Tafel fordert konzertierte sozialpolitische Aktion

Deutschkurse in Wattenscheid Foto: Tafel Wattenscheid


Die Wattenscheider Tafel hat eine Erklärung verfasst und fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, eine bundesweite sozialpolitische konzertierte Aktion zu moderieren.

Erklärung der Wattenscheider Tafel
(Beschlossen auf der Vorstandssitzung am 3. März 2018)

„Gemeinsam ran an die Wirklichkeit!!!“

Die Wattenscheider Tafel hat bereits im Jahr 2015 öffentlich darauf hingewiesen (WAZ, 13.2.2015), welche massiven Herausforderungen sich als direkte Folgen der deutschen Sozialpolitik und der Flüchtlingspolitik erschwerend auf die Tafelarbeit in ganz Deutschland auswirken.

Angesichts der aktuellen, landesweiten Berichterstattung über die Essener Tafel, ruft die Wattenscheider Tafel dazu auf, die sozialen Zustände in Deutschland genau zu analysieren, um die verursachenden Faktoren von Armut und die daraus resultierenden Folgen zu erkennen. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern, Gemeinden und ehrenamtlichen Institutionen sollen im Rahmen einer KONZERTIERTEN SOZIALPOLITISCHEN AKTION gemeinsame Positionen gefunden und umgesetzt werden, um die soziale Lage in Deutschland zu verbessern. Die Bundeskanzlerin sollte dazu einladen und den Prozess moderieren.

Unser Selbstverständnis

Es ist die Aufgabe des Staates, das Leben zu schützen, Leid und Not zu mindern und die Würde des Menschen über alle religiösen, politischen und weltanschaulichen Ansichten hinaus anzuerkennen. Das Erreichen dieses Zieles unterstützen die Tafeln ehrenamtlich.

! Unsere Türen bleiben offen – allen wird geholfen !

Wir lassen niemanden vor der Tür stehen. Armut kann man auch mit staatlichen Mitteln nie ganz abschaffen, aber mit Unterstützungssystemen lindern. Die Wattenscheider Tafel engagiert sich ehrenamtlich und hilft allen Menschen die Hilfe benötigen, ungeachtet der Herkunft, des Lebensalters, des Geschlechts, der Staatsangehörigkeit und Religion, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dabei versteht sich die Tafel als freiwilliger Dienstleister, neben den staatlichen Strukturen.

Die Wattenscheider Tafel erwartet von den Menschen, die die Hilfe in Anspruch nehmen, lediglich, dass sie sich gegenüber den Hilfsbereiten (den Mitarbeitern der Tafel) sowie gegenüber allen anderen Hilfesuchenden (Tafelkunden), angemessen respektvoll verhalten. Jeder der kommt, soll seine Würde behalten können.

Die Tafel leistet mit ihrer Arbeit Hilfe für die Integration; aber Integration darf keine Einbahnstrasse sein. Integration ist Geben und Nehmen. Die Wattenscheider Tafel ist davon überzeugt, dass Sprache der Schlüssel zur zwischenmenschlichen und kulturellen Kommunikation ist. Aus diesem Grund bietet die Wattenscheider Tafel seit dem Jahr 2005 Sprachkurse und Integrationskurse an.

! Tafel ist sozialer Bezugspunkt !

Konkret geht es deutschlandweit um circa 1,5 Mio. Menschen, die die Angebote (hauptsächlich Nahrungsmittel) der Tafeln nutzen. Die Wattenscheider Tafel hilf wöchentlich bis zu 13.000 Menschen.
Es ist keine Schande, dass den ärmsten in Deutschland auf diese Weise geholfen wird. Im Gegenteil: es zeichnet Deutschland – die deutsche Gesellschaft – aus, und es unterscheidet uns von vielen anderen Ländern auf der Welt, in denen bedürftige und arme Menschen einfach verhungern und keine Hilfe bekommen. Hinzu kommt, dass die Tafeln sich immer mehr zu sozialer Bezugspunkten entwickeln. Für Flüchtlinge und Migranten können die Tafeln ein Integrationspunkt sein. Das erfordert viel Arbeit und es bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung.

! Die Tafel arbeitet nicht gegen, sondern für die Menschen !

