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Paralympics VIII: Die strammen Waden aus dem Allgäu

Gestern war Gold. Dreimal. Und dazu sogar noch einmal Silber und zweimal Bronze. Das hatte ich heute morgen hier schon einmal angedeutet. Einmal Gold hat Willi Brem geholt, ein blinder Biathlet und Langläufer aus dem Allgäu, der seit acht Jahren einen treuen Fanclub mit dabei hat. Stramme Waden, Lederhosen, Dirndl – als die Jungs und Mädchen reinkamen ins deutsche Haus, dachte ich zunächst, die gehörten zur Bewerbungsgesellschaft München 2018. Naja, ich wurde eines besseren belehrt. Mein kurzer Text über Willi Brem und seine elf lustigen Bayern:

Paralympics V: Gold für eine blinde Biathletin auf der Suche nach Vertrauen

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Verena Bentele steht dort in ihrer dünnen Wettkampfkleidung, ohne Handschuhe, ohne Mütze. Sie hat mit drei Fernsehsendern gesprochen und mit dem Radio. Jetzt wollen auch noch Nachwuchsreporter von der Paralympics-Zeitung ein Zitat bekommen. Aber Verena Bentele friert. Die blinde Biathletin hat ihr achtes Paralympics-Gold gewonnen. Sie soll der deutsche Star dieser Spiele werden. Doch wenn sie krank wird, wird daraus nichts. Und deshalb ist jetzt erstmal Schluss mit Interviews.

Am Abend, nach der Medaillenvergabe auf der Medal Plaza in Whistler, ist der Andrang noch größer. Im deutschen Haus wird Bentele mit Jubel empfangen und obwohl aus Deutschland nur etwa ein Dutzend Medien bei den Paralympics vor Ort sind, ist der Andrang enorm: Blitzlicht, eine kurze Pressekonferenz, wieder Blitzlicht. Eine Unterschrift, ein weiteres Foto, noch eine Gesprächsrunde. Verena Bentele wird herumgereicht.

Schließlich geht es in den Nebenraum zum ZDF-Interview. Wieder hat jemand noch Fragen, die er nicht stellen darf. Diesmal ist es n-tv. In Whistler reißen sich an diesem ersten Wochenende alle um Verena Bentele. Ihre Geschichte ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt gehört. Dabei dreht sich Verena Benteles Geschichte gar nicht um Verena Bentele allein. Sie dreht sich ganz entscheidend auch um Thomas Friedrich. Der ist ihr Begleitläufer und vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bentele bei diesen Spielen überhaupt am Start steht.

Doping-Verdacht ohne Folgen

Heute gehen Meldungen durch die Nachrichten, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur laut Kommunikationsdirektor Mark Adams 30 Sportler an der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver hindern will. Sie seien im Vorfeld positiv gestestet worden. Angeblich soll es gegen 20 Uhr MESZ auf einer Pressekonferenz Neuigkeiten geben. Auch sollen in Zukunft Listen erstellt werden, auf denen Athleten die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer angeben müssen, damit das dopende Umfeld besser verfolgt werden kann. Hat das IOC in Sachen Doping dazugelernt? Vielleicht. Betrachtet man die Doping-Anschuldigungen der letzten Tage, vor allem durch Recherchen von ARD und ZDF ans Tageslicht geholt, kann aber auch ein anderer Eindruck entstehen. Denn obwohl sich die Ermittlungen der Turiner Winterspiele bis heute ziehen und tausende Seiten Ermittlungsakten zusammen gekommen sind – Sportler werden offenbar kaum bestraft.

30 italienische Polizisten umstellen im Dunkeln zwei Häuser österreichischer Sportler, Räume werden durchsucht, Säcke voller Beweismaterial abtransportiert. Die Szenen aus San Sicario und Pragelato, wie aus einem Kriminalfilm, immer wieder werden sie im Fernsehen gezeigt. Die Botschaft: Hier wird aufgeräumt, Polizei und Sport arbeiten zusammen, die Betrüger werden bestraft.

Heute, knapp vier Jahre nach der spektakulären Turiner Doping-Razzia stehen in Wien tausende Seiten Ermittlungsakten im Schrank: Zur Blutbank Humanplasma und zum österreichisch-europäischen Doping-Geflecht. Dutzende Namen von Sportler sind an die Öffentlichkeit gekommen. Es gibt Geständnisse, eingeleitete und eingestellte Verfahren. Und es gibt, noch einmal verschärft durch die Doping-Dokumentationen von ARD und ZDF (in den nächsten Tagen noch in den Mediatheken zu finden), schwere Anschuldigungen gerade auch gegen erfolgreiche deutsche Wintersportler.

Der Rückrunde

Wenn der Winter fast vorbei ist
und der Frühling nicht mehr weit,
weiss ich, das es an der Zeit ist,
denn die Liga ist bereit.

Wenn die Schanzen fast schon grün sind
und die Pisten spieln ins braun,
sind wir endlich nicht mehr schneeblind,
dürfen Fußballspiele schaun.

Kein Geklacker der Gewehre,
auch kein Kufenrumpeln stört,
Eiskanal wird wieder Röhre
weil die Sonne Eis verdörrt.

Schlimmer als das Schneeverwehte
ist der Handballmarathon,
ein Geraufe und Geknete,
Blut, Schweiß, Tränen auf Beton.

Wenn der Winter fast verkrochen,
helle Tage werden lang,
Pause nun für Behles Jochen
und auch Uwe Müssiggang.

Foto: ruhrbarone.de…