Star Trek Discovery: This is not your Father’s Star Trek?

Egal welcher Captain: sie alle mussten da durch. (Foto: davidgsteadman/ Flickr/ No Copyright)

Haben diese Worte von JJ Abrams um 2009 noch wie eine Drohung für jeden Fan, der nun über 50 Jahre währenden Saga geklungen, weiß man heute, dass sich Star Trek unweigerlich verändert hat und wohl auch verändern musste. Mit der komplizierten Lizenzsituation zwischen dem Filmstudio Paramount (diese haben alle Filmrechte) und der Fernsehstudio CBS (diese haben die Rechte für alle Serien), galt dies bisher nur für die Abenteuer auf der großen Leinwand. Einige Gedanken von Gastautor Jan Nordus zum Start der neuen Star-Trek-Serie “Discovery”.

Die wirklich wichtige Wirkungsstätte im TV Format wurde bisher mit keiner neuen Inkarnation bedacht, was sich diesen September aber ändern wird.

Die Ära Rick Berman, der den Stab noch von Gene Roddenberry höchst persönlich geerbt hatte, ging mit dem Ende der Serie Enterprise im Jahr 2005 endgültig zu Ende. Persönlich gehöre ich nicht zu den Berman „Hatern“ sondern zu jemanden, der unzählige Stunden voller Weisheiten und Einsichten darüber, was es bedeutet ein Mensch & ein Individuum zu sein, am Bildschirm genossen hat. Star Trek war (und ist) mein Ruhepol, mein Fluchtpunkt in eine Welt, wie ich sie mir seit meinem 6. Lebensjahr wünsche. Auf einem winzigen Fernseher in der Stube fing alles mit den Abenteuern von Jim Kirks Enterprise für mich an. Jeden Samstag schaute ich gebannt der „heiligen Dreifaltigkeit“ aus James Tiberius Kirk, Mr. Spock und Dr. Leonard „Bones“ McCoy dabei zu, wie sie in unbekannte Galaxien und dorthin wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist, aufbrachen.

Auch bereits 1990 war die Serie tricktechnisch sicher in die Jahre gekommen und wirkte eben wie ein Kind der 1960er Jahre. Das hat mich aber nie gestört, denn entscheidend waren die Geschichten und die Botschaft: jeder hat einen Platz und jeder ist willkommen. Hinter der persönlichen Entwicklung des Individuums steckt auch das gemeinsame Ziel aller, sich zur Verbesserung der Gesellschaft in den Dienst von Starfleet zu stellen.

So waren unsere Differenzen und Unterschiede nicht länger ein Hindernis oder Problem, sondern eine Chance und eine Gelegenheit, voneinander zu lernen und sich zu ergänzen.

Die Serie TOS hat somit den Grundstein für das look and feel von der United Federation of Planets und Starfleet begründet, das seinen unverwechselbaren Widererkennungswert auch in den nachfolgenden Inkarnationen nie verlieren aber kontinuierlich weiterentwickeln würde. Als 1987 dann die Next Generation übernahm und die Fans mit viel Arbeit und spätestens ab der 3. Staffel endgültig für sich überzeugen konnte, wurden viele Ideen der Ursprungsserie perfektioniert. Für mich begann die Reise mit Captain Jean Luc Picard mit dem Start der Serie auf dem ZDF. Als Kind tat ich mich etwas schwer mit einem Captain, der keine Kinder mag, aber ein Raumschiff kommandiert, auf dem auch die Familien mit ihren Kindern lebten. Es war wohl (und jetzt oute ich mich) die Figur des Wesley Crusher, mit der ich mich als erstes identifizieren konnte. Mit der Zeit eroberte allerdings Jean Luc Picard mein Herz und er ist mir bis heute ein absolutes Vorbild an Menschlichkeit, Vernunft und Diplomatie. Dicht gefolgt von Brent Spiners genialer Darstellung des Androiden Data. Star Trek hat seine Stärken immer schon in den vermeintlichen Außenseitern ausspielen können. The Next Generation ist von daher auch die Serie, die den größten Platz in meinem Herzen ausfüllt, dicht gefolgt von Ben Siskos DS9 und der Kaffeeverehrenden Kathryn Janeway im Delta Quadranten. Mit der letzten Serie Enterprise verbindet mich zwar auch eine Freundschaft, aber es hat mich wohl nie so sehr erreicht wie die anderen.