Die aktuelle Diskussion um Maßnahmen der Essener Tafel zeigt uns, welche immensen Herausforderungen vor uns liegen. Eine Lösung kann und darf nicht darin liegen, etwas gegen Flüchtlinge zu tun, sondern darin, die Situation wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Die Lösung kann nur in einer mutigen sozial- aber auch steuerpolitischen Weiterentwicklung unserer Strukturen liegen; eingebettet in eine Atmosphäre der gegenseitigen Offenheit und Toleranz. Die Tafeln sind augenblicklich der Lückenbüßer dafür, dass staatliche Leistungen nicht ausreichen und die Strukturen intransparent sind.

Deutschland soll ein Land der Mitmenschlichkeit sein und jedem (auch den Flüchtlingen) soll geholfen werden, wenn er bedürftig ist! Die Lebensleistungen der Menschen sollen vom Staat anerkannt werden (Steuer- und Rentensysteme sind dringend reformbedürftig) und ihre Lebenslagen müssen im Mittelpunkt der Politik stehen.

Trotz guter Rahmenbedingungen sind ca 2,5 Millionen Menschen in Deutschland auf staatliche Transferleistungen angewiesen. Es sollte individuelle “personenbezogene Hilfen” geben, statt “Alimentierung”. Die meisten Betroffenen wissen oft nicht, welche unterstützenden Angebote es durch den Sozialstaat gibt. Hier bedarf es Lotsen, die die bedürftigen begleiten. Die Antragsverfahren sind oft kompliziert und etwaige Zuständigkeiten intransparent. Ziel muss sein, weniger Verwaltung und weniger Bürokratie zu erzeugen.

32 Kommentare

Wenn ich mich richtig erinnere, war die Grundidee von H4 doch recht einfach. Hilfe zur Selbsthilfe, fördern und fordern. Pauschalbeträge und Eigenverantwortung, statt Bittsteller für jedes Gut beim Amt.
Nur zeigte sich, dass das Leben komplexer ist, Einfälle berücksichtigt werden müssen, und Menschen eine gefühlte Benachteiligung gerichtlich klären ließen.
Jetzt gibt es viele Regelungen.

Gerechtigkeit und Transparenz entsteht nur durch einen klaren Anspruch an eine neutrale Instanz. Nicht durch den Bezug von Leistungen durch irgendwelche private Gönner, die nach der eigenen Agende Extra-Einkommen an spezielle Gruppen und in bestimmten Regionen verteilen.
Hilfe, soziale Initiative ist toll, sie kann aber nur ein Extra sein.
Dass ich Lebensmittelspenden nicht sinnvoll finde, habe ich bereits mehrfach beschrieben.

Brauchen wir noch einen Arbeitskreis? Wie viele Integrations-/ irgendwas Beafutragte/Minister haben wir eigentlich schon?
Ich bin auch für dezentrale Strukturen. Berlin weiß nicht, was im Sauerland sinnvoll sein könnte.

Angebote für Qualifikationen, Hausaufgabenhilfen etc. sind super. Nur sollten sie eben nicht für bestimmte Gruppen sein, sondern an objektiven Kriterien gemessen werden.
Wir haben auch viele Menschen, die hier schon lange wohnen und große Probleme mit der deutschen Sprache.

Dann bin ich auch der Meinung, dass es auf der Dauer nicht sinnvoll sein kann, wenn man das Leben bis Mitte 35 bei den Eltern verbringt und danach auf Vater Staat hofft, bevor es dann in die Rente geht.

Der Fokus muss auf die Förderung der Eigeninitiative liegen. Sozialleistungen dürfen für Menschen im arbeitsfähigen Zustand kein Dauerzustand sein.

@ ke #1

Zitat ke: "Dann bin ich auch der Meinung, dass es auf der Dauer nicht sinnvoll sein kann, wenn man das Leben bis Mitte 35 bei den Eltern verbringt und danach auf Vater Staat hofft, bevor es dann in die Rente geht."

Was sind das denn für weltfremde Vorstellungen von "Hartz IV"-Empfängern? Zuviel rtl geschaut?

