Schämt Euch – Christen!

Foto: flickr.com / conanil

Toleranz ist der Kern einer freien Gesellschaft. Nicht Beliebigkeit. Toleranz. In Frankfurt wird in wenigenTagen der hessische Kulturpreis verliehen. Ein Preis sollte an Navid Kermani aus Köln gehen. Doch die hessische Staatskanzlei unter Roland Koch (CDU) hat nun den Preis aberkannt. Es gab einen Eklat.

Man könnte jetzt einmal über die Taktlosigkeit sprechen, jemanden einen Preis zu verleihen und dann wieder abzuerkennen. CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert hält das für eine Posse.

Man könnte über die Methode sprechen, wie das geschah. Kermani wurde nicht von Kochs Behörde informiert, dass ihm der Preis aberkannt worden ist. Er erfuhr es von einem Reporter, der ihn um eine Stellungnahme zu dem peinlichen Fall bat.

Man könnte auch drüber sprechen, wie die Koch Behörde später log, als sie sagte, Kermani sei sehr wohl informiert worden und der Autor erzähle Quatsch. Das Vorgehen der Kochianer erinnert an die butalstmögliche Aufklärung. Aber egal.

Ich will über den Hintergrund reden: Kermani wurde der Preis aberkannt, weil sich zwei seiner drei Mitpreisträger beschwerten, sie wollten nicht zusammen mit dem Muslim ausgezeichnet werden. Der katholischen Kardinal Karl Lehmann und der ehemalige evangelische EKHN-Kirchenpräsident Peter Steinacker sagten, sie würden die Annahme des Preises ablehnen, weil Kermani sich in einem Artikel über die Götzenabetung des Kreuzes ausgelassen hätte.

Der Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden, Salomon Korn, ist der dritte Preisträger. Er hat nichts gegen Kermani. Und störte sich nicht weiter an dem Bildersturm.

Das Verhalten der beiden Christen ist in meinen Augen nicht nachvollziehbar. Zunächst geht es um Toleranz.

Deswegen wurden Vertreter von allen drei Religionen ausgezeichnet.

Zur Toleranz gehört es, Verständnis von der eigenen Religion zu haben, die anderen Religionen in ihren Eigenarten zu akzeptieren und die Unterschiede zu begreifen.

Der Streit um die Bilderverehrung ist uralt. So alt wie das Christentum, das Judentum und der Islam.

In allen Religionen ist oder war die Verehrung von Götzen,

Foto: flickr.com / conanil

Toleranz ist der Kern einer freien Gesellschaft. Nicht Beliebigkeit. Toleranz. In Frankfurt wird in wenigenTagen der hessische Kulturpreis verliehen. Ein Preis sollte an Navid Kermani aus Köln gehen. Doch die hessische Staatskanzlei unter Roland Koch (CDU) hat nun den Preis aberkannt. Es gab einen Eklat.

Man könnte jetzt einmal über die Taktlosigkeit sprechen, jemanden einen Preis zu verleihen und dann wieder abzuerkennen. CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert hält das für eine Posse.

Man könnte über die Methode sprechen, wie das geschah. Kermani wurde nicht von Kochs Behörde informiert, dass ihm der Preis aberkannt worden ist. Er erfuhr es von einem Reporter, der ihn um eine Stellungnahme zu dem peinlichen Fall bat.

Man könnte auch drüber sprechen, wie die Koch Behörde später log, als sie sagte, Kermani sei sehr wohl informiert worden und der Autor erzähle Quatsch. Das Vorgehen der Kochianer erinnert an die butalstmögliche Aufklärung. Aber egal.

Ich will über den Hintergrund reden: Kermani wurde der Preis aberkannt, weil sich zwei seiner drei Mitpreisträger beschwerten, sie wollten nicht zusammen mit dem Muslim ausgezeichnet werden. Der katholischen Kardinal Karl Lehmann und der ehemalige evangelische EKHN-Kirchenpräsident Peter Steinacker sagten, sie würden die Annahme des Preises ablehnen, weil Kermani sich in einem Artikel über die Götzenabetung des Kreuzes ausgelassen hätte.

