Ruhrgebiet: Wenn der Kreis Wesel gehen will, soll er gehen

Breit und flach - so mag man es im Kreis Wesel.
Breit und flach – so mag man es im Kreis Wesel.


Nach einem Beschluss des Kreistags wird nun über den Austritt des Kreises Wesel aus dem Ruhrgebiet verhandelt.
Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP hat der Kreis Wesel beschlossen, über den Austritt aus Regionalverband Ruhr (RVR) zu verhandeln. Ob der Kreis am Ende austritt wird man sehen, wenn alle Zahlen und die Bedingungen  auf dem Tisch liegen. Neu ist die Diskussion nicht, befeuert wird sie diesmal durch die zur Zeit im Landtag diskutierte Novelle des RVR-Gesetzes, das künftig eines Austritt aus dem RVR unmöglich machen wird.

Reisende soll man ziehen lassen. Der RVR unterhält im Kreis Wesel zahlreiche teure Einrichtungen wie die Xantener Nord- und Südsee und investiert viel in Wälder und Naturschutzgebiete. 3,7 Millionen zahlt der Kreis als Umlage an den RVR – es könnte gut sein, dass die Kostend es Ausstiegs höher sein werden.

Aber das ist egal. Das Ruhrgebiet kann nur funktionieren, wenn die Städte und Kreise die in ihm Mitglied sind, auch bereit sind, sich für das Ganze zu engagieren. Wenn der Kreis Wesel glaubt künftig als die langweilige, flache Gegend zwischen Duisburg und Holland besser dar zu stehen, sollte man ihm keine Steine in den weg legen – allerdings auch keinen Cent mehr zugestehen, als nötig ist. Von mir aus kann der RVR seine Wälder im Falle eines Austritts auch an chinesische Essstäbchenproduzenten verkaufen und abholzen lassen. Das ist dann alles eine Frage von Zahlen. Wenn es sich lohnt habe, ich nichts gegen Gericht 26 mit Weseler Stäbchen.

Sicher, es ist nicht attraktiv zum Ruhrgebiet zu gehören, dem Armenhaus Westdeutschlands. Aber im Nichts zwischen Duisburg und Holland zu versinken ist sicher keine prickelnde Alternative.

Anstatt um den Kreise Wesel zu kämpfen, muss das Ruhrgebiet daran arbeiten, wirtschaftliche nach vorn zu kommen. Dabei spielt der Kreis Wesel ohnehin keine wichtige Rolle.

17 Kommentare

Nichts zwischen Duisburg und Holland?
http://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_%28Region%29
“Gelegentlich wird die Region Niederrhein definiert durch das, was sie nicht ist.”
Nicht aufregend, aber m.E. immer noch besser als das Ruhrgebiet. Das sich als Region durch das definiert, was es nicht mehr ist, nämlich das Zentrum von Bergbau und Schwerindustrie. Da sich das seit Jahrzehnten nicht ändert, ist gut nachvollziehbar, warum manche in dem Klub nicht mehr mitmachen wollen. Wenn der Kreis Wesel nach 10 Jahren besser dasteht als heute, das Ruhrgebiet aber noch schlechter, dann überlegen es sich vielleicht auch andere.

Der RVR in seinen heutigen Grenzen ist eine Verhinderungsmaßnahme für eine Ruhrstadt als wahre Metropole. Ein Gebilde von Alpen bis Breckerfeld wäre absolut eher ein XXL-Landkreis – die Bevölkerungsdichte entspräche nur dem doppelten von NRW, nicht einmal ein Drittel von Berlin.
Sinnvoll wären die kreisfreien Städte entlang A40 und A42 und die größeren naheliegenden kreisangehörigen. Also ohne Hamm und Hagen, aus den Kreisen mehr als die Hälfte der Bevölkerung, weniger als die Hälfte der Fläche.

Warum schafft man nicht den RVR ab und macht eine große Ruhrstadt daraus, ein Berlin des Westens? Drei Bezirksregierungen Rheinland, Westfalen, Ruhrstadt, fertig ist der Lack. Aber dazu bräuchte es andere Politiker, die nicht die üppige Postenversorgung ihrer Parteigenossen an die erste Stelle setzen, sondern ehrlich sparen wollen.