Hier nur mal eine Gruppe, die Sie wohl offensichtlich nicht auf dem Schirm haben:

"Wovon Künstler leben (müssen)

… "Ein Stundenlohn von 1,54 Euro"

Astrid Vehstedt ist Vorstandsvorsitzende vom Landesverband der Schriftsteller in Berlin. Sie ist selbst Autorin, kennt die Situation aus erster Hand:

"Nach den Zahlen, die ich zur Verfügung habe, können überhaupt nur 5 Prozent der Autoren von ihren Büchern leben. Ich hab' auch noch eine andere Zahl, wenn man 3000 Bücher in zwei Jahren verkauft, dann hat man einen Stundenlohn von 1,54 Euro."

Schriftsteller arbeiten in Fabriken, als Taxifahrer, Kellner oder im Baumarkt an der Kasse. Wolfgang Herrndorf war bei der Post, Ian Rankin Steuereintreiber, Sekretär und Schweinehirte …

… Einige erhalten, wie Lorcan O’Byrne, zusätzliche Unterstützung: von der Familie, vom Partner oder vom Jobcenter …"

http://www.deutschlandfunkkultur.de/kein-mindestlohn-in-der-kreativbranche-wovon-kuenstler.976.de.html?dram:article_id=397874

@2 Sebastian:
Selbständigkeit ohne Markt führt zu geringen Stundenlöhnen und danach meistens in die Pleite.
Die Bestverdienerin der Schriftsteller-Branche (?) wird auf 770 Mio EUR geschätzt.
https://www.vermoegenmagazin.de/j-k-rowling-vermoegen/

Guy Laliberté ist Milliardär auf Basis eines Zirkus'.!!!!!!!
Wirklich kreative Künstler verdienen sehr gut, wenn sie einen Markt finden.

Wenn nicht, spricht doch nichts dagegen von der Berufung ohne Lohn zu einem Beruf zu wechseln. Die Berufung kann dann in der Freizeit ausgeübt werden.

Ich hatte heute einen Bericht über die heute ewig andauernde Pubertät in Europa gehört. Ein Grund wurde auch darin gesehen, dass viele Jugendliche/Erwachsene nie selber Verantwortung tragen, weil Eltern da sind. Später wird bei jeder Kleinigkeit nach dem Staat als Mega-Dienstleister geschrien.
Motto: Wenn die Kids nicht "funktionieren", sind es die Kindergärtner/Lehrer etc.

@ ke #3

Zitat ke: "Wirklich kreative Künstler verdienen sehr gut, wenn sie einen Markt finden."

so wie "Vincent Van Gogh"?

der hat Zeit seines Lebens am Hungertuch genagt, und wurde nur von seinem Bruder Theo unterstützt.

Das Geld mit "Vincent Van Gogh" haben dann andere verdient, das finden Sie wahrscheinlich "normal, weil Markt"

womit verdienen Sie eigentlich Ihr Geld? Oder haben Sie geerbt?

Armut in Deutschland hat doch nix damit zu tun, dass Kids länger bei den Eltern sind. Sie speist sich aus skandalös niedrigen Löhnen und Renten, sowie fehlenden Arbeitsplätzen. Alles andere ist doch die bekannte "Haltet-den-Dieb" Methode

@5 Thomas Weigle:
Natürlich haben wir in vielen Bereichen für Vollzeit Jobs ein zu geringes Lohnniveau für die hiesigen Preise.

Wohnen, Konsum, Energie sind aber auch Bereiche, in denen der Staat durch Auflagen, Gebühren und Steuern so richtig zuschlägt und deshalb in diesen Bereichen ein klarer Mitverursacher von einem niedrigeren Lebensstandard ist.

Mein Lieblingsthema in diesem Bereich sind die Stromkosten, in denen die Windräder der Bauern im Norden, und die Solardächer im Süden durch die Mieter in den alten Wohnungen finanziert werden.