Der Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden, Salomon Korn, ist der dritte Preisträger. Er hat nichts gegen Kermani. Und störte sich nicht weiter an dem Bildersturm.

Das Verhalten der beiden Christen ist in meinen Augen nicht nachvollziehbar. Zunächst geht es um Toleranz.

Deswegen wurden Vertreter von allen drei Religionen ausgezeichnet.

Zur Toleranz gehört es, Verständnis von der eigenen Religion zu haben, die anderen Religionen in ihren Eigenarten zu akzeptieren und die Unterschiede zu begreifen.

Der Streit um die Bilderverehrung ist uralt. So alt wie das Christentum, das Judentum und der Islam.

In allen Religionen ist oder war die Verehrung von Götzen, also bildlichen Darstellungen zumindest zeitweise verboten.

Heute lehnen das Judentum und die Muslime die Anbetung von Bildern ab.

Nur das Christentum erlaubt die Preisung von Materie, die Anbetung von Kreuz, Jesus am Kreuz und Heiligenbildern. Manche Bilder gelten sogar im Christentum als Wundertätig.

Kermani hat nun die Anbetung des Kreuzes in einem Artikel für die Neue Zürcher Zeitung als Götzenanbetung beschrieben und abgelehnt – in drastischen Worten. Das ist die klassische islamische Position. Gleichzeitig hört der Artikel nicht an diesem Punkt auf, stattdessen entwickelte der Kölner Autor in dem Artikel Verständnis für den Götzendienst. Die Kraft der Jesusdarstellung könne sogar einen Menschen zum Glaubensübertritt bekehren.

Und er spricht Wahrheiten aus. Nämlich dass die Jesusdarstellungen gerade in ihrer Barocken Form zum Pornografischen neigen.

Das ist ein Fakt. Er schreibt, dass er die Vergötterung des Schmerzen ablehne, gerade weil er das von der islamischen Schia kenne. Dass er dies barbarisch finde, als undank gegenüber der Schöpfung, als körperfeindlich.

Dies sagt er nicht aus fehlendem Respekt gegenüber den Kreuzanbetern, sondern als Anerkennung der Unterschiede zwischen Islam, Judentum und Christentum.

Kardinal Lehmann und der Protestant Steinacker lehnen diese Äußerungen ab. Und wollen nicht mit einem Menschen, der diese Gedanken hat, auf einem Podium stehen. Weil sie sich in ihrem Glaubenskern beleidigt fühlen.

Wer ist hier intolerant?

Ich denke nicht Kermani, der die Unterschiede zwischen den Religionen in einer sehr eingängigen Sprache beschreibt.

Ich denke Lehmann und Steinacker sind intolerant. Sie müssen lernen, dass es Unterschiede zwischen den Religionen gibt. Und dass nicht alle das Anbeten von zwei Latten samt Folteropfer toll finden.

Zunächst sollten Lehmann und Steinacker in der Geschichte der Kirche sehen, dass die Anbetung von Bildnissen nicht immer gut geheißen wurde. Im Konzil von Hiereia wurden Bilderanbeter aus der Kirche geschmissen. Erst das Konzil von Nicäa erlaubte schließlich zumindest die Verehrung von Bildern, wenn auch nicht die Anbetung von Kreuzen. Damit nicht genug. Etliche christliche Kaiser versuchten auch danach diesen Dienst am Bild auszurotten. Selbst die Protestenaten versuchten sich noch im Bildersturm.

Aber OK, das ist Geschichte und wir haben heute das Folteropfer am Kreuz im Herzen unserer Kirchen.

Ich denke, Lehmann und Steinacker sollten einsehen, dass es bei der Betrachtung der Kreuzanbetung zwei Sichtweisen gibt.

Einmal die äußere. Die nicht christliche. Und da sehen halt Betrachter in den Kirchen Menschen, die einen Balkensepp anbeten und glauben durch Zauberei gewonnenes zu Gott gehörendes Menschenfleich und –blut zu konsumieren. Das ist ein Fakt. Das kann der Betrachter ablehnen als Götzendienst. Diese Position dürfte nachvollziehbar sein.

