Schalke 04 und Borussia Dortmund stehen Anfang 2017 jeweils vor großen Herausforderungen

Bei BVB-Trainer Thomas Tuchel ging zuletzt häufiger mal etwas ‘ins Auge’. Foto: Robin Patzwaldt

Die Winterpause ist fast überstanden. Endlich geht es also nun auch in der Fußball-Bundesliga wieder los, wenn schon heute Abend der Aufsteiger SC Freiburg gegen die schier übermächtigen Bayern aus München antritt. Auch die beiden großen Revierclubs, Borussia Dortmund und der FC Schalke 04, steigen an diesem Wochenende wieder in das Geschehen ein. Die Schalker empfangen am morgigen Samstag den FC Ingolstadt, die Dortmunder Borussen gastieren zeitgleich in Bremen beim dortigen SV Werder.

Die sportliche Situation bei den beiden Revierclubs war allerdings zweifelsohne schon einmal deutlich rosiger.

Die Schalker kommen aus einer wahrlich ernüchternden Phase, haben aktuell erst 18 Punkte aus 16 Ligaspielen, liegen damit derzeit nur auf Rang 11 in der Liga. Die angespannte Personalsituation im Kader des Clubs hat sich auch über den Winter auch nicht wirklich entspannt.

Markus Weinzierl muss weiterhin auf viele wichtige Führungsspieler im Kader verzichten. Ob die Rückrunde die Knappen da weiter nach oben, gar noch in Richtung ‚Internationales Geschäft führen kann? Zweifel erscheinen angebracht.

Das Erstaunliche derzeit: Auf Schalke ist es vergleichsweise ruhig. Der Wechsel an der Führungsspitze, von Horst Heldt und Andre Breitenreiter, hin zu Christian Heidel und Markus Weinzierl, bekommt die erforderliche Geduld, wie es ausschaut. Das ist positiv. Man stelle sich die derzeitige sportliche Situation einmal unter Heldt/Breitenreiter vor. Gar nicht auszumalen, wie man diese beiden vermutlich ‚durchs Dorf‘ getrieben hätte. Ähnliches gilt auch rückblickend für Di Matteo.

Ein Rang 11 wäre bei diesen Übungsleitern so garantiert niemals verziehen worden. Nun ist es ja schön, dass man die Geduld offenbar aktuell aufbringt. Allerdings ist das wohl auch ein Zeichen für die derzeit stetig leicht absinkenden Ansprüche auf Schalke. Ein Europa League-Platz am Ende der Saison würde für das Duo Heidel/Weinzierl wohl inzwischen sogar als Erfolg verkauft werden können. Und die Fans würden sich auch freuen. Wetten? Was für ein Unterschied zu den Vorjahren!

Und der BVB? Der liegt nach einem guten Saisonstart aktuell auch bereits hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Probleme waren nach dem großen Kaderumbruch durchaus erwartet worden. Allerdings eigentlich wohl eher direkt zu Beginn und nicht gegen Ende der Hinrunde.

Nach einem, abgesehen von der Niederlage in Leipzig, überraschend guten Start, baute die Truppe von Thomas Tuchel im Herbst dann allerdings plötzlich klammheimlich immer mehr ab. Viel zu viele Ausrutscher machten es unmöglich mit dem FC Bayern und sogar mit RB Leipzig schrittzugehen. Inzwischen liegt man am unteren Ende der Europa-League-Plätze.

Der Abstand auf die Plätze Drei und Vier ist allerdings noch überschaubar, scheint durchaus  aufzuholen, wenn der BVB denn endlich zu einer gewissen Konstanz zurückfinden kann. Das ist dem Kader durchaus zuzutrauen. Schließlich ist dieser mit diversen hochtalentierten und auch teuren Neuzugängen gut bestückt. Verletzungspech hat es Thomas Tuchel im Herbst zudem sehr schwer gemacht seine Formation zu finden.