Lieber Ke, @1
da haben Sie was falsch in Erinnerung, H4 ist eingeführt worden – Originalzitat G. Schröder – um "Missbrauch zu verhindern"! Das war ein wunderbarer rhetorischer Kniff: Da natürlich alle gegen Missbrauch sind und fest davon überzeugt das sie selbst niemals… (außer vielleicht bei der Steuererklärung, aber das ist ja was gaaanz anderes) muss man natürlich auch kein Mitleid mehr haben mit den Unglücklichen, die nun von H4 leben müssen, bzw. "am Missbrauch gehindert werden".
Herr Sch. klopft sich noch heute selbst auf die Schulter, im festen Glauben, dass er der Urheber des neuen deutschen "Jobwunders" ist.
Und wer sollte sonst was ändern? Die Grünen haben andere Prioritäten und wenn man die neuesten Kommentare zur gegenwärtigen Affaire um die Tafel Essen liest, könnte man meinen, sie hätten damit gar nix zu tun gehabt. Die sind anscheinend eines morgens aufgewacht und zack! hatte der Schröder ein neues Gesetz gemacht.
FDP und CDU haben natürlich auch nix damit zu tun, sie haben das Gesetzt ja nicht gemacht, nur übernommen… und sie können ja schließlich nicht linker sein als die SPD.
Allerding hat sich vor ein paar Monaten Frau Nahles mal wieder zum Thema geäußert: Sie hatte die Idee, die Heizkosten nicht mehr in voller Höhe zu übernehmen, sondern zu "pauschalisieren" um – was wohl? – Missbrauch zu vereiteln! Also kann man 1. davon ausgehen, dass mit "pauschalisieren" selbstverständlich "kürzen" gemeint ist und 2. niemand groß was dagegen tun, weil es ja nur um Missbrauch geht.

Niemand? Was ist mit der AfD? Die sorgt sich, wie man hört, sehr um den gemeinen Hartzer, sofern er einen deutschen Pass hat, versteht sich. Da aber Armut den Menschen entgegen romantischer Vorstellungen nicht edler macht, wird das möglicherweise Hartzer mir deutschem Pass eher wenig interessieren.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, ich finde das brandgefährlich.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich halte die Mitarbeiter der Tafel Essen NICHT für rassistisch. Ich halte sie für überfordert und ungeschickt, ihre Nöte öffentlich zu machen.

@ Tafel Wattenscheid

Chapeau!!!Respekt!!! Toll.!!!

@ke

Ihre These zu den Gründen der "jugendlichen Pubertät in Europa" ist vollkommener Unsinn.

Die Jugend – insbesondere Männer -wohnen in Deutschland im Schnitt bis zum 25.LJ, in Südeuropa zum Teil sogar bis über das 30.LJ hinaus bei den Eltern.

Die Gründe sind ganz einfach- weder während der Berufsausbildung noch dann, wenn man wie in südeuropäischen Staaten, in denen die Jugendarbeitslodigkeit selbst für besser Qualifizierte zT.bei über 40 % liegt, gar keine Arbeit hat, kann man sich einen eigenen Haudhalt leisten.
Das ist – können Sie in allen entsprechenden Studien nachlesen- sind die Hauptgründe für den langen Aufenthalt im "Hotel Mama".

Auch Ihre Aussagen zum materiellen Erfolg bzw.Nichterfolg von Künstlern sind gelinde gesagt eine Frechheit.
Zahllose hochqualifizierte Schauspieler oder auch Musiker leben in prekären Verhältnissen, müssen mit befristeten Honorar-
oder Künstlerverträgen zufrieden sein, Musiker spielen in Clubs inzwischen immer häufiger für den "Hut" statt für angemessene Festgage, bei kulturellen Events oder wenn es politisch wird- bspw gegen Rechts" –
wird schon geradezu erwartet, dass sie umsonst auftreten, was auch viele tun.

Nebenbei-in Amerika treten sehr gute Jazzmusiker, die hierzulande auch Clubs füllen würden, in kleinen Stehimbissen oder Pizzerien auf, um überhaupt zu spielen und Spielpraxis zu haben- dafür bezahlen sie auch noch selbst -"pay to play".

Ihre Vorstellungen von der Welt basieren – wie schon öfters hier festzustellen- oftmals nicht auf fundierten Kenntnissen der unterschiedlichen Begebenheiten.

Gerade dann, wenn man sich zu sozialen Fragen äußert, wären Kenntnisse sinnvoll, da es sonst recht schnell als ahnunglose Respektlosigkeit daherkommt.

@8 Klaus W. :
Ihre Argumentationen passen nicht zu der Lebenswirklichkeit, wie ich sie erlebe/erlebt habe.

Es mag sein, dass Spitzenkünstler Probleme haben, Geld zu verdienen. Das haben viele andere Spitzenkräfte, für die sich keiner interessiert auch.
Wie viele Weltmeister haben nur eine Chance, etwas zu verdienen, wenn sie bei Olympia eine Goldmedaille abholen.

