Saisonstart im Schatten: Die 2. Fußball-Bundesliga hätte durchaus mehr Beachtung verdient!

Das Stadion des FC St. Paili in Hamburg. Foto: Daniel Jentsch
Das Stadion des FC St. Pauli in Hamburg. Foto: Daniel Jentsch

Traditionell startet die 2. Fußball-Bundesliga mit ihren ersten beiden Spieltagen zeitlich deutlich vor dem ansonsten ständig mehr beachteten Fußball-Oberhaus, welches dann erst nach dem DFB-Pokalwochenende Ende August in den Ligabetrieb einsteigen soll.

Ursprünglicher Gedanke dahinter war natürlich, dass man dem Unterhaus so die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fußballfans im Lande zusichern möchte, somit auch etwas Reklame für den inzwischen durchaus recht attraktiven Fußball in dieser Liga machen will.

So auch in diesem Jahr, wo der Spielbetrieb in Liga 2 aktuell bereits wieder startet. Wahrlich eine beachtenswerte Ansammlung von Traditionsclubs, darunter immerhin 11 ehemalige Deutsche Meister aus Ost und West, welche da aktuell ihr monatelanges Kräftemessen beginnen.

Pech allerdings in diesem Jahr nur, dass die Olympischen Spiele in Rio dem Fußball hierzulande aktuell doch viel von der ursprünglich angedachten ungeteilten Aufmerksamkeit rauben.

So besuchten das Spitzenspiel des VfL Bochum gegen Union Berlin, beides Teams welche sich durchaus in der Lage sehen ein Wörtchen um die Aufstiegsränge mitsprechen zu wollen, dann auch ‚nur‘ 17.100 Zuschauer. Ein Wert, welcher sich leider dann doch nicht wesentlich von einem ‚normalen‘ Heimspiel des VfL unterscheidet. Eher enttäuschend. Und das trotz des durchaus vorhandenen ‚Premierenfiebers‘ zum Ligastart und der aktuell auch noch fehlenden Konkurrenz in den direkt benachbarten Städten, wo Schalke und der BVB aktuell ja noch im Trainingslager bzw. der Saisonvorbereitung weilen.

Tatsächlich ist es derzeit insgesamt auch noch sehr schwer vorherzusagen, welche Teams in diesem Jahr am Ende den Aufstieg in die Eliteliga des nationalen Fußballs erreichen können. Neben den ‘natürlichen Favoriten’, den beiden Absteigern aus dem Oberhaus, dem VfB Stuttgart und Hannover 96, gibt es nämlich noch eine ganze Reihe von Teams, welche man durchaus eine gute Rolle in Liga 2 zutrauen kann.

Der letztjährige Dritte aus Nürnberg hegt natürlich wieder ähnliche Ambitionen, der FC St. Pauli aus Hamburg dürfte ebenfalls wieder vorne mitspielen wollen, so wie (hoffentlich) auch der VfL Bochum, Union Berlin, oder auch die deutlich verstärkten ‚Löwen‘ von 1860 München. All diese Teams schielen mehr oder weniger offen ausgesprochen in Richtung des ersten Tabellendrittels. Dazu kommt bestimmt auch in diesem Jahr wieder das ein oder andere Überraschungsteam. Das verspricht viel Spannung.

Die Leistungsdichte in der Liga ist, nachdem die finanziell deutlich bevorteilten Leipziger sich ja bereits in Richtung 1. Bundesliga verabschiedet haben, wohl selten eng und ausgeglichen. Schon in den Vorjahren musste ja die halbe Liga bis zum Ende aufpassen nicht abzusteigen. Eine Spannung, wie sie dem Oberhaus zuletzt, weder an der Tabellenspitze noch im Abstiegskampf in ähnlicher Weise auf Dauer zu Teil wurde.

Man könnte inzwischen sogar meinen, dass die ‚Zweite‘ inzwischen eigentlich die interessantere Bundesliga ist. Wenn auch die Zuschauerzahlen da aktuell noch nicht so ganz mitzuspielen scheinen. Und auch die Rolle die das Unterhaus im Fernsehen bzw. in den Medien insgesamt spielt, scheint dieser Rolle aktuell nicht sonderlich angemessen.

Wer über kein Pay-TV-Abo verfügt, der bekommt von der Spannung dort häufig nur recht wenig mit, wenn er denn nicht regelmäßig höchstselbst die 18 Stadien im Lande besucht.

Leider ist das Ruhrgebiet nach dem direkten Wiederabstieg des MSV Duisburg aktuell ja wieder nur noch mit einem Team, dem VfL Bochum, dort vertreten.

