“Songs of Innocence” von U2 – Zu hohe Erwartungen, oder schlicht ein schwaches Album?


Tja, so ist das eben mit den hohen Erwartungen. Sie werden leider nicht immer erfüllt.
Die irische Band ‚U2‘ gehört für mich seit Ende der 1980er-Jahre eigentlich fix zu den absoluten Highlights der weltweiten Musikszene. Ich persönlich verdanke der Band inzwischen nicht nur unzählige schöne (Musik-)Stunden, die Jungs gestalteten auch einige der spektakulärsten Konzerte, die ich in meinem Leben bisher gesehen habe.
Unvergessen z.B. die damals (auch technisch) höchstspektakuläre Bühnen-Show der ‚Zoo TV‘-Tour, welche ich zu Beginn der 90er-Jahre im damaligen Frankfurter Waldstadion miterleben durfte. Vorband waren damals übrigens die Düsseldorfer Punkrocker der ‚Toten Hosen‘.
Eines der bis heute absolut besten und spektakulärsten Konzerte die ich bisher miterleben durfte.
Stets freute ich mich seit dem Erscheinen von ‚The Joshua Tree‘ im Jahre 1987 auch bereits wochenlang im Vorfeld eines neuen U2-Werkes auf die zu erwartenden neuen Alben der Iren.
So eigentlich auch diesmal, gut 5 Jahre nach ihrem letzten Album aus dem Februar 2009. Doch auch nun, einige Wochen nach Erscheinen des Silberlings, und nach bereits etlichen Durchläufen im heimischen CD-Player zündet das neue Album „Songs of Innocence“ bei mir nicht so recht.
Klar, die ‚Platte‘ ist nicht schlecht, man kann sie z.B. im Auto, auf längeren Fahrten, ganz gut hören, aber ist das der musikalische Anspruch den man an eine Mega-Band wie U2 hat? Wohl nicht!

Mag sein, dass ich durch die von vielen als völlig verunglückt bezeichnete Werbeaktion der Band von und mit Apple zuletzt, auf die ich hier gar nicht noch einmal ausführlicher eingehen will, bereits leicht negativ in Sachen der neuen Songs beeinflusst war und bis heute noch immer bin, aber das Album zündet bei mir nun auch musikalisch einfach nicht so recht.
Vorbei scheinen somit inzwischen leider die Zeiten wo man neue, frische U2-Songs automatisch als Hymnen auf jeder Fete hörte, wo man ihre Lieder gerne im Gedächtnis mitsummte oder ihre Songs das eigene Leben irgendwie mitprägten. Das Album ist vergleichsweise ‚langweilig‘ und brav.
‚Nette Lieder‘ werden einem auch noch im Jahr 2014 präsentiert. Ein wirklicher ‚Hit‘ findet sich auf dem aktuellen Album aber so gar nicht. Der Sound erinnert einen zudem, merkwürdiger Weise, etwas an die Band ‚Coldplay‘, was auch nicht gerade ein Kompliment für eine Band vom Status von U2 ist.
Und es kann gut sein, dass bereits im Jahre 2015 das neue Album von Bono & Co. längst vergessen ist. Wirklich schade um eine große Musiklegende der 80er und 90er-Jahre. Aber den künstlerischen Zenit scheinen inzwischen auch bei Musik-Legenden von U2 deutlich überschritten zu sein.
Fazit: Ein Album aus der Kategorie ‚Kann man wohl hören, muss man aber auch nicht unbedingt haben!‘ – Und da hatte ich mir dann doch von U2 eben deutlich mehr erwartet…

1 Kommentar

Ja, da bin ich auch im Zwiespalt. Ich lasse mich beim Reinhören in ein Album auch vom Albumtitel, Cover, dem ersten Auftritt usw. lenken. Und die sind hier nicht so gelungen, finde ich.

Anders als die meisten Kritiker hast Du Dich erst mal reingehört. Ich brauche auch mindestens eine Woche bis ich sagen kann, ob mir ein neues Album was sagt.

Es klingt wie eine solide Zusammenfassung aller vorherigen Alben und Schlüsselthemen (Ausnahme: Die von Dir hochgehaltene Zoo-TV Periode.) Und ok, eine Band darf schon nach sich selbst klingen. Viele Musiker, die in den 80ern auf meinem Walkman liefen haben dieses Jahr was abgeliefert, was nach ihnen selbst klingt. Und war es nicht Lou Reed der sagte, die Musik, die wir mit 16 gehört haben, würden wir ein ganzes Leben lang hören?

Vielleicht ist es auch hier so, dass die unsichere Phase, in der man an seinem Durchbruch arbeitet, die kreativere ist. Oben angekommen, fehlt einem die Quelle für Inspiration und Energie. Man kann nicht mit der Sicherheit von heute in die Kreativität von damals zurückgehen, indem man einfach die Lederjacke anlässt und was vom Punk erzählt.

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