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Keiner schreibt mehr über Jazz

Moerser Jazzfestival: Auf dem Kulturpolitischen Forum herrschte weitgehend Einigkeit zwischen den Experten. Das Thema: Keiner redet über Jazz – liegt es an den Medien? Auf dem Podium: Ralf Dombrowski (Spiegel Online), Stefan Hentz (Die Zeit), Wolf Kampmann (Jazz thing), Wolfgang Rauscher (Jazzzeit) und Martin Woltersdorf (Kölner Stadtanzeiger). Die Ruhrbarone dokumentieren die Ergebnisse der Debatte:

  • Es gibt unglaublich viele gute Jazzmusiker. Es gibt auch immer jüngere Jazzmusiker auf hohem Niveau, aber ein überaltertes Jazzpublikum. Der Jazz hat im Verborgenen eine spannende Szene entwickelt, die auf zu wenig Resonanz trifft. Das Problem dabei: Die gesellschaftliche Relevanz ist spätestens seit der Jahrtausendwende verloren gegangen. Es blüht aber ein Nachwuchs, der mit dem Begriff Jazz nicht mehr adäquat abgedeckt ist. Viele Musikrichtungen, die selbst kein Jazz sind, bedienen sich bei Mutter Jazz.

Moers 2008 war auch nicht anders: Die Szene lebt

Ein Gast-Kommentar von Stefan Pieper

Ist der Jazz wirklich ein therapiebedürftiger Patient? An diesem sonnigen Ort beim Moers-Festival betreibt ein gewisser Prozentsatz der Festivalbesucher tatsächlich Diskurse – ständig aufs Neue angeregt durch die hier so manigfaltig offerierten Momente von ästhetischer Faszination in den vielen Konzerten und Live-Projekten. Der Jazz als solcher ist dabei zur Minderheiten-Sache geworden – vor allem in seiner historisch strengen Genre-Definition. Entspricht also der vibrierende Kosmos der Moerser Zeltstadt der heutigen kulturellen und gesellschaftichen Realität?

Moers 2008: Der Weg zum Publikumsliebling

Die Ttukunak-Schwestern, gezeichnet von Ralf Wasselowski

Die Ttukunak-Schwestern, gezeichnet von Ruhrbaron Ralf Wasselowski

Auf der großen Bühne mit und ohne John Zorn, im "Concert in the Dark", zur Untermalung
der Pressekonferenz, als Aufrufjingle zwischen den Darbietungen: Die Schwestern Sara
und Maika Gomez waren auf dem Festval Moers omnipräsent.
Und avancierten durch ihre perkussive Musik und ihre herzliche Art zum Publikumsliebling.
Zu Recht umarmten die beiden spanischen Schwestern einander nach jedem Auftritt.

Moers 2008: Holzhackerinnen schlagen Bohlen

Der erste Tag bot neues Bemühen: Ringen um ewig Neues das ist Moers eh. Schon immer gewesen.

Und diesmal? Konzertant als Einstieg das European Jazz Orchestra. Die musikFabrik und Yannis Kyriakides kombinierten Kompositorisches und Improvisiertes zu einer spannenden Form.

Ttukunak: Zwei Mädels kloppten auf Bohlen vom Baumarkt, als Klängkörper auf Tapeziertischständer gelegt. John Zorn war auch kurz da. Die Holzhackerinnen holte er in einer Zwei-Stück-Kolloboration zu sich auf die Bühne. Damit schuf das Spontan-Trio den musikalischen Höhepunkt des ersten Tages.

Papst pupst

… doch Gospel groovt nicht immer

Der Gospel von den Campbell Brothers konnte die Hälfte der Spielzeit begeistern. Für die andere Hälfte wäre ein fester Glaube an Gott, Gospel und Guitarren nötig gewesen.