Stiftung Zollverein: Schwule nein – Sozis ja

Zeche  Zollveverein
Zeche Zollveverein

Am vergangenen Sonntag untersagte die Stiftung Zollverein eine Aktion gegen Homophobie auf dem Gelände der als Weltkulturerbe geltenden Zechenanlage in Essem-Stoppenberg.  Gegenüber der WAZ begründete die Besitzerin des Altpütts wortgewandt das Verbot:

„Wir bedauern, dass die Absage einer Aktion der Einrichtung ,together gelsenkirchen’ auf dem Gelände des Unesco-Welterbes Zollverein offenbar missverständlich formuliert war. Die Absage richtete sich keineswegs gegen die Einrichtung und auch nicht gegen die Absicht, die mit der Aktion verbunden war, das Thema Homophobie in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.“

Die Stiftung als Eigentümerin des Areals behalte sich jedoch vor, „Veranstaltungen eine Absage zu erteilen, die darauf zielen, Zollverein als Plattform für politisch und weltanschaulich motivierte Meinungsäußerungen zu nutzen“.

Weniger wortgewandt ist das nichts anderes als eine Lüge. Denn es kommt darauf an, wer Zollverein als Plattform für “politisch und weltanschaulich motivierte Meinungsäußerungen” nutzen möchte. Ein paar schwule und lesbische Kids sind nicht willkommen. Die SPD dagegen schon:

spd_zollverein

Was erwartet man von den Besitzern eines Subventionsgrabes wie Zollverein auch anderes? SPD ist in NRW und im Ruhrgebiet ein anderes Wort für Geld. Und Geld ist immer gut.

8 Kommentare

Auch bei der Vereidigung der umstrittenen RSU-Bundeswehrkräfte ("Heimatschutz") 2013 war sich Zollverein nicht zu schade die "Kulisse" abzugeben. Incl. Einlasskontrolle durch die Bundeswehr (Wer verdächtig aussah, kam nicht rein. Mit der Begründung die Bundeswehr habe gerade das Hausrecht) und das trotz stattfindenden Demonstrationen vorm Eingang.

http://www.essener-friedensforum.de/JP-Heimatschutz.pdf

Wie soll man solche "weltanschauliche Neutralität" denn beschreiben. Das ist keine Neutralität. Mal davon abgesehen, dass es sowas eigentlich nicht gibt…

Und wenn die NPD im Juli 2013 ungefragter Weise auf dem Gelände Propagandafotos macht, erfolgt hinterher auch keine Anzeige…

https://www.facebook.com/NPDEssen/photos/a.290418244372619.69398.148870108527434/494465063967935/?type=1&theater

Ich warte nur darauf, dass jemand die Möglichkeit auf Zollverein zu heiraten als heteronormativ (was auch immer das sein soll) bewertet 😉

Die Stiftung Zollverein hat Hausrecht, na und?
Darüber mögen sich manchen aufregen, auch hier die Frage: Na und?
Muss man die Entscheidung gut finden? Nö.
Muss man sie akzeptieren? Ja!

Muss man sie akzeptieren? Ja!
Diese Homophobe Entscheidung wird fast ausschließlich mit Öffentlichen Mitteln gefördert (siehe Sponsoren und Förderer). das heißt dieser Verein hängt am öffentlichen Tropf. hier gilt es Einfluss zu nehmen.

@Sir Tom: Das sehe ich genau so. Das sind Subventionsschnorrer, die haben freundlich zu sein.

@ #3 Sir Tom … Eine Veranstaltung gegen "Homophobie" (was soll das genau sein?) nicht zu erlauben ist automatisch (ich schreibe absichtsvoll nicht logisch) homophob? Öh, non sequitur!
Witzige Unterstellung, aber keineswegs eine logische Schlussfolgerung.

Wurde diese Ambivalenz auch schon an die Stiftung herangetragen? Mit genau der Nachfrage, warum die SPD ihre politischen Ansichten dort demonstrieren darf? In der WAZ stand ja mal wieder nur ein recht unkritischer Bericht ohne Nachfrage bzw. überhaupt dem Hinweis, dass die SPD dort Veranstaltungen machen darf.

Nun ja; das, was die SPD in NRW veranstaltet, als Politik zu bezeichnen, ist ja vielleicht auch ein wenig gewagt. Selbstverwaltung eines in knapp vierzig Jahren ( im Alter mit grüner Unterstützung) heruntergewirtschafteten Bundeslandes trifft es da schon eher.

Egal ob subventioniert oder nicht, ein Eigentümer muss nicht jede Nutzung seines Geländes zulassen. Andererseits darf das jeder kritisieren, und wenn es ein öffentlicher Eigentümer ist, kann die Öffentlichkeit natürlich auch auf die zukünftigen Nutzungsentscheidungen Einfluss zu nehmen versuchen. Der erste Schritt dazu ist die Öffentlichmachung der zu beanstandenden Entscheidung einschließlich einer begründeten Kritik, was mit dem obigen Artikel geschehen ist.

Zollvereine ist alledings nicht irgendein öffentliches Gelände sondern zugleich auch internationales Wahrzeichen einer ganzen Region. Was in diesem Zusammenhang politisch neutral ist, oder ob ein solches Wahrzeichen überhaupt politisch neutral sein kann, ist deswegen eine ausführiche öffentliche Diskussion wert. Das gleiche gilt für die Unterscheidung von Kunst und Politik, bzw. auch für ihre Vermischung in Form der politischen Kunst.

Was also gehört auf so ein Gelände wie Zollverein, uns was nicht? Was musste dort stattfinden und was kann dort stattfinden. Was ist sinnvolle Bespielung und was ist weltanschauliche/politische Meinungsäußerung? Oder muss es nicht gerade dort auch Freiräume geben, die vom Eigentümer ohne jegliche Bevormundung zur zeitweisen Nutzung frei gegeben werden?

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