Trotzdem ist die Geduld der Fans mit ihm in Dortmund durchaus auch endlich, wie es zuletzt schien. Immer lauter wurde das öffentliche Gemecker über den Übungsleiter, der als Klopp-Nachfolger im Sommer 2016 einen durchaus undankbaren Job übernahm, in seiner ersten Saison mit Platz Zwei und einigen vereinsinternen Rekorden jedoch vollends zu überzeugen konnte.

Der Beliebteste war Tuchel bei den eigenen Anhängern bisher allerdings ohnehin noch nie. Muss er aber ja auch nicht, solange der sportliche Erfolg da ist. Bleibt dieser jedoch auch im weiteren Verlauf der Saison weitestgehend aus, dann dürfte die Trainerdiskussion beim BVB schon in wenigen Wochen ungeahnte Dimensionen erreichen.

Und dabei gibt es an den fachlichen Qualitäten des Ex-Mainzers keinerlei Zweifel, gilt er in Fachkreisen als einer der besten Trainer Europas. Nur was nützt all das, wenn die Siege nicht gelingen wollen?

Auch seine Personalpolitik wurde zuletzt immer lauter hinterfragt. Diverse verdiente Alt-BVB-er wie Nuri Sahin, ‚Kuba‘, Kevin Großkreutz und Neven Subotic wurden aus Sicht vieler Fans nicht entsprechend gewürdigt, vielfach bereits aus Dortmund wegtransferiert. Auch das mag einem Verantwortlichen letztendlich stets verziehen werden, wenn denn der Erfolg kommt. Das Ganze wird jedoch rasch zum Bumerang für einen Entscheider, wenn dieser ausbleibt. Auch vor diesem Hintergrund wird das Jahr 2017 in und um Dortmund äußerst spannend werden.

Und erste neue Erkenntnisse für beide Teams dann bereits am morgigen Samstagnachmittag. Wetten?

5 Kommentare

Robin, schön für alle Fans, daß es ab heute wieder losgeht und daß Du wieder mit Deinen Kommentaren dabei bist.
BVB und S04……..
Beide Mannschaften strotzen derzeit nicht vor Selbstbewußtsein, u.a. wegen des Dauerproblemes mit verletzten Spielern.

Trotzdem habe ich bezogen auf "meinen BVB" die Hoffnung, daß es für Platz 3 reichen könnte; Platz 4 wäre auch noch eine "gute Positionierung"; und wenn nicht…….? Dann war die Saison eben unbefriedigend.

Und S04? Da wage ich überhaupt keine Prognose.
Daß ich mir als BVB-Fan wünsche, daß So4 mindestens einen Platz hinter uns die Saison abschließen möge, versteht sich von selbst. Aber Wünsche gehen bekanntlich selten in Erfüllung.

Ja @Robin, endlich geht es weiter mit der Bundesliga. Beim BVB ergibt sich bisher ein gemischtes, aber doch insgesamt eher positives Bild der bisherigen Saison: Gruppensieger in der CL vor Real, im Pokal noch dabei, in der Liga nur wenige Punkte von Platz 3 weg.

In der Liga hat es den einen oder anderen unnötigen Punktverlust gegeben. Andererseits hat der BVB die Erwartungen bei den Fans durch den guten Start in die Saison höher geschraubt als das, was man realistischerweise erwarten konnte.
Denn der BVB muss diese Saison den größten personellen Umbruch seit vielen Jahren bewältigen.
Drei Schlüsselspieler, Hummels, Gündogan und Mkhitaryan, wechselten. Zusätzlich ist auch noch Weltklassemann Reus mehrere Monate ausgefallen, außerdem auch Bender nach seiner Verletzung bei Olympia.
8 neue Spieler verpflichtete der BVB und neue Spieler brauchen eine Eingewöhnungszeit, gerade die, die aus dem Ausland kommen, wobei einige noch sehr jung sind und / oder zuvor noch nicht auf diesem Niveau spielten. Und jungen Talenten muss man ohnehin Zeit zur Entwicklung geben.

Berücksichtigt man das alles, dann musste man mit einem eher holprigen und durchwachsenen Start in die Saison rechnen und war es ein durchaus ambitioniertes Ziel, sich erneut direkt für die CL qualifizieren zu wolllen.