Der Kreis Wesel besteht aus vielen kleineren Gemeinden, bzw. Städtchen. Für die jeweiligen Bewohner sind die politischen Strukturen einschließlich Verwaltung deutlich transparenter, als für die Bewohner der Großstädte des Ruhrgebiets.
Das ist nun einmal Fakt. Und solche Transparenz wäre für die größeren Städte wünschenswert.
Diese Einschätzung sagt natürlich nichts darüber aus, ob der Kreis Wesel insgesamt vom Regionalverband Ruhr profitiert oder nicht. Das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. Aber der Austritt Wesels könnte Beispiel machen, wenn es so käme, wie @Hermes (1) schreibt: “Wenn der Kreis Wesel nach 10 Jahren besser dasteht als heute, das Ruhrgebiet aber noch schlechter, dann überlegen es sich vielleicht auch andere.”
Und dann?
Ich habe übrigens schon länger die Idee vertreten, daß der Kern des Ruhrgebiets zu einer zentralen Ruhrstadt zusammengelegt werden sollte, die jetzigen Rathausverwaltungen in einer dieser Städte zentriert werden, und die jetzigen Bezirke innerhalb dieser neuen Großstadt deutlich mehr Eigenverwaltungsrechte bekommen sollten. Dann wäre die Politik und Verwaltung auch hier transparenter als jetzt, und ich würde mich nicht wundern, wenn die Bewohner sich dann mehr mit ihrem Umfeld identifizieren.

Meiner Meinung nach gehört Wesel sowieso nicht zum Ruhrgebiet. Ist doch besser, sie sehen das von sich aus ein. Das gleiche gilt für Hamm und Hagen.

Solche zynischen, nichtssagenden Texte vermiesen mir immer öfter euren Webauftritt.
Zusammenfassend: “Mit scheißegal was mitm Kreis Wesel passiert; Deckel drauf und zukacken!”
Übrigens sagen die Düsseldorfer das Gleiche übers Ruhrgebiet, aber egal.
Der Kreis Wesel würde also nicht zum Ruhrgebiet gehören, wie der Text und eine Vorposter propagieren? Dann unterstelle ich euch einfach mal ein grosses Nichtwissen.
In Kamp-Lintfort stand die förderstärkste Zeche Deutschlands (Friedrich-Heinrich), die zu den letzten 3 aktiven Zechen zählte. Sowohl in Moers als auch in Neukirchen-Vluyn gab es weitere Zechen.
Die unmittelbare Nähe zu Europas größter Stahlproduktion in DU-Beeck und Rheinhausen (Linksrheinisch!) bedingt, das jede Menge der dort Beschäftigten im Kreis Wesel wohnen.
Der Logport Duisburg (immerhin Europas größter Binnenhafen) übernimmt das alte Zechengelände in Kamp-Lintfort und erweitert damit seinen Logistik-Bereich.
Nur mal so als Beispiel. Man könnte also die ein oder andere Verbindung zum “Ruhrgebiet” (was ist das eigentlich?) herstellen.
Der eigentlichen Frage, WARUM der Kreis aus dem RVR austritt wird nicht nachgegangen und stattdessen polemisiert. Da kann ich auch Focus online lesen…

Ich rege an, daß die seitens des Landes beabsichtigte rechtliche Neuverfassung des RVR genutzt wird, um allen seinen Mitgliedern -den Kreisen, den kreisangehörigen Städte-Gelegenheit zu geben, darüber zu beraten und darüber zu entscheiden, ob sie Mitglied des RVR bleiben wollen.

Das würde dazu beitragen, daß der RVR, seine Aufgaben, seine Ziele ‘mal wieder -oder erstmalig?- in den Kreisen und Städten Gegenstand einer öffentlichen Diskussion würden.

Ich kann nach meinen Erfahrungen davon ausgehen, daß nicht nur die große Mehrheit der Bevölkerung im Revier nichts vom bzw. nichts über den RVR weiß, sondern auch sehr viele Kommunalpolitiker nur minimale Kenntnisse über den RVR besitzen.

Es könnte also für Alle gut sein, für den RVR, für seine Mitglieder, für die Bürger im Revier, für die örtliche, die regionale politische Debattenkultur darüberhinaus auch mit Blick auf eine mögliche “Metropol-Stadt Ruhr” – wer soll dazu gehören, welche Aufgaben sollte die Metropol-Stadt-Ruhr haben, wie sollte sie organisiert sein?

@Walter
“Ich kann nach meinen Erfahrungen davon ausgehen, daß nicht nur die große Mehrheit der Bevölkerung im Revier nichts vom bzw. nichts über den RVR weiß, sondern auch sehr viele Kommunalpolitiker nur minimale Kenntnisse über den RVR besitzen.”
Geht mir ähnlich, wogegen ich vom Kreis Wesel durchaus Kenntnis habe.
Der Regionalverband Ruhr, das ist die Anonymität, die uns anstelle konkreter Politik verkauft wird.
Wozu ist der gut? Und was sind das für Leute, die da was machen?