Für mich stellt sich einfach die Frage, ob man jedes Hobby, jede Liebhaberei finanzieren muss. Ich mache Sport, aber als Hobby. Ich würde nie auf die Idee kommen, dass ich sage. Hallo, hier bin ich, ich spiele XYZ und jetzt finanziert mich!
Wenn Sie einen Künstler so toll finden und sie hören möchten, können Sie sie ja finanzieren. Ich möchte das nicht und der Staat hat im Budget für Konzerthäuser etc. offensichtlich auch genug subventioniert. Subventionen im Kulturbereich sind ja auch teilweise enorm (ca. 100 EUR pro Karte).
Das Geld fehlt dann in anderen Bereichen. Da die wenigsten armen Leute das Angebot nutzen, ist das auch eine Verteilung von unten nach oben.

Zur Pubertätsdauer:
Ich beziehe mich u.a. auf mehrere Leonardo Folgen zu dem Thema Pubertät.
Das mag für Sie Unsinn sein, aber für mich sind die Forschungsergebnisse plausibel, und sie decken sich mit meinen Erfahrungen.
Hier ist eine Quelle:
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-leonardo/index.html
Folge: u.a.: WDR 5 Leonardo | 16.02.2018 | 01:17:07 Std ca. Minute 25

Wir sind Weltmeister im Verwalten von Armut. Schaffen immer mehr Stellen und Posten. Der Erfolg ist kaum da. Viele Konzepte erinnern mich an die Entwicklungshilfe der Nachkriegszeit (WW2).

@8: Wenn jemand einen Beruf wählt, der ihn nicht ernährt, soll er sich einen suchen, der ihm dies ermöglicht. Die s.g. Kreativen könnten ihre Kreativität doch ausnahmsweise einmal zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts einsetzen statt von Nicht-Kreativen wie mir zu erwarten,daß ich ihre mehr oder weniger gelungenen Lebensentwürfe finanziere.

Mir fehlt aktuell der Zusammenhang bzgl. des Liedes.

Ich habe nichts gegen Künstler, Kunst kann sich auf vielen Wegen äußern.
Jeder soll leben wie er will, aber dann auch sehen, wie er seinen Lebensunterhalt verdient/erbt oder sonst etwas. Wenn staatliche Hilfen beansprucht werden sollen, müssen auch alle Wege genutzt werden, Geld zu verdienen.
Ich bin Künstler, ich bin toll, bitte finanziert mein Künstlerleben geht nicht.
Das kenne ich auch nicht in meinen Umfeld. Musiker geben Unterricht….
Hier wurde angesprochen, dass sie Taxi fahren. Was ist daran auch schlecht. Ich bin froh, wenn ich ein Taxi finde, wenn ich es brauche. Sollen Künstler einen Schutz vor Arbeit bekommen?

@11 Sebastian:
Ich habe kein Problem mit dem Museumsshop oder mit der Cafeteria, wenn es sich lohnt bzw. wenn der Job dazu beiträgt, dass Leute sich länger mit Inhalten von Museen auseinandersetzen.
Ich möchte nicht wissen, wie hoch der Umsatz der Shops in Museen/Zoos am Gesamtbudget ist.

Mit dem Youtube Click gehen doch jetzt auch wieder ein paar Währungseinheiten der sehr kleinen Art an den Künstler.

@ ke

Zitat ke: "Ich habe kein Problem mit dem Museumsshop"

Doch, haben Sie: Sie haben es nicht verstanden.

Sie denken immer nur an "Geld". Schon ne ziemlich kleine Welt …

@ Davbub

"Wenn jemand einen Beruf wählt, der ihn nicht ernährt, soll er sich einen suchen, der ihm dies ermöglicht …"

Also verbrennen wir nachträglich die Bilder von Vincent Van Gogh – siehe Kommentar #4 –

damit Sie Recht behalten ?

@15 Sebastian:
Es ist doch davon auszugehen, dass bei der Menge an Malern schon viele Werke vernichtet wurden, die evtl. zu einer späteren Zeit durch irgendwelche Zufälle als Megakunst bezeichnet würden.
Das passiert.

Es soll ja auch schon Kunstwerke in Museen gegeben haben, die einfach beim Hausputz entsorgt wurden.

