – ob zu Hause, im Alltag oder bei der Arbeit.

Wie fühlen sich Behindertensportler, wenn Sie medaillenbehangen von internationalen Einsätzen zurückkehren – und dann zu Hause wieder mit ihren alltäglichen Problemen, ihrer Sehschwäche oder Lähmung konfrontiert werden? Ist der Sport eine kleine, heile Oase und ist es schwerer, als erfolgreicher Athlet Hilfe anzunehmen? Das wollte ich wissen – und bin noch vor meinem Abflug nach Vancouver gleich mal ganz schön auf die Schnauze gefallen. Denn mein erster Gesprächspartner war Jens Jäger, der Mannschaftsführer der deutschen Curler. Und der wollte diese Fragen “nach den armen Behinderten und ihrem schweren Alltag” gar nicht gern hören. Dennoch ist etwas herausgekommen: Fragen müssen macht demütig. Und: Nichtbehinderte können einiges von den Paralympics-Teilnehmern lernen.

Paralympics II: Von älteren Herren und harntreibenden Mitteln

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Nach der Einführung “Paralympics I” gibt es nun bereits meinen ersten Beitrag im Vorfeld der Spiele, von denen ich hier vermutlich täglich berichten werde und die am morgigen Freitagabend um 18 Uhr Ortszeit (Samstagnacht, 3 Uhr MEZ) beginnen. Es geht um Doping im Behindertensport und um die Probleme, die sich hiermit ergeben. Dopen auch behinderte Sportler? Natürlich ja. Vermutlich aber weniger, als nichtbehinderte Hochleistungssportler. Dafür gibt es für Behindertensportler weitere Möglichkeiten, die Chancen illegal zu verbessern. Der Versuch einer Annäherung.

Vor acht Jahren war der Schock groß, als bei den Winterspielen in Salt-Lake-City ein deutscher Langläufer positiv auf ein Steroid getestet wurde. „Deutscher Gold-Läufer wegen Doping suspendiert“ titelte Spiegel-Online, beim Kölner Stadt-Anzeiger war „Paralympics-Star Thomas Oelsner positiv gestet“. Der fünffache Paralympics-Sieger ist der bis heute einzige Behindertensportler, der bei Winter-Paralympics positiv getestet wurde.