Schwarz-Gelb und die Musik

Eine von sieben Kunst- und Musikhochschulen in NRW und eine der bedeutendsten in Europa: HfMT Köln (Foto: Honke Rambow)

1500 Euro Studiengebühren pro Semester sollen Studierende aus Nicht-EU-Staaten zahlen, geht es nach dem Koalitionsvertrag von CDU und FDP. Wer nach Deutschland kommt, um nur die Ressourcen des Bildungssystems zu nutzen, um dann zurück in seine Heimat zu gehen und dort Steuern zu zahlen, wird dafür zur Kasse gebeten. Das klingt soweit erst einmal sinnvoll und gerecht. Tobias Blasius bezeichnete das Konzept denn auch schon in der WAZ genau so: “maßvoll und gerecht”. Es stellt aber ein riesiges Problem für sieben hochspezialisierte Hochschulen des Landes dar, darunter mit der Folkwang Universität in Essen und der HfMT Köln gleich zwei, die europaweit führend sind. Man kann nur mutmaßen, ob die Koalitionspartner die Kunst- und insbesondere Musikhochschulen einfach nur vergessen haben, sie ihnen schlicht egal sind oder ob etwas anderes dahinter steckt.

Tatsächlich beträfe die Einführung von Studiengebühren für Ausländer in ganz besonderem Maße diese Hochschulen, da dort – besonders in den Fachbereichen Musik und Tanz – 30-40% der Studierenden von der Regelung betroffen wären. Verzichten können die Hochschulen auf diese Studierenden nicht, wie die Landesrektorenkonferenz der Kunst- und Musikhochschulen erklärt: “Studierende aus Nicht-EU-Ländern werden nach ihrem Studium zu Kultur- und Markenbotschaftern des Landes NRW. Die sieben Kunst- und Musikhochschulen verteidigen ihre Spitzenpositionen bei der Ausbildung der Studierenden in hervorragender Weise. Die wenigen Studienplätze werden ausschließlich über eine künstlerische Eignungsprüfung vergeben. Deshalb stammen die Studierenden nicht zwangsläufig aus besonders gut situierten Familien, sondern es handelt sich um hoch talentierte junge Künstlerinnen und Künstler, die dem exzellenten Ruf der Kunst- und Musikhochschulen nicht nur folgen, sondern ihn auch aktiv mitprägen.” Der Rektor der Folkwang Universität Professor Jacob formuliert es so: “Sollte es tatsächlich zu Studiengebühren für Nicht-EU Ausländer in NRW kommen, braucht es ein wohl überlegtes und belastbares Modell für Ausnahmeregelungen und einen von der Politik ausbuchstabierten Umgang mit der sozialen Komponente. Pauschal angesetzte Studiengebühren für Nicht-EU Ausländer würden es qualifizierten Studierenden aus verschiedenen Ländergruppen mit niedrigem Einkommensniveau – genannt seien hier etwa Osteuropa oder Südamerika – deutlich erschweren, ein Studium aufzunehmen.”

Würden die Studiengebühren direkt den Hochschulen, an denen sie eingenommen werden, zugute kommen, könnte ein Stipendiensystem die Probleme ausgleichen. Genau das ist aber nicht geplant. Das Geld soll zunächst an die Landesregierung fließen und dann von dort aus wieder an die Hochschulen verteilt werden, um die Lehre gezielt zu verbessern. Es liegt nicht fern zu vermuten, dass dabei die Kunst- und Musikhochschulen genauso vergessen werden, wie jetzt gerade offensichtlich bei der Entwicklung der Idee. Deshalb betont die Rektorenkonferenz auch: “Die Gelder müssen bei den Hochschulen verbleiben, um durch Förder- und Stipendiensysteme soziale Härten auszugleichen und integrative Maßnahmen zu finanzieren.” Gerade die Ausbildung in Musik und Tanz erfordert in ganz besonderem Maße eine internationale Ausrichtung von Anfang an, da auch das spätere Berufsumfeld grundsätzlich international ausgerichtet ist. Noch einmal Professor Jacob: “Unser oberstes Ziel ist die Förderung der künstlerischen Exzellenz unserer Studierenden in den Sparten Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft, egal welcher Nationalität sie angehören. Der internationale Austausch ist für uns ein wesentliches Merkmal von Exzellenz und Weltoffenheit.”

“Exzellenz” ist ein Begriff, der in der Bildungsdebatte besonders gerne von FDP und CDU ins Spiel gebracht wird. An den Kunst- und Musikhochschulen in NRW findet sich diese Exzellenz längst verwirklicht, die derzeitigen Pläne für die Einführung von Studiengebühren gefährden sie massiv.

