Sollen Geflüchtete in PCB-belastete Gebäude?

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Zwei ehemalige Uni-Gebäude am Campus der TU Dortmund könnten als Notunterkünfte dienen. Foto: Gehrhardt

Die Lösung klingt einfach und sinnvoll: Städte und Kommunen sollen geflüchtete Menschen auch in Gebäuden unterbringen können, die eigentlich Landeseigentum sind. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, der diese landeseigenen Gebäude verwaltet, hat vergangene Woche eine Liste von Gebäuden vorgelegt, die sich als Unterkünfte eignen würden – darauf stehen auch zwei Gebäude auf dem Campus der TU Dortmund. In diesen wurde allerdings vor einigen Jahren eine erhöhte PCB-Belastung festgestellt.

Auf der Liste befinden sich Gebäude, die sich prinzipiell für die Unterbringung von Geflüchteten eignen. Die Kriterien: „Sie sollen ein heiles Dach und ordentliche Sanitäranlagen haben, beheizbar sein und man sollte auch darin kochen können“, erklärt Pressesprecher Dr. Hartmut Gustmann. In Dortmund trifft das auf drei leerstehende Landesbauten zu: die alte Polizeiwache in Hörde, die bereits als Unterkunft genutzt wird, und die Geschossbauten IV und V auf dem Campus der TU Dortmund.

Die beiden Gebäude auf dem Unicampus sind allerdings PCB-belastet. Ende 2010 wurde öffentlich (zum Beispiel berichtete DerWesten), dass erhöhte Konzentrationen des Stoffs in der Raumluft und im Blut einiger Beschäftigter gemessen worden waren. PCB, polychlorierte Biphenyle, wurden in den 70er Jahren in Baustoffen verwendet und kommen daher auch in älteren Gebäuden am Campus Dortmund vor. Die meisten der in den Geschossbauten beheimateten Lehr- und Verwaltungseinheiten sind mittlerweile in Neubauten umgezogen, lediglich eine Etage eines der beiden Gebäude wird noch genutzt.

Die damals gemessenen Konzentrationen seien zwar erhöht gewesen, so Hartmut Gustmann. hätten unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes gelegen. Um die Konzentration der giftigen Stoffe in der Raumluft zu senken, wurde damals angeordnet, öfter zu lüften und häufiger feucht zu wischen. Ein Gesundheitsrisiko bestehe nicht, betont der BLB-Sprecher. Ohnehin liege die Entscheidung, ob und wie die Gebäude genutzt werden, bei den Kommunen und den jeweiligen Bezirksregierungen.

Bei der Bezirksregierung Arnsberg, zuständig für Dortmund, ist man mit der Prüfung erst am Anfang. Die Planungen, die Campusgebäude tatsächlich zu nutzen, seien „überhaupt nicht konkret“, sagt Sprecher Christoph Söbbeler auf Anfrage. Eine Schadstoffbelastung werde aber in der weiteren Prüfung berücksichtigt.

Dass tatsächlich Geflüchtete in die Geschossbauten ziehen, ist also von Verwaltungsseite noch nicht entschieden. BLB-Sprecher Gustmann macht aber klar, dass sich diese Gebäude – genau wie alle anderen vom Landesbetrieb vorgeschlagenen – nur als absolut kurzzeitige Zwischenstation eignen: „Da kann man Menschen nicht länger als 14 Tage bis vier Wochen unterbringen.“

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Die beiden Altgebäude IV und V auf den Campus Süd wurden bei den damaligen Messungen mit ca. 2800 Nanogramm/Kubikmeter Raumluft erfasst. Das sind nur 200 Nanogramm unter dem sog. Interventionswert, der eine sofortige Schließung und Sanierung erforderlich macht. Und diese PCB-Richtwerte NRW stammen aus den Neunzigern, sind zum großen Teil durch neuere Forschungen überholt und u.A. laut Envio-Gerichtsgutachter Prof. Thomas Kraus vom Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin am Uniklinikum Aachen, viel zu hoch angesetzt.

Sollte sich die Bezirksregierung dort *für* einen Bezug mit Flüchtlingen aussprechen, käme nach dem bundesweit schlimmsten PCB-Skandal bei Envio ein neuer Skandal hinzu. Aber die Chaotenbeamten in Arnsberg hätten damit ja dann “Erfahrung”…

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