Da sind die Künstlerförderungen vieler Fußballspieler hervorzuheben, die für die Familieneinnahmen sorgen, während die Frau ihr Glück im Bereich Kunst versucht.

@ ke

Ihr "Platz ist der Museumshop":

da können Sie die zufällig übrig gebliebene "Megakunst" kaufen, in der billigen Kopie: und wieder sparen Sie Geld, für Ihre kleine Welt

@15: Sie legen mir Dinge in den Mund. Warum sollte man Bilder eines Hungerkünstlers nach seinem Tod verbrennen? Aber sich das freie Künstlerleben von der Allgemeinheit finanzieren zu lassen, halte ich für falsch. Wenn Sie dies tun möchten, steht Ihrem Leben als Stifter doch niemand im Wege.

@ Davbub #19

Sie schreiben: "Warum sollte man Bilder eines Hungerkünstlers nach seinem Tod verbrennen?"

Weil es diesen "Hungerkünstler", wenn es nach Ihnen ginge, nie gegeben hätte, Zitat Davbub:

"Wenn jemand einen Beruf wählt, der ihn nicht ernährt, soll er sich einen suchen, der ihm dies ermöglicht."

Also kein Vincent Van Gogh. Sie würden ihn natürlich nicht vermissen : bei Ihnen geht‘s ja die ganze Zeit um Geld, nicht um "Kunst", nicht um Menschen.

"Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt." – Oscar Wilde, Lady Windermeres Fächer, 3. Akt, Lord Darlington

@18 Sebastian:
Meine Welt ist größer als sie es vermutlich erwarten. Vermutlich habe ich sogar mehr große Werke der Kunst in den großen Museen der Welt gesehen als sie.

Ich habe nur ein Gerechtigkeitsproblem, wenn Menschen, die ihrer Berufung nachgehen, weil sie sich für privilegiert halten, davon ausgehen, dass ihr Lebenstil von den vielen kleinen Rädern unseres Staates, die einfach nur funktionieren, finanziert werden soll.
Hierbei hilft es, einfach mal zwischen 4 und 6 den öffentlichen Nahverkehr werktags zu nutzen und zu sehen, in welchem Zustand die meisten Menschen in Richtung Arbeitsplatz fahren.
Spaß macht das Warten auf die Bahn bei -10 Grad sicherlich nicht, aber die Krankenhäuse, Bahnen etc. müssen funktionieren.

Jeder kann gerne seine Kunst machen, aber wenn er davon nicht leben kann, weil er einfach keinen Abnehmer findet, bitte nicht als Hobby, das vom Geldverdienen abhält und gleichzeitig die Finanzierung durch andere "Kleingeister" erwartet.

Als Künstler kann man reich werden, man muss nur die Menschen erreichen!

@18 Sebastian:
In meiner Wohnung hängen sehr viele "Kunstwerke", die ich selber hergestellt habe oder auf Reisen gekauft habe oder vom Künstler bekommen habe.
Der Museumsshop war nicht dabei 🙂

@ ke

Sie schreiben: "Vermutlich habe ich sogar mehr große Werke der Kunst in den großen Museen der Welt gesehen als sie."

was sind denn für "große Werke der Kunst"?

vielleicht das, was Rainhald Grebe besingt? (siehe den Kommentar von Arnold Voss, #10)

@ ke

Sie schreiben: "Als Künstler kann man reich werden, man muss nur die Menschen erreichen!"

so wie Vincent Van Gogh …

… kann es sein, dass Sie meinen Uralt-Kommentar #4 immer noch nicht verstanden haben?!?

Künstler und "Kreative" sind doch nicht die relevante Zielgruppe, wenn`s um Armut, H4 und die Tafeln geht. Die sind doch höchstens "Beifang". Oder ist mir da in den letzten Jahren eine Massenbewegung entgangen?

@ thomas weigle #25

SIe haben Recht, wenn es um die Quantität geht: so viele Künstler gibt es einfach nicht.