Und der VfL, der inzwischen auch schon sechs Jahre in Folge nicht erstklassig unterwegs ist, der hat aktuell mal wieder einen Umbruch im Sommer hinter sich.

Ob man mit dieser frisch zusammengewürfelten Truppe am Ende tatsächlich mit Stuttgart, Hannover, Nürnberg  & Co wird mithalten können, das muss sich erst noch erweisen.

Der Start am Samstag ist beim insgesamt eher glücklichen 2:1-Heimerefolg gegen den Mitkonkurrenten aus der Hauptstadt jedenfalls geglückt. Die ‚Eisernen‘ aus Berlin waren zwar spielerisch mindestens ebenbürdig, brachten sich am Ende jedoch durch einen Torwartfehler um die Früchte ihres durchaus gelungenen Auftritts zum Saisonstart.

Der VfL kann nun die nächsten Tagen erst einmal in Ruhe weiter an den Automatismen im neu zusammengestellten Kader arbeiten. Und vielleicht werden dann bald auch endlich mal wieder mehr als 17.000 Besucher den Weg ins Stadion an der Castroper Straße finden.

Obwohl das, wenn erst einmal Schalke und Dortmund in der direkten Nachbarschaft wieder präsent sind, nicht einfacher werden dürfte.

Insgesamt keine einfachen Zeiten für Zweitligafußball aktuell. Auch wenn die Attraktivität des eigenen Produktes eigentlich durchaus gegeben ist. Irgendeiner ist immer da, der einem die Aufmerksamkeit der Massen streitig machen will. Wenn es dann in zwei Wochen nicht mehr die Olympischen Spiele von Rio sind, dann ist das Fußballoberhaus mit all seiner medial dominierenden Power wieder am Start…

Es wird also erst einmal nicht einfacher für Hannover, Stuttgart, Bochum & Co. aus zumindest ein Stück weit aus dem Schatten der ‚Großen‘ herauszutreten! Dabei hätte die ‚2. Liga‘ das insgesamt durchaus verdient!

2 Kommentare

@Robin,
(hätte Beachtung verdient?) sehe ich nicht so!
Sport, speziell Fußball hängt den Bewohnern dieser Welt zum Hals heraus. Glücklicherweise, kann man sagen. Jetzt sind wieder mal alle irritiert, aber irgendwann mußte das ja kommen. Alles hat schließlich ein Verfallsdatum. Dabei hat sich dieser Trend schon während der total verunglückten Fußball- EM, der verkorksten Ligasaison, und der Tatsache, daß keine Mannschaft der jetzigen 2. Liga in die 1.Liga aufgestiegen ist,abgezeichnet. Wer soll denn da noch Interesse haben? Und die 1. Liga? Ich weiß doch schon, wer diesesmal Meister wird. Echt langweilig.

@Helmut: Sorry, Helmut, aber das Gegenteil ist doch der Fall! Das Interesse an den Geschehnissen in der 2. Liga wird dabei aktuell nur von einigen deutlich größeren Sportereignissen überlagert. Aber auch die 2. Liga generiert im Durchschnitt ja immer noch Wachstum. Gerade eben hier in Deutschland. Und es ist ja auch nicht so, dass Sport die Leute grundsätzlich nicht mehr unterhalten können würde, dessen überdrüssig wären. Ganz im Gegenteil!
Die Problematik hier ist: Die 'Großen' wachsen und wachsen, zum Leidwesen der kleineren Sportarten und Ligen. Es ist im Profisport hierzulande inzwischen nur ähnlich wie auch im Rest der Gesellschaft… Viele Sportarten und Ligen werden hierzulande inzwischen so regelrecht immer weiter an den Rand gedrückt. Das ändert aber grundsätzlich nichts an meiner Aussage aus dem Text, dass ich dem Zweitligafußball insgesamt eine höhere Anerkennung und Beachtung wünschen würde. Denn das angebotene Produkt ist dort erfreulich attraktiv und auch sehr unterhaltsam. Gerade eben auch im Vergleich zu den leider sehr häufig nur von Taktik und Langeweile geprägten EM-Spielen. Und diese eher öden EM-Spiele hatten im Fernsehen wahre Rekordeinschaltquoten. Ist also nicht so, dass diese Sportart, trotz ihrer vielen bedenklichen Entwicklungen, die Leute nicht (mehr) interessieren würde. Nur wird die Streuung dabei immer geringer. Im Klartext: Bayern und der BVB dominieren, erwirtschaften auch aktuell immer neue Rekordumsätze, zu dem unterklassigen Amateurclubs geht am Ende dann irgendwann aber kaum noch jemand. Eine Entwicklung, die durch die Ausweitung der Profispielpläne auf inzwischen nahezu alle Wochentage auch noch beschleunigt wird….

Kommentar verfassen