Ruhrgebiet und Rheinland – was der Herr getrennt hat, soll der Mensch nicht fügen

Ruhrgebiet und Rheinland - was der Herr getrennt hat, soll der Mensch nicht fügen

Die Industrie- und Handelskammern des Rheinlands wollen mit dem Ruhrgebiet nichts mehr zu tun haben und setzen sich für eine “Metropolregion Rheinland” ein. Blöder Name, richtiger Weg.

Was hat Düsseldorf mit Duisburg zu tun? Ausser der Nachbarschaft nichts. Und es ist vernünftig, wenn sich nun Düsseldorf und Köln samt ihrer Vororte wie Leverkusen, Bonn oder Wuppertal zusammenschließen, um sich künftig gemeinsam zu vermarkten oder Aufgaben zusammen zu bewältigen. Das sind zumindest die Pläne der Kammern der Region, wie das Bundesstadt-Blog berichtet. Sie sind nicht neu, aber sie werden nun konkreter. Noch gibt es eine Metropolregion Rhein-Ruhr. Sie existiert nur auf dem Papier. Gelebt wird sie nicht.

Eine enge Kooperation der beiden rheinischen Großstädte mit ihrem Umland erhöht zudem die Trennschärfe: Duisburg soll nicht zum neuen rheinischen Bund gehören. Und  der Kreis Wesel wurde noch nicht einmal gefragt. Warum auch? Beide gehören zum Ruhrgebiet und sollten sich allmählich von der Lebenslüge verabschieden, sie hätten mehr mit Köln als mit Dortmund gemeinsam. Sie gehören zum westlichen Ruhrgebiet und durch das fließt nun einmal der Rhein. Die Ruhr fließt auch durch Winterberg, ohne dass der Ort damit zum Ruhrgebiet gehört.

Und noch einen Vorteil sehe ich in der engen Kooperation des Rheinlandes: Wenn sich erfolgreiche Städte dieser Region zusammenschließen, steigt der Konkurrenzdruck auf das Ruhrgebiet. Und diese noch immer verschlafene Region kann Druck gut gebrauchen.  Nur auf den peinlichen Metropolennamen sollte das Rheinland verzichten. Es gibt doch schon einen schönen und weltweit bekannten Namen: Köln! Auf gute Nachbarschaft!

17 Kommentare

Ist das ein Bild von dem Rüttgers-Auftritt, auf dem er den eigens neu getexteten Gassenhauer “Wir sind so gerne hier in Nordrhein-Westfalen” zum Besten gegeben hat? Unvergessen bizarr.

Eine kleine Korrektur aber:
Kleve wurde anfangs von den Initiatoren nicht ausgeschlossen sondern einfach in die zukünftige Metropolregion einbezogen, ohne vorher zu fragen ob die überhaupt mitmachen wollen, was gar nicht der Fall ist – darauf bezog sich die Überschrift im NRZ-Artikel (Duisburg darf allerdings wirklich nicht, obwohl die gerne wollen würden). Dem Anschein nach hat die Initiative Rheinland mittlerweile auf das klevische Desinteresse reagiert: in der Anzeige (Bild in meinem Eintrag: http://bit.ly/oFqIbq) gehören der Kreis Kleve und der ursprünglich ebenfalls eingeplante Kreis Wesel nicht mehr zur Metroregion dazu.

Soweit ich das sehe, gibts ja “nur” die “Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg · Wesel · Kleve zu Duisburg”, oder kurz: Niederrhein. Ein Split wäre daher ohnehin nicht sinnvoll gewesen.

Irgendwie bleibt das alles künstlich.

Die “Metropolregionen” sind eher in Verteilungskämpfe verwickelt. Schade. Gibt es doch viele Möglichkeiten, gemeinsam viel zu erreichen.

Einen schönen Weg, dachte ich, würde die Via Verkehrsgesellschaft gehen. Nur genau da ist zu beobachten das vielleicht operative Bereiche zusammengelegt werden, aber es statt drei Vorständen nun plötzlich vier gibt. Hurra! 🙁

Nunja, dann gibts jetzt halt eine Metropolregion halt zwei. Wenns hilft… aber ändert sich jetzt was?

Duisburg ist Rheinland. Das mag man aus politischen Gruenden ablehnen, geografisch, tektonisch und sprachlich beginnt das Ruhrgebiet irgendwo bei Essen….. Dass, was ea nicht gibt, ist das Rheinland. Das ist ein Kunstgebilde… und hat schon mal gar nix mit Wuppertal zu tun. Als Metropolenregion wuerde ich das weniger sehen – oder wer war schon mal in Kamp-Lindfort? 🙂

@Mao: Das Rheinland hat abgestimmt: Die wollen Euch nicht. Das kennst Du doch aus Kinderzeiten: Apache wird man auch nicht, weil man eine Feder im Haar hat un “Huhuhuhuhu” ruft. Wenn die Apachen einen nicht wollen, ist man draußen 🙂

@Mao: Ich komme ja ursprünglich aus Krefeld und für mich beginnt das Ruhrgebiet definitiv an den Rheinbrücken. Und ich kenne bei uns da keinen, der das anders sieht 😉

Für meine Freundin komme ich aus dem “Ruhrpott”, was eigentlich schon eine unglaubliche Differenzierung darstellt, da man in Hamburg die Welt an der Elbe trennt: südlich liegt Süddeutschland, nördlich ist das einzig nennenswerte Hamburg.

