Sehr geehrte Frau Kraft, was Sie in Ihren Netzkodex schreiben werden, ist mir egal

Kraft sieht sich als eine Gute Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Ralph Sondermann Lizenz: Copyright
Kraft sieht sich als eine Gute Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Ralph Sondermann Lizenz: Copyright

Sehr geehrte Frau Kraft,

ich verstehe Ihr Problem. Jedes Jahr wird von Ihnen erwartet, auf dem Medienforum NRW eine Rede zu halten. Schlimmer noch: In dieser Rede soll auch noch mindestens ein neuer Gedanke stecken und nach Möglichkeit soll der auch noch klug sein.

In diesem Jahr gelang Ihnen keins von beiden: Am Netzkodex NRW ist nur der Name neu, solche Regeln haben fast alle Betreiber von Webseiten – es nennt sich Netiquette. Und klug ist die Idee, einen solchen Kodex von Politik, Verbänden und irgendwelchen gesellschaftlichen Gruppen erarbeiten zu lassen auch nicht. Sicher, da werden sich ein paar Menschen, die sich für ein paar sehr wichtige Menschen halten, ein paar Mal bei Kaffee und Schnittchen zusammen setzen und etwas beschließen, was dann verkündet wird. Und das wird mir als Betreiber dieser Seite vollkommen egal sein.

Wir halten uns an die Gesetze und als Anbieter von Telemedien haben wir sogar mit der Landesanstalt für Medien (LfM) eine Aufsichtsbehörde. Wir hatten in neun Jahren nicht einmal einen Konflikt mit der LfM. Was Sie als Kodex beschließen lassen werden, ist uns vollkommen egal. Sollte es Ihnen gelingen, uns trotzdem lästig zu werden, wird dieses Blog einfach ein Bundesland weiter ziehen – und das wird im Ernstfall keine fünf Minuten dauern.

Es gäbe im Medienbereich für Sie und Ihre Landesregierung viel zu tun: Sie könnten initiativ werden und dazu beitragen, das Journalismus gemeinnützig wird,  sie könnten dafür sorgen, dass Nordrhein-Westfalen schneller Netze bekommt und sie könnten ein WDR-Gesetz machen, dass dazu beiträgt, dass die privaten Medien nicht von einem hochsubventionierten und Akzeptanz verlierenden WDR im Internet bedrängt wird. Sie könnten den Rundfunkbereich liberalisieren, fast nirgendwo in Deutschland ist die Radiolandschaft so öde wie in NRW. Was tun Sie gegen Schleichwerbung im Internet? Weshalb gehen sie nicht gegen Angebote wie Adblock Plus vor, die Sascha Pallenberg als mafiöses Werbenetzwerk beschreibt und die ihren Sitz in Deutschland in Köln haben?
Aber das alles tun Sie  nicht. Sie tun es nicht, weil Sie es nicht wollen oder weil Sie sich nicht für die Themen interessieren. Also schlagen Sie etwas vor, von dem Sie glauben, dass es klug klingt, nach besorgter Landesmutter, die möchte, dass Ihre Kinder sich gut benehmen.

Aber erwarten Sie bitte nicht, dass sich jemand an dieser Form der Politikdarstellung orientieren wird. Sagen Sie doch bitte Ihrem Redenschreiber, er möchte sich für das nächste Jahr etwas mehr Mühe geben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Laurin

 

5 Kommentare

So ist das in der SPD…da muss man nix können und von nix 'ne Ahnung haben….die letzte technische Innovation welche die SPD gut fand ist das Farbfernsehen….

Momentmal, wieso Rede im nächsten Jahr? Wir wollen doch malj hoffen, dass Kraft die LTW im Mai politisch nicht überlebt. 🙂

@ Thomas Nückel Das kann man hoffen, war auch mein 1.Gedanke, dann kam der 2: die Reden aus der Staatskanzlei werden nicht wirklich besser werden, egal von wem.

@3: Wer soll sie ablösen?
Herr Lascher? Herr Jäger aus den eigenen Reihen?

Die Alternativen sind als NRW-Bürger wenig vielversprechend.

Da müssen andere Bürger selber aktiv werden. Die aktuelle Regierung zeigt fast täglich, wieso das ehemalige Industrieland NRW sich in Richtung Armutshaus entwickelt.

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