Seltsame Solidarität mit Ben-Hatira

Foto: Robin Patzwaldt

Der SV Darmstadt 98 hat das Vertragsverhältnis mit dem deutsch-tunesischen Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira in beidseitigem Einvernehmen beendet, nachdem Darmstädter Fans und Medien ihn für sein Engagement für “Ansaar International” kritisierten – die vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation wird als salafistisch eingeschätzt.

Auf das Handeln des Vereins folgte in den Facebook-Kommentarspalten eine Welle der Empörung. Leute bezeichneten den „Rauswurf“ als rassistisch, wünschten den Darmstädtern, die zurzeit Tabellenletzter sind, für dieses ihrer Meinung nach unsympathische Verhalten den Abstieg. Woher kommt diese Solidarität? Teilen die Kommentatoren die Ansichten von Ansaar International? Oder handelt es sich schlichtweg um Fans des Spielers, die kein schlechtes Wort auf ihn kommen lassen wollen?

Ich finde das schon sehr bedenklich. Man stelle sich vor, ein deutscher Spieler hätte eine rechtsextreme Organisation unterstützt. Hätte es eine ähnliche Solidaritätswelle gegeben? Es kann doch nicht sein, dass diese Leute wirklich so naiv sind, oder? Das meistgenannte Argument war nämlich, es sei doch ein Unding, dass einem Spieler ein Strick daraus gedreht würde, dass er Menschen helfen wollte. Es gibt so viele verschiedene Wege, seinen Status als Profifußballer zu nutzen und Menschen zu helfen. Änis Ben-Hatira hat sich dafür entschieden, ausgerechnet Ansaar International zu unterstützen. Wusste er tatsächlich nicht, was er da tat?

Wenn es so gewesen wäre, hätte er die Möglichkeit gehabt, sich davon zu distanzieren. Dann hätte Darmstadt sich nicht von einem Spieler trennen müssen, dessen sportliche Qualität der Mannschaft im Abstiegskampf fehlen wird. Umso lobenswerter, dass die “Lilienfans gegen Rechts” zuletzt durch das Verteilen von Flyern beim Heimspiel gegen Gladbach deutlich Stellung zu der Problematik bezogen hatten. Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Tim Huß dankte der Fanszene für ihr Engagement gegen Salafismus und Faschismus.

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