Daneben gibt es die innere Sicht, die christliche. Und hier fühlen sich Menschen heimisch und aufgehoben bei Gott, in dessen tiefste Geheimnisse sie im Anbetracht des Leidenden aufgenommen werden. Auch dies ist ein Fakt, aber ein gefühlter, innerer. Niemand kann erwarten, dass diese Nummer nachvollzogen wird. Ein Gläubiger kann nur Respekt erwarten. Mehr nicht.

Kermani hat beides gemacht. Er hat die Äußerlichkeiten wahrgenommen und die innere Sicht respektiert.

Ich glaube nicht, dass man dem Denker Kermani einen Vorwurf machen kann.

Erst durch den Glauben selbst werden aus den harten Fakten der Wirklichkeit die Fakten der Religion. Wird aus ein Lattenkreuz samt halbnacktem Folter-Ken ein Göttliches Wesen, dass als Lamm die Sünden der Welt auf sich nimmt.

Diese Wahrheiten müssen auch Lehmann und Steinacker akzeptieren, wenn sie die anderen Religionen respektieren wollen.

18 Kommentare

Ich verstehe das als Außenstehender leider überhaupt nicht. Die drei Religionen stehen sich doch in Hokuspokus- und Voodooritualen in nichts nach. Wer das ernst nimmt hat selber schuld. Respektieren kann ich das -wenn überhaupt- als besondere Art der Angstbewältigung und/oder als kollektive Form des gewollten Irr-Sinns. Und das auch nur, wenn diese Leute wenigstens umgekehrt respektieren , dass es ein anständiges und sinnstiftendes Leben auch ohne Religion geben kann.

Wieso den “Balkensepp” ?
Jesus war doch kein Bayer und ausserdem sind wir doch im Ruhrgebiet. Da heisst das lokal korrekt “Zimmermanns-Jupp”. LOL

Aber mal ernsthaft. Das ein Protestant einen Muslim wegen seines Bildersturms ablehnt ist schon sehr seltsam in diesen seltsamen Vorgang. Den die Bilderkritik von Kermani trifft sich doch mit dem protestantischen Bilderverbot.

Zudem wird durch die Aberkennung, die doch wohl geplante Geste zerstört, Persönlichkeiten aller drei Weltreligionen auszuzeichnen. Stattdessen setzt man ein neues fatales Signal der Abgrenzung. Seltsam…

Wirklich korrekt geht es um Zimmermanns Jupp seinen Sohn. Zimmermanns Jupp ist Josef, der illegitime Vater.

Als ich die Geschichte in der Print-Ausgabe der FR gelesen hatte, war ich derart erschüttert, dass mir selbst die Worte für eine Erwähnung der Sache in meinem eigenen Blog fehlten – obwohl ich mich dort sehr gerne aufrege 😉

Gut, dass David das auf die Reihe bekommen hat 😉

Ich kann Lehmann und Steinacker überhaupt nicht verstehen. Gerade Lehmann gibt sich doch oft als toleranter, weltoffenener Denker.

Welche Motive haben die Beiden? Warum treten sie eine solche Chance der Versöhnung mit den Füßen?

Wenn man sich das folgende Zitat aus dem besagten Artikel von Kermani zu Gemüte führt kann man die Position Lehmanns – selbst als Ungläubiger – sehr wohl verstehen.

“Kreuzen gegenüber bin ich prinzipiell negativ eingestellt. Nicht, dass ich die Menschen, die zum Kreuz beten, weniger respektiere als andere betende Menschen. Es ist kein Vorwurf. Es ist eine Absage. Gerade weil ich ernst nehme, was es darstellt, lehne ich das Kreuz rundherum ab. Nebenbei finde ich die Hypostasierung des Schmerzes barbarisch, körperfeindlich, ein Undank gegenüber der Schöpfung, über die wir uns freuen, die wir geniessen sollen, auf dass wir den Schöpfer erkennen. Ich kann im Herzen verstehen, warum Judentum und Islam die Kreuzigung ablehnen. Sie tun es ja höflich, viel zu höflich, wie mir manchmal erscheint, wenn ich Christen die Trinität erklären höre und die Wiederauferstehung und dass Jesus für unsere Sünden gestorben sei. Der Koran sagt, dass ein anderer gekreuzigt worden sei. Jesus sei entkommen. Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie.”