Alle diese Serien, mit ihren unterschiedlichen Charakteren sind ein Spiegelbild aller menschlichen oder auch außerirdischen Züge, Wünsche und Ziele. Als Vorbild haben dabei stets allzu weltliche Themen und Entwicklungen gedient, die am Ende in die utopische Welt von Star Trek gebeamt worden sind.

Im September dieses Jahres soll es dann wieder soweit sein, eine neue Serie namens Discovery wird über Netflix (ein Vorteil in Europa zu leben, wo die Serie in den USA doch ausschließlich über den CBS eigenen online Bezahldienst All Access läuft) wöchentlich zu sehen sein und damit das gewohnte Serienuniversum gehörig auf den Kopf stellen. Natürlich bin ich unglaublich neugierig und gespannt. Seit den ersten Gerüchten folge ich jedem Informationshäppchen, das ich auf den einschlägigen Seiten wie Trekmovie oder Trekcore finden kann. Offiziell angekündigt wurde Discovery mit dem Showrunner Bryan Fuller, für den Star Trek kein Neuland ist.

Bereits in Voyager hatte er einige Drehbücher verfasst und galt als Fan von Star Trek. Das waren gute Nachrichten! Und auch Nicholas Meyer, ein Veteran und verantwortlich für die Regie von Star Trek II & 6 sowie deren Drehbücher, inklusive Star Trek IV, sollte mit an Board sein.

Natürlich schwimmt „Discovery“ im Fahrwasser der letzten 3 Kino-reinkarnationen von Captain Kirks Enterprise, die in der alternativen „Kelvin“ Zeitlinie spielen.

Da das Serienuniversum aber von CBS produziert wird, welche die Lizenz für das komplette Serienuniversum innehalten, spielt die Serie auch in der von Fans (und mir) geliebten „normalen“ Zeitlinie. Dies war unter den Fans vermutlich die wichtigste Frage, die Bryan Fuller auf der San Diego Comic Con 2016 bekannt gegeben hatte. Aufatmen, die Welt war somit wieder in Ordnung. Wenig später bröckelte diese Gewissheit aber wieder, da nicht nur das geplante Startdatum von Januar 2017 verschoben, sondern wenig später auch der Abschied von Bryan Fuller als Showrunner bekannt gegeben wurde. Sollte die neue Serie jetzt schon einen Warpkernbruch erleiden und womöglich niemals auf unseren Fernsehschirmen flimmern? Nun, die Ängste waren unbegründet, wie mittlerweile zwei Trailer und unzählige Fotos, Artworks und Story Umrisse beweisen.

Was man dort allerdings zu sehen bekommt, stößt auf sehr gemischte Gefühle.

Es sieht sehr anders und im Sinne von Star Trek als Serie eher fremd aus. Durch die vielen Lenseflares und der offensichtlich finanziell sehr aufwändigen Postproduction fühlt man sich an JJ Abrams Filmwelt und so manche aktuelle Science Fiction Serie wie etwa The Expanse erinnert. Es ist doch alles ein wenig dunkel und farblich stark übersättigt. Ich schätze aber, dass dies unsere Zeit ist und auch ein Produkt wie Star Trek muss mit dem Zeitgeist gehen und ist dringend auf die Akquirierung neuer Fans angewiesen bzw. möchte die bereits durch die letzten 3 Filme neugewonnenen auch in die Hauptzeitlinie beamen. Hinzukommt, dass Discovery 10 Jahre vor Captain Kirks 5 Jahres Mission spielt und somit unweigerlich mit dem visuellen Kanon der etablierten Serien brechen muss.

Dies ist eine schmerzliche Einsicht, wie ich finde, und ein Teil von mir würde sich wünschen, man hätte die Serie irgendwo in die Zukunft, nach der Rückkehr der U.S.S Voyager verlegt. Ja natürlich, das Marketing; das Setting von TOS ist eben durch die Kinofilme viel etablierter und naheliegender.