Dann aber startete der BVB viel besser in die Saison als erwartet und dass der BVB in der Folge etwas ins stottern kam, lag auch an dem großen Verletzungspech. Denn zeitweise sind bis zu 10 Spieler gleichzeitig ausgefallen, was sich gerade bei einem neuformierten Team besonders negativ auswirkt. Zuletzt musste man auch noch den Ausfall des Stammtorhüters verkraften.

Dass sich jetzt ausgerechnet Bender, der die Innenverteidigung stabilisieren sollte, erneut verletzt hat und wochenlang ausfällt und auch hinter dem Einsatz von Sokratis ein Fragezeichen steht, ist natürlich sehr schade.

Dennoch muss ich sagen, wenn sich die Verletzungsproblematik in der Rückrunde in normalen Grenzen halten sollte, besteht Grund zum Optimismus.
Gerade für Mittelfeld und Offensive sind dem BVB tolle Verpflichtungen gelungen. Guerreiro ist wieder fit. Er und Dembélé haben beim BVB viel schneller Fuß gefasst als es zu erwarten war. Guerreiro ist sogar ein Mann für die Schaltzentrale im Mittelfeld und Dembélé ist ein Mega-Offensivtalent. Schürrle überzeugte zu Anfang, verletzte sich dann aber zweimal, ist jetzt wieder auf dem Weg zu guter Form. Auch bei Götze ist eine Aufwärtstendenz erkennbar. Reus ist ohnehin gut drauf und Weigl ist gesetzt. Rechnet man noch Castro, Kagawa, Pulisic, Mor usw. dazu, dann sind Mittelfeld und Offensive trotz der schmerzlichen Abgänge top besetzt. Und Superstürmer Aubameyang ist hoffentlich bald wieder unverletzt zurück.
Wichtig ist, dass die Defensive stabiler agiert und eine bessere Balance zwischen Offensive und Defensive erreicht werden kann, auch die unnötigen individuellen Fehler mehrerer Spieler abgestellt werden können. Da müsste in der Rückrunde eigentlich ein weiterer Entwicklungsschritt zu sehen sein. Es war aber klar, dass es schwer wird, Hummels als Abwehrchef und Top-Aufbauspieler zu ersetzen, dass das etwas Zeit braucht.

Tuchel leistet bisher gute Arbeit, hat seine erste Saison bestens bewältigt und steht diese Saison vor einer Art Reifeprüfung. Denn er kann zeigen, dass er einen europäischen Topklub wie den BVB trotz der genannten Widrigkeiten, trotz des großen personellen Umbruches gut und erfolgreich durch die Saison bringt.
Ich teile die Einschätzung von @Robin Patzwalt, dass Tuchel natürlich nicht an den Beliebtheitsgrad eines Klopp heranreicht, aber dass das auch nicht sein muss und es ist auch kaum möglich. Dass Klopp auch ein Menschenfänger und zudem sehr unterhaltsam und witzig ist, ist ohnehin eher ein Alleinstellungsmerkmal und trifft ja so auf sonst kaum einen der Toptrainer in Europa zu. Ein Trainer hat die Aufgabe, eine Mannschaft gut und erfolgreich zu trainieren und wenn er das schafft, wird er auch anerkannt. Tuchel ist intelligent und man kann ihm zutrauen, dass er schnell lernt. Man darf nicht vergessen, dass er erstmals ein europäisches Topteam trainiert. Wie die neuformierte Mannschaft so ist auch Tuchel als sehr junger Trainer noch in der Entwicklung und lernt ständig dazu. Tuchel muss sich auch noch daran gewöhnen, dass seine öffentlichen Auftritte und Aussagen ein wesentlich höheres Gewicht und eine wesentlich größere Bedeutung haben als das noch in Mainz der Fall war. Dinge wie die Fouldiskussion oder zuletzt unglückliche Aussagen zur Kapitänsfrage schlagen dann sofort hohe Wellen. Ich denke, Tuchel wird sich auch in dieser Hinsicht schnell verbessern, muss das auch.