Insgesamt bleibe ich jedoch bei meiner Position. Der hier von b e i d e n Seiten aufgezogene Religionsstreit wird absichtlich inszeniert, ist komplett irrational und menschenfeindlich. Als wenn z.B. der Koran nicht ebensolche barbarischen und körperfeindliche Elemente enthielte. Als wenn nicht alle hier betroffenen Religionen im Kern sexual- und damit körperfeindlich wären,was man vor allem bei der der ehelichen und familiären Domestizierung des Frauenkörpers und dem Verbot der gleichgeschlechtlichen körperlichen Liebe sehen kann.

Hat Kermani eigentlich z.B. schon was über die Körperfeindlichkeit der öffentlichen Verhüllung der Frau vom Scheitel bis notfalls zu Sohle geschrieben? Z.B. schon was über die Barbarei der Steinigung für Ehebrecherinnen? Oder schon was gegen die religiöse Hetze gegen die gleichgeschlechtliche Liebe? Würde mich echt interessieren.

Die Überschrift von diesem Posting ist aber auf jeden Fall unrichtig. Es müsste heißen: Schämt euch ihr Berufsgläubigen!

@ Arnold Voss,
was glauben Sie, kann ein Ungläubiger zum Dialog zwischen Verschiedengläubigen beitragen?
Ich meine jetzt keineswegs, dass er es nicht versuchen dürfte. Ich meine allerdings, dass er sich dann schon ein wenig in die fremden Gedankengebäude hineinbegeben muß.

Warum kramen Sie alle bekannten Zuschreibungen aus, wo es um ein theologisches Problem geht?

Offensichtlich wissen Sie nichts über Kermani und dies gibt Ihnen das Recht anzunehmen, dass er zu den von Ihnen für wichtig gehaltenen Fragen keine angemessene Meinung hat?

Der Foltertod Jesu ist auch für Christen ein Problem. Welche unglaubliche Gnadenlosigkeit kommt darin zum Ausdruck?
Sie machen sich darüber mit dem Lattenjupp oder Balkensepp lustig. Man kann durchaus mehr damit machen.

@ Andreas Scholz

Halten sie mir zu Gute, dass ich hier nicht mit zweifellos abwertenden Begriffen wie Balkensepp usw.operiere. Und wenn ich z.B. von gewolltem Irr-Sinn rede, dann hat das, wie sie schon an der Schreibart erkennen können, nichts mit Lächerlichmachen zu tun sondern mit der Beschreibung einer bestimmten Art der Realitätskonstruktion die ich – zugegeben – für strukturell suspekt erachte.

Der Glaube des Menschen ist ihm ein tiefes Bedürfnis das Religionen und ihre beruflichen Vertreter, zu denen auch die Theologen gehören, nach meiner Ansicht schamlos für ihre Interessen ausnutzen. Aber das, da haben sie recht, müssen die Gläubigen untereinander ausmachen.

Wenn ein (muslimischer) Theologe allerdings mit dem Begriff der Körperfeindlichkeit operiert, dann begibt er sich eindeutig außerhalb der Theologie und muss sich diesbezüglich schon ein paar Fragen gefallen lassen.Da machen sie es sich zu leicht, wenn sie behaupten, dass dem Ungläubigen das diesbezügliche (theologische) Gedankengebäude (zu) fremd ist.

Es scheint mir vielmehr umgekehrt zu sein. Nämlich dass der Mehrheit der Theologen die biologischen, physischen, psychsomatischen und vor allem kulturell ansozialisierten Eigenschaften des menschlichen Körpers (zu) fremd sind. Dass sie sich aus absolut eigennützig-theologischen und religiösen Gründen diesen Erkenntnissen sogar systematisch verweigern.