@ Oliver Krämer # 7

Für das alte Ruhrgebiet war der Rhein keine räumliche Zäsur, da haben sie recht, Oliver. Aber für die Zukunft gilt das nicht mehr, und genau deswegen fühlt sich der Kreis Wesel immer weniger zum RVR zugehörig. Aber er ist es auch regionalwirtschaftlich und sozialgeographisch immer weniger, so dass er sich einen eigenen niederrheinischen Weg zu gehen traut. Dagegen kann Niemand etwas haben. Auch das rechtsrheinisch verbleibende Ruhrgebiet nicht.

Ansonsten siehe: http://www.initiative-ruhrstadt.de/uploads/File/Zukunft_der_Ruhrstadt_die_letzte.pdf

Stefan, wenn Sie mal wieder Lust auf richtig frische Luft haben, sind Sie bei uns am Niederrhein herzlich willkommen. Wie, frische Luft gibts auch im Ruhrgebiet? Tschuldigung, muss ein altes Ressentiment sein. So wie das, es gibt am Niederrhein nichts als plattes Land mit ein paar Wäldern. Grüße aus Alpen

Die Verkleinerung der Fantasie vom Großruhrgebiet ist doch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Neu-Ausrichtung der Entwicklungslinien kann der erste Impuls zu einer grundlegenden Veränderung sein. Dazu noch mehr interner Wettbewerb und Profilierung statt Einheitsbrei (Industriehistorie) und die Region hätte eine (geringe) Chance.
Manchmal ist die nostalgische Fixierung auf die Vergangenheit das größte Hemmnis für eine tragfähige Zukunft.

Sinnvolle Zusammenarbeit etc. Ist auch ohne weitere Ebenen möglich.
Wir haben auch von der föderalen Struktur Deutschlands profitiert und lassen nicht alles von einer Zentralregierung entscheiden.
Politik und Entscheidungen werden eher bürgernäher mit Volksentscheide etc.
was soll also eine weitere Entscheidungsebene?
Das Ruhrgebiet kann auch heute schon im Marketing etc. als Region wahrgenommen . MAn muss es nur wollen.

8-Helmut,
es könnte ja “lehrreich sein”, mal den einen oder den anderen Komm.politiker bei einem Zufallstreffen zu fragen, welche Aufaben der RVR zur Zeit wahrnimmt, was seine wichtigsten Organe sind, wie zur Zeit die Mitglieder des sog.Ruhrparlamentes gewählt werden. Wie schon gesagt und von Dir ergänzt, werden die meisten der befragten Komm.politiker ” passen müssen”.

Deshalb, aber auch aufgrund der bisherigen Disk.beiträge zur Zukunft der komm./regionalen Vefaßheit des Ruhrgebietes jetzt aus konkretem Anlaß und seit Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen hier bei den Ruhrbaronen wiederhole ich meine Anregung, über den RVR, über seine Aufgaben, seine Organe und letztlich über die Frage der Mitgliedschaft von Kreisen und kreisfreien Städten eine öffentliche Diskussion in jedem Kreis (einschl.der kreisangehörigen Komm.) und in jeder kreisfreien Stadt zu führen, und zwar nicht nur im Rat, sondern, wie auch immer organisiert, in der gesamten Bürgerschaft.

Aber……
angesichts der (partei-)politischen Kultur im Revier und angesichts einer politisch “trägen Zivilgesellschaft” wird mit Sicherheit gar nicht daüber nachgedacht, ob man und wie man den kommunalen Zweckverband RVR den Bürgern näher bringen bzw. die Bürger dem RVR näher bringen klönnte bzw. näher bringen sollte.
“Man hat andere Sorgen”, das ist die sattsam bekannte, übliche Reaktion im Revier -nicht nur bei Politik und Adminstration-, wenn etwas angeregt wird, was nicht zu den seit ca. 7o Jahren geübten Ritualen paßt, sehr wohl aber zutun hat mit einem zeitgemäßen Miteinander von Bürgerschaft, Poltik und Adminstration, getragen von den Prinzipien: Transparenz, Beteiligung, Rechenschaft.

Uns bleibt nichts Anderes, als das Forum Ruhrbarone zu nutzen, Meinungen vorzutragen und darüber zu diskutieren.

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