Nicht unwesentlich in diesem Zusammenhang ist auch, dass ein Widerstand gegen die in ihrer jetzigen Form für die Hochschulen untragbare Regelung nicht so leicht ist. Zum einen haben Kunst- und Musikhochschulen in der Bevölkerung einen relativ schwachen Rückhalt, zum anderen macht gerade die Internationalität eine breite Mobilisierung der Studierenden schwierig. Es ist also besonders einfach für die Politik gerade hier schmerzhafte Eingriffe durchzusetzen. Das Phänomen ist bekannt von Einsparungen im Kulturbereich, wo gerade Ballett-Compagnien leichte Sparopfer sind, weil die Mitglieder der internationalen Ensembles selten rechtliche Schritte ergreifen, einfach weil ihnen Sprach- und Kenntnisse der gesetzlichen Möglichkeiten fehlen.

5 Kommentare

Die Begabung von Musikern ist im früheren Lebensalter zu erkennen, als die von Naturwissenschaftlern. Sie ist schon während des Studium deutlich sichtbar. Auf diese Besonderheit sollte der Gesetzgeber eingehen. Es könnte also für Musiker Sonderreglungen geben. Die Fähigsten sollten von den Gebühren befreit werden. Dazu gibt es in allen, oder nur in wenigen Fächern eine besondere Förderung durch die "Studienstiftung des deutschen Volkes".
Ob die für ausländische Studierende gilt, weiß ich noch nicht.
Aber die Regierung könnte ähnliche Reglungen in ihre Gesetze mit einbauen. Wichtig wäre es durchaus.

Was wären die Bildenden K0nstr ohne Internationalität, was wären der Jazz, die Klassik oder der Pop ohne die stilbildenden internationalen Einflüsse? Man kann es auf einen einfachen Nenner btingen-phne Internationalität bräuchte es keine Hochschulen für Kunst und Musik.

Allerdings gilt das auch für nahezu alle anderen Hochschuldisziplinen von Relevanz.

Mir erscheint der Vorstoß der Koalition trotzdem nicht weit gedacht, vielmehr kleingeistig, pfiffig.

Hat man nicht den Exzellenzbegriff auch wegen der internationalen Konkurrenz um die schlauesten Köpfe gewählt? Warum sollten diese in Deutschland studieren, wenn es in anderen Ländern mit vergleichbarem Hochschulnivesu womöglich günstiger ist? -Was allerdings noch zu prüfen wäre- wie sieht es im europäischen Nschbarsraaten aus?

Die Argimentr, dass auskändische Studietende später "Markenbotschafter"werden ist genau so zutreffend wie Aspekte von späteren Handelspartnern im Auslans- oder sie bleiben hier,arbeiten,Gründen Unternehmen und Familie,zahlen Steuern.

Ich halte diese Idee für schlecht. Sinnvoller wäre allerdings ein Protest der Hochschulen in Gänze. Denn die Argumente der Musik- und Kiunsthochschulen treffen auch für die meisten anderen Disziplinen zu. Auch vergessen die Musik- und Kinsthochschulen , dass Talent alleine nicht ausreicht- es bedarf jahrelanger voruniversitärer Ausbildung, um das für ein Studium in Kunst und Musik erforderliche Niveau zu erreichen- und dieses Privileg ist in den meisten Regionen dieser Erde ohnehin sehr häufig eben nur finanziell Privilegierten vorbehalten.

Es ist sicherlich nicht meine größte Sorge, ob in NRW künftig noch so schön musiziert und getanzt wird wie bisher. Oder ob von Bulgarien bis Equador davon geschwärmt wird oder nicht. Diese Landesregierung muss sich schon anstrengen, um das Land in Punkto Wirtschaft, Sicherheit und Infrastruktur in Mittelmaß zu hieven.

Allerdings arbeite ich nach NRW-Studium seit Jahren im Ausland und werde das auch künftig tun. Auch nach kostenlosem Studium nach Hessen verzogen soll es schon gegeben haben. Müssten die dann rückwirkend zahlen, damit es fair bleibt? Das wirkliche Problem ist in Bildungsfragen die fürchterliche Kleinstaaterei, der Föderalismus.

Lieber/liebe/liebes Mika, finden Sie es nicht kontraproduktiv, wenn Sie auf der einen Seite fordern, dass NRW in einigen Bereichen wenigstens Mittelmaß erreicht, aber andererseits in Kauf nehmen, dass ausgerechnet jene Bereiche, in denen NRW Spitzenpositionen einnimmt, ohne Not und offensichtlich aus reiner Ahnungslosigkeit heraus gefährdet werden?

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