Aber Sie haben Unrecht, wenn es das Armuts-Problem als solches geht. Mir ging es darum aufzuzeigen, dass "ke" weltfremde Vorstellungen von "Hartz IV"-Empfängern hat: Armut und "Hartz IV" betrifft ganz viele, nicht nur die "üblichen Verdächtigen", auf die man eindreschen kann, weil sie in unserer "Leistungs"-Gesellschaft eh nichts mehr zu melden haben

@24 Sebastian:
Ich gehe davon aus, dass ich verstanden habe, was sie sagen wollen.
Nur ist das für mich nicht wirklichkeitsfremd.

Final würde ihre Argumentationskette bedeuten, dass jeder, der meint, ein Künstler zu sein, versorgt werden müsste, weil die theoretische Chance besteht, dass er irgendwann irgendwas produziert, das vielleicht von der aktuellen oder späteren Generation für wichtig gehalten wird.

@26 Sebastian:
Nö, ich erwarte nur, dass jeder alles tut, um seinen Lebensunterhalt im Rahmen der hiesigen Regelungen selber zu verdienen.

Für mich ist es einfach unsozial , wenn jemand bspw. keine Lust hat 20 km zu pendeln.

Ein großes Grundeinkommen wäre klasse, nur wer macht dann die Jobs, die einfach keinen Spaß machen? Das sind übrigens die meisten Jobs nach einer gewissen Zeit.

@ 20: Ich unterstelle jedem, der künstlerisch tätig ist, daß er etwas ausdrücken, eine Botschaft aussenden oder vielleicht auch nur die Welt etwas schöner machen will. Zudem haben ich besonderen Respekt vor allen Künstlern – z.B. auch vor Schlagersängern- die den Mut haben, sich auf einer Bühne dem ebenso furchtbaren wie beglückenden Akt der Selbstentblößung zu hinzugeben. Auch VvG's Lebenslauf ist mir nicht unbekannt, allerdings erschließt sich mir Ihre Argumentation nicht: Ihrer Logik folgend, müßte der Staat -also wir alle- jeden Lebensentwurf finanzieren, den ein Mensch sich aussucht, es könnte ja etwas von bleibendem Wert dabei herauskommen. Die entscheidende Frage, ob VvG zufrieden mit seinem gelebten Leben, vielleicht sogar glücklich wg. der von ihm erschaffenen Bilder, stolz auf seine Leistung war, stellen Sie nicht. Ich kenne sehr viele Musiker, die sich ihren Lebensunterhalt durch Unterricht oder s.g. "Nuttenjobs" finanzieren. Eine Malerin, die seit Jahren dem früher ehrbaren Beruf der Kellnerin nachgeht und glücklich über jedes verkaufte Bild ist. Eine Regisseurin, die ihr Passion durch Arbeit mit Kindern finanziert. Es gibt in D auch viele Kart-Fahrer und Fußballamateure: Sollten wir die nicht auch subventionieren, könnte ja ein neuer Schuhmacher oder Ronaldo dabei sein.
"Also kein Vincent Van Gogh. Sie würden ihn natürlich nicht vermissen : bei Ihnen geht‘s ja die ganze Zeit um Geld, nicht um "Kunst", nicht um Menschen." M.M. nach geht es bei Ihnen mehr ums Geld als bei mir; sie bemessen die Lebenssituation eines Menschen ausschließlich an materiellen Dingen. Sie kennen weder mich noch meine Lebenumstände, woher wissen Sie, daß es mir nur um's Geld, nicht um Menschen oder Kunst geht. Ihnen geht es nicht um einen Austausch von Meinungen, sondern den anderen mundtot zu machen. Schönes schmoren noch.

@ Davbub #29

Sie schreiben: "Die entscheidende Frage, ob Vincent van Gogh zufrieden mit seinem gelebten Leben, vielleicht sogar glücklich wg. der von ihm erschaffenen Bilder, stolz auf seine Leistung war, stellen Sie nicht."

wer soll denn diese Frage beantworten? Vincent van Gogh kann ich nicht mehr fragen …

und das Thema hier ist "Tafel" – "Sozialpolitik":

es geht ums nackte Überleben, um Ihnen das mal zu übersetzen,

und richtig, in DIESEM Zusammenhang "bemesse ich die Lebenssituation eines Menschen ausschließlich nach materiellen Dingen" …

dass Sie jetzt hier noch den Schöngeist geben, ist nur noch peinlich

@ 30: "Ums nackte Überleben" geht es in Teilen Syriens, in Venezuela und in der Zentralsahara, aber nicht in D.

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