@Thomas: ich mag ja diese groben Einteilungen: Östlich der Elbe beginnt die Taiga ist auch schön 🙂

Ich habe mich schon immer gefragt, wer für Duisburg diesen dösigen Slogan “Die Stadt am Rhein” erfunden hat. Als ob Duisburg damit auf einmal so touristisch sehenswert würde wie Koblenz oder Linz oder dergleichen…

Natürlich gehört Duisburg zum Ruhrgebiet, und alle die ich kenne (und auch und gerade die, die nicht hier wohnen) sehen das genauso bzw. ordnen Duisburg genau so ein.

Was den Duisburger Slogan angeht, als kostenloser Tipp für’s hiesige Fremdenverkehrsamt 😉 Ein Alleinstellungsmerkmal wäre: Die Stadt an Rhein und Ruhr. Das ist nur Duisburg ganz allein. Und das Fleckchen, wo die Ruhr in den Rhein mündet ist sogar ein ganz nettes. Macht doch daraus mal was. Und nicht so blöde Tassen mit Herzchen und I love und so. ÖDE!

Rein geografisch gemeint. Bevor Grenzen vom Ruhrgebiet gemacht wurden, wurde nach Rheinland, Westfalen und Niederrhein verortet. In Dusiburger Geschichtsbücher gibt es LIeder auf Platt die Duisburg als niederrheinisch besingt.

Der Rhein ist/war für Duisburg gewichtig, weniger die Ruhr.

@Mir,
ich freue mich, Ihnen mal uneingeschränkt beipflichten zu können. Uneingeschränkt.
Duisburg hat eine andere Geschichte als Bottrop oder Gesenkirchen.
Duisburg gehörte in der Karolingerzeit und Merowingerzeit zum Frankenreich, und wurde über 500 Jahre von Paris aus verwaltet. Die Grenze zum Sachsenreich war immer Kriegsschauplatz, bis Karl der Große Sachsen eroberte.
Dessen Enkel teilten sich das große Land und Duisburg gehörte zunächst zum Mittelreich von Karls Enkel Lothar, bis der besiegt wurde. Danach kam duisburg als Beute ins “ostfränkische Reich”, aus dem später Deutschland wurde.
Also Duisburg war, was Deutschland betrifft, im Gegensatz zu Berlin, von Anfang an dabei, aber unterschied sich in der Sprache bis zur Industrialisierung von den meisten anderen Städten an der Ruhr.
Erst die Zuwanderer der Industialisierungszeit, die zu Hundertausenden aus allen Teilen Europas kamen, und die ursprünglichen Bewohner zahlenmäßig weit übertrafen, machten die Stadt mit den anderen Ruhrstädten gleich.
Die Ureinwohner wurden assimiliert, und ihre Sprache ist verschwunden.
Wir sprechen heute alle Ruhrdeutsch.
Keiner der heute hier lebenden Menschen könnte von sich sagen, dass er ohne Genbeimischung durch Zuwanderer rein Duisburger Ahnen hätte.
Wenn also die Geschichte gemeint wäre, dann ist Duisburg Rheinland.
wenn die heute hier lebenden Menschen gemeint ist, dann ist Duisburg Osteuropa.
Ich denke, das merken die Rheinländer schon, dass wir anders sind.

@Mir und Helmut Junge:
Ihr habt historisch gesehen selbstverständlich recht.

Duisburg gehört natürlich zum Niederrhein. Und natürlich zum Ruhrgebiet.

Effektiv wurden die Verbindungen (physisch und zwischenmenschlich) zwischen den Rheinseiten nie wirklich enger als zwischen Nachbarstädten. Deswegen spreche ich nun mal anstatt der rechten und linken Rheinseite eher die geografischen Seiten.
Auf der “Niederrheinischen Seite” kommt man leichter nach Moers, als in die duisburger Innenstadt. Umgekehrt sind die Leute die auf der “Ruhrgebietsseite” aufgewachsen sind, automatisch eher nach Essen oder Dortmund orientiert.

Aus politischen Gründen wurde das heutige Duisburg geformt, ohne sich Gedanken zu machen wie man sich orientieren möchte. So gibt es nicht eine Duisburger Identität nach innen hin (Homberg vs. Rheinhausen vs. Walsum vs. Duisburg…..) und daraus folgens auch keine Orientierung nach aussen hin.

Mangels unterschiedlichen eigenen Heimaten 😉 kann ich nicht abschätzen, ob das auch in anderen Städten so ist. Aber ich würde sagen, dass es eine recht einmalige Lage ist.

@Zersenser (13),

ich glaube, es wird alles besser.
Es soll in jüngster Zeit, wenn auch noch vereinzelt, sogar schon zu Eheschließungen zwischen Anwohnern verschiedener Rheinseiten gekommen sein.
Ob das gut geht, weiß ich allerdings nicht.

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