Skribble: Abschied vom Wohnzimmer nach fünf Jahren

Die gute Stube der Kunst- und Kulturgruppe Skribble war fünf Jahre lang das schönste Wohnzimmer des Ruhrgebiets – am Donnerstag öffnet die Reihe zum vorerst letzten Mal ihre Türen im Oberhausener Druckluft.

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach: Ein Kneipenabend mit kostenlosem Mal- und Bastelbuffet. Dazu gibt’s Musik – mal aus der Konserve, mal von Musikern und Bands aus aller Welt. Mit diesem Ansatz ist die Gruppe vor Jahren in Oberhausen angetreten, und hat die Türen dieses ganz speziellen Wohnzimmers seit dem jeden Monat geöffnet.
Über den selbst gestalteten monatlichen Kneipenabend ist das Projekt dabei weit hinaus gewachsen: Skribble ist mittlerweile Partner der Internationalen Kurzfilmtage und des internationalen Festivals für visuelle Experimente Shiny Toys – um nur zwei zu nennen. Ein wichtiger Grund für diesen Erfolg sind die immer neuen aufwändigen Bühnenbilder, Raumgestaltungen und Installationen, die Teil der Veranstaltungen des Künstlerkollektivs sind.

Kein Wunder das auch die althergebrachte Kunstbranche nach und nach auf die Oberhausener Selbermacher aufmerksam geworden ist. So waren Gruppenarbeiten zum 100. Geburtstag von John Cage in Darmstadt und in der Oberhausener Ludwig Galerie zu sehen. Als selbstverliebten Gegenentwurf zur Kunstszene sehen sie sich ohnehin nicht, “aber auch keinesfalls als Bodensatz oder Argumentationshilfe der Kreativwirtschaft” betont Skribble-Mitglied Dennis Dycks. Vor zwei Jahren betrieb die Gruppe gar eine eigene Galerie in der Essener Innenstadt – bis das Geld ausging. In einer jetzt erschienenen Broschüre, in der die im Wohnzimmer entstandenen Werke der Gäste und Besucher dokumentiert sind, ist – wie es im Vorwort heißt – “folgerichtig die ganze Bandbreite künstlerischen Könnens zu sehen, da wir uns nie den Idealen des DIY-Kults verpflichtet gefühlt haben und somit auch keinesfalls uns oder die Gäste unseres Wohnzimmers glauben machen wollten es ‘selbst am besten zu können'”.

flyer_vorne

Das letzte Wohnzimmer markiert nun das Ende eines wichtigen Abschnitts dieser Arbeit. Es sei aber keinesfalls das Aus der Gruppe Skribble, so Dennis Dycks: “In den vergangenen 5 Jahren haben ungefähr 50 Bands und Solomusiker bei unseren Veranstaltungen gespielt, nicht nur im Wohnzimmer sondern auch bei Konzerten und Ausstellungen. Das wird nicht weniger werden.” Auch sollen neue kostenlose Angebote ermöglicht werden, die das Wohnzimmer ablösen. Dycks: “Im neuen Jahr arbeiten wir wieder mit dem Shiny Toys Festival zusammen, außerdem sind Projekte mit der Mülheimer DeZentrale und in der Ludwig Galerie geplant.” Am 11. Januar findet zudem im Druckluft die Skribble Filmothek statt, wo neben Vorträgen, Party und einem Filmprogramm auch wieder das Publikum mit einbezogen werden soll: “An unseren Lichttischen können eigene Animationsfilme gebastelt werden, und mit dem Tagtool lassen sich digitale Graffitis malen”.

Auch am Donnerstag gibt es wieder Konzerte, so spielt neben dem Ambient-Künstler Tesk (dessen erstes Album grade auf dem neuen Mülheimer experimental- und Jazzlabel Ana Ott erschienen ist) die Folk- und Kammerpopband Finger on Tallinn.

Ein letztes Wohnzimmer. Am Donnerstag ab 19 Uhr im Druckluft. Eintritt frei.

Kommentar verfassen