Ich finde es überhaupt ziemlich anmaßend, wenn sich Theologen als die einzigen definieren, die sich zu Glaubensfragen äußern dürfen und können. Es gibt einen menschlichen Glauben jenseits der Theologie und ihrer selbstreferentiellen Bücher- und Textauslegungen. Einen der von Innen kommt und all diese “unglaublichen” Übergebäude, die sich die Theologen dieser Welt über Jahrtausende herbeigeschrieben und konstruiert haben, nicht unbedingt nötig hat.

Es gibt auch eine Wertediskussion jenseits der Theologie, die sich nicht die dort üblichen Selbstbeschränkungen auferlegen muss, die einzig und allein darin begründet sind, dass die verschiedenen religiösen Gemeinden und ihre Vertreter ziemlich böse werden können und die Muskeln ihre selbst herbeidefinierten und rigoros gesicherten Macht gegen die Quer- und Andersdenker, auch bekannt als Ketzer, gerne mal auch etwas heftiger spielen lassen.

Und was sie mir als die üblichen Zuschreibungen ankreiden sind eben keine “Schreibungen” sondern vielmehr für viele Frauen und für viele Homosexuelle und deren Körper (und Geist) auf dieser Welt bittere Realität.

Und was den Foltertod Jesu Christi betrifft so war dieser, wenn ich es richtig verstanden habe, freiwillig bzw.diente er der Rettung der Christenheit nach dem Motto: einer opfert sich für alle. Da Sorge ich mich doch mehr um die wirklichen Menschen die auf dieser Erde unfreiwillig gefoltert werden und wurden.

Ach ja, wo haben sie übrigens gelesen, dass ich annehme, dass der betreffende Theologe zu den von mir für wichtig gehaltenen Fragen keine angemessene Meinung hat? Ich habe vielmehr gefragt, ob er eine hat und welche das ist. Also helfen sie einem Ungläubigen und sagen s i e es mir, denn in ihren Vorwürfen wird für mich deutlich, dass sie Kermani bzw. seine Positionen besser kennen als ich.

Und sie könnten mir noch bei einer anderen Aussage dieses Theologen in besagtem Aufsatz in der NZZ helfen der lautet, ich zitiere: “Der Koran sagt, dass ein anderer gekreuzigt worden sei. Jesus sei entkommen.” Kann es sein, dass Kermani den Koran nicht nur als Glaubensanleitung und als Argumentationsbasis gegen die Bibel des Christentums sondern auch noch als Geschichtsbuch auffasst?

Und es geht weiter …

Inzwischen hat sich Herr Steinacker zu Wort gemeldet. Siehe FAZ-online.

Hi Arnold,

Du musst den Text schon zu Ende lesen. Um nicht in die selbe Falle zu tappen, wie die Lehmänner. Der Autor ärgert sich über das Symbol des Kreuzes als Folterinstrument.

“Wenn solche Vorgänge für mich nur Kindereien wären, hätte sie sich auch bekreuzigen können. Für mich aber ist das Kreuz ein Symbol, das ich theologisch nicht akzeptieren kann, akzeptieren für mich, meine ich, für die Erziehung meiner Kinder. Andere mögen glauben, was immer sie wollen; ich weiss es ja nicht besser. Ich jedoch, wenn ich in der Kirche bete, was ich tue, gebe acht, niemals zum Kreuz zu beten. Und nun sass ich vor dem Altarbild Guido Renis in der Kirche San Lorenzo in Lucina und fand den Anblick so berückend, so voller Segen, dass ich am liebsten nicht mehr aufgestanden wäre. Erstmals dachte ich: Ich ? nicht nur: man ?, ich könnte an ein Kreuz glauben.

Reni verklärt nicht den Schmerz, den er nicht zeigt. Ihm gelingt, was andere Jesusdarstellungen behaupten: Er führt das Leiden aus dem Körperlichen ins Metaphysische über. Sein Jesus hat keine Wunden, keine Abzeichen der Striemen und Hiebe, ist schlank, aber nicht abgemagert. Selbst wo seine Hände und Füsse ans Kreuz genagelt sind, fliesst kein Blut. Wären die Nägel nicht, es sähe aus, als breite er die Hände zum Gebet aus. Er blickt in den Himmel, die Iris aus dem Weiss des Auges beinah verschwunden: Schau her, scheint er zu rufen. Nicht nur: Schau auf mich, sondern: Schau auf die Erde, schau auf uns. Jesus leidet nicht, wie es die christliche Ideologie will, um Gott zu entlasten, Jesus klagt an: Nicht, warum hast du mich, nein, warum hast du uns verlassen?””