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings die gerade bekanntgewordene, ursprüngliche Idee von Bryan Fuller: so wollte er doch tatsächlich die Struktur der Serie als Anthology Format, wie etwa American Horrorstory, erzählen. Jede Staffel sollte zu einem anderen Zeitpunkt im riesigen Star Trek Universum spielen.

Hier hat CBS aber nicht mitgespielt und ein Veto eingelegt. Ich hätte dies wahnsinnig spannend gefunden, wenn auch die Kosten vermutlich viel zu hoch gewesen wären.

Der neuen Serie muss also der Spagat zwischen Neuerfinden und Zitat an etabliertem gelingen, was eine schwere Aufgabe ist. Man nimmt diese allerdings sehr ernst, sind doch tatsächlich eigens Personen, die den Kanon hüten sollen, engagiert und sogar beim Dreh am Set anwesend! Für den Fan ist das sicher eine Art Versicherung und ich wünsche mir wirklich sehr, dass mehr als nur kleine „Wir halten euch bei der Stange“-Zitathäppchen vorhanden sind.

„Looks are deceiving“ sagt man und auch wenn die Serie düster wirkt und es wohl im ersten großen Handlungsbogen um einen Krieg mit den Klingonen gehen soll, hoffe ich, dass die Charaktere im Vordergrund stehen und ihre Entwicklung und ihr Streben den roten Faden der Erzählung bilden werden. So wird es zumindest kommuniziert und der vorgestellte Cast erfüllt definitiv die Anforderung einer Serie im Star Trek Universum, in dem Diversität und eine ausgeglichene Geschlechtervielfalt entscheidend sind. Die spannendste Neuerung ist vielleicht aber, dass die Sicht dieses Mal nicht vom Captains Chair sondern vom First Officer und den Lower Decks ausgehen wird. Ist dies also nicht „your Father’s Star Trek“? Ich schätze ja und nein und ich gebe mir als Mensch aus dem 21. Jahrhundert, der lange nicht all die Probleme unserer Zeit überwunden hat, die auf einem Schiff von Starfleet kaum einen Platz mehr haben, alle Mühe, um neugierig zu sein und Veränderungen willkommen zu heißen. Gleichzeitig habe ich aber auch die Hoffnung, eine dialoggetriebene Erzählung genießen zu dürfen, die mich und euch hoffentlich weit weg von hier bringen wird.

Im September wissen wir alle mehr. Live Long and Prosper!

3 Kommentare

Schöner Artikel, der meine Gefühle gut wiedergibt. Ich bin erst etwa 1993/94 auf Star Trek gestoßen, gehöre also zur Sat 1-Generation. Ich gehöre nicht zu den krassen Abrams-Hatern und ich erkenne die Rolle, die die Kelvin-Filme für das Franchise gespielt haben. Aber darauf habe ich keine Lust. Der Kanon steht über allem und muss gewahrt bleiben. Ich habe da aber Vertrauen – es gibt genügend Lücken.

Ich bin bis heute bei Kirk und diversen Aha-Erlebnissen ,die die Serie bei mir ausgelöst hat hängengeblieben.Mit den Nachfolgeserien kann ich weniger anfangen, mag daran liegen, dass ich ohnehin Film und Fernsehproduktion der 60iger und 70iger Jahre bevorzuge.

Ein wirklich schöner Artikel. Leider wird in dieser ganzen Geschichte das Kernproblem übergangen. Man möchte den Kanon bewahren ohne den Grundgedanken oder den Look zu erhalten. Was soll das?
Warum müssen die Klingonen jetzt wie Monster aussehen. Ja, mancher sagt das sich ihr Aussehen immer mal verändert hat (siehe ENT zu TOS und wieder zu TNG) , aber auch das wurde in der Geschichte von Enterprise erklärt. Man wird bei Discovery für Design das Star Trek-Gefühl opfern.
Wenn die Macher nicht mit den Gegebenheiten zufrieden sind und unbedingt etwas ändern wollen, dann hätten sie, statt Star Trek drauf zu schreiben, doch einfach eine neue Serie gemacht und sich alle Freiheiten genommen.
Ich für meinen Teil trauere um mein Star Trek. Ich hätte besser damit leben können, dass man das Franchise sterben lässt als es durch J. J. Abrahams und jetzt auch noch Discovery schänden zu lassen.

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