@Robin Patzwalt hat Recht, dass es trotz nur Platz 11 in der Liga bei unseren Reviernachbarn aus Herne-West vergleichsweise und erstaunlich ruhig ist. Das zeigt, dass man dem neuen starken Mann Heidel einen Vertrauensvorschuss gibt und ihm zutraut, dass er einen Plan hat, der mittel- und langfristigen Erfolg garantiert. Unter dem umstrittenen Heldt schafften es die Schlümpfe ja regelmäßig ins internationale Geschäft, mehrfach auch in die CL. Davon ist man derzeit trotz der schwächelnden Gladbacher, Leverkusener und Wolfsburger weit entfernt und es besteht die Gefahr, dass sogar ein EL-Platz verpasst wird. Ich bin mal gespannt, ob man es dann schafft, weiterhin ruhig zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass es Heidel in den nächsten Jahren trotz der größer gewordenen Konkurrenz um die internationalen Plätze schon richten wird.
Jeder wird aber verstehen, dass das meine geringste Sorge ist. Wichtig ist, dass der BVB nach wie vor alle Chancen hat, sich erneut für die CL zu qualifizieren und ich bin auch zuversichtlich, dass das gelingt. Und vor Herne-West wird der BVB diese Saison auf jeden Fall landen.

Trainer-Vergleiche? Hier Klopp-Tuchel?

Von solchen Trainer-Vergleichen halte ich generell nichts, folglich auch nicht im knkreten -Tuchel/Klopp.

Letztendlich zählt nur der Erfolg, den die Mannschaft erzielt, um über die Fähigkeiten eines Trainers urteilen zu können. Ob er als Person/Persönlichkeit beliebt ist, ob der sympathisch wirkt, ob er die Nähe zu den Fans pflegt? Das alles mag durchaus bedenkenswert erscheinen, wenn über die Person/die Persönlichkeit eines Trainers geredet oder gar geurteilt wird. Nur, so meine ich, wir würden als Fans nicht fähig sein, einen Trainer "in die Wüste zu schicken", der z.B. mit seiner Mannschaft Deutscher Meister, Deutscher Pokalsieger und Champlig-Gewinner geworden ist,, nur weil er auf die meisten Fans unsympathisch wirkt, weil er nicht beliebt ist oder weil er bewußt Abstand zu den Fans zu halten versucht.

Bezogen auf Tuchel und den BVB?
Ich sehe nicht den geringsten Anlass, dieses Thema überhaupt aufzugreifen, geschweige denn, es jetzt und hier zu problematisieren, um dann darüber ausgiebig und strittig zu diskutieren.

PS
Problematisieren möchte ich jedoch kurz die Verletzung von Bender durch einen grobes Foul eines Spielers des FC Paderborn. Ich kann nicht verstehen, daß die Verantwortlichen des BVB nach der bösen Verletzung von Reus durch ein grobes Foul des FC P.-Spielers Bacherlorz(?) im letzten Jahr trotzdem wieder zu einer freundschaflichen(!!)Begegnung in Paderborn angetreten sind; mit vergleichbar schwerwiegenden Folgen für die Mannschaft.

Ich bleibe dabei, dass ich mich freue, wenn Tuchel ab und an auch Nerven zeigt und dadurch dem Eindruck entgegenwirkt, da stecke nur Kalkül und fast schon medikamentös ausgelöste Coolness in seinem Kopf;-)

@Walter Stach: Bakalorz war auch mal bei uns, wie eine ganze Latte von Spielern in ihrer Karriere zwischen Dortmund und Paderborn wechselten (Duksch, Vrancic, Hünemeier, Saglik etc. pp.) Zu Zeiten des Paderborner Erstliga-Gastspiels sprach man auch von "Dortmund I" und "Dortmund II", also ist diese Affinität für schnell abwickelbare Freundschaftsspiele logisch. Aber Susi hat die Freundschaft ja grade aufgekündigt: "Dieses Stadion werden wir nicht mehr freiwillig betreten";-)

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