Hi David,
ich habe das Kreuz mit der angenagelten Keatur darauf weder in seiner dramatisierenden (blutigen) noch in seiner romantisierenden (unblutigen) Fassung je gut gefunden. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass es Abermillionen Christen mit Inbrunst tun. Und das Abermillionen von Muslimen ähnlich archaische und bararische Symbole/Strafen/Opfer ebenfalls toll finden.

Ich bleibe dabei, die muslimische und die christliche aber auch die jüdische Religion sind sich unter diesem Aspekt ähnlicher als die Matadore wahr haben wollen. Und sie sind alle körperfeindlich, was die sexuelle Lust außerhalb der in ihren Regeln vorgesehen Formen betrifft.

Und ich fände es gut, wenn hier einer mal meine Fragen zu den Positionen dieses “aufgeklärten” muslimischen Theologen zur Frauenemanzipation und zur Homosexualität beantworten könnte. Und ob für ihn der Koran auch ein ernst zu nehmendes Geschichtsbuch ist.

Gestern war ich überrascht, immer noch nichts über diesen Fall bei kath.net zu lesen.

Und nun …

“Hessischer Kulturpreis: Streit um das Kreuz
Muslim bezeichnet Kreuzestheologie als Gotteslästerung”

Allein schon die Überschrift macht mich wütend!

Er hat einen Namen! Der Mensch heißt Navid Kermani (der dann auch im dritten Abschnitt des Artikels auftaucht …).

Im ersten Abschnitt heißt es: “Ursprünglich wollte die Hessische Landesregierung mit dem Preis einen Katholiken, einen Protestanten, einen Juden und einen Muslim ehren, die sich um den interreligiösen Dialog und um eine Kultur des Respekts verdient gemacht haben…” Na ja, auf einer kath. net-Seite muss man nicht die eigene Gruppe an erster Stelle nennen …

“…Lehmann und Steinacker reagierten verstört:…” So war das? Sieht es so aus, wenn Menschen verstört reagieren? Sehr verwundert.

Wer den ganzen Artikel lesen möchte:
http://www.kath.net/detail.php?id=22938

Werte Barone,
in Wirklichkeit haben die drei Männer doch einen Deal gemacht: wir produzieren einen kleinen Skandal, und dann interessiert sich alle Welt für uns, jeder kennt uns, jeder ist gespannt auf unsere Texte, unsere Worte. Wenn das keine gelungene PR war. Manche Agentur wird neidisch sein. Nur der vierte, der hat den Zug verpasst.

“…Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich deswegen verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.”…” (Lehmann, FAZ, siehe link unten)

“…Ich..mir…mich…mich…ich mir…” Natürlich gebrauche ich auch das Personalpronomen ich usw.. Aber das Herausgelöste (siehe vorher) springt mir einfach so entgegen – Kardinal Lehmann kreist nach meinem Empfinden sehr um sich …

http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~EF27CC4080DE747E1A50FD6B21630F246~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man Anstoß nimmt am Verhalten von Kardinal Lehmann und Peter Steinacker. Was mich jedoch stark verwundert, ist, dass die Medien nicht darüber berichteten, dass der Orientalist Fuat Sezgin (Professor emeritus für Geschichte der Naturwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main) den Preis nicht annahm, weil er nicht zusammen mit Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, geehrt werden wollte.

@ Arnold Voss

Es ist richtig: Bei iranischen Männern ist grundsätzlich Skepsis bezüglich der von Ihnen vertretenen religiösen Urteilen angebracht. Navid Kermani aber ist ein ungemein reflektierter und intelligenter Mann. Sie können das überprüfen, auf seiner Homepage kann man mehrere seiner in großen Zeitungen erschienenen Artikel lesen. Man würde ihm großes Unrecht tun, stellte man ihn in eine Reihe mit dogmatischen Moslems.

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